Papst

Einige Mitglieder der Kurie dürften bei dieser Predigt des Papstes rote Köpfe bekommen haben. Bild: AP/AFP POOL

«Spiritueller Alzheimer»

Dieser Papst nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund, Sie werden staunen

Papst Franziskus hat bei seiner Weihnachtsansprache vor der römischen Kurie deutliche Kritik an der Bürokratie im Vatikan geübt. Der Pontifex prangerte die «15 Krankheiten» der Kurie an.

22.12.14, 14:05

Als Kurie wird seit etwa dem 11. Jahrhundert die Gesamtheit der Leitungs- und Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls für die römisch-katholische Kirche bezeichnet. Diesen Herren hat der Papst am Montag die Leviten gelesen und von «15 Krankheiten» der Kurie gesprochen. Dazu gehören:

«sich unsterblich fühlen»,

 «mentale Erstarrung»,

«der spirituelle Alzheimer» 

und der

«Terrorismus des Geschwätzes»

«Die Kurie ist dazu aufgerufen, sich zu verbessern und in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit zu wachsen», forderte der 78-jährige Papst. 

Weiter kritisierte Franziskus die «Krankheit einer mentalen und spirituellen Erstarrung», die dazu führe, die notwendige menschliche Empathie zu verlieren. 

Unter der

 «Krankheit der Rivalität und Eitelkeit»

litten diejenigen, die Titel und Auszeichnung suchten und nur an sich selbst glaubten. Auch 

«die Schizophrenie derjenigen, die ein Doppelleben führten»,

prangerte der Pontifex in seiner Ansprache an. Genauso schlimm sei die Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen.

Auch die

«Krankheit des Geschwätzes, des Gemunkels und des Tratsches»

verurteilte der Papst. «Über diese Krankheit habe ich schon oft gesprochen, aber noch nicht genug», erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Krankheiten seien eine Gefahr für jeden Christen, aber sie zu benennen und sich dessen bewusst zu sein, sei bereits der erste Schritt zur Besserung. (whr/sda/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 22.12.2014 18:34
    Highlight Ich stelle fest, dass watson die letzte Zeit erstaunlich oft den Papst lobt. Das erstaunt mich doch etwas. Natürlich sind leichte Veränderungen sichtbar, aber die Grundhaltung des Vatikans hat sich kaum verändert. Z.B. geht der Vatikan auch unter Franziskus nicht genug gegen Homophobie in der Kirche vor und auch die Gleichberechtigumg von Mann und Frau ist kein Thema. Worte sind Worte, doch wo bleiben die Taten?
    5 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.12.2014 19:55
      Highlight Hallo Joël. Danke für den spannenden Input. Wir werden das anschauen! Mein persönliches Gefühl: Der Papst mag zwar das Oberhaupt der Kirche sein, er hat aber nicht die alleinige Macht bzgl. Reformen. Wir nehmen aber den Rechercheauftrag gerne an! #userinput
      8 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.12.2014 20:42
      Highlight Danke, Petar, für den userinput. Watson ist mein Lieblingsnachrichtenportal. Für die Recherche schon mal ein kleiner Hinweis :-)

      https://queer.ch/glaube/papst-fuerchtet-um-die-ehe/
      2 1 Melden
    • Gleis3Kasten9 22.12.2014 21:47
      Highlight Der Vatikan ist eine sehr träge Gemeinschaft älterer Herren, viele davon mit lebenslang gefestigten Ansichten die sich eventuell nun ein wenig bewegen. Steter Tropfen höhlt den Stein - vielleicht irgendwann genug fest um wirkliche Reformen zu bewirken. Aber bis dahin werden noch viele Jahre ins Land ziehen und hoffentlich weiterhin (für kirchliche Verhältnisse!) progressive Päpste gewählt.
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    • smoe 22.12.2014 23:03
      Highlight Ich verstehe auch nicht ganz, warum ein religiöser Anführer für das Aussprechen von Binsenweisheiten als progressiv bezeichnet wird, die für die meisten rational denkenden Menschen schlicht offensichtlich sind.

      Er räumt vielleicht ein bisschen mit der Dekadenz im Vatikanstaat auf, vertritt aber nach wie vor das katholische Verbot des Gebrauchs von Verhütungsmitteln, lehnt Abtreibungen prinzipiell ab und ist gegen Lobbybildung Homosexueller. Weil Lobbys sind schlecht. Ausser seiner natürlich.

      Er ist sicher das kleinere Übel als seine Vorgänger oder die Führer anderer Religionen, ich glaube aber nicht daran, dass sich die organisierten Weltreligionen fundamental reformieren werden. Dafür müssten sie aufhören, ihre Anhänger zu bevormunden und von ihren Alleindeutungs- und -vertretungsansprüchen abkommen. Was wiederum das ganze Konstrukt ad absurdum führen würde.
      2 0 Melden
  • Willy D. 22.12.2014 18:24
    Highlight Ich wünsche Papst Franziskus ein langes Leben in körperlicher und geistiger Frische, damit er den begonnen Prozess der Reformen zu Ende bringen kann. Wie heisst es doch in Schillers Wallenstein: "Spät kommt Ihr - doch Ihr kommt!"
    9 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 22.12.2014 17:00
    Highlight Ich bin sonst nicht so Fan von Papst, Vatikan und Kirche, aber Franziskus überzeugt mich immer mehr. Der ist mir sympathisch. :)
    18 1 Melden
  • pierolefou 22.12.2014 16:55
    Highlight Wow, das ist ja wirklich super! Der Heilige Geist und der simple
    Menschenverstand haben da hervorragende Arbeit geleistet.
    Wo aber war der Heilige Geist bei den päpstlichen Vorgängern
    nur geblieben??
    15 0 Melden
  • jamaika 22.12.2014 15:04
    Highlight Hut ab......Sackstark dieser Papst !!!!
    28 2 Melden

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