Russland
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In ungewöhnlich offenen Worten erklärte Wolfgang Schäuble Schülern die Krim-Krise. Bild: EPA

Ukraine-Krise

Deutscher Minister Schäuble vergleicht Putins Krim-Pläne mit Hitlers Politik

Mit einem brisanten Vergleich verschärft Finanzminister Wolfgang Schäuble den Streit mit Russland in der Krim-Krise. Öffentlich zieht er Parallelen zwischen der Annexion der Krim durch Wladimir Putin und dem Anschluss des Sudetenlandes durch Adolf Hitler.

31.03.14, 12:58 31.03.14, 13:12

Ein Artikel von

Christian Reiermann, spiegel

Das Vorgehen Russlands gegenüber der Ukraine erinnert Wolfgang Schäuble offenbar an den Expansionsdrang Nazi-Deutschlands. «Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen», erklärte der Finanzminister am Montag bei einer öffentlichen Veranstaltung in seinem Ministerium. «Das kennen wir alle aus der Geschichte.»

Schäuble bezog sich dabei auf Argumente, die die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin als Rechtfertigung für die Annexion der Krim anführt. Konkret geht es um die Behauptung, russischstämmige Bürger der Ukraine würden bedroht. Ähnlich argumentierten 1938 die Nazis, als sie vorgaben, «Volksdeutsche» in den tschechoslowakischen Randgebieten schützen zu müssen.

Schäubles Bemerkung fiel vor rund 50 Schülern aus Berlin auf einer Veranstaltung des EU-Projekttages 2014 der Bundesregierung. Während des einstündigen Treffens antwortete Schäuble auf Fragen der jungen Leute zur europäischen Einigung und der Euro-Krise.

Auf die Spannungen rund um die Ukraine kam er zu sprechen, weil ein Schüler wissen wollte, ob deren Auswirkungen die Euro-Krise verschärfen könnten. Schäuble erklärte, es gehe vor allem darum, die Zahlungsunfähigkeit der Ukraine zu verhindern. Wenn die Regierung die Ordnungskräfte nicht mehr bezahlen könne, «dann nehmen natürlich irgendwelche bewaffnete Banden die Macht in die Hand», sagte der Minister. Das biete womöglich den Russen einen Vorwand für eine Intervention. «Dann sagen die Russen, das geht gar nicht, die bedrohen unsere russische Bevölkerung. Jetzt müssen wir sie schützen, das nehmen wir zum Grund, um einzumarschieren.»

Anfang März hatte sich bereits die ehemalige US-Aussenministerin Hillary Clinton mit einem ähnlichen Vergleich in die Krim-Krise eingemischt. Auch sie zog Parallelen zwischen dem Kreml-Kurs und dem, was «Hitler damals in den 30er-Jahren tat».

«Die haben alle ziemlich Schiss»

In ungewöhnlich offenen Worten erklärte Schäuble den Schülern zudem, wie es zur Besetzung der Krim durch Russland kam. «Irgendwann hat sich das zugespitzt und dann hat der Putin gesagt, eigentlich wollte ich sowieso schon immer die Krim.» Als Begründung verwies er darauf, dass dort die russische Schwarzmeerflotte stationiert sei. Dann habe sich Putin gesagt: «Und jetzt ist die Gelegenheit günstig.» Zudem habe der russische Präsident Truppen in die Nähe der ukrainischen Grenze verlegt, «um zu zeigen, zur Not sorge ich dann schon für Ordnung». 

Nach Schilderung Schäubles sorgten sich vor allem seine Kollegen aus den EU-Staaten, die früher zum Ostblock gehörten. Er nannte Ungarn, Polen und die baltischen Staaten. «Die haben alle ziemlich Schiss», so der Minister. Die Finanzminister dieser Länder hätten ihm angekündigt, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Schäuble selbst lehnte mehr Geld für den deutschen Wehretat ab. «Das bringt doch nichts», sagte er.



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Horny 01.04.2014 09:27
    Highlight Und wieder zeigt sich der Dilettantismus "westlicher" Politiker auf sehr eindrückliche Weise. Dass es aber seit neustem vor Kindern in Schulen geschieht, ohne die tatsächlichen Realitäten und Gegebenheiten zu erläutern, die alles ins Rollen gebracht hat, ist an populistischer Profilneurotik und Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten!
    Was für einen Eindruck macht das auf Kinder, wenn ein Politiker im Rollstuhl vor einer Schulklasse solche Unwahrheiten verbreitet und diese auch noch mit der Geschichte Deutschlands untermauert. PFUI
    Ich persönlich empfinde dieses Verhalten als Widerlich und Verabscheuungswürdig!!!
    Leider bestätigt es die Tatsache der letzten Jahre, das die Anzahl Profilneurotiker in der Politik stetig steigt und dadurch die Sache, um die es in der Politik geht, zunehmend in den Hintergrund fällt und somit liegen bleibt.


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