Panorama

Hilfe für Bäume

Den Stadtbäumen in Melbourne kann man E-Mails schreiben. Und das beste: Sie schreiben zurück. 

Um die Stadtbäume zu schützen wurde in Melbourne zu einer originellen Methode gegriffen. Wie sie gedacht war – und zu was sie mutierte – das erklärt der Stadtrat Arron Wood im Gespräch.

19.02.15, 15:06 19.02.15, 16:22

Verena Töpper / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel: Herr Wood, Sie haben für mehr als 70'000 Bäume in Melbourne E-Mail-Adressen eingerichtet. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?
Wood: Melbourne ist eine sehr grüne Stadt, aber unsere Bäume sind in Gefahr. In den vergangenen Jahren hatten wir viele Dürreperioden und extrem heisse Tage, gleichzeitig wird immer mehr Wasser gespart, und die Bäume werden immer älter. Damit wir rechtzeitig reagieren können, sollen die Leute uns zum Beispiel Bescheid sagen, wenn der Baum vor ihrer Tür Blätter oder Äste verliert. Dafür waren die E-Mail-Adressen gedacht.

Das ist Stadtrat Arron Wood. Dass er mit diesem Namen baumliebend ist, war ja klar! Bild: Stadtrat melbourne

Ein Baum im Wandel der Zeit für Zwischendurch

gif: giphy

Und jetzt trudeln mehr Liebesbriefe als Schadensberichte ein?
Ja, damit hatten wir auch nicht gerechnet. Wir haben das Projekt im vergangenen Jahr gestartet und am Anfang kamen so drei, vier E-Mails die Woche, jetzt haben unsere Bäume schon mehr als 1000 E-Mails erhalten. Ich kann nicht genau sagen, wie viele davon Liebesbriefe sind, aber es werden immer mehr.

Ein Pausenbär, der sich am Baum kratzt

gif: giphy

Die Bäume antworten ja auch. Wie viele Mitarbeiter sind denn bei Ihnen damit beschäftigt?
Jeder der Zeit hat, antwortet mal auf eine Mail. Es ist nicht so, dass wir jetzt drei oder vier Leute hier sitzen haben, die den ganzen Tag nichts anderes machen. So weit soll es auch nicht kommen, das ist ja ein Spass und soll keine Kosten verursachen. Tatsächlich haben sich schon Freiwillige gemeldet, die das Beantworten der Mails gerne übernehmen möchten. Diese Hilfe werden wir wohl bald in Anspruch nehmen.

Ein paar Dummbatze auf dem Ast

gif: giphy

Wie beantwortet man denn einen Liebesbrief im Namen eines Baumes?
«Lieber Soundso, vielen Dank für Deine netten Worte. Es geht mir gut, hab einen schönen Tag.» So in etwa. Da haben wir aber keine Standardantwort, das entscheidet jeder individuell.

Warum nehmen Sie die Mühe überhaupt auf sich?
Wir wollen ein Bewusstsein für den Stadtwald schaffen. Die Bürger sollen sich verantwortlich fühlen für die Bäume. Da ist die Kommunikation genau der richtige Weg. Ich finde es toll, dass so viele Melbourner E-Mails an ihre Lieblingsbäume schreiben.

Ein Auto verfolgt ein anderes im Wald. Oder doch sich selber?

gif: giphy

Gibt es denn einen Baum, der besonders beliebt ist?
Ich habe ehrlich gesagt noch nicht nachgezählt, wie viele E-Mails welcher Baum bekommen hat. Sie sind jedenfalls über die ganze Stadt verteilt.

Wie erfahre ich denn die E-Mail-Adresse von einem Baum? Hat da jeder ein Schild?
Nein, dazu müssen Sie auf unsere interaktive Stadtwald-Karte gehen. Da kann man jede Strasse in Melbourne aufrufen und dann den einzelnen Baum anklicken. So erfährt man auch, was das für ein Baum ist, wie alt er ist und wie lange er voraussichtlich noch leben wird.

Haben Sie auch schon einen Liebesbrief an einen Baum geschrieben?
Nein, noch nicht. Da könnte ich mich auch schwer entscheiden, ich habe viele Lieblingsbäume in der Stadt.

Und so geht's: Einfach auf die Stadtwald-Karte klicken, ...

bild: Screenshot

... reinzoomen, einen Baum auswählen und ihm eine Mail schreiben.

bild: screenshot

(lue)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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