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Twitter-Kommentare zum «Tatort»

Super Milch, supergut

Exil-Syrer, eine wilde Liebesnacht und viel Milch plus Korn: Der Tatort mit Wotan Wilke Möhring konnte mit einer guten Handlung überzeugen. Bei Twitter wurde vor allem der Hauptdarsteller angeschmachtet.

01.12.14, 08:16 01.12.14, 12:10

Ein Artikel von

Echo auf die «Tatort»-Folge «Die Feigheit des Löwen»

Vorgeblich ging es um den Bürgerkrieg in Syrien, tatsächlich wohl auch. Bei Twitter wurde wieder nur nach «Rassismen» im Drehbuch gesucht ... und der Hauptdarsteller angeschmachtet. Seinen seltsamen Trinkgewohnheiten zum Trotz.

Knallhartes Verhör: Falke (Wotan Wilke Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) versuchen, Raja (Daniela Goldpashin) die Wahrheit abzuringen. bild: ard

«Sie haben den Krieg nach Deutschland geholt», stellt Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) mit Blick auf die Strippenzieherin am Ende fest. Die hätte, was sie nicht hat, darauf mit einem Hinweis auf deutsche Waffenexporte antworten können – es hätte nichts genutzt. Während bei ProSieben «Transformers» und bei RTL der «Hobbit» lief, schien es sich die WWM-Fangemeinde bei der ARD gemütlich gemacht zu haben. 

Lasst uns unsere Sorgen ertränken: Falke und Lorenz mit ihrem Kollegen Katz (Sebastian Schipper) am Tresen. bild: ard

Und so fing man dann auch selbst an, dem Wotan Wilke Möhring beim Eierlegen zuzuschauen. Nach einer Weile, mehr aus Zerstreuung, widmete man sich dann doch wieder der Handlung, die ruhig und gelassen um eine Gruppe von Exilsyrern mit Dreck am Stecken kreiste und stellenweise gar nicht mal so unspannend war. Die Meinungen gingen da aber auseinander.

«Homeland» in Oldenburg: Harun (US-Serien-Star Navid Negahban, l.) zwingt seinen Bruder Nagib (Husam Chadat) zur Flucht. bild: ard

Die Handlung freilich war, wie es sich für einen Krimi gehört, nicht ganz so transparent, wie mancher sich das offenbar gewünscht hätte. Bisweilen rückten auch allzu selbstgestrickte Ausstattungsdetails in den Blickpunkt. Spürbar war dennoch ein gewisser Respekt vor dem Thema, der sich in nur zurückhaltender Witzelei niederschlug.

Ein Bällchen, schon ist die Verbindung hergestellt: Falke (Wotan Wilke Möhring) versucht den traumatisierten Ali (Mert Dincer) zum Reden zu bringen. bild: ard

Mit der Story oder Action war es dabei nicht allzu weit her. Wer «Story» wollte, konnte ja zu Tolkien rüberschalten und zu den «Transformers», wem der Sinn nach «Action» stand. Oder, wir sind ein freies Land mit Internet, auch etwas ganz, ganz anderes tun.

Obst als Mordinstrument: Gerichtsmedizinerin Dr. Evers (Brigritte Kren, Mutter von Regisseur Marvin Kren) erklärt den Kommissaren, auf welch bizarre Weise das Opfer zu Tode gekommen ist. bild: ard

Wer aber dabei und damit WWM treu blieb, der wurde belohnt. Los ging alles mit der Milch, die Falke/Möhring ohnehin gerne in sich hineinschüttet. Niemals aber in unheilschwangerer Verbindung mit Alkohol.

Und dann «fing» @WWMoehring tatsächlich etwas mit seiner Kollegin «an». Möglicherweise trug diese Episode wenig bis rein gar nichts zum Fortgang der Handlung bei. Dafür bot der folgende Morgen erneut eine Gelegenheit für die Ausstatter, ihre Kunst zu zeigen. Nebenbei wurde die Frage verhandelt, wie sich Beamte nach erfolgter Kopulation anderntags anzureden haben.

Haben Sie das kleine Detail erkannt? Diese witzige Winzigkeit, die signalisieren soll, dass die gemeinsame Nacht der Fahnder wild und rauschhaft gewesen sein muss?

Also endete dieser «Tatort» versöhnlich. Die Zielgruppe hatte etwas zum Grübeln, man konnte Fremdwörter lernen (oder «Pomologie» googeln) und zuletzt ein salomonisches, wenn auch leicht beschwippstes Urteil fällen.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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