Naher Osten
epa04365293 Smoke rises after Israeli warplanes targeted Al Zafir tower in Gaza City, 23 August 2014. Several Palestinians were killed on 23 August in more than a dozen Israeli airstrikes on the Gaza Strip and militants fired rockets and mortars into southern Israel, as the Palestinian president said peace negotiations must resume soon. Palestinian medics said that five members of the same family were killed in the Israeli strikes.  EPA/MOHAMMED SABER

Der Al-Zafir-Turm in Gaza City wurde komplett zerstört. Bild: MOHAMMED SABER/EPA/KEYSTONE

Nahost

Israel intensiviert Angriffe auf Gaza – Luftwaffe ebnet 13-stöckiges Hochhaus ein

23.08.14, 22:04 24.08.14, 16:39

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein 13-stöckiges Wohnhaus in Gaza sind am Samstag 17 Menschen verletzt worden. Das teilten die israelische Armee und Mediziner in Gaza mit. Ein israelischer Militärsprecher sagte, das Gebäude sei von Kämpfern der radikalislamischen Hamas als Kommandozentrale genutzt worden. Es sei durch den Beschuss komplett zerstört worden. Anwohner sagten, in dem Gebäude hätten 44 Familien gelebt. 

Bild: MOHAMMED SABER/EPA/KEYSTONE

Nach dem Tod eines vierjährigen Kindes durch einen palästinensischen Granatenangriff hatte die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Gazastreifen bombardiert. Israel hat die Gaza-Bevölkerung am Samstag vor neuen, harten Angriffen auf das Palästinensergebiet gewarnt. Die Armee warf dort Flugblätter ab, in denen sie die Bewohner aufrief, sich von Orten fernzuhalten, an denen militante Palästinenser Raketen abschiessen. Dies geschehe «im Licht bevorstehender Angriffe», schrieb die israelische Armee auf Twitter. Jedes Haus, das Ausgangspunkt militärischer Aktionen sei, würde attackiert und getroffen, hiess es in den abgeworfenen Hinweisen. 

Die Explosion hat das Hochhaus komplett zerstört. Bild: Adel Hana/AP/KEYSTONE

«Wir müssen angreifen und es ist noch viel zu tun.»

Izchak Aharonovich, Israels Minister für Innere Sicherheit gemäss «ynet»

Izchak Aharonovich, Minister für Innere Sicherheit, riet den Bewohnern von Israels Grenzorten zum Gazastreifen nach Medienberichten, das Gebiet für einige Zeit zu verlassen. «Wir müssen angreifen und es ist noch viel zu tun», zitierte die Nachrichtenseite «ynet» den Minister. «Wir müssen Geduld haben.»

Neun Tote bei Luftangriffen

Am Samstag starben bei Luftangriffen im Gazastreifen neun Menschen, rund 70 Personen wurden verletzt, wie palästinensische Behörden mitteilten. Allein bei einem Angriff auf ein Wohnhaus unweit des Flüchtlingslagers Nusseirat wurden zwei Frauen, zwei Kinder und ein Mann getötet, die alle derselben Familie angehört hatten. Bei weiteren Angriffen wurden vier Palästinenser getötet. 

Die Armee nahm nach eigenen Angaben etwa Raketenabschussrampen und Waffenlager unter Beschuss. Bombardiert wurden auch drei Moscheen in Chan Junis und im Flüchtlingslager Schati.

Waffenruhe gescheitert

Im Gaza-Konflikt war eine befristete Waffenruhe noch vor ihrem Ablauf in der Nacht zum Mittwoch gescheitert, seitdem gibt es wieder gegenseitige Angriffe. Am Freitagnachmittag wurde ein vierjähriger israelischer Junge getötet, als ein aus dem Gazastreifen abgefeuertes Geschoss in der Nähe eines Kindergartens in Sdot Negev in Südisrael einschlug.

Israels Premier Benjamin Netanjahu. Bild: POOL/REUTERS

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte der Hamas daraufhin mit harten Vergeltungsangriffen. Die israelische Luftwaffe beschoss nach eigenen Angaben am Samstag 35 Ziele im Gazastreifen. 

Auch Israels Süden war unter Beschuss: Eine Armeesprecherin sagte, militante Palästinenser hätten bis zum Nachmittag rund 45 Raketen abgefeuert.

Über 2000 Tote

Die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser seit Beginn der israelischen Miltiäroffensive am 8. Juli stieg nach palästinensischen Angaben auf 2097. Mehr als 10'500 wurden verletzt. Die UNO schätzt den Anteil der zivilen Opfer auf 70 Prozent.

Die israelische Armee erklärte hingegen, bei 40 bis 50 Prozent der Getöteten handle es sich um «bewaffnete Kämpfer». Auf israelischer Seite gab es 68 Tote, darunter vier Zivilisten.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Bild: Amr Nabil/AP/KEYSTONE

Abbas fordert Ende der Kämpfe

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte ein Ende der Kämpfe. Die Konfliktparteien müssten sobald wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte Abbas bei einer Pressekonferenz in Kairo. Nur so könnten «mehr Blutvergiessen und Zerstörung verhindert werden».

Zuvor hatte sich Abbas mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi getroffen und am Vortag Gespräche mit Hamas-Chef Chaled Maschaal in Katar geführt.

Die jüngste Verhandlungsrunde war nach dem Scheitern der Waffenruhe abgebrochen worden. Israel zog seine Verhandlungsdelegation aus Kairo ab, auch die meisten palästinensischen Delegierten verliessen die ägyptische Hauptstadt. (sda/afp/dpa/reu)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 23.08.2014 22:14
    Highlight

    Der Nahostkonflikt wird auch nach Beendigung des gegenwärtigen Gazakrieges weitergehen. Nach dem "Sieg", den beide Seiten für sich reklamieren werden, dürften weitere Raketenangriffe auf Zivilisten in Israel folgen. Die aktuellen Konflikte in Nahost zeigen nur, wie ignorant die Kriegspolitik der Araber war, als man sich vor 50 Jahren für die Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzungen entschied, ohne einen Frieden und gleichberechtigte Zukunft für alle Menschen in dieser Region im Sinn zu haben.
    1 0 Melden

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