SVP

Die «Pfalz», das Regierungsgebäude des Kantons St.Gallen, soll durch Sekten unterwandert sein. Bild: KEYSTONE

Psychosekte in der Ostschweiz?

«Es gibt sie doch!» – St.Galler Kantonsrätin sieht die Verwaltung durch Sekten unterwandert

Die parteilose Kantonsrätin Verena Frick wurde aus der SVP-Fraktion herausgeworfen, weil sie in einem Vorstoss dem Kanton vorwarf, durch Sekten unterwandert zu sein. Jetzt attackiert sie in einem Vorstoss den Kanton erneut.

01.09.14, 17:51

Die St.Galler Kantonsrätin Verena Frick gilt als «sehr eigenwillig». Dies ist nicht etwa die Einschätzung eines politischen Gegners, sondern ihres ehemaligen Fraktionspräsidenten Michael Götte. Was ist passiert? Frick reichte im Januar 2014 einen Vorstoss im St.Galler Kantonsrat ein, in dem sie von «sektenhaften Gruppierungen» in der Kantonsverwaltung sprach und Antworten von der Regierung forderte.

In ihrem Vorstoss sprach Frick von einer «gefährlichen Unterwanderung» der Verwaltung unter anderem durch die Sekte Scientology – eine «schreckliche Wahrheit», wie sie damals noch als SVP-Kantonsrätin schrieb. Die Ostschweizer Medien bezeichneten ihre Vorwürfen sogleich als «wirr und abstrus». 

Konkret begründen wollte Frick ihre Vorwürfe nicht, obschon die ganze Geschichte aus ihrer Sicht «viel Fleisch am Knochen» hat. Sie forderte stattdessen die Journalisten auf, sich selbst zu informieren. Dieser Vorstoss führte im Frühling zu heftigen Diskussionen in der Ratsstube, so dass sich die SVP-Fraktion gezwungen sah, Frick auszuschliessen.

Frick lässt nicht locker: «Es gibt sie doch!»

Kantonsrätin Verena Frick bild: PD

Die St.Galler Kantonsverwaltung soll durch Sekten unterwandert sein. Bild: KEYSTONE

Kantonsrätin Frick kündigte nach dem Ausschluss aus der Fraktion und ihrem Rücktritt aus der Partei an, weiterhin «vieles kritisch zu hinterfragen». Und das tat sie – zumindest aus ihrer Sicht. Im August 2014 reichte Frick einen neuen Vorstoss mit dem Titel «Es gibt sie doch!» ein.

«Auch kenne ich Menschen, die aus dem Dienst der kantonalen Verwaltung entlassen wurden, weil sie dieser Gruppe nicht beigetreten sind.»

Kantonsrätin Verena Frick

Sie habe vor einigen Jahren einen Aushang in einer «Liftanlage an der Moosbruggstrasse 11 in St.Gallen» gesehen, der auf einen Anlass der «Landmarkgruppe» aufmerksam machte. Sie kenne Menschen aus dem Dienst der kantonalen Verwaltung, die «entlassen wurden, weil sie dieser Gruppe nicht beigetreten sind», schreibt Frick in ihrem Vorstoss. Sie will nun von der Regierung wissen, ob sie es «statthaft» finde, wenn «Gruppierungen unsere Verwaltung unterlaufen».

Wie das «St.Galler Tagblatt» am Montag schreibt, gab es die «Landmarkgruppe» in den 90er-Jahren tatsächlich. Die Fachstelle «InfoSekta» verzeichnete damals hunderte Anfragen zu dieser Organisation und ihren Kursen für «Persönlichkeitsentwicklung». Die Sekte habe jedoch seit 1999 kein Büro mehr in der Schweiz.

Frick wurde von der Regierung scharf kritisiert

Die St.Galler Kantonsregierung wollte bisher keine Stellungnahme zum neusten Vorstoss abgeben. Im August 2013 hat die Regierung jedoch einen anderen Vorstoss der Kantonsrätin als «Respektlosigkeit gegenüber dem schweizerischen Rechtssystem» bezeichnet.

«War der Einzelrichter bei seinem Urteilsspruch gesund und leistungsfähig oder litt er an Erschöpfungszuständen?»

Kantonsrätin Verena Frick

Im Vorstoss stellte Frick der Regierung Fragen zum Tod einer jungen Frau im Kantonsspital. Das St. Galler Kreisgericht hat einen behandelnden Arzt vom Vorwurf eines Fehlverhaltens frei gesprochen. Frick wollte im Vorstoss unteranderem wissen, ob der Einzelrichter, der den Freispruch fällte, «gesund und leistungsfähig» war oder ob er an Erschöpfungszuständen litt.

Kantonsrätin Frick war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (pma)

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

SVP zur erleichterten Einbürgerung: In «20 Jahren sind es dann Afrikaner» 

Die Einbürgerungspraxis ist aus Sicht der SVP schon heute zu lasch. Die Partei stellt sich deshalb gegen die erleichterte Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern der dritten Generation. Sie warnt vor «Masseneinbürgerungen».

Wenn junge Ausländerinnen und Ausländer die Auflagen erfüllten und integriert seien, könnten sie sich problemlos einbürgern lassen, sagte SVP-Präsident Albert Rösti am Mittwoch vor den Medien in Bern. «Wir sind ja nicht gegen die Einbürgerung dieser Leute.»

Mit der …

Artikel lesen