Pakistan
Nine-month-old baby Musa Khan drinks milk from his bottle while being carried by his grandfather Muhammad Yasin as they leave after appearing in a court in Lahore April 12, 2014. A Pakistani judge threw out charges of attempted murder against the nine-month-old baby on Saturday, lawyers said, in a case that cast a spotlight on Pakistan's dysfunctional justice system. Khan appeared in court in the city of Lahore, sitting on his grandfather's lap and drinking from a bottle of milk. He and his adult relatives were charged this month with attempting to murder a policeman after his family clashed with police and gas company workers trying to collect overdue bills.   REUTERS/Mohsin Raza   (PAKISTAN - Tags: POLITICS CRIME LAW SOCIETY TPX IMAGES OF THE DAY)

Nicht mehr des versuchten Mordes verdächtigt: der neun Monate alte Mohammed Musa.  Bild: Reuters

Absurde Justiz

Neun Monate alter Junge ist doch kein Mörder

Die pakistanische Justiz kommt zur Besinnung: Ein Gericht hat den Vorwurf des versuchten Mordes gegen ein neun Monate altes Kind fallengelassen. 

12.04.14, 12:54 12.04.14, 14:04

Das Verfahren hatte das pakistanische Justizsystem der Lächerlichkeit preisgegeben: Die Strafverfolger der islamischen Republik hatten einen erst neun Monate alten Jungen des versuchten Mordes beschuldigt. Fotos gingen um die Welt, auf denen der kleine Mohammed Musa herzzerreissend schreit, während ihm im Gericht Fingerabdrücke genommen werden. 

Ein pakistanisches Gericht hat nun den Vorwurf des versuchten Mordes fallengelassen. Stattdessen will das Gericht nun untersuchen, wie die Polizei auf die Idee kam, das Kleinkind zu beschuldigen. 

Versuchte Steinigung?

Im Verfahren geht es um einen Vorfall vom 1. Februar in der pakistanischen Metropole Lahore nahe der Grenze zu Indien, bei dem Steine auf Mitarbeiter eines Gasunternehmens geworfen wurden, die mutmassliche Diebstähle untersuchten. Der Polizist, der am Ort des Geschehens war, schrieb später in seinem Bericht, es habe sich bei dem Zwischenfall um versuchten Mord gehandelt. 

Nach einer ersten Anhörung hatte das Gericht den Polizisten vom Dienst suspendiert. Allerdings liess es die Vorwürfe gegen das Kleinkind zunächst nicht fallen, sondern gewährte eine Freilassung auf Kaution. Seit dem vergangenen Jahr gilt die Strafmündigkeit in Pakistan erst ab dem zwölften Lebensjahr. (dhr/sda/afp)

Der kleine Angeklagte mit seinem Grossvater Muhammad Yasin und Anwälten vor Gericht.  Bild: Reuters

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Verprügeln Securitas in Kreuzlingen Flüchtlinge? – Zweifel an Undercover-Reportage aufgetaucht

Asylbewerber werden in einem Separatzimmer von der Securitas verprügelt, Minderjährige nicht betreut und Flüchtlinge gesetzeswidrig nach Deutschland weitergeleitet. Diese schweren Vorwürfe erhebt ein deutscher Undercover-Journalist in der «SonntagsZeitung», ohne den Anschuldigungen nachzugehen.  

Es ist starker Tobak, den der Deutsch-Pakistaner Shams Ul-Haq in der aktuellen Ausgabe der «SonntagsZeitung» beschreibt. Ul-Haq hat sich als pakistanischer Asylbewerber ins Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen eingeschleust und schwere Vorwürfe gegen die Securitas, das Staatsekretariat für Migration (SEM), die Asylorganisation Zürich und das Grenzwachtkorps erhoben:  

Die erhobenen Vorwürfe stammen meist nicht aus erster Hand. Andere, bezüglich untergetauchter Terroristen, die …

Artikel lesen