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AKW Mühleberg in Bern: 2019 gehen hier die Lichter aus. Bild: KEYSTONE

12 Jahre, bis Gras drüber wächst – so lange dauert der AKW-Rückbau

Auch wenn ein AKW einmal definitiv abgeschaltet ist, dauert es eine lange Zeit, bis an seiner Stelle wieder Gras wächst. Allein bis ein Kraftwerk keine radiologische Gefahrenquelle mehr darstellt, vergehen mindestens 12 Jahre.



Der Rückbau eines AKW läuft nach strengen Regeln ab. Erste Erfahrungen in diesem Bereich hat die Schweizer Atomaufsichtsbehörde ENSI bei der Stilllegung von Forschungsreaktoren gesammelt. Ein Stilllegungsprojekt für ein kommerzielles Kernkraftwerk ist jedoch laut ENSI ungleich komplexer.

Anhand des AKW Mühleberg, das auf Ende 2019 abgestellt wird, ist aber heute etwas detaillierter bekannt, wie eine Stilllegung ablaufen soll und wie lange sie dauern könnte. Als erstes muss der Eigentümer der Anlage den Aufsichtsbehörden ein Projekt für die vorgesehene Stilllegung zur Genehmigung vorlegen.

Phase 1: Brennelemente entfernen

Phase 1 beginnt rund ein Jahr nach der Abschaltung und endet nach etwa vier Jahren mit der Kernbrennstofffreiheit. Dies bedeutet, dass auf dem Areal des AKW keine Brennelemente mehr vorhanden sind. Diese werden ins zentrale Zwischenlager der Zwilag AG in Würenlingen AG überführt, wo sie trocken zwischengelagert werden.

Phase 2: Rückbau

In der Phase 2 kann mit dem Rückbau des Reaktordruckbehälters und weiterer Anlagenteile begonnen werden. Dafür müssen rund zwei Jahre eingerechnet werden.

Der Reaktordruckbehälter und andere grosse, radioaktive Teile werden in kleine Stücke zerlegt, konditioniert und in speziellen Transport- und Lagerbehältern in die Zwischenlagerhallen der Zwilag verbracht. Die Phase 2 dürfte insgesamt etwa 6 Jahre dauern.

Phase 3: Erst nach Jahren nicht mehr radioaktiv

A cooling tower of the Three Mile Island nuclear power plant near Harrisburg, Pa., looms behind an abandoned playground, March 30, 1979.  (AP Photo/Barry Thumma)

Kühlturm des «Three Mile Island»-Kernkraftwerk: 1979 kam es im Reaktorblock 2 des Kraftwerks bei Harrisburg zu einer Kernschmelze. Bild: AP

Sie endet mit der radiologischen Freimessung der verbliebenen Anlagenteile und der Aufhebung der kontrollierten Zonen. Ein grosser Teil der Anlagenteile wird dekontaminiert und freigemessen. Die Phase 3 beginnt 11 Jahre nach der Abschaltung und dauert rund ein Jahr.

Sie endet mit der Feststellung, dass das Werk keine radiologische Gefahrenquelle mehr darstellt. Ob der Betreiber nach Abschluss der Phase 3 entscheidet, seine verbliebenen Gebäude weiter zu nutzen oder auf konventionelle Art weiter abzubauen, liege in seiner Entscheidungskompetenz, heisst es dazu beim ENSI.

Die Schweizer AKW-Betreiber müssen gemäss gesetzlichem Auftrag schon heute regelmässig die Stilllegungspläne ihrer Werke und die zugehörige Kostenschätzungen vorlegen. Diese werden von Experten einer umfassenden Prüfung unterzogen.

Sicherer Einschluss als Alternative

In der Schweiz sollen ausser Betrieb genommene Kernanlagen sofort zurückgebaut werden. Die Alternative dazu wäre der sogenannte «sichere Einschluss» einer Anlage, wie er bei einigen wenigen Anlagen in Deutschland realisiert wurde.

Fukushima – Bilder aus der verbotenen Zone

Bei einem sicheren Einschluss wird der Sicherheitsbehälter, der die wesentlichen radioaktiven Komponenten enthält, nach der Stilllegung in einen stabilen Zustand überführt. Die Brennelemente und alle anderen radioaktiven Flüssigkeiten oder Gase werden entfernt.

Danach werden alle ausserhalb befindlichen radioaktiven Komponenten in den Sicherheitsbereich gebracht und das Gebäude mittels Betonhülle für mehrere Jahre versiegelt. Weil ein Teil der Radioaktivität in dieser Zeit abklingt, erleichtert dies später den gesamten Abbau der Anlage.

Bild: ROMAN PILIPEY/EPA/KEYSTONE

Ein ähnliches Verfahren kam in Tschernobyl zur Anwendung. Dort handelte es sich aber nicht um einen geordneten Einschluss, sondern um eine vorläufige Sicherheitsmassnahme. (wst/sda)

Tschernobyl, Fukushima und Co.: Die 15 teuersten Störfälle in AKWs

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • You will not be able to use your remote control. 29.10.2016 16:37
    Highlight Highlight 1. Wie alles, das teuer, aufwändig und risikoreich ist, sollten wir diesen Rückbau so lange wie möglich aufschieben.

    2. Wenn die AKW-Betreiber zu wenig Gewinn gemacht haben, sollen sie die Schweiz auf Schadenersatz verklagen. Da die Schweizer Bevölkerung nicht will, dass mit dieser Technologie gewirtschaftet wird, muss sie dafür bezahlen.

    3. Wenn die AKWs vom Netz genommen werden, gibt es keine Energie mehr. Keine Technologie kann die AKWs ersetzen und unser Verteilungsnetz wurde nur gebaut, um Strom von AKWs zu verteilen.

    Hab die Arena nicht geschaut, ging es darum?
    • N. Y. P. D. 29.10.2016 17:43
      Highlight Highlight Die erfolgreiche Verwendung von Ironie zeugt nicht nur von der erfolgreichen Reflexion des eigenen Wissens, sondern auch vom erfolgreichen Erkennen des Wissens des Gegenübers und ist daher Ausdruck der Fähigkeit, die Gedanken des anderen vorwegzunehmen und zu reflektieren.
      Ja, der ging nach hinten los ;-)
  • Ingenieur 29.10.2016 15:50
    Highlight Highlight Alles klar. Also, lasst uns damit beginnen!
  • N. Y. P. D. 29.10.2016 14:17
    Highlight Highlight Es existieren also sauber bis ins kleinste Detail ausgearbeite Pläne für den Rückbau der Atomkraftwerke. Auch die dafür notwendigen Kosten sind schon mehrmals durchgerechnet worden.
    Also, lasst uns beginnen!
    Hopp, hopp!
    • 7immi 29.10.2016 15:30
      Highlight Highlight weshalb es nicht ganz so hopp hopp geht, dürfte diese grafik erklären...
      Benutzer Bild
    • FrancoL 29.10.2016 16:14
      Highlight Highlight Sie brauchen noch ein wenig Bedenkzeit. Die Technik ist schon ordentlich weit, der Geist etwas weniger und die finanzielle Ebene muss erst noch geboren werden.
      Damit die nachhinkenden Elemente "Geist und Geld" auch nachwachsen können spricht man immer von der grossen Vorlaufzeit für die Technik. Ist das nicht herrlich?
    Weitere Antworten anzeigen
  • amore 29.10.2016 14:05
    Highlight Highlight Also lasst uns sofort damit beginnen!
    • N. Y. P. D. 29.10.2016 15:20
      Highlight Highlight @amore
      Meinst du heute, oder warten wir noch bis Montag ?

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Ruedi Lüthy war einer der Pioniere der Aids-Medizin in der Schweiz. Seit 2003 lebt er hauptsächlich in Harare, wo er eine Aids-Klinik aufgebaut hat. Im Interview mit watson spricht er über seine erste Begegnung mit der Krankheit, seinen Umgang mit afrikanischem Aberglauben und die Entwicklung in Simbabwe seit dem Sturz von Diktator Mugabe. 

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