Russland

Ueli Maurer empfing am 15. Februar 2014 den russischen Präsidenten Wladimir Putin im «House of Switzerland» in Sotschi. Bild: Keystone

«Lieber Sergei»

Fehlt es der Schweiz an der nötigen Distanz zu Russland?

Der Bundesrat hofiert die Russen seit Jahren wie kein anderes Land. Für Ex-Diplomat Max Schweizer lässt er dabei in einzelnen Fällen die nötige Distanz vermissen. Der Dozent plädiert für mehr Zurückhaltung.

04.03.14, 07:04 04.03.14, 09:55

Lorenz Honegger, Die Nordwestschweiz

Didier Burkhalter gilt von allen Bundesräten als der trockenste. Übertreibungen und emotionale Äusserungen liegen dem amtierenden Bundespräsidenten fern.

Umso aussergewöhnlicher war sein Auftritt bei den Olympischen Spielen in Sotschi vor knapp einem Monat: Bei seiner Rede im «House of Switzerland» begrüsste er seinen russischen Amtskollegen Sergei Lavrow mit «lieber Sergei».

Russlands Aussenminister Sergei Lavrov und Didier Burkhalter besichtigten am 8. Februar 2014 gemeinsam das Olympiadorf in Sotschi. Bild: Keystone

Er lobte die intensiven Beziehungen zwischen Bern und Moskau, sprach von Freundschaft und gemeinsamem Vertrauen. Offizieller Anlass für Burkhalters Ansprache war das 200-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehungen.

Doch die Gründe für die überschwänglichen Freundschaftsbekundungen liegen tiefer: «Die Schweiz geriet in den vergangenen Jahren zusehends unter Druck der EU und der USA. In der Folge versuchte man, sich breiter abzustützen und fand mit Russland einen neuen Partner von einem gewissen Gewicht», erklärt Ex-Diplomat Max Schweizer, der heute an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) unterrichtet.

Reger Kontakt

Die Landesregierung investiert viel Zeit und Energie in die Beziehungen zu den Russen. Ob Didier Burkhalter, Doris Leuthard, Ueli Maurer, Johann Schneider-Ammann oder Alain Berset: Sie alle sind in den letzten drei Jahren zum Teil mehrmals nach Russland geflogen.

Auch für Moskau ist die Eidgenossenschaft laut Ex-Diplomat Schweizer ein «geostrategisch interessanter» Partner. «Unser Land liegt im Zentrum von Westeuropa, es hat einen wichtigen Finanzplatz und ist eine Drehscheibe für den internationalen Rohstoffhandel.»

Schon mehrmals spielten sich die beiden ungleichen Länder auf dem internationalen Parkett Bälle zu:

Die Schweiz erreichte 2011, dass Georgien den Widerstand gegen den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation aufgibt.

Russland wiederum erfüllte der Schweiz einen dringenden Wunsch und lud sie an vier Treffen der G-20-Finanzminister und Zentralbankchefs ein.

Max Schweizer findet die engen Bande aber nicht nur positiv: «Die Schweiz lässt in einzelnen Fällen die nötige Distanz vermissen – zum Beispiel, wenn die Armee in Andermatt russische Gebirgssoldaten ausbildet. Als Kind des Kalten Krieges wäre ich da zurückhaltender.»

Gleiches Dilemma für alle Länder

Der Aufmarsch russischer Truppen auf der ukrainischen Halbinsel Krim stellt die schweizerisch-russische Freundschaft auf eine harte Probe.

Zwar sagte Bundespräsident Burkhalter gestern vor dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf, die territoriale Integrität der Ukraine müsse respektiert werden – dies jedoch in erster Linie in seiner Funktion als aktueller Vorsitzender der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OSZE).

Die offizielle Schweiz hält sich mit Äusserungen zur angespannten Lage auf der Krim zurück.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft sollen die Gespräche mit Russland über ein Freihandelsabkommen mit den Efta-Staaten Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein wie geplant im April stattfinden.

Luzius Wasescha, ehemaliger Schweizer Botschafter bei der Welthandelsorganisation in Genf, findet dieses Vorgehen richtig: «Für den Moment sollten wir die Verhandlungen fortsetzen. Wenn Russland in der Ukraine militärisch interveniert, wäre eine Sistierung aber sicher angebracht.»

ZHAW-Dozent Schweizer sagt, fast alle westlichen Länder stünden in ihren Beziehungen zu Russland vor einer schwierigen Situation.

Die Schweiz könne sich dem nicht entziehen und müsse einen Mittelweg einschlagen. «Das heisst: Prinzipien hochhalten und gleichzeitig nicht mit Kritik herausstechen.»

(Die Nordwestschweiz)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 04.03.2014 09:37
    Highlight Das ist ein kritischer Aspekt, diese Annäherung der Schweizer Politiker an Russland. Man sollte doch die nötige Zurückhaltung walten lassen, denn "Napoleon-Putin" ist unberechenbar und die russische Denkweise schwer zu verstehen für westliche Kreise.
    2 0 Melden
    • Adonis 04.03.2014 11:50
      Highlight Hallo Trader.
      Man muss es etwas pikanter sagen. Putin durchlief die Kommunistische Schulungsmaschine bis hin zum KGB. Der Mann ist perfekt im Reich des Bösen geschult worden. Der kann sich nach Bedarf eine Maske, wie an der Fastnacht, für jedes Ereignis anziehen. Nötige Distanz bei den Diplomaten täte gut. Vergessen wir jedoch auch nicht, dass die Russen im letzten Weltkrieg am meiste Blutzoll lieferten. Stalin verheizte seine Soldaten buchstäblich. All dies scheint die Russen innerlich am laufen zu halten: Verlustangst, Zusammenbruch der Sowjetunion, der unelegante Einbruch der bösen Kapitalisten nach der Wende in Russland etc. Wir werden sehen was mit der Ukraine passiert. Pikant für uns Westler: Es ist natürlich nicht sinnvoll im Westen von "Demokratie" zu schwelgen und Janukowitsch raus zu putschen, auch wenn er ein Gauner sein mag. Die Scharfmacher beiderseits in der Ukraine, haben sich fürs erste toll ins Bein geschossen.
      0 1 Melden
  • ruedi 04.03.2014 07:30
    Highlight http://www.klagemauer.tv/index.php?a=showportal&keyword=bildung&id=2389

    Und wem hofieren die Medien??
    1 0 Melden

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