Russland

Besorgt um Waffenlieferungen aus der Ukraine

China stellt sich auf die Seite Russlands – ein gefährliches Kräftemessen

Langjährige Freundschaft: Vladimir Putin 2006 zu Besuch beim früheren Präsidenten der Volksrepublik China Hu Jintao. Bild: EPA

Während der Westen versucht, Russland zu isolieren, stellt sich China an die Seite Wladimir Putins. Hinter den Kulissen arbeiten Moskau und Peking bereits an Plänen für ein militärpolitisches Bündnis – eine Allianz, die die Kräfteverhältnisse auf der Welt dramatisch verändern kann.

20.03.14, 16:02 20.03.14, 23:29

Ein Artikel von

uwe klussmann, spiegel online

Die freundlichen Worte über Russland stehen in der Zeitung der mitgliederstärksten politischen Partei der Welt. «Renmin Ribao», das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas mit 70 Millionen Mitgliedern, gab kürzlich in einem Leitartikel die Linie aus: Angesichts dessen, dass die Ukraine «vom Geist des Kalten Krieges bedeckt» sei, werde «die strategische Annäherung Chinas und Russlands zu einem Anker der Weltstabilität».

Mit Blick auf die Ukraine bemerkt das chinesische Leitmedium: «Russland unter Führung Wladimir Putins hat den Westen schon gezwungen zu verstehen, dass es im ‹Kalten Krieg› keinen Sieg gibt.»

Keine Zweifel an Chinas Position 

Die starken Worte stehen für eine stringente Strategie. Im Konflikt Russlands mit dem Westen steht das bevölkerungsreichste Land der Erde an der Seite des grössten Flächenstaates. Peking und Moskau arbeiten an einem Bündnis, das die Kräfteverhältnisse auf der Welt dramatisch verändern kann. Zwar hat sich China bei der Abstimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die russische Militäraktion auf der Krim der Stimme enthalten. Doch die von der Kommunistischen Partei gelenkte Presse lässt keinen Zweifel an Chinas Position. «Die USA und Europa sehen gegenüber Russland und Putin wie ein Papiertiger aus», höhnt die chinesische Zeitung «Global Times». Das Blatt gehört zur Holding des KP-Zentralorgans und steht der chinesischen Auslandsaufklärung nahe.

Der Westen, so die «Global Times», habe «Russlands Willen unterschätzt, seine Kerninteressen in der Ukraine zu verteidigen». Die Strategie des Westens, so das Blatt, eine «prowestliche ukrainische Regierung» zu unterstützen, funktioniere nicht. Dieser Versuch führe «in ein Chaos, das zu beseitigen der Westen nicht die Kapazität oder nicht die Weisheit hat». Der Westen, so die chinesische Prognose, werde «Verlierer des Fiaskos in der Ukraine» sein.

Militärpolitische Zusammenarbeit in Ausarbeitung

Ein Leitartikel der «Global Times» schlussfolgert: «Wir können Russland nicht enttäuschen, wenn es sich in Schwierigkeiten befindet. China sollte ein verlässlicher strategischer Partner werden. So gewinnen wir neue Freunde.»

Die Offerte aus der Volksrepublik trifft in Moskau auf offene Ohren. In seiner Ansprache vor der Staatsduma und dem Föderationsrat dankte Putin offiziell «dem chinesischen Volk». Hinter den Kulissen tut sich bereits mehr. Experten des russischen Aussenministeriums arbeiten derzeit an einem Entwurf eines Vertrages über «militärpolitische Zusammenarbeit» mit China. Details sind noch nicht bekannt, aber die geplante Übereinkunft dürfte weiter gehen als der Vertrag über «gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit», den Putin 2001 mit China schloss.

Bild: AP/FR170537 AP

Wird Russland vermehrt Waffen nach China liefern? 

Schon dieses Abkommen sieht eine «militärische und militärtechnische Zusammenarbeit» von Russen und Chinesen vor. So arbeiten beide Staaten in der Shanghaier Organisation für Sicherheit, gemeinsame Manöver eingeschlossen. China ist Grosskunde der russischen Rüstungsindustrie. Nach China gingen allein in den Jahren 2004 bis 2011 rund 23 Prozent der russischen Waffenexporte. Die Chinesen kauften bei den Russen unter anderem Jagdflugzeuge, Flugzeugmotoren, Diesel-U-Boote und Raketenkomplexe.

Mit Rücksicht auf die Amerikaner hat Moskau den Chinesen manchen Waffenwunsch bislang nicht erfüllt. Das könnte sich bald ändern. So würde Peking gern raketenbestückte Atom-U-Boote des russischen «Projekts 949A» erwerben. Damit liessen sich im Ernstfall selbst amerikanische Flugzeugträger versenken.

Einflussreiche Manager des staatlichen russischen Waffenhandels fordern bereits, beim Rüstungsexport nach China jede Zurückhaltung abzulegen. Beim Flugzeug- und Militärschiffbau, so Experten der Branche, seien auch gemeinsame Grossprojekte denkbar.

Bild: Reuters

Chinas Interesse an russisch kontrollierter Ukraine

Das chinesische Interesse an Rüstungskooperationen erklärt auch die Haltung Pekings zu Kiew. Nach Einschätzungen des Stockholmer Forschungsinstituts Sipri ist die Ukraine der drittgrösste Waffenlieferant der Volksrepublik. Allein 2012 lieferte die Ukraine an China Waffen im Wert von 690 Millionen US-Dollar.

Eine Annäherung der Ukraine an die Nato, so chinesische Befürchtungen, könnte diese Kooperation beenden. Darum ist China an einer Ukraine im Einflussbereich Russlands strategisch interessiert. Daher liegt der Schatten Chinas über der kriselnden Ukraine.

Hinzu kommt, dass der neue chinesische Parteichef Xi Jinping ein profunder Kenner der russischen Literatur ist. So wächst zusammen, was schon einmal zusammengehörte. Nach ihrer Gründung im Oktober 1949 formierte die Volksrepublik China mit der Sowjetunion das «Lager der Volksdemokratien», das auch die DDR einschloss. Auch jetzt sind beide Grossmächte wieder durch autoritäre Staatsauffassungen verbunden. Deren innere Kraft und Festigkeit wird im Westen oft unterschätzt.

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • popelix 20.03.2014 19:14
    Highlight Ja klar - die Chinesen würden Taiwan ja schon lange gerne heim ins Reich der Mitte holen. Nur dass da die Insulaner nicht wollen.

    Bin übrigens der Meinung dass die Krim wohl besser bei den Russen aufgehoben ist als in der zerfallenden Koruptionshölle Ukraine.
    1 0 Melden
  • Zeit_Genosse 20.03.2014 19:09
    Highlight Und die Schweiz darf den Freihandelsvertrag mit China feiern, Russland verurteilen, Ukrainisches Geld bunkern und gleichzeitig die präsidiale Führung bei der OSZE innehaben. Neutralität wird zur Kunstform des Verbiegens und zerstreitet die eigenen Reihen. Auch bei der Anschaffung eines Polizeifliegers, der ja nicht ideal, dafür billig ist. So hoffen wir, dass wir auch ausserhalb der Bürozeiteten dem kalten Krieg gewachsen sind.
    4 0 Melden
  • @Chr1s1981 20.03.2014 17:04
    Highlight Unparteiisch: Putins schlauster Schachzug, sich die Zustimmung der Chinesen zu holen und dies auch zu verkünden. So wurde der Westen früh zu seinem zögerlichen Reagieren genötigt. Beinahe ein Paradebespiel, wie noch heute Sun Tsu's "Die Kunst des Krieges" funktioniert.
    3 0 Melden
    • sewi 20.03.2014 17:24
      Highlight Genau.... im Gegensatz zu einem Herrn Obama oder einer Frau Merkel ist Putin ein Fachmann, die Vorgenannten sind wie Bürolisten die auf der Baustelle herumstolpern....
      3 1 Melden

470'000 Trump-Retweets kamen von automatischen Accounts in Russland

Donald Trump hatte im US-Wahlkampf Hilfe aus Russland. Twitter beziffert, dass automatisierte russische Accounts Trumps Botschaften verstärkten, und zwar deutlich öfter als die seiner Rivalin Clinton.

Für US-Präsident Donald Trump ist der Kurznachrichtendienst Twitter ein wertvolles Werkzeug: Er spricht damit schon kurz nach dem Aufstehen direkt zum Volk, weist Kritik an seiner Person von sich oder lenkt mit kalkulierten Provokationen von den eigentlichen Problemen ab.

Mehr als 47 Millionen Empfänger-Accounts erhalten seine Nachrichten, die meist auch noch Zehntausende Male weitergeschickt, in Twitter-Sprache «retweetet», werden.

Nützlich war der Mitteilungsdienst Twitter im US-Wahlkampf …

Artikel lesen