Populärkultur

Wetten, dass das nicht lange wächst? Miley Cyrus setzt mal wieder einen Trend. bild: instagram/ mileycyrus

Das schlimmste Haar? Das Achselhaar! Lasst. Es. Sein. 

An diesem Artikel sind schuld: Miley Cyrus, der nahende Sommer und die Paranoia der Autorin vor dem Körpergeruch anderer.

06.05.15, 16:41 07.05.15, 08:50

Miley Cyrus färbt sich jetzt die Achselhaare pink, und ich nerv mich. Aber wieso eigentlich? Wahrscheinlich meint Miley dies ja wieder mal feministisch. So wie jedes Jahr einmal eine Frau ihr Achselhaar feministisch färbt. Und ein paar andere ihre Brüste feministisch zeigen. Gegen den heteronormativen Körperkult oder so. Dagegen hab ich nichts. Feministin war ich schon immer. Ich frag mich bloss immer: Gibt es dafür nicht andere Ausdrucksformen? Nicht auch dringendere, nachdrücklichere, relevantere, intellektuellere? 

In meiner neurotischen Beobachtung geht Achselhaar gerne auch mit Körpergeruch einher. Sehr gern. Von daher ist mir das Achselhaar noch unlieber als das Bart- (Obwohl: essen mit Bart ... ganz zu schweigen von küssen. I kissed a beard and I didn't like it.) und Beinhaar. Körpergeruch mag auf einer Alp angehen oder in «Newtopia» und selbstverständlich beim Sex, also dort, wo sich Menschen sowieso gut riechen können, weil jeder Missgeruch in einer Glückshormon-Wolke verduftet. Aber er geht nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, Grossraumbüros, Supermärkten, Städten, Luftschutzkellern, Sitzungen, überall dort, wo sich zufällige Zweckgemeinschaften finden. 

Die Antwort auf das Argument «Jedes Parfüm ist für mich Geruchsbelästigung, ich find meinen Eigengeruch am tollsten» lautet: Nein! Nein!! Nein!!! Eigengeruch tendiert dazu, im Laufe eines Tages zuverlässig nach Zersetzung, Verwesung und also Tod zu riechen. Nach Endzeit. Weltuntergang. Apokalypse. Achselhaare potenzieren die mögliche Verwesungsgeruchs-Fläche. Selbst das billigste Parfüm zeugt von einem Bemühen, sich für andere angenehm zu machen. Das gilt für Männer und Frauen. Ein gutes Deo ist pure Menschenfreundlichkeit.

2014 wollte uns auch Madonna was beweisen. bild: Instagram/madonna

Bin ich jetzt eine schlechte Feministin? Eine domestizierte Frau? Verklemmt? Eine Selbtshasserin, die verdrängen will, was die Natur so grosszügig angerichtet hat? Ist die Sache mit dem Haar tatsächlich nur und immer frauenfeindlich? Ist sie nicht. In Wellen ist sie mal frauen-, mal männerfeindlich. 

Die alten Ägypter enthaarten Frauen wie Männer. Die antiken Griechen fanden behaarte Männer ekelerregend. Alexander der Grosse verbot Bärte, weil Krieger im Kampf Gefahr liefen, daran vom Pferd gerissen zu werden. Der römische Dichter Ovid verfasste ein Pamphlet gegen die Achsel-Zotteln der Männer und schrieb: «Und nicht soll der stinkende Bock, der Herr der Ziegenherde, unter den Achseln hausen.» Jawoll! Den Damen riet er zur Beinenthaarung. Die Krieger der Kelten wiederum, die damals den ganzen Körper rasierten, hielt Ovid für effeminiert, also für ziemlich schwul.

«Und nicht soll der stinkende Bock, der Herr der Ziegenherde, unter den Achseln hausen.»

Ovid (43 v.Chr. – 17 n.Chr.)

Zwischen 1600 und 1700 rasierten sich Männer und Frauen Stirn und Augenbrauen und ersetzen letztere mit Mäusepelz. Ende des 18. und im 19. Jahrhundert rasierten sich Dandys – und Prostituierte, die ihren Kunden so beweisen konnten, dass sie keine Läuse hatten.

Die Männerrasur unterhalb des Kinns wurde auch nach Ovid für vorwiegend schwul gehalten. Doch dann kam der Mann der Männer: Daniel Craig tauchte in «Casino Royale» als Bond mit fast blanker Brust aus dem Meer auf. Als männliche Ursula Andress. Eine reife Trans-Gender-Leistung. Und David Beckham wurde mit ganz glatter Brust zum Heros der Metrosexualität. Zusammen mit Cristiano Ronaldo. Brad Pitt. Johnny Depp, Justin Bieber, Ryan Gosling. 

Very nice! David Beckham. Bild: FR79102 AP

Nice! Brad Pitt in «Troy». Sehr schön auch die Abwesenheit eines Bartes. Bild: EPA EFE

Ihr Achselhaar: Vorhanden. Aber spärlich und ansprechend frisiert. Ihre Vorbilder: Pornodarsteller und Sportler. Sporno. Sie hätten auch einfach die Kunstgeschichte konsultieren können: Abgesehen von etwas Schamhaar sind nackte Menschen dort wirklich nackt. Michelangelos David hat kein Achselhaar.

Seither ist auch der Mann unter Druck und damit für einmal gleichberechtigt. Mit uns Frauen nämlich, die exakt seit hundert Jahren unter dem aktuell gültigen Enthaarungs-Diktat stehen: 1915 kam der erste Damenrasierer – explizit für Achselhaare – von Gillette auf den Markt. Die Kleider wurden kürzer und bequemer, die freigelegten Glieder gepflegter. Sie zeugten von Zeit, Geld und Stil ihrer Besitzerinnen.

Die enthaarte Frau galt also als Kulturleistung. Das klingt immerhin ein wenig besser, als der spornographisierte Mann. Aber klar folgen beide Idealen, die andere (Männer) geschaffen und etabliert haben. Meinetwegen soll sich Miley Cyrus aus Protest ihr Beinhaar wachsen lassen, wie einen Regenbogen färben und ein ganzes Album darüber schreiben. Aber den Endzeit-Flaum in den Achselhölen, den soll sie doch bitte nicht weiter propagieren. Bitte.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • ramalamding 07.05.2015 14:51
    Highlight Das war mit Abstand der dümmste Watson-Artikel, den ich je gelesen habe. Was soll denn bitte die Zusammenfassung der unterschiedlichen Haarmoden in der Vergangenheit? Nur weil es früher schon den Zwang gab, sich an bestimmten Körperstellen zu enthaaren, muss man heute den Zwang ja nicht aufrecht erhalten. Und solange es Leute wie die Autorin gibt, muss es auch Frauen wie Miley geben, die den anderen Frauen zeigen, das man sich nicht jedem Schönheitsdiktat unterwerfen muss. Und noch was: Achselhaar hat ja gar nichts mit dem Nichtgebrauch von Deo oder Parfum zu tun?! Was ist mit all den Männern da draussen, die Achselhaare haben? Stinken die etwa alle? Nein. Nach diesem Artikel habe ich grosse Lust, meine Achselhaare wachsen zu lassen, einfach weil es mich verstört, dass es Frauen wie die Autorin gibt und um ein Zeichen dagegen zu setzen.
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    • wolkenesser 08.05.2015 08:42
      Highlight Ziemlich deiner Meinung. Aber sich die Achselhaare färben? Nein, danke. Haare sind meiner Meinung nach nur im Genitalberreich wirklich eklig. Mich stört es auch nicht wenn eine Frau mal nicht ihre Arme rasiert, solange sie nicht aussieht wie ein Pavian ....... (bei Männern finde ich es sogar komisch wenn man sich die Arme rasiert)
      Und die Geschichtsbeispiele sind echt ein wenig blöd und nichts aussagend. Ich könnte jetzt auch recherchieren und würde genau so viele Zitate berühmter Leute und Kulturen finden, die das Gegenteil beweisen.
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  • Zeit_Genosse 07.05.2015 08:58
    Highlight Es lebe die Abwechslung und die Wiederholung. Beides ist für ältere Semester interessant und das Zweite für die Generation, die sich exsessiv rasiert und jetzt mal etwas unverschämt neues machen möchte (was leider schon früher gemacht wurde).

    Ich denke, dass es auch einen Mittelweg (etwas bünzlig?) gibt, wo Achsel-/Intimbehaarung, wenn gut und kurz getrimmt, zulässig bleiben. So kann man sich von der pornoindizierten Totalrasur wieder etwas abgrenzen und auch von den Vorpupertierern. Männer und Frauen sollen sich doch erwachsen (behaart) zeigen dürfen. Aber jedem das Seine und Hauptsache anders.
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  • Citation Needed 06.05.2015 23:07
    Highlight Die Kulturgeschichte der Körperbehaarung anhand einiger Milestones nacherzählt, Aufhänger ist Miley. So what? Was hat es mit Gender und Feminismus zu tun? Weiss ich selber nicht so genau, aber man muss schon feststellen, dass Gesichtshaar mit all den Hipsterbärten (wer hat es kommen sehn? wer hätte es prophezeit? Ich niemals!) ein unerwartetes Comeback hinlegte. Was sagt uns dies kulturell, oder gar in terms of Gender? Ich find's spannend. Auch bzgl. Körperbehaarung. Vor ca. 10 Jahren galten Intimrasuren ja noch als nuttig und waren die Wasserscheide (sorry!!) zw. altbacken und zeitgemäss...
    6 0 Melden
    • Tom Garret 07.05.2015 00:42
      Highlight Alles kommt wieder, man kann sich nicht neu erfinden... Schau die Mode an...
      3 0 Melden
    • Citation Needed 07.05.2015 09:27
      Highlight Tom: ja, schon.. Bei Haupthaar, Schminkstilen, Rock-/Hosenlängen, Absatzhöhen, Schuhspitzenformen und Kleiderstilen sowieso rechne(te) ich mit allen möglichen Modeerscheinungen, bin/war also gewappnet.. Dass Gesichts- und Körperhaar aber mal derart Furore machen würden, hat mich kalt erwischt! ;-)
      3 0 Melden
  • wololowarlord 06.05.2015 20:07
    Highlight Jedem das seine. So abgenutzt diese phrase auch ist...
    wie man das haar nun trägt (ob mann oder frau) soll doch jeder selbst entscheiden. man muss halt damit rechnen, dass es nicht allen passt, aber who cares :'D
    30 0 Melden
    • trio 06.05.2015 23:52
      Highlight Diese Phrase ist ja wohl mehr als nur abgenutzt, oder wurde schon wieder vergessen wofür die benutzt wurde? Was ja auf einer Seite zu begrüssen ist, auf der anderen auch nachdenklich stimmt.
      Aber zurück zum Thema, Parfümgestank ist 1000 mal schlimmer als der Schweissgeruch. Leider soll ja Deo die besonders übelriechenden Schweissbakterien fördern, ein Teufelskreis also.
      3 8 Melden
    • wolkenesser 08.05.2015 11:08
      Highlight @trio Ja, wenn man Parfüm von 5 m Entfernung riecht und manchmal so wie irgendwelche Duftsprays von Autobahnraststätten WC s finde ich das deutlich schlimmer als Schweissgeruch!
      1 2 Melden
  • der nörgler 06.05.2015 19:28
    Highlight mir erschliesst sich der Zusammenhang mit dem Feminismus auch nicht. Sich die Schamhare komplett zu rasieren und wie ein 5 jähriges Mädchen auszusehen, ist das feministisch? Aber wenns schon die alten Griechen machten, dann kann es wohl nicht schlecht sein. Eine antike Hochkultur, die hatte hehre Werte, die wir wieder übernehmen sollten. Nur, da war es auch ok, als Mann mit einem Knaben Sex zu haben...

    Sie sind ja immerhin noch so ehrlich und schliessen eine Neurose nicht aus. Ich würde das unterstützen. Zudem, die beim Blick drüben fahren diese Kampagne schon seit Wochen, daher *gähn*.
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  • Gelöschter Benutzer 06.05.2015 19:20
    Highlight Also ich finde Achselhaare auch nicht gerade anziehend, aber soo schlimm sind sie nun auch wieder nicht. Gestank (egal ob von Schweiss oder Parfüm) ist bei weitem unanständiger. Wobei nicht alle, die schwitzen oder Parfüm benutzen, dazu gehören.
    21 4 Melden
  • Ton 06.05.2015 19:09
    Highlight Mich hat der Beitrag sogar dazu gebracht, das heutige Schönheitsideal zu hinterfragen. Nicht, dass ich Achselhaare plötzlich schön fände, das sitzt zu tief in mir drin. Aber ich verstehe die Gegenbewegung. Schliesslich muss ich an mir nichts rasieren, wenn ich nicht will - Frauen hingegen schon.
    52 1 Melden
  • maxi 06.05.2015 19:05
    Highlight Wie kann man nur Beckham und Ronaldo au eine Stufe mit diesem Drogen nehmenden musiker stellen?

    Nei sry!
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  • fiodra 06.05.2015 18:13
    Highlight Also Frau Meier, sie haben ihre Achselhaarneurose nun ziemlich breit geschlagen. Was das mit Feminismus zu tun hat, ist mir schleierhaft. Mit Modediktat und unfreiem, da konditioniertem Geist hat das hingegen viel zu tun.

    Immerhin hat ihr Artikel mich dazu angeregt, mir als Mann die Achselhaare zu färben, vielleicht in einem feministischen (oder schwulen) Pink; und als Deo künstlichen Bratensaucengeruch zu verwenden. Ich komme sie dann mal auf die Redaktion besuchen. Oder so. Gell!
    73 7 Melden
    • Citation Needed 06.05.2015 22:48
      Highlight Achselhaar war in den 80ern der feministische Lackmustest. Nena wurde z.B. als teutonische Frauenbewegte gefeiert, zumindest vermeldete dies mein geliebtes 'Bravo'!

      Darum der Feminismusbezug. Ist historisch. :-)
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 06.05.2015 17:07
    Highlight Die Stinkerei hat NICHTS mit Haaren sondern nur mit der persönlichen Hygiene zu tun. Wer sich anständig pflegt und ein dezentes Deo verwendet, braucht kein Parfüm. Parfüm ist ekelhafte Geruchsbelästigung. Es gibt SEHR VIEL MEHR Parfüm-Stinker als Schweiss-Stinker.
    Aber die Einstellung passt zum Zeitgeist. Etwas zu kaufen und sich - und damit auch rücksichtslos andere - einzunebeln ist gewinnbringend für die Industrie und für den Anwender bequemer als zeitaufwändige Hygiene. Aus demselben Grund frisst man lieber Junkfood als zu Kochen. Bäh ....
    87 22 Melden
    • goschi 06.05.2015 17:45
      Highlight Danke Rhabarber für diese treffenden Worte!
      29 8 Melden
    • trio 06.05.2015 19:27
      Highlight wirklich sehr treffend!
      8 5 Melden
    • zappeli 06.05.2015 19:46
      Highlight Trifft so ziemlich das, was ich auch sagen wollte.
      Ein gutes Deo hilft gegen Gerüche, ob nun Haare da sind oder nicht.
      6 1 Melden

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