Nordkorea
In this image taken from video, U.S. citizen Jeffrey Edward Fowle speakd at an undisclosed location in North Korea Friday, Aug. 1, 2014. Two Americans, Fowle and Matthew Todd Miller, charged with “anti-state” crimes in North Korea say in a video that they expect to be tried soon and possibly receive long prison terms, and appeal for help from the U.S. government. They made the comments in the video shot by a local AP Television News crew. The crew was taken to a location to meet the detained Americans after repeated requests to North Korean authorities to see them. (AP Photo/APTN)

Jeffrey Fowle (Bild aus Video): «Bitte helft mir, zurück nach Hause zu kommen!» Bild: APTN

Nordkorea

Wie eine Bibel zur Festnahme eines US-Touristen führte

Jeffrey Fowle sitzt in Nordkorea im Gefängnis. Dem US-Amerikaner werden «Verbrechen gegen den Staat» vorgeworfen – offenbar, weil er im Besitz einer Bibel war. 

02.08.14, 13:55 03.08.14, 11:43

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US-Tourist Jeffrey Fowle wurde in Nordkorea festgenommen – weil er in einem Klub für ausländische Seeleute eine Bibel auf einer Toilette zurückgelassen haben soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Personen, die mit dem Fall vertraut sind. Mehrere Tage lang war Fowle Anfang Mai durch Nordkorea gereist. 

Der 56-Jährige aus Ohio war den Angaben zufolge am 4. Mai zu Gast im Restaurant des Klubs in Chongjin an der Ostküste des Landes. In die Bibel hatte er seinen Namen und seine Telefonnummer geschrieben, zwischen den Seiten steckten zudem Fotos von ihm und seiner Familie. Drei Tage später wurde Fowle am Flughafen von Pjöngjang verhaftet, als er das Land verlassen wollte. 

Ein Angestellter des Klubs soll zuvor die Bibel gefunden und die nordkoreanischen Behörden verständigt haben. Warum Fowle sie zurückgelassen hat, ist unklar. Er gilt in seiner Heimat zwar als regelmässiger Kirchgänger, nicht aber als überaus religiös oder gar missionarisch. 

«Bitte helft mir, zurück nach Hause zu kommen!»

Nordkorea wirft im «Verbrechen gegen den Staat» vor. Am Freitag wurde ein Video veröffentlicht, in dem ein handgeschriebener Brief Fowles zu sehen ist. Darin heisst es: «Bitte helft mir, zurück nach Hause zu kommen!» In dem Video wendet sich auch Matthew Miller an «die amerikanische Regierung sowie die Bevölkerung Amerikas und der Welt» und bitte um Hilfe, ihn «aus dieser Situation zu befreien». Der 24-Jährige war ebenfalls vor knapp drei Monaten in Nordkorea verhaftet worden. Miller soll laut nordkoreanischen Staatsmedien angeblich sein Touristenvisum zerrissen und politisches Asyl beantragt haben. 

Insgesamt befinden sich derzeit drei US-Bürger in nordkoreanischer Gewahrsam. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht den 45 Jahre alten Amerikaner Kenneth Bae wegen angeblicher Umsturzversuche zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt

Nach Darstellung Pjöngjangs handelt es sich bei Bae um einen militanten evangelikalen Christen, der die Nordkoreaner zum Sturz der Führung aufwiegeln wollte. US-Angaben zufolge war Bae als Reiseveranstalter tätig. 

In den vergangenen Jahren gerieten immer wieder ausländische Missionare in Nordkorea in Schwierigkeiten. Im März verwies Pjöngjang einen inhaftierten australischen Missionar des Landes. Ende Mai wurde ein Südkoreaner zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt – wegen angeblicher Spionage und staatsfeindlicher religiöser Umtriebe. Christen werden von dem Regime weltweit am stärksten verfolgt. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2013 hervor, den das christliche Hilfswerk Open Doors im vergangenen Jahr veröffentlichte. Allein der Besitz einer Bibel kann demnach die Todesstrafe zur Folge haben. (pma/wit/Reuters)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 02.08.2014 15:48
    Highlight Ist er einfach nur vergesslich oder doch einer der vielen nervenden missionierenden ami´s die den asia-raum heimsuchen. Ich hab ueberhaupt nichts gegen glaubende, irgend einen gott, doch das marketing nervt. Letzte woche hat eine sekte in Sao Paulo ihren mega-tempel eingeweiht, 10´000 plaetze, 200 mio usd alles fuer die naechstenliebe und gleich vor der tuere sind jene vor hunger und schlechter versorgung draufgehen. Am sonntag klingelts dann wieder an der tür, man sucht spenden für die armen. Derweil die pfaffen wie eh und je in sauss und braus leben.

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