Russland
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Pro-Russian militants guard a checkpoint blocking the major highway which links Kharkiv, outside Slovyansk, eastern Ukraine, Saturday, May 17, 2014.. Outside the strategic city of Slovyansk, an insurgent stronghold for more than a month now, armed separatists installed a new checkpoint on the eastern approaches to the city, blocking a major highway that links Kharkiv, Ukraine's second-largest city, with the Russian city of Rostov-on-Don across the border. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Bild: AP/AP

Ukraine-Krise

Separatisten brüsten sich mit angeblich getöteten CIA-Agenten

Die Aufständischen im Osten der Ukraine behaupten, mehr als 600 Gegner verletzt, gefangengenommen oder getötet zu haben. Darunter sollen angeblich auch CIA-Mitarbeiter sein.

17.05.14, 13:58 17.05.14, 16:32

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Kurz vor Beginn von Friedensgesprächen in der Ostukraine ist es erneut zu einem Feuergefecht zwischen prorussischen Separatisten und Regierungssoldaten gekommen. Dabei hätten Aufständische den zuvor festgenommenen selbsternannten Gouverneur der Region Luhansk, Walerij Bolotow, befreit, sagte ein Sprecher der ukrainischen Grenztruppen.

Walerij Bolotow auf einer Aufnahme vom 12. Mai. Bild: AP/AP

Zweiter Runder Tisch endet ohne Ergebnis

Auch der zweite Runde Tisch zur Lösung der Ukraine-Krise ist ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. «Wir sind bereit, alles für eine Einheit des ukrainischen Staates zu tun», sagte Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk in der ostukrainischen Stadt Charkow. Zum Erhalt der Ex-Sowjetrepublik solle es weitere Runde Tische geben, sagte Jazenjuk am Samstag. Der nächste finde am Mittwoch in Tscherkassy rund 200 Kilometer südlich von Kiew statt.

Beobachter sprachen von einer deutlich besseren Atmosphäre als zuletzt. Der «Tisch» sei offener gewesen als in Kiew, weil auch Vertreter der Opposition und der russisch geprägten Regionen dabei gewesen seien, sagte der Ex-Präsident Leonid Krawtschuk. Vertreter militanter, separatistischer Kräfte waren aber ausgeschlossen, weil die Regierung Gespräche mit «Separatisten und Terroristen» ablehnt, wie Jazenjuk erklärte.

Die Machthaber der nicht anerkannten «Volksrepublik Donezk», die sich nach einem illegalen Referendum für unabhängig erklärt hatte, verweigerten ebenfalls den Dialog. Gespräche mit Kiew könne es erst geben, wenn die Regierung ihre «Anti-Terror-Operation» beende und Soldaten abziehe, sagte der neue «Regierungschef der Donezker Volksrepublik», Alexander Borodaj. (sda)

Bolotow sei zunächst nach seiner Rückkehr von einer medizinischen Behandlung in Russland an einem Kontrollposten von Grenzsoldaten gefangen genommen worden. Daraufhin seien rund zweihundert bewaffnete Separatisten angerückt und hätten seine Freilassung gefordert. Bei einem anschliessenden Gefecht hätten sie Granaten und Maschinengewehre eingesetzt und Bolotow befreit, sagte der Sprecher. «Wir versuchen herauszufinden, ob es Opfer gab.»

In den vergangen Wochen, behaupten die Aufständischen, sollen die Regierungstruppen bei ihrer «Anti-Terror-Operation» im Osten des Landes angeblich weit höhere Verluste erlitten haben als offiziell eingeräumt. Mindestens 650 Menschen seien seit Anfang Mai verletzt, gefangen oder getötet worden, behauptet der selbst ernannte «Volksbürgermeister» der umkämpften Grossstadt Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

CIA-Agenten im Konfliktgebiet?

Nach Darstellung des Separatistenführers starben allein 90 Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU bei den Kämpfen im Südosten der Ex-Sowjetrepublik. Auch private Militärfirmen aus Polen und den USA hätten Verluste zu beklagen. Zudem hätten die Regierungstruppen acht Kampfhubschrauber sowie weitere Militärtechnik verloren. Zu den «Verlusten» gehörten laut Ponomarjow angeblich auch 13 getötete und 12 verletzte Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA sowie vom FBI. Das behauptete er in einer von der selbst ernannten «Volksrepublik Donezk» veröffentlichten Videobotschaft.

Offiziell bestätigt ist der Einsatz ausländischer Söldner in dem Konfliktgebiet nicht. Im April hatte der US-Geheimdienst allerdings zugegeben, dass CIA-Direktor John Brennan Kiew besucht hatte. Auch Russland hatte Vorwürfe stets bestritten, Geheimdienstler einzusetzen. Die Vereinten Nationen hatten die Zahl der Toten in der Ukraine seit Beginn der Krise mit 250 angegeben, darunter allein etwa hundert bei der proeuropäischen Revolution auf dem Maidan im Januar und Februar.

Prorussische Separatisten in der umkämpften Stadt Slowjansk am 16. Mai. Bild: Reuters

Der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts liegt nach Auffassung eines Vertreters der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht in Moskau, sondern in der Ukraine selbst. Wer Russland die Verantwortung für die Krise zuschiebe, mache es sich zu einfach, sagte der Leiter des OSZE-Forschungszentrums Hamburg, Wolfgang Zellner, im WDR 5 Morgenecho. «Wenn man das leugnet, dann macht der Runde Tisch ja keinen Sinn», sagte Zellner weiter. Russland könne nur deshalb von aussen Einfluss nehmen, weil die ukrainische Regierung so schwach sei.

Unter OSZE-Vermittlung hat am Mittag im ostukrainischen Charkiw eine zweite Gesprächsrunde zur Beilegung der Krise begonnen. Nach den Worten Zellners führt nur ein Dialog mit Vertretern der ukrainischen Oligarchen zu einem Ausweg aus dem Chaos. «Man muss sich mit ihnen verbünden, um zu einem vernünftigen Staatswesen zu kommen.»

Der ukrainische Interims-Aussenminister Andrij Deschtschytsja hingegen machte vor allem Moskau für die Lage in der Ostukraine verantwortlich. In der «Welt» forderte er den Westen auf, im Kampf gegen die Destabilisierung der Ukraine schnell schärfere Strafmassnahmen gegen Russland zu verhängen. Vor allem Deutschland müsse «gegenüber Russland stärker auftreten». (wit/dpa/Reuters/AFP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 17.05.2014 17:19
    Highlight "Der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts liegt nach Auffassung eines Vertreters der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht in Moskau, sondern in der Ukraine selbst."

    ...wow. Das hat jetzt aber echt lange gedauert. Ob es wohl nochmal so lange dauert, bis es der Rest auch merkt?
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