Schottlands Weg zur Unabhängigkeit
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Wohin geht Schottland? Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

«Aye» oder «Nay»

Schottland entscheidet: Wer darf stimmen? Wann kommen die ersten Resultate? Die 11 wichtigsten Fragen

Wendet sich Schottland heute nach mehr als 300 Jahren vom Vereinigten Königreich ab? Die Schotten haben es in der Hand. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zur schottischen Volksabstimmung über ihre Unabhängigkeit.

18.09.14, 06:12 18.09.14, 13:24

Worum geht es bei der Abstimmung?

Die Frage lautet: «Sollte Schottland ein unabhängiges Land sein?» Die Wahlberechtigten dürfen zustimmen oder ablehnen. Eine dritte Antwortmöglichkeit – vollständige Autonomie in inneren Angelegenheiten bei einem gleichzeitigen Verbleib im Vereinigten Königreich – hatte die britische Regierung abgelehnt.

Wer darf wählen?

 Wahlberechtigt sind alle Einwohner ab 16 Jahren.  Bild: EPA/KEYSTONE

Es sind etwa 4,2 der insgesamt 5,3 Millionen Einwohner Schottlands aufgerufen, über die Unabhängigkeit ihres Landes zu entscheiden. Wahlberechtigt sind alle Einwohner ab 16 Jahren. Schotten, die in anderen Teilen Grossbritanniens leben, dürfen nicht abstimmen. Dagegen sind Engländer, Waliser und Nordiren, die in Schottland leben, wahlberechtigt.

Wann geht es los?

Vorbereitungen in einem Abstimmungslokal in Edinburgh. Bild: AFP

Um 7 Uhr schottischer Zeit, 8 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ), öffnen die Urnen. Sie schliessen wieder um 23 Uhr MESZ.

Wann fängt die Auszählung an?

Unmittelbar nach dem Schliessen der Urnen um 23 Uhr MESZ. Über Nacht werden in den 32 Stimmbezirken von Schottland die Stimmzettel ausgezählt. Unmittelbare Prognosen nach Schliessung der Wahllokale sind nicht geplant. 

Wann werden die ersten Resultate erwartet?

Sie wird das Resultat verkünden: Mary Pitcaithly, die Wahlleiterin. Bild: Screenshot bbc

Wahlleiterin Mary Pitcaithly wird das Endergebnis am Freitag zur «breakfast time» in Edinburgh veröffentlichen. Das Resultat wird zwischen 7.30 und 8.30 Uhr MESZ erwartet. Die ersten Teilresultate können aber bereits zwischen 2 Uhr nachts und 7 Uhr unserer Zeit erwartet werden. 

watson hält Sie mit einem Live-Ticker ab 7 Uhr auf dem Laufenden.



Gibt es Besonderheiten bei der Abstimmung?

Schön aber abgelegen: Das Schloss Mount Stuart auf der Isle of Bute. Hier heiratete unter anderem Stella McCartney. Bild: AP

In den schwach besiedelten und abgelegenen Gebieten wie den Inseln Argyll und Bute kommen Helikopter zum Einsatz, die die Wahlurnen abholen und ins regionale Wahllokal bringen. Andere bewohnte Inselchen müssen ihre Stimmen mit Booten ans Festland bringen – das schlechte Wetter könnte also die Bekanntgabe des endgültigen Abstimmungsergebnisses verzögern. 

Wer sind die Streitparteien?

Schottlands Regierungschef Alex Salmond. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Durchgesetzt wurde das Referendum von Schottlands Regierungschef Alex Salmond, dem Vorsitzenden der Schottischen Nationalpartei (SNP). Der 60-Jährige wurde erstmals 1990 zum SNP-Chef gewählt und arbeitete seitdem beharrlich auf die Unabhängigkeit hin.

Die drei grössten Parteien im britischen Unterhaus lehnen die Abspaltung Schottlands ab. Camerons konservative Tory-Partei und die mitregierenden Liberaldemokraten haben sich mit der oppositionellen Labour-Partei auf weitreichende Machtübertragungen an Schottland verständigt, sollten die Schotten gegen eine Unabhängigkeit stimmen.

Was passiert bei einem «Ja»?

Am 24. März 2016 würde Schottland unabhängig. Bild: Getty Images Europe

Die Unabhängigkeit wäre ein grosser Sieg für Salmond und eine historische Niederlage für Cameron. Britische Medien spekulieren für diesen Fall über einen Rücktritt oder gar eine Absetzung Camerons durch das Parlament. Für Schottland und den Rest des Vereinigten Königreichs würde eine Phase komplizierter Verhandlungen über die Abwicklung der Trennung beginnen. Dafür hätten beide Seiten 18 Monate Zeit. Am 24. März 2016 würde Schottland unabhängig.

Was passiert bei einem «Nein»?

Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Dann darf sich Salmond trotzdem als Sieger fühlen, weil er Cameron zahlreiche Zugeständnisse abgetrotzt hat. Cameron wiederum kann sein Amt zumindest bis zu den Parlamentswahlen im Frühjahr behalten. Doch die neuen Machtbefugnisse für Edinburgh dürften auch andernorts Begehrlichkeiten wecken. Wales und einige englische Regionen werden von London womöglich ähnliche Kompetenzen fordern.

Kann Schottland auch ohne die Briten existieren?

Ja, Schottland kann wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Das Bruttoinlandprodukt Schottlands ist in etwa so gross wie dasjenige Irlands oder Finnlands, zweier Staaten mit ähnlicher Bevölkerungszahl. Im Zentrum der Unabhängigkeitsdebatte steht aber die Frage, ob es den Schotten alleine auch wirtschaftlich besser ginge.

Die Separatisten setzen auf die Öleinnahmen. Bild: POOL

Das «Ja»-Lager verweist auf die milliardenschweren Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee, die nicht länger mit London geteilt würden. Ausserdem würde die Wirtschaftspolitik allein auf die schottischen Bedürfnisse ausgerichtet. London warnt dagegen vor sinkenden Fördermengen in der Nordsee, vor der Abwanderung grosser Unternehmen nach England und einem Aus für die bisherige Gemeinschaftswährung Pfund Sterling.

Was würde eine Unabhängigkeit Schottlands für Europa bedeuten?

Zahlreiche Länder mit eigenen Unabhängigkeitsbewegungen blicken gespannt auf den Ausgang des schottischen Volksentscheids. In Spanien streben Katalonien und das Baskenland nach Unabhängigkeit, in Belgien die Region Flandern und auch in den italienischen Regionen Südtirol und Padanien gibt es Sezessionsbefürworter.

Ein «Ja» könnte die Unabhängigkeitsbewegungen in anderen Ländern der EU – wie in Spanien – stärken. Bild: Emilio Morenatti/AP/KEYSTONE

Die EU könnte bald vor der schwierigen Frage stehen, ob sie den Schotten die Tür vor der Nase zuschlagen soll oder mit einer zügigen Aufnahme Schottlands riskiert, weitere Unabhängigkeitsbewegungen zu ermutigen. Ferner fürchtet die NATO, dass der von Edinburgh geforderte Abzug der mit Atomraketen bestückten britischen U-Boot-Flotte aus Schottland die Briten zu einem vollständigen Verzicht auf ihren Atommachtstatus bewegen könnte. 

(egg/whr/sda/afp) 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Romeo 18.09.2014 09:07
    Highlight http://www.aphorismen.de/zitat/249
    1 0 Melden
  • Romeo 18.09.2014 08:35
    Highlight https://www.facebook.com/video.php?v=10150534668109858&fref=nf
    0 0 Melden

Danke Schottland!

Wir haben wieder eine Alternative: Ein Europa der Regionen

Weder Nationalismus noch Zentralstaat sind die Zukunft. Die Schotten machen es vor: Wir brauchen eine Aufwertung der Regionen. 

Der Unabhängigkeitskampf der Schotten war von Anfang an anders: Es gab keinen Blut-und-Boden-Nationalismus und er war geprägt von einer Ablehnung des Neoliberalismus. Die Anti-Unionisten sind keine EU-Gegner und sie kämpfen nicht für tiefere Steuern, sondern für mehr soziale Gerechtigkeit. Damit unterscheiden sie sich klar von den rechtspopulistischen EU-Hassern wie Geert Wilders und Christoph Blocher. 

Obwohl die Wahl verloren ging, haben die Schotten viel erreicht. Bisher wurde die Zukunft …

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