Naher Osten
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this file photo taken Wednesday, March 5, 2014, Al Jazeera journalist Peter Greste stands inside the defendants' cage in a courtroom during a trial on terror charges, along with several other defendants, in Cairo Egypt. An Egyptian court has convicted three journalists for Al-Jazeera English on Monday, June 23, 2014, including Greste, and sentenced them to seven years in prison each on terrorism-related charges.(AP Photo/Mohammed Abu Zaid, File)

Bild: Mohammed Abu Zaid/AP/KEYSTONE

Reporter in Ägypten verurteilt

Sieben Jahre, keine Beweise 

Der australische TV-Journalist bei Al Jazeera, Peter Greste, ist in Kairo zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Er kann auf weltweite Unterstützung hoffen - seine beiden arabischen Leidensgenossen nicht. 

Ulrike Putz / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Bei Lois und Juris Greste im australischen Brisbane lag am Montag französischer Champagner auf Eis: Die Eltern des in Kairo wegen der Unterstützung von Terroristen angeklagten TV-Reporters Peter Greste waren sich fast sicher, dass der bereits seit einem halben Jahr dauernde Prozess gegen ihren Sohn mit einem Freispruch enden würde. 

Der Vorwurf, Greste und zwei seiner ebenfalls für den panarabischen Fernsehsender Al Jazeera arbeitende Kollegen hätten nach der Machtübernahme der Generäle in Kairo die dortige Muslimbruderschaft unterstützt, schien gar zu hanebüchen, um der Prüfung eines unabhängigen Gerichts standzuhalten. 

Doch die Gerichte Ägyptens sind nicht unabhängig und so wurden Greste und der ägyptisch-kanadische Al-Jazeera-Bürochef in Kairo, Mohammed Fadel Fahmi, zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ihr ägyptischer TV-Produzent, Baher Mohammed bekam gar zehn Jahre. Zum Verhängnis geworden war ihm, dass er sich bei Filmaufnahmen nach einer Demonstration eine auf dem Boden liegende Patrone eingesteckt hatte. Sieben weitere Journalisten, gegen die in dem Prozess in Abwesenheit verhandelt worden war, wurden ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt. 

Al Jazeera journalist Peter Greste poses for a photograph in Kibati village, near Goma in the eastern Democratic Republic of Congo August 7, 2013. Three Al Jazeera journalists were jailed for seven years in Egypt on Monday after a court convicted them of helping a

Bild: THOMAS MUKOYA/REUTERS

Tumulte nach dem Urteilsspruch 

Im Gericht brach nach der Urteilsverkündung ein Tumult aus, die Verurteilten wie ihre Unterstützer schrien ihren Frust heraus. Im 14.000 Kilometer entfernten Brisbane waren Grestes Eltern erschüttert. "Wofür nur, wofür?", riefen sie immer wieder, berichtet die australische Zeitung "The Age". 

Grestes Verhängnis begann damit, dass er einer Kollegin einen Gefallen tun wollte: Damit die für Kairo zuständige Reporterin von Al Jazeera Weihnachten mit ihrer Familie feiern konnte, bot der eigentlich als Afrika-Korrespondent in Kenia stationierte 48-Jährige an, sie zu vertreten. 

Heiligabend skypte er noch mit seinen Eltern, sprach davon, dass das Klima für Journalisten in Ägypten immer unangenehmer werde. Er werde angefeindet, könne sich nicht mehr mit einem Notizbuch in der Hand auf die Straße wagen. Vier Tage später wurden er und seine beiden Kollegen, die aus ihren Zimmern in einem Kairoer Nobelhotel arbeiteten, dort verhaftet. 

Der Schauprozess hat Ägypten weltweit Negativschlagzeilen eingebracht. Die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise konnten den Vorwurf, die Männer hätten Muslimbrüder nicht nur interviewt, sondern aktiv unterstützt, nicht im Ansatz belegen. 

Al-Jazeera journalist Peter Greste looks out from the defendant's cage during the sentencing hearing for journalists working for Al-Jazeera in a courtroom in Cairo, Egypt, Monday, June 23, 2014. An Egyptian court on Monday convicted three journalists from Al-Jazeera English and sentenced them to seven years in prison each on terrorism-related charges, bringing widespread criticism that the verdict was a blow to freedom of expression. The three, Australian Peter Greste, Canadian-Egyptian Mohamed Fahmy and Egyptian Baher Mohammed, have been detained since December charged with supporting the Muslim Brotherhood, which has been declared a terrorist organization, and of fabricating footage to undermine Egypt's national security and make it appear the country was facing civil war. (AP Photo/Ahmed Abd El Latif, El Shorouk Newspaper)   EGYPT OUT

Bild: AP/El Shorouk Newspaper

Greste könnte bald freikommen 

Kaum ein Prozessbeobachter zweifelt daran, dass die australische Regierung alsbald großen Druck auf Ägypten ausüben wird: Greste könnte nach einer Schamfrist und vielleicht wegen eines gesichtswahrenden Vorwands - etwa medizinische Gründe - aus der Haft entlassen werden und nach Hause zurückkehren. 

Seine beiden ägyptischen Kollegen dagegen können mit Milde nicht rechnen: In Tränen aufgelöst verließ die Verlobte von Mohammed Fadel Fahmi den Saal. Auf ihre Hochzeit wird sie sehr lange warten müssen. Fahmis Bruder Adel sagte nach dem Urteilsspruch, der Richter habe gerade eine Familie zerstört. Die Chancen, dass die Generäle Fahmi und Mohammed vor Ablauf ihrer Gesamtstrafe laufen lassen werden, sind gering. 

Erst am Samstag hat ein Gericht in der ägyptischen Stadt Minja im größten Massenprozess der Geschichte des Landes 183 Todesurteile gegen Muslimbrüder bestätigt. Ihnen droht nun der Tod durch den Strang. 



Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Beide Seiten unter Beschuss

Israel setzt Angriffe auf Ziele im Gazastreifen unvermindert fort  – Bodenoffensive kommt in Frage

Die israelische Armee hat in der Nacht auf Montag ihre Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen fortgesetzt. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden bei einem Angriff mindestens zwei Menschen in dem Küstengebiet getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn des Konflikts zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensergruppen Anfang Juli auf mindestens 2122. 

Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, binnen 24 Stunden seien 65 Ziele im …

Artikel lesen
Link to Article