Musik

Malcolm Young, ganz links, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Bild: AP/PA

Malcolm Young ist tot: «Geht einfach raus und macht Musik, noch einmal, nur für mich»

Hardrock-Klassiker wie «Highway to Hell» wären ohne ihn undenkbar gewesen. Der Gründer, Songwriter und ehemalige Gitarrist der Kultband AC/DC starb im Alter von 64 Jahren.

18.11.17, 17:40 18.11.17, 17:55

Normalerweise gilt der Rhythmusgitarrist als der Typ am dunklen Ende der Bühne, der niemals was sagt, in Interviews langweilt und nur dazu da ist, dem Leadgitarristen die Vorlage fürs nächste fetzige Solo zu liefern. Doch dieses Bild würde Malcolm Young und seiner Rolle als Gründer und musikalischem Anker der Hardrockband AC/DC niemals gerecht werden.

Bevor er die Band 2014 nach 41 Jahren wegen einer Demenzerkrankung verlassen musste, gab er AC/DCs unerbittlichen Herzschlag und ihre eiserne Wucht vor. Er gilt als einer der besten Rhythmusgitarristen der Welt und hat Dutzende von berühmten Hardrockern wie James Hetfield von Metallica und Izzy Stradlin (Guns N' Roses) beeinflusst.

Er starb nach Angaben der Band im Alter von 64 Jahren in Australien. Der Musiker und Songwriter hinterlässt seine Ehefrau Linda und zwei Kinder.

Mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Angus gründete er 1973 die legendäre Hardrockband AC/DC in Sydney, Australien. Eigentlich war Malcolm am 6. Januar 1953 im schottischen Glasgow geboren worden, doch die Familie wanderte aus, als er zehn war.

Der Rest ist Geschichte

Der junge Malcolm bekam 1963 seine legendäre Gretsch Jet Firebird-Gitarre geschenkt, und der Rest ist Geschichte. AC/DC («Highway to Hell») verkauften mehr als 200 Millionen Platten weltweit und die Kritiker streiten sich nur noch, auf welchem der vorderen Plätze sie auf den diversen Listen stehen: Von Greatest Hard Rock Artists über Greatest Heavy Metal Bands bis hin zu Greatest Artists of All Time.

«Herzschrittmacher. Saugut, Kumpel.»

Malcolm Young

Gesundheitlich ging es Malcolm Young schon seit langem nicht gut; erst wurde er erfolgreich wegen Lungenkrebs behandelt, dann war es das Herz. Sänger Brian Johnson beschrieb, wie Malcolm seine Hand nahm und sich immer wieder auf die Brust schlug, um ihm sein neues Spielzeug zu demonstrieren: «‹Herzschrittmacher. Saugut, Kumpel.› – Wir haben uns vor Angst fast in die Hose gemacht», erzählt er.

Im April 2014 gab die Band bekannt, dass Malcolm nur eine Pause aufgrund seines Gesundheitszustandes machen und AC/DC das Album «Rock or Bust» ohne ihn aufnehmen würde.

Gerüchte gab es schon länger, doch erst einige Monate später vertraute Angus Young dem Musikmagazin «Rolling Stone» an, dass sein zwei Jahre älterer Bruder schon vor dem 2008er AC/DC-Album «Black Ice» an Gedächtnislücken und Konzentrationsschwäche gelitten hatte.

«Scheisse, ja.»

Malcolm Young

«Ich fragte ihn: ‹Hältst Du das durch, was wir hier machen?› Und er sagte ‹Scheisse, ja.›» Angus beschrieb, wie Malcolm gerne beendete, was er angefangen hatte.

Viele Dinge wieder gelernt

Obwohl der legendäre Gitarrist viele Dinge wieder neu lernen musste – einschliesslich Riffs, die er selbst für AC/DCs erfolgreichste Songs erfunden hatte. «Was für ihn sehr seltsam war. Aber er war immer ein zuversichtlicher Kerl, und wir haben es geschafft.»

«Geht einfach raus und macht Musik, Jungs, noch einmal, nur für mich.»

Malcolm Young

Im Herbst 2014 wurde klar, dass Malcolm nicht auf die Bühne zurückkehren würde – da wurde er schon in einem australischen Pflegeheim behandelt. Bei der Aufnahme von «Rock or Bust» und auf der folgenden Welttournee wurde er von seinem Neffen Stevie Young ersetzt, der 1988 für ihn eingesprungen war, als er eine alkoholbedingte Pause einlegte.

Die Demenz-Diagnose traf die Band schwer, sagte Sänger Brian Johnson der britischen Zeitung «Telegraph», doch es war klar, dass AC/DC weiter auf der Bühne stehen würde: «Bevor ihn die Demenz wirklich mitgenommen hatte, meinte er zu uns: ‹Geht einfach raus und macht Musik, Jungs, noch einmal, nur für mich›.» (sda/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Emanzipator 18.11.2017 23:55
    Highlight Fats, Chester, Chuck, Lemmy, David, Leonard, Malcom...

    Ach, es wird immer leiser auf der Erde... 😪
    8 3 Melden
  • oliversum 18.11.2017 23:53
    Highlight Wirrer Artikel. Ist seine Demenz nun alkoholbedingt?
    1 14 Melden
  • Spi 18.11.2017 23:07
    Highlight Ich hatte das Glück AC/DC 2010 in Bern live zu erleben und war, als Bassist, von dem absolut ultimativ perfekten Dampfhammer-Groove restlos angetan. Da können Angus und Brian noch lange die Hampelmänner spielen, AC/DC's wahre Qualität war und hoffentlich bleibt die Rhythm-Section.
    Malcom, go a ring the hell's bells!!!
    6 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 18.11.2017 21:51
    Highlight Malcolm Young

    Damals, im Dezemberschnee auf dem Mofa: Zeitungvertragen.

    Deine Gitarre im Ohr. Die Kälte konnte mir nichts.

    Thunder!
    16 1 Melden
  • malu 64 18.11.2017 20:13
    Highlight Rock die Hölle !
    15 1 Melden
  • elmono 18.11.2017 19:32
    Highlight Kann nichts mit der Musik anfangen und ist auch gar nicht meine Alterklasse. Dennoch bewundere ich all die alten Rockstars. Die Typen waren noch real und haben richtig gelebt.
    23 2 Melden
  • Sanchez 18.11.2017 19:04
    Highlight Mit euch wuchs ich auf. Für immer werdet Ihr „meine“ Band sein!
    Nun, lieber Malcolm, bist du wieder mit Bon Scott vereint. Ride on guys ✌🏻
    24 1 Melden
  • SuicidalSheep 18.11.2017 18:19
    Highlight Ein Held meiner Jugend und eine andauernde Inspirstion... Möge er in frieden Ruhen 🤘
    55 1 Melden
  • Calvin WatsOff 18.11.2017 18:01
    Highlight Ein schöner Artikel.

    Danke und gute Reise Malcolm 😔
    79 1 Melden

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