Papst

Helikopteraufnahme des St.Petersplatz in Rom. Bild: AP Italian Police

Schlechte Presse für den Vatikan

Der Kardinal und das Kokain

Vier Kilogramm Kokain und 200 Gramm Cannabis fanden französische Polizisten im Auto eines römischen Kardinals. Dass der 91-Jährige selbst in Drogengeschäfte verwickelt sein könnte, gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich.  

17.09.14, 15:16 17.09.14, 15:26

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Jorge María Kardinal Mejía ist 91 Jahre alt und seit einem Schlaganfall im März vergangenen Jahres gesundheitlich angeschlagen. Er fährt sein Auto nicht mehr selbst, also beauftragte er seinen Sekretär damit, das Gefährt zur Inspektion zu bringen. 

Wie französische und italienische Zeitungen berichten, erledigte der Assistent die Aufgabe offenbar nicht selbst, sondern übergab die Autoschlüssel zwei Italienern. Diese machten sich auf den Weg – allerdings nicht in die Werkstatt, sondern nach Spanien, wo sie mutmasslich in grossem Stil Drogen kauften. Vier Kilo Kokain und 200 Gramm Cannabis. 

Auf dem Rückweg am Sonntag wurden sie unerwartet an einer Mautstation in der Nähe von Chambéry in den französischen Alpen kontrolliert. Die Polizei fand das in Koffer und Taschen verpackte Rauschgift. Die 30 und 41 Jahre alten Schmuggler wurden festgenommen und müssen sich jetzt in Frankreich wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten. 

«Immer unverdächtiger, immer unglaublicher»

Für Papst Franziskus ist der Vorfall ein bisschen unangenehm. Nicht nur, weil er traditionell über Drogen schimpft und Mafiosi exkommunizieren will. Ausgerechnet im Auto seines Landsmanns wurde der Stoff gefunden. Der emeritierte Jorge María Kardinal Mejía kommt wie der Pontifex aus Buenos Aires und war mal Bibliothekar im Vatikan. Und jetzt sollen dessen Vertrauensleute Verbindungen zur organisierten Kriminalität haben? 

Der Heilige Stuhl bestätigte die Berichte, betonte aber, es handele sich bei den beiden Tatverdächtigen um italienische Staatsbürger, nicht um Einwohner des Vatikanstaats. «Kardinal Mejia geht es nicht gut, und er hat offensichtlich nichts mit dieser Sache zu tun», sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. 

Buchautor und Anti-Mafia-Aktivist Roberto Saviano ist sich sicher: Die beiden Dealer haben einfach nach einem geeigneten Fahrzeug für den Drogentransport gesucht. Ein Diplomatenauto sei ihnen ideal erschienen, sie hätten wohl geglaubt, es würde nicht kontrolliert. «Die Rauschgifthändler denken sich ständig neue Transportmöglichkeiten aus für die Drogen, immer unverdächtiger, immer unglaublicher», schreibt er auf seiner Facebook-Seite. 

Bisher ungeklärt ist, welche Rolle der Sekretär des katholischen Geistlichen gespielt hat. (ala)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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