Populärkultur
A drunken man lies in the sand surrounded by partying German tourists at the beach in Platja de Palma on the Spanish island Mallorca, pictured on June 4, 2010. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ein betrunkener Mann liegt am Strand von Platja de Palma auf der spanischen Insel Mallorca umringt von feiernden deutschen Touristen im Sand, aufgenommen am 4. Juni 2010. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Kommentar

«Die Komatrinker sind nicht die Einzigen in unserer Gesellschaft, die sich nicht im Griff haben»

Erneut geistert die Meinung durch die politische Landschaft, dass die Jugendlichen für die Kosten aufkommen sollen, falls sie sich ins Koma saufen. Mit jeder solchen Empörungswelle steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch effektiv umgesetzt wird. Ein Kommentar, weshalb der Damm der Solidarität nicht brechen darf.

04.07.14, 13:41 04.07.14, 20:51

Die konkrete Forderung heisst diesmal «Komatrinker sollen finanziell in die Pflicht genommen werden» und kommt aus dem Bundeshaus. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates schickt den Vorentwurf für eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes in die Vernehmlassung. 

Diese Forderung deckt die stark verbreitete Jugendfeindlichkeit unserer Gesellschaft auf. Alle wollen heute zwar jung sein und bleiben. Aber niemand kann und will sich in Jugendliche einfühlen. 

Die komasaufenden Jugendlichen sollen nun also die Folgekosten übernehmen, weil sie sich nicht im Griff haben. Dies liesse sich jedoch auf fast alle Schadenfälle übertragen: 

Die Entsolidarisierung in der Gesellschaft beginnt dort, wo am wenigsten Gegenwehr erwartet wird. Als Nächstes sind die Fettleibigen dran, danach die Extremsportler und dann diejenigen, die einen Selbstmordversuch überlebt haben. Enden tut das Ganze mit dem Leitspruch:

«Du bist selber schuld!»

Alles wird auf die Menschen zurückfallen:

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, wie oft sich dieselben Jugendlichen ins Koma saufen. 
Die wenigen Fälle, die ich kenne, hörten nach ein- oder allerspätestens zweimal auf. Es ging ihnen dabei viel zu übel, als dass sie es geil fanden. 

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, weshalb die Jugendlichen dies tun. 
Ich gehe jedoch nicht davon aus, denn sonst käme man wohl zum Schluss, dass es die unterschiedlichsten Gründe dafür gibt. Und diese Gründe werden den Ursprüngen der oben aufgelisteten Schadenfällen ähneln, die ebenso darin begründen, «sich nicht im Griff zu haben». 

Stoppen wir die Entsolidarisierung der Gesellschaft in ihren Anfängen!

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
24
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Muse_Dom 24.07.2014 17:16
    Highlight Grundsätzlich bin ich einverstanden mit der Argumentation, dass viele Schadenfälle ein ähnliches Mass an Selbstverschulden aufweisen wie Komasaufen. Aber was hat ein Burn-Out in der Liste zu suchen? Wie gross ist hier das mögliche Selbstverschulden?
    1 0 Melden
  • Armando 15.07.2014 22:51
    Highlight Dass jugendliche Komasäufer keine Sympathien in der Öffentlichkeit haben, haben sie ihrem Verhalten zuzuschreiben: in der Öffentlichkeit kotzen, an Hauswände pissen, Leute anrempeln, Schlägereien anzetteln usw. Und wenn sie dann stockbesoffen sind und nicht einmal mehr den eigenen Namen lallen können, landen sie in der Notfallstation. Die Stadtpolizei Zürich hat nicht umsonst schon seit einiger Zeit den Aufenthalt in der Ausnüchterungszelle kostenpflichtig gemacht, höchste Zeit, dass auch die Spitalbehandlung aus dem eigenen Sack bezahlt werden muss. Wer sich so grobfahrlässig verhält, sollte nicht noch belohnt werden.
    1 2 Melden
  • zubing 08.07.2014 16:25
    Highlight Watson - ich liebe euch für eure Nachrichten und im Allgemeinen euren Stil/Auftritt. Einfach anders. Seit längerem meine meistbenutzte App :)
    1 0 Melden
  • Kontrabass 06.07.2014 18:38
    Highlight Aus WHO-Kreisen kommt der Satz, wir seien alle Passivtrinker, weil wir ungefragt (neben dem Leid) ein Leben lang die alkoholbedingten Sozialkosten mittragen. Also eine ungewollte Solidarität. Wir hätten es in der Hand, mit echter Solidarität diese Schäden zu senken, wenn Parlament und Stimmvolk bereit wären, den Alkoholkonsum mittels wirksamer Prävention zu reduzieren.
    Leider sind sowohl Parlament wie Stimmvolk derart in der Hand der Alkoholindustrie, dass kaum Besserung möglich sein wird. Das Drama der gegenwärtigen Revision des Alkoholgesetzes ist dafür der deutliche Beweis.
    2 3 Melden
  • Tomlate 05.07.2014 10:54
    Highlight Ich dachte, dass Watson eine weitere Nachrichten App sein wird, die ihr Dasein in einem vergessenen Ordner meines Smartphones fristen wird. Aber ich öffne sie nun täglich mehrmals. Das breite Spektrum an Arten von News gefällt mir und die Artikel entsprechen dem Journalismus, den ich erwarte. Berichte, die zu Diskussionen führen und zum Denken anregen. Danke und weiter so!
    14 1 Melden
    • Kreehp 05.07.2014 23:04
      Highlight Dem kann ich mich nur anschließen.
      6 1 Melden
  • goalfisch 04.07.2014 22:31
    Highlight ja und woher haben wir denn diesen doofen begriff? und wer bitteschön macht aus diesem unwichtigen thema etwas reisserisches?
    wenn die medien nicht darüber berichten würden, wärs auch heute noch kein thema. aber sobald darüber berichtet wird, macht sich unsere "wutpartei" auf, neue "wutbürger" zu gewinnen ... #frustaus
    darum danke für diesen kontrapunkt.
    9 1 Melden
  • Tux 04.07.2014 21:20
    Highlight Komatrinker - also bitte schön - das gab es schon immer und niemand scherte sich darum. Früher gab es einfach kein Schlagwort dafür und man machte keinen Wirbel drum. Heute gibt es auch gleich ein Riesenpromborium um jeden kleinen Hasenfurz....
    Wenn schon - dann sollten Verkehrverunfaller für die Folgeschäden aufkommen - für jeden Autofahrer der im Stau stecken bleibt gibt es dicke Kohle vom Verursacher....
    Wo kämen wir da hin, wenn es für jeden Hasenfurz ein Gesetz gäbe...
    Man soll und darf mal jung und unvernünftig sein. Das ist unser Recht - und selbst wenn es nur darum geht - auch diese Erfahrung zu machen....
    Ach was sind wir Schweizer doch für Bünzlis geworden....
    24 2 Melden
  • elivi 04.07.2014 21:07
    Highlight Nun ja die Beispiele sind zun teil etwas arg grosszügig gewählt ... unfälle will man ja nicht, komatrinker tun dies mit absicht. extremsportler kriegen bereits keine normale versicherung, selbstmordversuch?? Ja gut vielleicht ist das der grund einiger komatrinker .... ob die gründe je erforscht wurde? Wer weiss. Ich weiss nur, wenn ich an jugendliche denke dann an die, die nicht das komatrinken ausprobieren müssen um zu wissen das es eigentlich nicht so geil ist...
    5 7 Melden
  • skibba 04.07.2014 18:17
    Highlight sehr kryptischer titel, guter, pointierter kommentar
    10 3 Melden
    • philipp meier 04.07.2014 19:59
      Highlight danke. ja, der titel. fand ihn auch suboptimal. habe ihn nun geändert. ist er jetzt besser?
      10 2 Melden
    • skibba 05.07.2014 12:03
      Highlight ja, der titel ist viel deutlicher. ihr habts schon gut im online: könnt einfach nochmals einen neuen titel suchen :)
      5 1 Melden
  • Tanuki 04.07.2014 17:10
    Highlight Sollte das wirklich durchgesetzt werden, erwarte ich, dass Jugendliche in gewissen fällen nicht mehr den Notarzt rufen, weil sie es ja selber bezahlen müssen. Es darf nicht soweit kommen! Die ganze Sache ist sehr kurzfristig gedacht und extrem populistisch.
    21 3 Melden
    • MediaEye 09.07.2014 14:35
      Highlight und die Presse mischt dabei kräftig mit, siehe dieses Beispiel hier, tönt ja schon fast wie der Blick; gehört ja scheinbar nun auch zum SPIEGEL-Konzern, da kann man nichts anderes erwarten
      0 0 Melden
  • fiodra 04.07.2014 17:02
    Highlight Diesen Jugendlichen fehlt aus Mangel an Erfahrung das Verständnis für Ursache und Wirkung. Die Drohung mit der Kostenübernahme soll dieses Bewusstsein wecken. Ich sehe es als pädagogische Massnahme.

    Und ja, ich finde auch, dass Extremsportler, Raser, geldgierige Banker etc für ihre verursachten Schäden aufkommen sollten, denn diesen fehlt dieses Bewusstsein genau so. Bisher zahlen die Opfer oder die Allgemeinheit dafür - eine Einladung für verantwortungsloses Tun. "Hinter mir räumt ja schon einer auf!"
    4 18 Melden
    • philipp meier 04.07.2014 20:02
      Highlight aber eben: wo wird damit begonnen, die folgekosten abzuwälzen? bei den schwächsten der gesellschaft. meine these: die banker und manager werden die letzten sein, die die folgekosten ihres tuns werden übernehme müssen (wenn überhaupt)
      18 0 Melden
  • Jonas Meier 04.07.2014 17:00
    Highlight Bin selber in diesem Alter und Nein überhaupt nicht dieser Meinung.

    Der grosse Unterschied zu den Punkten in der Liste ist folgender: Es gibt viele die bewusst so viel, also absichtlich und aus Spass (und mehr als nur zwei Mal) so viel trinken. Suizide und Sportunfälle sind hingegen kein Spass.

    Wiso sollte also die Allgemeinheit die Kosten tragen, wenn ein einzelner dies macht?
    12 12 Melden
    • philipp meier 04.07.2014 20:05
      Highlight du findest also, dass die allgemeinheit es übernehmen soll, wenn bei einem ungeübten und untrainierten fussballer an einem grümpelturnier das kreuzband reisst? das ist weniger absichtlich, als das sich ins koma saufen? beim komatrinken wie auch beim grümpelturnier spielt beispielsweise der gruppendruck eine enorm grosse rolle.
      12 3 Melden
    • Jonas Meier 04.07.2014 22:35
      Highlight Ja, genau. Denn beim Grümpelturnier geht es nich darum sich das Bein kaputt zu machen. Beim Komatrinken geht es jenen Personen vor allem darum sich einfach abzuschiessen. Dann verstehe ich, dass jene die mit Mass Alkohol trinken nicht für jene aufkommen möchten, die sich damit abschiessen möchten.
      9 5 Melden
    • philipp meier 04.07.2014 23:15
      Highlight aha. und der fussballer, der trainiert und schienbeinschoner trägt, soll für jene aufkommen, die dilettantisch rumkicken und sich dabei verletzen (und solche gibt es scheinbar massenhaft, sonst käme die suva nicht auf die idee, extra eine kampagne für grümpelturnierkicker zu lancieren: http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/ohne-kater-ans-gruempelturnier-1.18270046)

      aber eigentlich geht es mir gerade nicht darum, dass das verursacherprinzip eingeführt würde. mit diesem beispiel möchte ich einzig aufzeigen, wie beliebig und unfair es ist, den jugendlichen diese folgekosten aufzubürden.
      8 3 Melden
  • bolomuk 04.07.2014 16:53
    Highlight Danke Philipp Meier, das ist genau auf den Punkt gebracht!
    13 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.07.2014 16:05
    Highlight 23 Jahre sitzt Toni Bortoluzzi...........(der schon wieder)

    ein weiterer grund zur amtszeitbeschraenkung, oder vielleicht ist es auch sinnvoller nur noch politiker zu haben, die erfolgreich das tun, was sie am besten können, nämlich NICHTS.
    10 1 Melden
  • ast1 04.07.2014 15:58
    Highlight Vielen Dank, toller Artikel!
    14 3 Melden
  • Riccardo 04.07.2014 15:53
    Highlight interessanter Artikel!
    13 1 Melden

Hillary Clinton überrascht bei den Grammys das Publikum – und Donald Trump ...

Überraschender Auftritt von Hillary Clinton: Mit einer Lesung aus dem Enthüllungsbuch «Fire and Fury» haben die frühere Präsidentschaftskandidatin und Star-Musiker bei der Grammyverleihung gegen US-Präsident Donald Trump ausgeteilt.

Die Demokratin Clinton, die gegen Trump bei den Wahlen im November 2016 verloren hatte, erschien am Sonntag überraschend in einem vorab aufgezeichneten Sketch von Moderator James Corden. Darin liest sie eine Passage aus Michael Wolffs Buch, das mit Details aus dem Wahlkampf und Trumps Zeit im Weissen Haus Schlagzeilen machte.

Auch Rapperin Cardi B, John Legend, Cher und Snoop Dogg lasen einige Sätze aus dem Buch. «Warum lese ich diesen Scheiss überhaupt?», fragt Cardi B, nachdem sie eine …

Artikel lesen