Panorama

Lucas Cranach: Katharinenaltar (1506) Bild: Wikicommons

deutsche kunst

Zu hässlich fürs Londoner Museum

Sie galt als zu realistisch, zu hart und auch zu hässlich: Im 19. Jahrhundert wurden deutsche Renaissance-Meister wie Albrecht Dürer in Grossbritannien geächtet. Jetzt zeigt die renommierte National Gallery die verschmähte Kunst von damals.

20.02.14, 13:55

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Es war ein Skandal: Als der Schatzkanzler der renommierten National Gallery in London im Jahr 1854 mehr als 60 deutsche Renaissance-Gemälde für die Galerie erwarb, folgte der öffentliche Aufschrei prompt: Als «schrecklich» bezeichnete eine Zeitung die Gemälde, ein Parlamentarier nannte den Kauf den «schlechtesten, den es je gab».

Schon zwei Jahre später verkauften die Kuratoren 37 Bilder der neuen Sammlung wieder, unter anderem grosse Teile des berühmten Altaraufsatzes aus der Benediktinerabtei in Liesborn. Die Arbeiten würden nicht zur aktuellen Ausrichtung der Galerie passen, lautete damals die Begründung.

Jetzt kehrt eine Rekonstruktion des Altars zurück in die Galerie, zusammen mit Gemälden von deutschen Renaissance-Meistern wie Hans Holbein, Albrecht Dürer und Lucas Cranach des Älteren, als Teil der Ausstellung «Seltsame Schönheit – Meister der deutschen Renaissance». Damit werde der in Grossbritannien «vernachlässigten» Kunst der längst überfällige Respekt gezollt, sagte Co-Kuratorin Susan Foister. Durch die Ausstellung, die neben deutschen Meistern auch die im 19. Jahrhundert beliebte italienische Renaissance-Kunst von Raphael zeigt, wolle man darauf aufmerksam machen, dass Schönheit stets relativ sei und sich im Laufe der Zeit verändern könne.

So wurden auch Dürer und andere Meister der deutschen Renaissance im 16. Jahrhundert für ihre Ausdruckskraft und den Erfindungsreichtum geschätzt. Im frühen 19. und 20. Jahrhundert lösten ihre Werke jedoch «ein sehr gemischtes Echo aus», drückt es die National Gallery höflich britisch aus.

Selbstporträt Albrecht Dürers Bild: Wikicommons

Manch ein Betrachter bewunderte das technische Vermögen der Künstler, und die als solche empfundene Verkörperung einer nationalen deutschen Identität; andere nahmen diese Werke als exzessiv oder sogar hässlich wahr, vor allem im Vergleich zur italienischen Renaissance. Wegen ihrer angeblich übertriebenen Emotion, der Dramatik und der Liebe zum naturalistischen Detail sei die deutsche Renaissance-Kunst abgelehnt worden.

«Sie galt als zu realistisch, zu hart – einfach einen Schritt zu weit»

Co-Kuratorin der National Gallery London Susan Foister

Erst ab den sechziger Jahren sei in Grossbritannien ernsthaft mit dem Erwerb der Werke deutscher Renaissance-Künstler begonnen worden.

Trotz dieser künstlerischen Vergangenheitsbewältigung, so ganz scheint sich die National Gallery dann doch nicht von der Begeisterung für die Italiener lösen zu können: Als Hauptausstellung werden in dem Museum ab März die Werke von Paolo Veronese gezeigt – wie schon der Name vermuten lässt, kein deutscher, sondern ein italienischer Künstler der Spät-Renaissance.
(evt/dpa)

Paolo Veronese: «Noli me tangere» (3. Drittel 16. Jh.) Bild: Wikicommons

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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