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maddie ziegler

Maddie Ziegler und Shia LaBoeuf im Video «Elastic Heart». bild: via youtube/siavevo

Kommentar zu Sia, Shia, Madonna & Co.

Leute, sprecht nicht bei jeder Gelegenheit von «Pädophilie» oder «Vergewaltigung», sondern denkt zuerst richtig darüber nach!

12.01.15, 15:07 13.01.15, 16:33

Die Sexualverbrechen Vergewaltigung und Kindsmissbrauch sind grauenvoll. Sind Dinge, die sich auf Jahre in Leib und Leben ihrer Opfer einbrennen und zu Wegmarken einer Existenz werden. Gerade deshalb sollten wir Worte wie «Vergewaltigung» oder «Pädophilie» nicht ohne Grund in den Mund nehmen. Und im Moment werden sie definitiv zu unvorsichtig inflationär gebraucht. Als total willkürliche Zuschreibungen.

Madonna fühlte sich vergewaltigt, als ihr Album geleakt wurde. Shia LaBeouf sagt, er sei neulich während einer Kunstperfomance in einer Galerie von einer Besucherin vergewaltigt worden (sie habe ihn ausgezogen und sich auf ihn draufgesetzt und dann habe er auch nicht mehr anders gekonnt, als... Wie wär's mit Aufstehen gewesen?). 

Das «abscheuliche» Video

Und jetzt spielt genau dieser Shia in einem Video von Superpopstar Sia mit, und Amerika ist empört und sagt, es handle sich um eine Gebrauchsanweisung für Pädophile. Eine Mutter sagte auf TMZ, sie habe sich beinah übergeben müssen, als sie das «abscheuliche», brandneue Video zu Sias Song «Elastic Heart» sah. Weil da der 30-jährige Shia LaBoeuf mit der 12-jährigen Maddie Ziegler tanzt. 

«Elastic Heart»

youtube/siaVEVO

Maddie Ziegler, hier 11, in «Dance Moms»

youtube/abbey lee moms

Maddie ist dieses vollkommen verrückte Wesen aus Sias Sensationsvideo «Chandelier» und begann ihre Karriere in der amerikanischen Reality Show «Dance Moms», in der vom Ehrgeiz versengte Mütter ihre Töchter wie Kinderprostituierte anziehen und schminken und sie entsprechend tanzen lassen. Eine Art von Sendung, bei der mir das Kotzen kommt. 

Aber schauen wir uns Sias Videos an: Maddie tanzt und tobt in «Chandelier» mit einer äusserst künstlichen Sia-Perücke und in einem hautfarbigen Trikot, das, abgesehen von der Farbe, ungefähr tausendmal züchtiger geschneidert ist, als jedes von Maddies «Dance Moms»-Kostümen. Kein Mensch kam angesichts von «Chandelier» auf die Idee, dass dieses Video pädophile Fantasien beflügeln könnte, alle waren begeistert, es gilt als wichtigstes Video 2014, gewinnt Preis um Preis, und Sia und Maddie treten oft und furchtbar gern zusammen auf.

Da war noch alles in Ordnung: Maddie Ziegler in «Chandelier» von Sia. bild: via youtube/siavevo



«Chandelier»

youtube/SiaVEVO

Maddie ist das Alter Ego von Sia, so fern von der matronig wirkenden Performerin, wie es nur geht, ein echtes Pop-Kunst-Produkt eben, ein posthumaner Avatar, eine futuristische Mischung zwischen Mädchen, Roboter und ziemlich bösem Tier. In «Chandelier» war das alles noch in Ordnung. Jetzt, in «Elastic Heart», einem Song, in dem es irgendwie um nichts und irgendwie um alles geht (Liebe, Krieg, Frieden, Gewalt, whatever), kommt ein Mann dazu, Maddies Kostüm ist immer noch das gleiche.

«Dance Moms» war viel schlimmer

Der Mann ist vergleichsweise gross, bedrohlich und stumpf, und wird doch selbst die ganze Zeit über von dem Mädchen bedroht, verfolgt, angefaucht, geschlagen. Dann freunden sie sich an. Wie Tiere, nicht wie Menschen. Indem sie seine Hand beschnuppert, zum Beispiel. Die beiden sind in einem Käfig. Das Kind kann kommen und gehen, wie es gerade mag, der Mann bleibt eingesperrt. Für den Bruchteil einer Sekunde schaut das Mädchen so, dass jetzt alle schreien: «Das ist ja eine Lolita!» In «Dance Moms» musste Maddie schlimmer schauen. Und zwar immer.

Die Mutter, die Sia auf TMZ anklagte, ist selbst eine der «Dance Moms». Eine dieser Zuhälterinnen kleiner Mädchen also. Dass Sia Maddie Ziegler in ihren Videos einen echten Boden für eine gute künstlerische Zukunft gibt, dafür könnte ihr jede Mutter dankbar sein.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelika 13.01.2015 11:22
    Highlight Finde Elastic Heart ein ganz tolles Video. Die Musik ist eigentlich nicht meins und Shia LaBoeuf kann ich auch nicht so recht einschätzen, aber die Performance der beiden zusammen ist genial. Und hat wirklich von mir aus gesehen NICHTS sexuelles an sich. Wie Frau Meier beschreibt, die zwei sind ja eher wie zwei Tiere. Wie Vater und Tochter. Ich finds sehr gut gemacht, es hat was Befreiendes, auch wenn der Schluss dann eher traurig ist.
    9 0 Melden
  • paper 12.01.2015 22:36
    Highlight Eine Anmerkung zu dem sonst guten Artikel: Pädophilie hat mit Kindesmissbrauch genau so viel zu tun wie Heterosexualität mit Vergewaltigung (kein Schreibfehler!!).
    Pädophilie ist lediglich eine sexuelle Neigung, mit der die meisten "Betroffenen" umgehen können. 90% der Pädophilen sind sich bewusst, dass das Ausleben ihrer Neigung Kindern schaden würde, deshalb tun sie es auch nicht.
    Des weiteren werden die meisten Missbrauche an Kindern NICHT von Pädophilen begangen, sondern eben von "normal"-sexuellen.
    Leider wissen das die wenigsten und der Begriff Pädophilie wird völlig falsch verwendet.
    33 0 Melden
    • Kaiserin 13.01.2015 13:32
      Highlight Danke, diese Korrektur wollte ich auch eben noch anbringen!
      7 0 Melden
    • SVRN5774 23.04.2015 19:21
      Highlight Richtig. Es gibt ein Unterschied zwischen Pädophile und Kinderschänder.
      Wie der Name schon sagt:
      Pädo = Jung phile = liebe
      Kinderschänder = schadet Kinder
      0 0 Melden
  • Eisenhorn 12.01.2015 17:01
    Highlight Sehr schöner Bericht.

    Wie passend das LOLITA geschrien wird. Auch so ein Ausdruck der viel zu oft und ohne den Hintergrund zu kennen verwendet wird. Lolita ist im Buch von Nabokov das Opfer und nicht die Täterin, wie der Ausdruck heute missbraucht wird. Nur Leute die das Buch nicht gelesen haben fallen auf Humbert Humbert herein. Ironischer weise hat Humbert Humbert gesiegt, und wir verwenden nun den Ausdruck in seinem Kontext... wie passend zu der Aufregung um Sia.
    14 0 Melden
  • droelfmalbumst 12.01.2015 16:50
    Highlight die amis haben eh nicht alle tassen im schrank... shows wo kinder botox gespritzt bekommen und mit 15 die ersten dicken hupen sind okay. aber so ein clip wo man genau nichts sieht ausser zwei die tanzen ist pervers, pädophil und sonst was? looool
    22 0 Melden
  • Hinterländer 12.01.2015 16:23
    Highlight Elastic Heart und Dance Moms lassen sich nicht vergleichen. Das eine eine wunderschöne und stimmige Performance, das andere ein Vortanzen brutaler Art, das irgendwie ans Turnen auf dem Balken erinnert. Elastic Heart erzählt eine Geschichte, bei der man allerdings genau hinschauen muss, um an den Inhalt zu kommen. Nichts für "Zuhälterinnen", welche ihre Kinder an irgendwelche ausrangierten Primaballerinen verklickern, bloss um ihrem eigenen Ego auf die Sprünge zu verhelfen. Da haben Sie vollkommen recht.
    27 0 Melden
  • DarkStanley 12.01.2015 15:56
    Highlight Gleicher Meinung wie Sie.
    Es gibt meiner Meinung nach noch etwas abartigeres. Und zwar die Sendung "Toddlers and Tiaras (auf TLC). Da geht es um Schönheitswettbewerbe für kleine Mädchen. Einfach nur abnormal, wie die Mädchen da zur Schau gestellt werden und behandelt werden...
    19 0 Melden
    • Simone M. 12.01.2015 16:43
      Highlight Ach, TaT ist das Perverseste, was am TV überhaupt gibt. Ist im superprüden Amerika aber seit vielen, vielen Jahren eine anerkannte und total beliebte Institution.
      16 0 Melden
    • Angelika 13.01.2015 11:23
      Highlight Da machen Mütter mit, die ihre Mädchen sexualisieren und dann erstaunt sind, wenn Kinderschänder aus allen Löchern kriechen. Wirklich pervers.
      7 0 Melden

Da hat doch tatsächlich jemand die Telefonnummer vom Lo&Leduc-Song «079» ausgerechnet 😂

«0-7-9 het sie gseit» – ein Ohrwurm. Seit 12 Wochen stehen Lo & Leduc mit ihrem Song «079» auf Platz eins der Schweizer Single-Hitparade. 

In ihrem Lied versuchen die beiden Berner die Handynummer ihrer Angebeteten herauszufinden. Ihre Methode: Trial und Error. Einziger Anhaltspuntk den sie haben: Die historische Vorwahl der Swisscom, 079.

Dauert also ziemlich lange, bis man alle möglichen Zahlenkombinationen durchprobiert hat und tatsächlich den richtigen Empfänger am Hörer hat. 

Wie …

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