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«Es wird wohl immer viel Pasta gegessen» – die Päpstin der Spaghettimonster-Kirche freut sich auf ihre ersten Trauungen

Die satirische Religionsgemeinschaft «Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters» darf in Neuseeland jetzt Trauungen durchführen. Ein Gespräch mit der Päpstin.

10.03.16, 06:10

Anna-Lena Roth, Neuseeland / spiegel online



Ein Artikel von

Der 10. Dezember 2015 war ein guter Tag für Karen Martyn. Und für ihre Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, kurz: FSM. Denn an jenem Tag gaben die Behörden in Neuseeland bekannt, dass die Religionsgemeinschaft fortan offiziell kirchliche Trauungen vollziehen darf. Martyn sass in ihrer Wohnung in Wellington, telefonierte viel, schrieb E-Mails, ass eine grosse Portion Spaghetti mit Tomatensosse, dazu gab es ein Glas Rotwein. Ein Feiertag.

Die 61-Jährige ist seit 2008 Mitglied der FSM-Kirche in Neuseeland und inzwischen deren Chefin. «Ich bin quasi Papst», sagt Martyn. Seit wenigen Tagen ist sie auch: Die erste Person, die in Neuseeland ganz legal Paare im Namen der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters trauen darf. Oder, wie die Kirchenmitglieder sagen: die erste Ministeroni.

Spiegel Online: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Titel, Frau Martyn.
Karen Martyn: Dankeschön. Ich kann's noch gar nicht glauben. Ministeroni. Aufregend.

Sie sind jetzt seit rund drei Wochen im Amt. Wann geht's los mit den ersten Trauungen?
Nächsten Monat stehen zwei Hochzeiten an. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwei Frauen wünschen sich eine ganz schlichte Trauung, es werden kaum Gäste da sein, die Bräute werden Alltagskleidung tragen. Mitte April gibt es den Kontrast: Das Paar will in voller Piratenmontur heiraten, vielleicht sogar auf einem Schiff. Selbst die Gäste sollen in entsprechender Kleidung kommen. Ausserdem sind Journalisten eingeladen.

Abgesehen von der Kleidung: Wie genau läuft so eine Pastafari-Hochzeit ab? Was ist mit einem Ringtausch oder einem Ehegelübde?
Gesetzlich vorgeschrieben sind bloss zwei Dinge: Einmal während der Zeremonie muss ich den vollständigen Namen der Ehepartner sagen, so wie er in den Dokumenten aufgeführt ist. Und die beiden müssen sich das Eheversprechen geben, die Wortwahl ist ihnen überlassen. In Neuseeland brauchen Paare nicht zwei Termine für Standesamt und Kirche, bei uns reicht eine Zeremonie. Ich vertrete gleichzeitig Kirche und Staat. Ich glaube, jede Hochzeit wird unterschiedlich. Aber vermutlich wird immer viel Pasta gegessen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ministeroni zu werden?
Den Ausschlag hat ein deutsches Pärchen gegeben. Es reiste durch Neuseeland und schrieb unsere Kirche an, weil es sich spontan trauen lassen wollte. Reizende Menschen, Ende 20, sehr klug. Ich habe also bei den Behörden die entsprechenden Dokumente beantragt. Am Ende wurde ich dann zwar Ministeroni – aber das deutsche Paar wollte nicht mehr heiraten.

Also kein Happy End?
Doch, für mich ist es das. Es gibt so viele Ehepaare, die wünschten, sie hätten nie geheiratet. Und die Deutschen sind noch zusammen, nur ohne Trauschein. Für unsere Kirche ist es ein grosses Kompliment, dass sie uns überhaupt geschrieben haben. Inzwischen haben wir viele Anfragen, aber ich bin die einzige Ministeroni. Wir bräuchten viel mehr.

Woran scheitert es?
Viele Mitglieder sind zwar sehr enthusiastisch, ihnen ist der Aufwand aber zu gross. Wer Ministeroni sein will, muss sich bei der Kirche vorstellen, Interviews absolvieren, ein Führungszeugnis vorlegen, einen Wissenstest bei den Behörden ablegen, und und und. Es ist nichts, was man leicht nehmen sollte. Wir als Kirche wollen sichergehen, dass die Person es ernst meint. Bei mir hat es rund zwei Monate gedauert, bis ich die Genehmigung hatte.

Wie haben Freunde und Kollegen reagiert?
Die finden das super, alle haben Verständnis. Wissen Sie, Neuseeland ist ein extrem liberales Land. Aber ich habe auch Nachrichten bekommen, in denen mir Menschen Gewalt angedroht haben. Unsere Kirche bringt viele Menschen dazu, ihren eigenen Glauben zu hinterfragen. Wir sagen: Wir können die Existenz des Spaghettimonsters genauso wenig beweisen, wie ihr die Existenz einer sprechenden Schlange oder einer Frau, die aus einer Rippe erschaffen wurde. Unsere Religion bedeutet uns genauso viel wie euch die eure. Wir sind nicht gegen Religion. Aber wir sind dagegen, dass gleichgeschlechtliche Ehen verboten sind; wir sind gegen Tabus; wir sind gegen den Glauben, dass Menschen als Sünder geboren werden.

Wie gehen Sie mit den Drohnachrichten um?
Ich versuche, darüber zu lachen. Das macht unsere Kirche ja aus: Wir glauben daran, dass das Leben Spass machen sollte. Unser Spaghettimonster ist das freundliche, köstliche Symbol für eine bessere Welt, in der die Menschen glücklich sind.

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    Alle Leser-Kommentare
  • @Chr1s1981 10.03.2016 15:18
    Highlight Arrrrh

    http://venganza.ch/

    Ramen!
    3 0 Melden
  • glüngi 10.03.2016 13:01
    Highlight Grossartig, dort werde ich heiraten.

    R'amen
    10 1 Melden
  • LeMagicien 10.03.2016 11:05
    Highlight Für diejenigen die lieber Speck als Spaghetti mögen gibts diese alternative aus Las Vegas. http://unitedchurchofbacon.org/.
    10 1 Melden
  • Oiproll 10.03.2016 10:27
    Highlight RAmen!!
    19 1 Melden
  • Damien 10.03.2016 08:45
    Highlight >"Die satirische Religionsgemeinschaft «Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters»"
    Was für ein Affront! Der Zentralrat der Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters ist empört und fordert eine öffentliche Entschuldigung.
    53 2 Melden
    • Olmabrotwurst 10.03.2016 10:24
      Highlight wir, die von jediismus anerkannte kirchen stimmen mit dem zentralrat der FSM vollkommen zu...
      13 0 Melden
  • Picknicker 10.03.2016 07:11
    Highlight Hoch lebe seine nudlige Güte 🍝 !!!
    74 1 Melden
    • grml 10.03.2016 08:33
      Highlight ramen
      48 1 Melden

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