Populärkultur
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Wohl eines der grössten Rap-Talente, das die Schweiz jemals hatte: der 16-jährige Nemo. Seine Performance am Virus Bounce Cypher #Cypher16 war atemberaubend.
YouTube/SRF Virus

Die spannendste und erfolgreichste Musikkultur im Land ist Hip-Hop. Nur merkt das kaum jemand

Benno Tuchschmid / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Rap ist so unschweizerisch wie laut telefonieren im Pendlerzug. Vielleicht ist es deshalb die derzeit spannendste Strömung in der populären Musik des Landes – und die erfolgreichste dazu. Weil unschweizerisch direkt, explizit und konfrontativ. So unschweizerisch unlangweilig. In den aktuellen Top Ten der Schweizer Album-Charts stehen derzeit drei Schweizer Künstler, zwei davon sind Rapper.

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Mimiks C.R.A.C.K.
YouTube/FarMoreTV

Der Luzerner Mimiks (Platz 2 mit dem Album «C.R.A.C.K») und der in Zürich lebende Knackeboul (Platz 9 mit dem Album «Knacktracks»).

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Knackeboul «Wider Zrügg».
YouTube/Knackeboul

Der dritte Schweizer in den Top Ten ist Polo Hofer, der von sich selbst sagt, er sei der erste Schweizer Rapper gewesen, und der mit den Sprechsängern tatsächlich mehr gemein hat als seine Vorliebe für Marihuana.

Das ist kein Unfall. Schon 2015 verkaufte keine Schweizer Band mehr Alben als Lo & Leduc.

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Lo & Leduc – «All die Büecher».
YouTube/bakaramusic

Es war ein weiter Weg aus den Armenvierteln amerikanischer Grossstädte. Aber 2016 ist Rap in der Schweiz angekommen. Künstlerisch und kommerziell. Das zeigt sich nirgends so deutlich wie an der «Bounce Cypher» des SRG-Jugendsenders SRF Virus, der vergangenen Donnerstag stattfand. Es ist quasi das Branchentreffen. Während sechs Stunden pilgern über 100 Rapper ins SRF-Radiostudio in Zürich und liefern ihre eigens für diesen Anlass getexteten Reime live in die offenen Mikrofone des Senders. Ein Feuerwerk der drückenden Bässe und des Wortwitzes.

Das klingt dann mal politisch, wie bei Luc Oggier von Lo & Leduc: «Kennsch Ufklärig u i rede ned vo Schnäbi / aso lueg ases dis Nei i die Urne schafft, schaffe sie es Ja, de schaffe mir üs ab». Oder es klingt einfach nach Freude an der Sprache und am Rhythmus wie bei Knackeboul: «Homies checked Kreativitätstheorie / konstant am Puls vor Ziit wie Ärzteserie». Rund 10'000 Zuhörer und Zuschauer haben die «Bounce Cypher» per Live-Stream mitverfolgt. Sie sahen einen Querschnitt, der sich für soziologische Studien eignen würde. Die Palette reicht von grimmigen Türken in Trainerjacken aus Kleinbasel bis zu Teenager-Kids aus dem Zürcher Oberland mit Mittelstandshintergrund.

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Virus Bounce Cypher 2016 #Cypher16. 
YouTube/SRF Virus

Sie alle stehen an diesem Donnerstag vor dem Eingang des Radiostudios, trinken Dosenbier und grüssen sich, wie man es in der Szene tut: Der Handschlag geht fliessend über in eine halbe Umarmung, begleitet von einem «Waslauft, Brudi, alles guet?»

Grégoire Vuilleumier alias Greis steht inmitten dieser Patchwork-Familien und freut sich rauchend. Er ist für die Schweizer Szene so etwas wie die antiautoritäre Vater-Figur: «Wir befinden uns in der goldenen Ära des Schweizer Raps.» Greis ist 37. Der jüngste Rapper ist weniger als halb so alt. Greis ist der bekannteste Vertreter der ersten grossen Welle des schweizerdeutschen Raps Ende der 90er-Jahre, von der damals viele dachten, es sei die goldene Ära. Greis erklärt den neuen Kreativitätsschub in der Szene auch mit dem Alter der Kultur. «Jede Subkultur grenzt sich am Anfang ab, und wenn sie dann erwachsen wird, dann beginnt sie sich zu öffnen.» Das sei mit der Punk-Musik genauso passiert. Und jetzt passiert es mit Rap, befeuert durch die unendlichen Möglichkeiten des Internets.

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Greis - «Dr letzt Dinosaurier»
YouTube/GREIS

Für die breite Öffentlichkeit war Schweizer Sprechgesang lange gleichbedeutend wie Bligg und Stress. Also «Rosalie» und gerappte Coop-Werbung. Zwar sind beide tatsächlich in der Schweizer Hip-Hop-Szene gross geworden. Der eine als Teil der legendären Mundart-Rap-Gruppe «Bligg’n’Lexx», der andere als Mitglied der Lausanner Crew «Double Pact», doch für den Erfolg verabschiedeten sie sich in Richtung helvetischer Konkordanz-Musik. Die Szene verzieh es ihnen nicht. Denn Rap versteht sich als unangepasst. Erfolg ist verdächtig, Anbiederung Verrat.

Versöhnt mit dem kommerziellen Erfolg hat sich die Szene mit Lo & Leduc. Rap paart sich bei ihnen mit eingängigen Melodien. Die Single «Jung verdammt» harrte 46 Wochen in den Charts. Und die Zeilen «I ha gmeint de Tüüfel chöm im Füür und ned im rote Chleid» hängen noch immer irgendwo da draussen. Der Rapper Manuel Liniger alias Manillio, Teil des Berner Kollektivs Eldorado FM, sagt: «Der Erfolg von Lo & Leduc hat alles verändert.»

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Lo & Leduc – «Jung verdammt».
YouTube/bakaramusic

Er hat auch die Musik-Industrie wachgerüttelt. Lo & Leduc kamen auf dem kleinen Label «Bakara Music» raus. Die Schweizer Ableger der internationalen Musikkonzerne waren im Schweizer Hip-Hop in den letzten Jahren abwesend. Jetzt beginnen sie sich wieder zu interessieren. Manillio veröffentlicht noch diesen Frühling ein neues Album. Es wird bei «Universal» veröffentlicht.

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Manillio – «Stärne».
YouTube/trinipix - Filmproduktion

Auch das wohl im Herbst erscheinendes Debüt-Album des Luzerner Duos Marash & Dave weckt grosses Interesse. Mit ihrem progressiven Klang werden die beiden als nächste grosse Nummer gehandelt.

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Marash & Dave – «Hurricane» feat. Didi.
YouTube/Marash Dave

In seiner Heimat ist Hip-Hop längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. US-Präsident Barack Obama gab öffentlich bekannt, sein Lieblingssong des Jahres 2015 sei «How much a Dollar Cost» des US-Rappers Kendrick Lamar. In Deutschland stürmen Rapper wie der Offenbacher «Haftbefehl» regelmässig die Charts und prägen mit ihren Unterwelt-Geschichten die Jugendsprache des Landes. Das von ihm eingeführte Wort «Babo» (bosnisch für Vater und im Sinne von «Chef») wurde zum Jugendwort 2013 gewählt. Die deutschen Feuilletons beschäftigen sich in epischen Texten mit dem Phänomen Haftbefehl und Co. – bei denen es immer um das grosse Thema eines Zuwanderungslandes gehe, um «unten sein und nach oben wollen» («Frankfurter Allgemeine Zeitung»).

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Kendrick Lamar – How Much A Dollar Cost (Instrumental).
YouTube/The Beat Supply

Der Schweizer Bundespräsident Johann Schneider Ammann hört keinen Schweizer Rap. Und in den Feuilletons kommt Rap hier auch kaum vor. Das hat eventuell damit zu tun, dass Schweizer Rapper zwar auch nach oben wollen, aber nicht von so weit unten kommen.

Luc Oggier von Lo & Leduc sagt: «Es ist in der Schweiz schwer, Haftbefehl zu sein.» Nicht, weil es hier kein unten gäbe, sondern weil sich die Klischees besonders hartnäckig halten würden. Sogar Bligg wird von Radio-Moderatoren noch mit den Worten «Yo! Yo!» empfangen.

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chlinae_Tigaer 01.02.2016 07:42
    Highlight Highlight Hach...wo sind die Zeiten hin, als Musik noch Musik war und nicht nur so ein HipsHopsen.
  • Olmabrotwurst 01.02.2016 07:10
    Highlight Highlight
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  • Der Beukelark 31.01.2016 20:05
    Highlight Highlight Jajaa früher wurde in der Bounce-Cypher noch richtig gefreestylt und nicht vom Mobile abgelesen.
  • knight 31.01.2016 16:55
    Highlight Highlight
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  • smoenybfan 31.01.2016 14:32
    Highlight Highlight Dr SVP-Aubtroum isch wider zrügg im Biz, jung schwarz plus i cha besser dütsch aus si ❤
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    • Chrigu91 31.01.2016 14:49
      Highlight Highlight Yeeah EFM ❤
    • smoenybfan 31.01.2016 16:24
      Highlight Highlight Jede Tag Dessert jede Tag Dessous ❤
  • Franz Vincent 31.01.2016 14:31
    Highlight Highlight «Nid dä bescht schwizer räpper, aber ganz klar dä wichtigst!»

    Dezmond Dez & Tommy Vercetti
  • Scenario 31.01.2016 14:30
    Highlight Highlight wer outet sich hier auch noch als FRÜHERER aightgenossen.ch-Forum Gänger? :)
    • Blue-White 02.02.2016 16:39
      Highlight Highlight weisch noh .. släng night i de rotä :-) mit AOH Family, Wrecked Mob, Spooman & Shape, Dynamic Duo, Taffs ... und DJ Def Cut, ND und sin bruäder greg am mixe..
  • LubiM 31.01.2016 13:52
    Highlight Highlight
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    XEN & EAZ - Kei Zit
  • dario lüdi (2) 31.01.2016 13:45
    Highlight Highlight Vergesst hier mal den Rotchopf nicht:

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  • StealthPanda 31.01.2016 13:37
    Highlight Highlight Als grosser Rap Fan freut es mich wirklich das mal wieder gute Musik geschrieben wird. Nicht die ganze Zeit diesen scheiss Gangster Rap sondern Sound bei dem gemütlich mit dem kopf nickt und den Flow geniesst. Da hatte NAS wohl nicht recht mit hip hop is death sondern EDM is death. peace out ;) *drops mic*
  • knight 31.01.2016 13:35
    Highlight Highlight chaostruppe mafia!
  • G-4 31.01.2016 13:13
    Highlight Highlight Eine spannende crew die sich da in Luzern formiert hat 😉💯
    #041
    • Gleiser 01.02.2016 07:14
      Highlight Highlight Ich mag mittlerweile die Berner mehr. Ist meist ganz entspannter Sound und nicht so ein "Harter Weg bis an die Spitze" Rap. Zudem gehört Ali zu 041 und den kann ich überhaupt nicht ernst nehmen.
    • G-4 02.02.2016 09:21
      Highlight Highlight Luzern hat halt eher eine junge Truppe die sich an Amerika orientiert. Berne kenne ich nicht so gut aber das sind doch eher routiniert Rapper welche schon lange im Business sind und auf Berner Dialekt setzten.
  • manhunt 31.01.2016 12:58
    Highlight Highlight EKR
  • hoi123 31.01.2016 12:07
    Highlight Highlight NOLL VIER EIS
    • G-4 02.02.2016 10:53
      Highlight Highlight ;-)
  • stoeffeli 31.01.2016 10:17
    Highlight Highlight Die goldene Ära war für mich damals mit Chlyklass, Bauers und alles was so in der Region Zürich rumgeisterte. Wobei ich durchaus Hoffnung für den Patienten HipHop habe. Fratelli B, Phumaso &Smack, Cmee und die im Text Erwähnten haben bis jetzt von der Öffentlichkeit grossteils unbemerkt dem Schweizer HipHop die Stange gehalten.

    In diesem Sinne empfehle ich Stars und Sternli - Phumaso & Smack & Bandit (ijup de gits immr no), eine Zusammenfassung Schweizerrap.
    • lucrue 31.01.2016 11:50
      Highlight Highlight Stimme dir grundsätzlich zu bei Phumaso & Smack C.mee und Fratelli B allerdings sind die seit der Möchtegang viel zu abgehoben... Zieh dir bspw. Mal den Cypherteil von ihnen rein. Sowas von Arrogantes auftretten...
    • Steckenpferd 31.01.2016 12:06
      Highlight Highlight Phumaso (& vorallem) Smack sind nurnoch Witzfiguren. Kann ich nicht mehr ernst nehmen..
    • anatomyjane 31.01.2016 14:09
      Highlight Highlight @Steckenpferd: Wieso sind sie Witzfiguren geworden? Hab sie die letzten Jahre nicht mehr verfolgt und drum keine Ahnung was passiert ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wasmeinschdenndu? 31.01.2016 09:56
    Highlight Highlight Und wieso werden Sektion Kuchichäschtli, Clyklass oder Bandit nicht erwähnt? Die gehören definitiv zu den Top-CH-Rapern!
    • TheMan 31.01.2016 11:59
      Highlight Highlight Brandhärd/ Liricas Analas? Wobei Letzteres Rätromanischer Hip Hop ist.
    • SanchoPanza 31.01.2016 12:50
      Highlight Highlight @TheMan, bei den Liricas gibts bald was neues, man darf gespannt sein!
    • loccodelcocco 31.01.2016 13:07
      Highlight Highlight Beruhigt euch; das ist eine Bestandsaufnahme 2016 und kein alter Aightgenossen-Forum-Thread

      Niemand vergisst die Wegbereiter - aber jetzt ist eine neue Generation am Start welche die Loorbeeren für vergangene Aufbauarbeit erntet. Bitter für manchen Veteranen, toll für die Jungen!
  • anatomyjane 31.01.2016 09:31
    Highlight Highlight Phumaso & Smack haben auch ein paar fetzige Titel...omg ich hab "fetzig" gesagt!
  • revilo 31.01.2016 09:11
    Highlight Highlight Berner Rap, etwas vom Besten.
    • knight 31.01.2016 11:18
      Highlight Highlight chaostruppe migo!
    • revilo 31.01.2016 16:12
      Highlight Highlight iwan petrowitsch
  • franky_fix 31.01.2016 08:47
    Highlight Highlight War echt hammermässig!

Du hast die Wahl: Arbeiten oder die lustigen Tierbilder angucken

Du hast dich also für die Tierbilder entschieden. Eine weise Wahl!

Ich habe dazu einen unfehlbaren Test entwickelt, der gleichzeitig noch sehr simpel ist:

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