Raumfahrt
NASA's Low Density Supersonic Decelerator (LDSD) Technology Demonstration Mission scientists show their Supersonic Flight Dynamics Test, SFDT near-space experimental test vehicle to members of the media, before its shipment at Jet Propulsion Laboratory, JPL, in Pasadena, Calif., on Wednesday, April 9, 2014. NASA's LDSD project will be flying a rocket-powered, saucer-shaped test vehicle into near-space this June from the U.S. Navy's Pacific Missile Range Facility on Kauai, Hawaii. The LDSD demonstration mission will test technologies that will enable large payloads to be safely landed on the surface of Mars, or other planetary bodies with atmospheres, including Earth. The SFDT vehicle will provide the experimental platform necessary for testing three new Entry, Descent, and Landing, EDL technologies under simulated Mars like conditions high in Earth’s stratosphere. (AP Photo/Damian Dovarganes)

Die fliegende Untertasse, die momentan von der NASA getestet wird. Bild: Damian Dovarganes/AP/KEYSTONE

Kein Witz

Nasa startet fliegende Untertasse

Das Ding sieht aus wie E.T.s Zweitwagen – doch tatsächlich erforscht die Nasa mit dem Low-Density Supersonic Decelerator neue Techniken für Marslandungen. In wenigen Tagen soll das tonnenschwere Gerät durch die Atmosphäre jagen.

12.06.14, 13:44

Ein Artikel von

Klar, Verschwörungstheoretiker kann man mit so einer Nachricht kaum überraschen: Die US-Weltraumbehörde Nasa arbeitet gerade an einer fliegenden Untertasse. Ganz im Ernst. Jeder, der die Buzzwords «Area 51» und «Roswell-Zwischenfall» fehlerfrei aussprechen kann, wird das natürlich wenig verwunderlich finden. Für diese Menschen ist schliesslich klar, dass die Erde schon längst Besuch aus der kosmischen Nachbarschaft bekommen hat – und sich die US-Regierung die Technologie unter den Nagel gerissen hat. Auch wenn die das natürlich dementiert.

Für den Rest sei gesagt: Bei dem Versuch, den die Nasa derzeit vorbereitet, handelt es sich nicht um den Test einer fliegenden Untertasse im klassischen Sinne. Es geht um neue Technologien zum Abbremsen von Forschungssonden. Der Low-Density Supersonic Decelerator (LDSD) soll vor allem dabei helfen, höhere Nutzlasten als bisher auf der Oberfläche des Mars abzusetzen.

Gleiche Bedingungen wie auf dem Mars

Dazu soll das drei Tonnen schwere Gerät voraussichtlich am Samstag von Hawaii aus aufsteigen. Zunächst bringt ein riesiger Heliumballon den LDSD in die Stratosphäre. Dort wird dann ein Raketenmotor gezündet. Dadurch steigt der LDSD bis in 55 Kilometer Höhe auf, von wo aus er auf die Erde zurückstürzen wird. Maximal wird er dabei mit vierfacher Schallgeschwindigkeit fallen. Eine aufblasbare Bremsvorrichtung und ein 30 Meter-Überschallfallschirm sollen ihm die Geschwindigkeit so weit wie möglich wieder nehmen.

Die Nasa verweist darauf, dass die Bedingungen dabei vergleichbar mit denen in der dünnen Marsatmosphäre sind. Die bisher für die Landung von Marssonden verwendeten Bremstechniken gehen auf die «Viking»-Sonden aus den Siebzigerjahren zurück. Sie fanden auch bei der Anlieferung des aktuellen Mars-Rovers «Curiosity» im Jahr 2012 Verwendung. Das Manöver galt als komplizierteste Landung der Planetenforschung.

Die Untertasse funktioniert als aufblasbarer Bremskörper, damit wären laut NASA auch Landungen in Gebirgsregionen möglich. Bild: Damian Dovarganes/AP/KEYSTONE

Nutzlasten werden grösser

In Zukunft sollen die Nutzlasten aber grösser werden, deswegen sind neue Ansätze gefragt. Und die testet man am besten auf der Erde und nicht im Anflug auf den Mars. Das Prinzip ist vergleichsweise simpel: Zum Bremsen wird die Oberfläche des Gefährts so stark wie möglich vergrössert – bei gleichbleibender Masse.

Der aufblasbare Bremskörper, man muss ihn sich vorstellen wie einen extrem widerstandsfähigen Ballon, kommt zuerst zum Einsatz. Er soll den Flugkörper auf die doppelte Schallgeschwindigkeit abbremsen, dann erst wird der Fallschirm aufgespannt, der die Geschwindigkeit weiter senkt.

Statt einer Nutzlast von anderthalb Tonnen wäre es mit den neuen Technologien nach Angaben der Nasa möglich, zwei bis drei Tonnen auf einmal auf den Mars zu bringen. Ausserdem seien dann auch Landungen in Gebirgsregionen möglich. Doch bis es soweit ist, muss die fliegende Untertasse noch mehrmals fliegen. Nach dem Test am Samstag sind zwei Flüge im kommenden Jahr geplant. (chs)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 12.06.2014 21:13
    Highlight Das Mars-Programm verschlingt Milliarden, nur um Menschen auf einen sandigen Planeten zu bringen. Die USA wollen da die ersten sein und haben die Spaceshuttles aufgegeben und damit den freien Markt für orbitale Nutzlasten angekurbelt. Die Forschung bei dieser Marsmission wird viele neue Werkstoffe, Verfahren und Anwendungen hervorbringen und den technischen Fortschritt zusammen mit den Rüstungsentwicklungen vorwärts treiben. Die USA wird ihre technische Dominanz weiter ausbauen.
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