Russland
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GRABOVO, UKRAINE - JULY 20:  A member of a local militia guards remnants of Malaysia Airlines flight MH17 during a visit by monitors from the Organisation for Security and Cooperation in Europe (OSCE) on July 20, 2014 in Grabovo, Ukraine. Malaysia Airlines flight MH17 was travelling from Amsterdam to Kuala Lumpur when it crashed killing all 298 on board including 80 children. The aircraft was allegedly shot down by a missile and investigations continue over the perpetrators of the attack.  (Photo by Rob Stothard/Getty Images)

Ein prorussischer Seperatist kontrolliert den Zugang zur Absturzstelle und zu den Wrackteilen.  Bild: Getty Images Europe

Zertrampelter Tatort

MH17-Absturzstelle: Internationale Grundregeln wurden bewusst gebrochen

Für den Fall eines Flugzeugabsturzes gibt es präzise Handlungsanweisungen für Ermittler. Doch nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine werden alle Regeln und Anweisungen gezielt übergangen.  

20.07.14, 18:46 20.07.14, 20:41

christian stöcker, spiegel online

Ein Artikel von

Hrabowe/Donezk - Wenn sich ein Flugzeugunglück ereignet, läuft in der Regel eine gut eingespielte Maschinerie an. Bestimmte Schritte werden in immer der gleichen Weise und Reihenfolge abgearbeitet, um möglichst schnell und sicher die Ursache der Katastrophe zu bestimmen. Beim Absturz von MH17 auf dem Staatsgebiet der Ukraine aber ist alles anders.

Die klaren Regeln der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO), einer Uno-Organisation, werden derzeit aktiv missachtet. Sie sehen vor: «Der Staat, in dem sich ein Unglück ereignet, ist damit betraut, eine Untersuchung der Umstände des Unglücks einzuleiten und diese Untersuchung durchzuführen». Dieser Staat aber ist die Ukraine – und deren Staatsgewalt kann «in diesem Gebiet keine Sicherheit garantieren», wie der stellvertretende Premierminister Wolodymyr Groisman am Sonntag sagte.

«Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren.» OSZE-Beobachter Alexander Hug (re) und Michael Bociurkiw geben Medien gegenüber Auskunft über den Stand der Ermittlungen.  Bild: Getty Images Europe

Russland und die Ukraine sind ICAO-Mitgliedstaaten, aber die Rebellen im Osten fühlen sich augenscheinlich nicht an internationale Abkommen gebunden. Die Ukraine hat die ICAO offiziell um Unterstützung gebeten, und die Uno-Organisation hatte bereits am Freitag erklärt, ICAO-Experten würden «bald abreisen», um Fachleute der ukrainischen Behörden zu unterstützen. Dass sich die ICAO selbst an einer Untersuchung beteiligt, ist höchst ungewöhnlich.

Was hätte passieren müssen

Experten sollten jedenfalls längst vor Ort sein, spätestens am Freitag hätten sie mit ihrer Arbeit beginnen sollen. Was sie nach einem Flugzeugabsturz genau zu tun haben, hat die ICAO in einem 550 Seiten umfassenden Handbuch zusammengefasst. Zu den Aufgaben der Ermittler gehört zunächst:

In besonders komplizierten oder umstrittenen Fällen wird sogar zu einer Rekonstruktion des Flugzeugwracks geraten. All das aber wird angesichts dessen, was vor Ort bereits geschehen ist, kaum mehr mit der gewünschten Genauigkeit möglich sein.

Die Internationale Zivilluftfahrtskonvention der Uno-Organisation ICAO hat einen 43-seitigen Anhang, der sich nur mit der «Untersuchung von Luftfahrt-Un- und Vorfällen» befasst. Darin heisst es, die zuständigen Ermittler müssten «ungehinderten Zugang zum Wrack und allen relevanten Materialien, einschliesslich Flugschreibern und Flugsicherheitsaufzeichnungen» haben.

Geleerte Geldbeutel, Kamera- und Laptoptaschen

Am Absturzort nahe dem ostukrainischen Ort Hrabowe aber hatten bis Samstag nicht Vertreter der Ukraine die Kontrolle, sondern bewaffnete Separatisten. Das Trümmerfeld war Tage nach dem Absturz noch immer nicht abgesperrt, wie ein Sprecher der OSZE bemängelte: «Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren.» Augenzeugen berichten von Plünderungen vor Ort. Der niederländische Bankenverband hat sogar Sicherheitsmassnahmen eingeleitet, um Betrug mit den Kreditkarten der Opfer zu verhindern. Diverse Journalisten, die Zugang zur Absturzstelle hatten, berichteten, etwa via Twitter, von geleerten Geldbeuteln, Computer- und Kamerataschen zwischen den Trümmern.

Am Sonntag konnten sich OSZE-Beobachter offenbar relativ ungehindert im Bereich der Absturzstelle bewegen – es handelt sich bei ihnen aber nicht um Fachleute, die zur Untersuchung von Flugzeugabstürzen ausgebildet sind. Üblicherweise werden an den Untersuchungen neben dem Land, in dem der Crash sich ereignet, weitere Staaten beteiligt: das Herstellerland, das Land, in dem das Flugzeug registriert war, das der betroffenen Fluggesellschaft und in Fällen, in denen besonders viele Opfer aus weiteren Staaten stammen, auch die Fluggesellschaft selbst.

Nun aber hat die Untersuchung drei Tage nach dem Abschuss der Maschine noch nicht einmal begonnen, dafür ist die Absturzstelle mittlerweile von zahllosen Menschen durchstreift worden: von zu Hilfe gerufenen Minenarbeitern, Dutzenden Journalisten und Kamerateams, ukrainischen Rettungskräften, bewaffneten Separatisten und eben von Plünderern. AP-Reportern zufolge wurden am Sonntag sogar bereits mit schwerem Gerät Wrackteile bewegt. Rebellenführer Borodai erklärte am Sonntag, man habe «Flugzeugteile, die wie Blackboxes aussehen» an der Absturzstelle entdeckt. Sie würden «internationalen Experten» übergeben, «wenn diese eintreffen».

Fachleute aus diversen Nationen sind offenbar längst in der Ukraine, haben den Unglücksort aber bis Sonntagnachmittag nicht erreicht. Dem «Guardian» zufolge sind sechs Ermittler vom Britischen Air Accidents Investigation Branch bereits im Land und stimmen sich derzeit mit ihren internationalen Kollegen ab. Auch zwei Flugzeugcrash-Ermittler aus Australien sind unterwegs. Rebellenführer Borodai erklärte, er erwarte ein Team von zwölf Experten aus Malaysia. Er sei enttäuscht, dass sie noch nicht eingetroffen seien. Borodai bestritt, dass die Rebellen die Ermittlungen behindern würden.

Allein die Tatsache, dass die Rebellen jedoch offenbar die Blackboxes der Boeing 777 in ihre Gewalt gebracht haben, spricht eine andere Sprache.

Schweizer OSZE-Botschafter: «Es hat zu viele Leute» 

Bei der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeuges halten sich nach Angaben des Schweizer Botschafters bei der OSZE, Thomas Greminger, zu viele Menschen auf. Wenig vertrauenserweckend seien die Leute vor Ort: «Die Rebellen sind schwer bewaffnet - und das ist noch ziemlich diplomatisch ausgedrückt», sagte Greminger weiter. Unklar sei auch, ob die Separatisten die Gruppen unter Kontrolle hätten. «Unsere Beobachter kehren zu ihrer eigenen Sicherheit abends nach Donezk zurück.»

Zugang nicht ausreichend
Greminger bestätigte frühere OSZE-Angaben, wonach der Zugang zum Unfallort für die OSZE-Experten am Samstag zwar besser war als am Vortag, aber aus Sicht der Organisation immer noch nicht ausreichend. Keine Kenntnisse habe die OSZE davon, dass Rebellen Habseligkeiten der Absturzopfer gestohlen hätten.​ (sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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Skrupelloser Spam

Betrüger legen Fake-Profile von MH17-Opfern an und verbreiten angebliche Videos des Absturzes

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