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anti-valentinstag

Das Rezept für erzürnte Liebesopfer: Die saftige Rache mit dem Phallus-Pilz  

Bild: Photocommunity

Es gibt viele Menschen, die Rache sehr verwerflich finden. Man kann sich aber durchaus stilvoll an seinem Hassobjekt rächen. Zum Beispiel mit einem garstigen Penis-Pilz. 

Geneigte Leserinnen

Falls Sie blindlings in eine Liebes-Katastrophe hineingepurzelt sind und jetzt da sitzen und denken: Ist dieser kümmerliche Krumen, der da zerstampft auf dem Boden liegt, eigentlich mein Ego? Wenn Ihnen das Herz so richtig zerrupft wurde, bis es Blut spritzte, wenn Sie anfangen, willkürlich Ampeln, Abfalleimer, schönere Velos als Ihr eigenes oder gar Passanten auf der Strasse zu treten, wenn Sie sich heillos in zwielichtigen Spelunken mit hartem Schnaps betrinken, dann ist es Zeit, Vergeltung zu üben. 

Da wir uns in heutiger Zeit weder befehden, noch duellieren, müssen wir natürlich auf perfidere Mittel zurückgreifen. Das Bedürfnis nach Rache ist schliesslich nicht verschwunden, nur weil wir durch die Jahrhunderte vernünftig und aufgeklärt wurden und uns ein Rechtsverständnis angeeignet haben, das Rache für die gekränkte Ehre nicht mehr als ordnungsstiftend begreift. Was soll man also tun, wenn weder Gott noch Recht unseren Rachedurst legitimiert? Genau. Wir machen es der Nostalgie wegen wie die Alten Römer und brauen ein schmackhaftes Pilzsüppchen.

Wenn die Leibspeise zum Tod führt – Der hinterhältige Mord an Kaiser Claudius 

Agippina die Jüngere war ein sehr machthungriges Frauenzimmer. Sie wollte unbedingt ihren Sohn Nero auf den römischen Kaiserthron hieven, weshalb sie im Jahre 49 ihren Onkel und amtierenden Imperator Claudius ehelichte und es mit sehr viel weiblicher List erreichte, ihn davon zu überzeugen, dass nicht sein eigener Sohn Britannicus, sondern ihr lieber Nero die Nachfolge antritt. Danach hatte sie keine Verwendung mehr für ihn und so bereitete sie ihm laut Tacitus ein mit Gift versetztes Pilzsüppchen zu, woran er dann elendiglich verendete.

Quelle: Tacitus, Annalen

Die fiese Stinkmorchel und ihre überdurchschnittlich hohe Eignung als Rache-Pilz 

Es gibt keinen optimaleren Rache-Pilz als den berüchtigten phallus impudicus. Zu Deutsch heisst das so viel wie unzüchtiger Penis. Und so sieht er auch aus. Die Pilzkenner nennen dieses unflätige Exemplar gemeine Stinkmorchel und er kommt – Obacht – aus der Familie der Stinkmorchelverwandten und gehört in die Ständerpilz-Abteilung. Wohin denn auch sonst. Stinkig wird er genannt, weil seine Fruchtmasse einen aasartigen Geruch verströmt. Das klingt nicht gerade einladend und ist es auch nicht. 

Was man aber tatsächlich davon essen und roh oder gebraten verzehren kann, nennt sich Hexenei. Wie schön, dass man auch hier – ohne mykologisch bewandert zu sein – versteht, wovon die Rede ist. Allerdings ist das Ei nur im ganz frühen Stadium geniessbar, also eigentlich dann, wenn noch gar kein Pilz zu sehen oder gar zu riechen ist, sondern eben nur das Ei da ist, aus dem dann später der Pilz herausschiesst. Dieses Ei nun befindet sich aber zu Anfang noch unter der Erde und hat die rachedurstige Leserin eigentlich nicht weiter zu interessieren. Wir wollen schliesslich alles, was der wunderliche Pilz zu bieten hat, für unseren Racheakt verwenden. Dieser Umstand erleichtert die Suche enorm, weil man einen derart liederlichen Rutenpilz nicht so schnell übersieht. 

«Da war ich am sammeln und dachte mir: Was stinkt hier so? Natürlich eine Stinkmorchel. In der Nähe waren auch einige Hexeneier, eines auch schon am schleimen.»

Quelle: Erfahrungsbericht eines Users auf pilzforum.de

wikipedia

Bild: Wikipedia

In den Pilzforen wimmelt es von forschen Pilzliebhabern, die es mit diesem Flegel aufnehmen wollten, aber vor dem sagenhaften Gestank kapitulieren mussten. Und manch einer schreit nach Hilfe, denn der Unzüchtige wächst auch ungefragt im heimischen Vorgarten. 

Also seien Sie mutig, liebe Leserinnen! Denken Sie an die erlittenen Demütigungen, ziehen Sie sich eine Gasmaske über und machen Sie sich auf, Nachbars Garten zu plündern! 

Sigmund Freuds Ödipuskomplex

Der berüchtigte Psychoanalytiker war der Ansicht, dass ein Knabe während seiner ödipalen Phase klammheimlich den Wunsch hegt, mit seiner Mutter zu schlafen. Der Junge fürchtet deshalb die Rache des Vaters, die natürlich in seiner Kastration bestünde. Dann hat der Kleine natürlich erstmal Angst. Schlimmste Kastrationsangt! Wenn ihm also sein Geschlechtsorgan lieb ist, muss er die sexuelle Befriedigung ausserhalb der Familie finden. Und so geht er raus in die Welt und findet eine passende Frau, die ihm wiederum einen Jungen gebärt und dann fängt das ganze Theater von vorne an. 

Quelle: Arnold W., Lexikon der Psychologie

Diese Mühe auf sich zu nehmen, lohnt sich allem voran deshalb, weil die Stinkmorchel-Rache für echte Befriedigung sorgt. Denn was kann für eine geknickte Seele heilsamer sein als eine symbolische Entmannung? Sigmund Freud hätte seine helle Freude daran. Er, der überall Kastrationsangst wittert und sie als Urangst jedes männlichen Kleinkindes definiert, wäre fasziniert und würde diesem Racheakt sicherlich mit heftigem Kopfnicken zustimmen. 

Das Rachevorgehen

1. Zutat: mindestens eine fiese Stinkmorchel

2. Zubereitung: auf einen Teller klatschen

www.regina-rau.de

Bild: Regina-Rau

Bei der Zubereitung darf nach Lust und Laune verfahren werden. Also auch ungeniert noch ein Ei dazulegen. 

regina-rau.de

Bild: Regina-Rau

3. Gesichtsausdruck während der Zubereitung:

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4. Gesichtsausdruck beim Servieren: lieblich, nett und zuvorkommend 

5. Überzeugungsformel: «isch imfall mega fein»

Diese muss möglichst ohne ironischen Unterton, bestimmt und kurz nach dem Auftischen des Pilzgerichts gesprochen werden. 

6. Genugtuung bei gelungener Verköstigung des Racheopfers:         

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Gif: watson/rof



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