Papst
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Pope Francis delivers his message during an audience in the Paul VI hall at the Vatican, Saturday,  May 31, 2014. The pontiff met children from poor neighborhoods in Naples and Rome at risk of leaving school. (AP Photo/Riccardo De Luca)

Sie sehen richtig! Der Papst trägt jetzt auch Gummi. Bild: Riccardo De Luca/AP/KEYSTONE

Bunte Bänder

Neuer Gummifetisch: Papst, Kate Middleton, Emma Watson – alle tragen Rainbow Loom

Kate Middleton hat eins. Spaniens König hat auch eins. Emma Watson, Obamas Tochter, sogar der Papst: Alle haben dieses Gummi-Dingens am Handgelenk. Jetzt erfasst die Rainbow-Loom-Welle Deutschland. Dabei gibt es preiswerte Alternativen. 

13.09.14, 17:32 14.09.14, 10:58

Ein Artikel von

Als Cheong Choon Ng den Einfall hatte, der ihn reich machen würde, verdiente er sein Geld noch mit dem Zerstören von Autos. Ng führte in den USA als Ingenieur für den Fahrzeughersteller Nissan Crashtests durch. Seine damals 9 und 12 Jahre alten Töchter bastelten gerne Armbänder aus kleinen Gummiringen, was sich für Ng selbst als schwierig erwies – er fand seine Finger zu dick. Also erdachte er ein Werkzeug, mit dem sich die entfernt an Häkeln erinnernde Technik vereinfachen liess: einen «Webstuhl» (englisch: loom) für Gummiringe. Der erste Prototyp bestand noch aus Holz und Pinwandstecknadeln. Er nannte seine Erfindung Rainbow Loom, seine Tochter schlug vor, die Idee zu vermarkten. 

Zunächst verkauften sich die Gummibänder und Werkzeuge, die Ng auf eigene Rechnung in China produzieren liess, gar nicht gut. Dabei warben seine Töchter mit eigens hergestellten YouTube-Videos für die Idee. 10'000 Dollar, seine eigenen Ersparnisse, hatte Ng investiert. 

Anzüge aus Gummi, Scherze über Kinderarbeit 

2012 wurde dann der Besitzer einer US-Spielzeugkette auf das Produkt aufmerksam. Eine testweise angekaufte Charge von 24 Rainbow Looms war blitzschnell verkauft, und so erstanden die Besitzer von The Learning Express Toys weitere Webstühle und Gummiringpakete. «Mittlerweile macht das einen substanziellen Anteil unseres Geschäftes aus», sagte der Chef der Firma im Sommer 2013 der «New York Times»

A person presents

Bild: AFP

In den USA waren die Bändchenbänder zu diesem Zeitpunkt bereits ein Massenphänomen. Eine Million Rainbow Looms hatte Ng da schon verkauft – heute sollen es drei Millionen sein. Dass sich das Produkt nahezu ausschliesslich an Kinder wendet und auch noch deren Kreativität zu fördern scheint, sorgte für eine virale Marketingkampagne, die niemand hätte konzipieren, geschweige denn bezahlen können. 

Mit Rainbow-Loom-Armbändern wurden bis heute gesichtet: Papst Franziskus, Kate Middleton, Prinz William und Prinz Harry, Camilla Parker-Bowles, Miley Cyrus, David Beckham, Julia Roberts, Barack Obamas Tochter Sasha, König Felipe von Spanien, Prinzessin Victoria von Schweden, Emma Watson. Den Vogel schoss der US-Late-Night-Talker Jimmy Kimmel ab – er liess sich einen kompletten Anzug aus Gummiringen herstellen, mit dem er dann in seiner Show auftrat. Er bestehe jetzt «zu 98 Prozent aus Gummi», scherzte Kimmel und fügte hinzu, er wisse gar nicht «warum sich die Leute alle so über Kinderarbeit aufregen». Kimmels Anzug ist nicht das einzige Gummiband-Kleidungsstück – auch Bikinis und Pumps aus Loom Bands gibt es mittlerweile. 

Ein Produkt, das seine eigene Vermarktung übernimmt 

«Wenn Ihre Tochter Sie anschaut, nachdem sie etwas gebastelt hat und sagt ‹Das ist für dich, Papa›, dann gibt es nur eine richtige Antwort.»

SAP-Spitzenmanager

Doch vor allem die Tatsache, dass die meisten der bunten Bändchen von Kindern hergestellt werden, hilft bei der Vermarktung. Das «Wall Street Journal» zitierte im März einen SAP-Spitzenmanager: «Wenn Ihre Tochter Sie anschaut, nachdem sie etwas gebastelt hat und sagt ‹Das ist für dich, Papa›, dann gibt es nur eine richtige Antwort.» Dem «WSJ» zufolge waren die Gummiarmbänder auch an der Wall Street schon im Frühjahr ein beliebtes Accessoire für ansonsten eher konservativ gekleidete Anzugträger. Ng hat es geschafft, das virale Potenzial der guten alten Freundschaftsbändchen mit einem – mittlerweile in den USA sogar patentierten – Produkt zu verbinden. 100 Millionen Dollar soll seine Firma inzwischen wert sein

Inzwischen hat die Rainbow-Loom-Welle Deutschland mit voller Wucht erfasst. Hunderttausende Webstühle sollen im deutschsprachigen Raum bereits verkauft worden sein. Auf Schulhöfen und in Kinderzimmern wird gewebt, was die Gummibänder halten. Sechsjährige Mädchen bieten ihre Eigenkreationen bei Flohmärkten und an den Haustüren ihrer Nachbarn zum Kauf an, bei YouTube wirft eine Suche nach Rainbow-Loom-Anleitungen auf Deutsch Zehntausende Treffer aus. 

TO GO WITH AFP STORY BY SANDRA FERRER 
French Emmanuel Laurencon, CEO of Creative Import , poses in his enterprise on July 7, 2014 in Quimper, western of France. Laurencon got the exclusive rights to commercialize Rainbow Loom products in France, Belgium and French-speaking Switzerland, that he negotiated during a trip across the United States.

Im Handel sind mittlerweile Selbstwebsätze erhältlich. Bild: AFP

Ohne Social Media wäre der Spielzeugtrend nicht in der gleichen Form denkbar: Facebook, YouTube und andere Netzwerke spielen eine zentrale Rolle, nicht nur zum Austausch bestimmter Webmuster, sondern auch, um die Knüpferinnen und Knüpfer global miteinander zu verbinden. Eines der erfolgreichsten Rainbow-Loom-Videos, es stammt aus dem August 2013, wurde bis heute fast 27 Millionen Mal abgerufen. Es erklärt die Herstellung eines «Sternchen-Armbandes». 

Berichte über gesundheitsschädliche Nachahmerprodukte 

Nicht alle Eltern sind begeistert von der Gummiringwelle. Ein Rainbow Loom Starter Set mit Webstuhl, 600 Gummiringen und ein paar Plastikhäkchen als Verschluss kostet um die 20 Euro – für diesen Preis bekäme man mehr als ein Kilo handelsüblicher Gummiringe. Natürlich gibt es längst Nachahmerprodukte. Ng liegt mit mehreren Unternehmen im Rechtsstreit, denen er Ideendiebstahl vorwirft, darunter die US-Spielwarenkette Toys 'R' Us. Einige billige Plagiate sollen zudem krebserregende Chemikalien enthalten – ein Umstand, auf den der Hersteller des Originals auf seiner Website selbstverständlich prominent hinweist. 

Für alle Eltern, deren Kinder im Grundschulalter sie nun mit dem dringenden Wunsch nach einem eigenen Rainbow Loom bedrängen, zum Abschluss ein Hinweis: Sehr hübsche Gummiring-Armbändchen lassen sich auch ohne den teuren Webstuhl herstellen – etwa mit Hilfe von zwei handelsüblichen Stiften. (pma/cis)



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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