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Die zweite Staffel von «True Detective»

«True Detective» kommt zurück. Und es ist die Serie, die wir verdienen

«True Detective» war der Serienhit 2014. Nun treten unter anderen Colin Farrell und Vince Vaughn das Erbe ihrer gefeierten Vorgänger an.

14.06.15, 18:29 15.06.15, 09:33

Hannah Pilarczyk / spiegel online



Ein Artikel von

«California is a brand new game» (In Kalifornien gelten völlig andere Regeln) heisst es in dem Song, der am Ende der ersten Folge von «True Detective Season 2» erklingt. Ein eindeutiges Signal an die Zuschauer: Wenn sie es nicht schon selbst im Verlauf der ersten 56 Minuten von Staffel 2 getan haben, sollen sie spätestens jetzt den Vergleich mit der ersten Staffel doch bitte sein lassen.

Doch nicht zu vergleichen geht in diesem Fall nicht. «True Detective» war der grosse Überraschungserfolg von 2014, eine kleine, achtteilige Krimiserie, die dank ihrer prominenten Hauptdarsteller Matthew McConaughey und Wooddy Harrelson zunächst wohlwollendes Interesse hervorrief, um sich dann von Folge zu Folge zum popkulturellen Meilenstein zu entwickeln. 

Allein in den USA verzeichnete HBO Zuschauerzahlen von rund elf Millionen, zum Finale brach wegen der grossen Nachfrage vorübergehend der Online-Dienst HBO Go zusammen. Die erste Staffel gewann 24 TV-Preise, darunter fünf Emmys.

Die Lasten der Vergangenheit

Wie an einen solchen Erfolg anknüpfen? Für Serienschöpfer und Drehbuchautor Nic Pizzolatto war klar, dass sich die Serie mit jeder Staffel neu erfinden musste. Waren zuvor zwei Detectives in Louisiana im Einsatz, sind nun drei Ermittler in einem Vorort von Los Angeles mit einem Mordfall betraut: Neben Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) sind das der Motorrad-Streifenpolizist Paul Woodrugh (Taylor Kitsch, «Friday Night Lights») und die Sheriff's Detective Ani Bezzerides (Rachel McAdams, «Every Thing Will Be Fine»).

Sie alle haben schwer an ihrer Vergangenheit zu tragen, Ray an der Vergewaltigung seiner Frau, aus der womöglich sein Sohn hervorgegangen ist; Paul an Kampfeinsätzen in der Armee, die tiefe Narben auf seinem Oberkörper hinterlassen haben; und Ani an ihrer Kindheit in einer Hippie-Kommune, die ihre Mutter nicht überlebt hat.

Nur einer scheint kein Problem damit zu haben, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen: Der Mafiaboss Frank Semyon (Vince Vaughn). Er hat lange Zeit das organisierte Verbrechen in Südkalifornien dominiert, nun möchte er eine Familie gründen und sich als ehrbarer Geschäftsmann etablieren. Ein paar Grundstücke muss er noch erwerben, dann kann er dem Staat sein Bauprojekt einer Bahnstrecke von Süd- nach Mittelkalifornien präsentieren. Doch der Deal platzt, als der City Manager, der Frank die Grundstücke verkaufen sollte, ermordet wird – oder genauer gesagt, ihm mit Säure die Augen verätzt werden, er tagelang an den Füssen aufgehängt und schliesslich mit gröbster Munition erschossen wird.

Kein Gut, kein Böse

Warum diese Brutalität? Und warum dieser unbedeutende Funktionär in der Stadtverwaltung? In einer klugen Umkehrung der klassischen Verbrecher- und Ermittler-Konstellation lässt Pizzolatto ausgerechnet den Mobster Frank das grösste Interesse an der Aufklärung des Mordes haben – und macht nebenbei auch klar, dass über Frank noch jemand steht, der nicht vor Gewalt zurückschreckt. Nur wo sitzt dieser jemand? In der Führungsetage eines Grossunternehmens, dem Frank Konkurrenz macht – oder in der Politik?

Wie in der ersten Staffel kämpfen Männer darum, ihre Familien zusammenzuhalten. Bild: AP/HBO

Kein Gut, kein Böse, nur ein System, aus dem man mit grösseren oder kleineren moralischen Beschädigungen herauskommen kann – das ist die klassische Konstellation des L.A. noir. An diesem Genre arbeiten sich Pizzolatto und seine diesmal wechselnden Regisseure (unter anderem Justin Lin vom «Fast & Furious»-Franchise) überdeutlich ab. Immer wieder zeigen Helikopter-Aufnahmen von den weit verzweigten Highways um L.A., dass es hier um Strukturen und Geflechte geht, die den Einzelnen umschlingen und ihm kaum Raum für Bewegung lassen.

Das alles mag zunächst nicht so originell wirken wie das Setting der ersten Staffel im sumpfigen Louisiana. Doch damals verdeckte die unwiderstehliche Dynamik zwischen den Hauptdarstellern McConaughey und Harrelson, wie sehr die Story den Regeln des Southern Gothic folgte. Sich pro Staffel von einem ur-amerikanischen Genre zum nächsten vorzuarbeiten, erscheint deshalb nur konsequent.

Klassisches Genre-TV

Überhaupt macht «True Detective» am meisten Spass, wenn man es als klassisches Genre-TV versteht. Dann fällt auch die Plumpheit, zu der Pizzolattos Bücher neigen und die in der ersten Staffel Regisseur Cary Fukunaga einigermassen bändigte, nicht so sehr ins Gewicht. Ansonsten müsste man ein ums andere Mal die Zähne zusammen beissen, etwa wenn in einer verrauchten Bar eine Singer-Songwriterin eine düstere Ballade mit der Zeile «This is my least favourite life» anstimmt und Colin Farrell dazu die intensivsten Lungenzüge der jüngeren TV-Geschichte nimmt.

Auch die schwierige Geschlechterpolitik aus der ersten Staffel ist wieder da: Männer kämpfen darum, wie sie ihre Familien zusammenhalten können, und Frauen hadern damit, ob ihre Sexualität Bürde oder Waffe für sie ist. 

Immerhin scheinen die Macher aus der Kritik an der ersten Staffel gelernt zu haben: Die nackten Frauenhintern sind aus dem Vorspann verschwunden, und Nacktheit und Sex sind stärker erzählerisch begründet als noch in der Vorgängerstaffel, wo jede Frauenfigur irgendwann blank ziehen musste. Und wenn Frank eine Zeitung mit einer grossen Artikelserie über Korruption in seiner Stadt vorgelegt bekommt und ruft: «Eine achtteilige Serie?!» – dann beweist die zweite Staffel sogar etwas selbstreferenziellen Humor.

«Wir kriegen die Welt, die wir verdienen»

Am besten war und ist «True Detective» aber, wenn der Horror einer übergeordneten Macht angedeutet wird – einer Macht, die an keine Regeln gebunden ist und sich keinen noch so verqueren Werten verpflichtet fühlt. In der ersten Staffel wurde die grosse Verschwörung meisterlich von Folge zu Folge weiter entwickelt – nur um in der Aufklärung des Verbrechens dann zu enttäuschen.

Zu Beginn der zweiten Staffel kann man sich nun darauf einstellen, dass die Serie mehr verspricht, als sie mutmasslich einlöst. Gerade deshalb kann man es aber umso mehr geniessen, wenn Colin Farrell in einem bedeutsamen Dialog mit seiner Partnerin Ani sagt: «Wir kriegen die Welt, die wir verdienen.» Wer mit den richtigen Erwartungen an die zweite Staffel «True Detective» herangeht, kriegt genau die Serie, die er verdient: nämlich einen richtig guten Krimi.

Die zweite Staffel läuft ab dem 22. Juni, wie HBO ankündigte.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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