Russland
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Unabhängigkeitsreferendum auf der Krim

Das 99-Prozent-Problem: Je mehr Ja-Stimmen, desto weniger glaubwürdig das Resultat

17.03.14, 11:21 24.06.14, 09:33

96 Prozent der Teilnehmer des vom Westen als völkerrechtswidrig eingestuften Referendums auf der Krim sprachen sich am Sonntag für einen Anschluss an Russland aus. Ein Glanzresultat für die prorussischen Kräfte in der Ukraine, wäre da nicht der Makel des Manipulationsverdachts, der jedem Wahlausgang mit 90+ Prozent der Stimmen anhaftet – gerade auf dem Territorium der alten Sowjetunion.

Die Mutter aller Traumresultate 

Members of the Politburo in Moscow vote to remove Andrei Gromyko, bottom center, as Soviet president on December 11, 1988.  The Supreme Soviet named Communist Party chief Mikhail Gorbachev, bottom right, as new head of state.  Eight members shown are, front row from left:  Nikolai I. Ryzhkov; Gromyko; Gorbachev; second row:  Viktor M. Chebrikov; Vitaly I. Vorotnikov; Lev N. Zaikov; back row:  Alexander N. Yakovlev; Nikolai N. Slyunkov.  (KEYSTONE/AP Photo/Boris Yurchenko)

Bild: AP

In vielerlei Hinsicht war die Sowjetunion hoffnungslos ineffizient, nicht so bei der Durchführung von Wahlen. Alle Kandidaten wurden jeweils mit 99 Prozent der Stimmen gewählt, Gegenkandidaten gab es keine. Die UdSSR mag Geschichte sein, aber «sowjetisch anmutende» Wahlresultate haben überlebt.

Weissrussland

Belarusian President Alexander Lukashenko with his youngest son Nikolai casts his ballot at a polling station during parliamentary elections in Minsk, Belarus, Sunday, Sept. 23, 2012. Belarus is holding parliamentary elections Sunday without the main opposition parties, which boycotted the vote to protest the detention of political prisoners and opportunities for election fraud. (AP Photo/Sergei Grits)

Bild: AP

Alexander Lukaschenko, seit 1994 Präsident von Weissrussland, weiss um die Glaubwürdigkeitsprobleme von Fabelergebnissen. Nach der Wahl 2006 behauptete er, er habe seinen Stimmanteil von 93 auf 83 Prozent senken lassen, da die Leute psychologisch Schwierigkeiten hätten, ein Resultat von über 90 Prozent zu akzeptieren.

Aserbaidschan

epa03902727 Azerbaijan's President Ilham Aliyev poses for the media as he casts his ballot in a polling station in Baku, Azerbaijan, 09 October 2013. A total of 5492 polling stations were reported to have opened for voters in the oil-rich former Soviet Caucasus republic of Azerbaijan. Azerbaijan's Central Election Commission has registered ten candidates for the presidential election, with observers expecting the incumbent president Ilham Aliyev to easily win a third five-year term as head of state. Aliyev, 51, has run the energy-rich country wedged between the Caspian Sea and the Caucasus southern flank since 2003, when he was hand-picked by his father Heydar, who had ruled the former Soviet republic since 1993.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Bild: EPA

Ilham Aliyev scheint die Einschätzung Lukaschenkos zu teilen. Der Präsident Aserbaidchans liess sich 2013 mit 85 Prozent der Stimmen für eine dritte Amtszeit wählen.

Tschetschenien

Chechen President Ramzan Kadyrov voting in his home village of Tsentoroi, in eastern Chechnya, Sunday, Dec. 2, 2007. Foreign observers and Russian opposition groups accused authorities Monday of manipulating a sweeping parliamentary election victory for the party of President Vladimir Putin, who hailed the results as a validation of his leadership. In Chechnya, where turnout was over 99 percent, witnesses reported seeing election authorities filling out and casting ballots. (AP Photo/Musa Sadulayev)

Bild: AP

Wladimir Putins Partei «Einiges Russland» erzielt zwar jeweils «nur» um die 60 Prozent der Stimmen. Doch in einigen Regionen kann auch er an sowjetische Traditionen anknüpfen: In Tschetschenien, wo der Kreml-treue Ramsan Kadyrow regiert, garniert Putin jeweils 99+ Prozent der Stimmen. 2011 meldete ein Wahllokal eine Wahlbeteiligung von 107 Prozent.

Kirgisistan

Kyrgyz President Kurmanbek Bakiyev, with his wife Tatyana, casts his ballot for the presidential election at a polling station in Bishkek, Kyrgyzstan, Thursday, July 23, 2009. (AP Photo/Misha Japaridze)

Bild: AP

Kurmanbek Bakijew wurde 2009 mit nahezu 90 Prozent zum Präsidenten Kirgisistans gewählt. «Da schlagen alte sowjetische Traditionen durch», kommentierte OSZE-Wahlbeobachter und SP-Nationalrat Andi Gross damals in der NZZ. Geholfen hat es dem Autokraten nicht: 2010 wurde er gestürzt und zur Flucht ins Exil gezwungen.



Ägypten

An Egyptian woman casts her vote at a polling station in Cairo, Egypt, Tuesday, Jan. 14, 2014. Egyptians have started voting on a draft for their country's new constitution that represents a key milestone in a military-backed roadmap put in place after President Mohammed Morsi was overthrown in a popularly backed coup last July. (AP Photo/Amr Nabil)

Bild: AP

Traumresultate werden aber nicht nur auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion erzielt. In Ägypten stimmten im Januar dieses Jahres 98.1 Prozent für die neue Verfassung. Immerhin verschwiegen die Behörden nicht, dass die Wahlbeteiligung bei nur 38.6 Prozent gelegen hatte.

Nordkorea

epa04118080 A picture released by the North Korea Central News Agency (KCNA) on 10 March 2014 shows North Korean leader Kim Jong-un casting a ballot at a polling station at the Kim Il-sung University of Politics in Pyongyang, North Korea, 09 March 2014, to elect the Supreme People's Assembly. It is the first election for the North's rubber-stamp parliament since Kim took over power in December 2011 after the death of his father Kim Jong-il. The election is held every five years.  EPA/KCNA SOUTH KOREA OUT

Bild: EPA

Da kann sogar die Sowjetunion einpacken: Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un wurde vor einer Woche bei 100 Prozent Stimmbeteiligung mit 100 Prozent der Stimmen in die Oberste Volksversammlung gewählt

Falklandinseln

epa03618448 A man wearing a Union flag suit dances as casts his vote in the referendum to decide if Falkland Islands remains as British territory in Port Stanley, Falkland Islands, 10 March 2013. Reports state that the islanders decided to hold the referendum in response to Argentine pressure for negotiations over sovereignty.  EPA/JAVIER LIZON

Bild: EPA

99 Prozent der wahlberechtigten Bewohner der Inselgruppe im südlichen Atlantik entschieden 2013 in einem Referendum gegen einen Anschluss an Argentinien und für einen Verbleib im Vereinigten Königreich.

Südsudan

People cast their votes in an abandoned school used as a polling center in the disputed border region of Abyei, whose ownership is claimed by both Sudan and South Sudan, Sunday, Oct. 27, 2013. Hundreds of people in the disputed border region of Abyei voted Sunday in a referendum that they hope will decide whether they join Sudan or South Sudan, a local leader said, but the exercise lacked the official backing of either of the two governments. (AP Photo/Mackenzie Knowles-Coursin)

Bild: AP

99.57 Prozent der Menschen im Süden Sudans votierten 2011 für eine Loslösung vom Norden und für die Schaffung eines unabhängigen Staats.

Schweiz

Bild: Schweizerisches Sozialarchiv

Sogar die beste Demokratie der Welt kennt Abstimmungen mit 90+ Prozent Ja-Anteil. Die höchste Zustimmung in 168 Jahren Bundesstaat wurde am 6. Juni 1915 registriert und betraf die Erhebung einer einmaligen Kriegssteuer: 94.3 Prozent.

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 17.03.2014 21:06
    Highlight Die Ukraine wird sowohl von Russland als auch der EU instrumentalisiert. Russland handeln ist grundsätzlich abzulehnen, aber es hat bisher nicht zu Blutvergiessen geführt, noch war es Russland, das die Krise ausgelöst hat. Aber das Völkerrecht zeigt sich mit dieser Aktion Russlands als Makulatur und durch das Recht des Stärkeren ersetzt.
    Man kann nur hoffen, dass alle Grossmächte auf den Boden der Realität zurückkommen und dass für das Völkerrecht kein neuer Weltkrieg ausbricht.
    Die Ukraine wird nun aber zum Dauerproblem für Russland, und das wird Russland enorm Geld kosten.
    1 0 Melden

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