Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Sechs Frauen soll der Hendschiker Elektroingenieur in seinem Keller geschändet haben.
Oliver Menge/Aargauer zeitung

Im Keller Frauen geschändet: Der Sex-Täter aus Hendschiken (AG) bleibt in Haft 

Der Hendschicker, der in seinem Keller Frauen schändete, bleibt in Haft. Das Bundesgericht bescheinigt ihm eine hohe Rückfallgefahr.

04.07.16, 05:59 04.07.16, 07:46

MARIO FUCHS / Aargauer Zeitung



Ein Elektroingenieur aus Hendschiken (61) wird beschuldigt, Frauen bewusstlos gemacht, gequält und sexuell missbraucht zu haben. Publik wurden seine mutmasslichen Taten vor zwei Jahren – und das durch Zufall: Am 22. März 2014 war in Hausen die Feuerwehr zu einem Wasserschaden in einem Lagerhaus ausgerückt. Dort entdeckte sie eine Indoor-Hanfanlage mit 650 Pflanzen. Sie gehörte dem geschiedenen Familienvater.

Weil er seine Anlage mit einer Alarmanlage gesichert hatte, wollte auch er zum Rechten sehen, erschien bald am Brandplatz – und wurde von der Polizei kurzerhand verhaftet. Anschliessend durchsuchten die Ermittler die Wohnung des Mannes in Hendschiken. Sie fanden dabei Hinweise auf ein angemietetes Kellerabteil in Dottikon. Bei einem Augenschein in jenem Untergeschoss stiessen die Polizisten auf eine «Kammer des Schreckens», wie der «Blick» im Sommer 2014 schrieb. Elisabeth Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, erklärte: «Es befand sich ein Bett darin, dazu eine Videokamera, Licht und ein Fernseher. Es wurden diverse Tabletten und mehrere Videos beschlagnahmt.»

Er bestreitet seine Taten nicht

Bei den Tabletten soll es sich um das starke Betäubungsmittel Rohypnol und um Viagra gehandelt haben. Die Videoaufnahmen zeigen, wie der Mann sechs bewusstlose Frauen missbraucht, schlägt und quält. Er soll seine sadistischen Fantasien aufgeschrieben und dann in die Tat umgesetzt haben.

Gegen den Ingenieur wurde umgehend ein Strafverfahren eingeleitet. Die Untersuchungen sind inzwischen abgeschlossen, bald dürfte es zur Anklage kommen. Die Liste der Straftaten, die die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach dem Mann vorwirft, ist lang: Qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Schändung, sexuelle Nötigung, Körperverletzung, Herstellen von Pornografie, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Urkundenfälschung, Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und zu guter Letzt, Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.

«Das Rückfallrisiko für einschlägige Sexualdelikte wird als moderat bis deutlich eingeschätzt.»

Aus dem psychiatrischen Gutachten

Am 22. März 2014 – zwei Tage nach dem Wasserschaden in der Hanfplantage – wurde der Beschuldigte wegen Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft gesetzt. Dagegen wehrte er sich erfolglos. Seit Juni 2015 befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug. Damit ist der 61-Jährige nicht einverstanden: Im Mai erhob er Beschwerde beim Bundesgericht. Er verlangte, sofort entlassen zu werden, wenn nötig «unter Anordnung geeigneter Ersatzmassnahmen». Zwar bestreitet er «den dringenden Tatverdacht im Wesentlichen nicht», wie es im jüngsten Bundesgerichtsurteil heisst. Er stellt sich aber auf den Standpunkt, dass bei ihm weder Verdunkelungs- noch Wiederholungsgefahr bestünde.

«Sehr ungünstige Prognose»

Mit seiner Begründung stösst der «Sex-Sadist» («Blick») allerdings bei den Bundesrichtern in Lausanne nicht auf Zustimmung. Mit Entscheid vom 21. Juni lehnen sie die Beschwerde ab. Zu beurteilen hatte das Gericht, ob eine Rückfallgefahr vorliegt. Trifft dies zu, kann offenbleiben, ob auch Kollusionsgefahr besteht. Zentral ist ein psychiatrisches Gutachten, das über den Häftling erstellt wurde. In langen, verschachtelten Sätzen wird darin ein Risiko festgestellt, teilweise aber im Folgesatz sogleich wieder relativiert. Unter anderem heisst es: «Das Rückfallrisiko für einschlägige Sexualdelikte wird als moderat bis deutlich eingeschätzt.» Der Beschuldigte macht geltend, «moderat bis deutlich» genüge nicht für die für Wiederholungsgefahr erforderliche «sehr ungünstige Rückfallprognose».

Die Richter allerdings kommen zu einem anderen Schluss. Sie finden zwar auch, die gutachterliche Einschätzung besteche «nicht durch Klarheit». Zusammenfassend ergebe sich aber, dass im Bezug auf die besonders schweren Straftaten «von einer sehr ungünstigen Rückfallprognose auszugehen ist». Die Beschwerde erweise sich somit als unbegründet und werde abgewiesen. (Bundesgerichtsurteil 1B_201/2016)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Menel 04.07.2016 10:06
    Highlight Was ist denn mit den Opfern? Wieso kam es zu keiner Anzeige?
    26 0 Melden
    • Gaspadin 04.07.2016 13:52
      Highlight Hoffentlich leben sie noch und hatten Anzeige erstattet.
      Allerdings ist es gut möglich, dass die Ermittlungen bisher in das Leere liefen. Schliesslich waren die Opfer während des Tatherganges bewusstlos.
      0 0 Melden
  • JuliaParadis 04.07.2016 09:07
    Highlight Ihr und eure Bezugnahmen auf den Blick
    17 3 Melden
  • Die Super-Schweizer 04.07.2016 08:52
    Highlight Schon wieder ein Fall aus dem Aargau? Erstaunt mich eigentlich nicht, wenn man den Wähleranteil der SVP dort sieht.....
    19 41 Melden
    • Mafi 04.07.2016 09:27
      Highlight Sorry - was hat das mit der SVP zu tun😞
      30 3 Melden
    • Datsyuk * 04.07.2016 09:43
      Highlight "Super-Schweizer" werden SVP-Politiker genannt, die straffällig wurden. Darum wohl der Kommentar von "Die Super-Schweizer". ;-)
      14 1 Melden
    • strudel 04.07.2016 12:09
      Highlight alles muss immer irgendwie mit der svp in verbindung gebracht werden. Hauptsache anti
      3 1 Melden
  • sambeat 04.07.2016 06:52
    Highlight Das Verlies wurde ja quasi nur "zufällig" entdeckt. Wieviele es davon wohl sonst noch gibt? Mich schauderts!
    44 1 Melden
    • herschweizer 04.07.2016 08:59
      Highlight Ja wurden die Opfer identifiziert?
      22 0 Melden

Lkw-Chauffeur überholt Lkw auf der A1 – 4 Jahre später kämpft er immer noch vor Gericht

Er wollte nur einen langsameren Kollegen überholen. Was folgte, war für den Lastwagenchauffeur eine Odyssee durch sämtliche Gerichtsinstanzen. Diese ist trotz – oder gerade wegen – eines neuen Bundesgerichtsurteils noch nicht zu Ende ist.

Passiert ist es im Juli 2014. Der Berufschauffeur, nennen wir ihn Paul, war mit seinem Lastwagen auf der A1 in Richtung Zürich unterwegs. Vor ihm fuhr ein anderer, langsamer Lastwagen. Auf Höhe Safenwil, direkt nach dem Ende einer Überholverbots-Zone für Lastwagen, setzte Paul zum Überholen an. Als er mit knapp 80 km/h auf die Überholspur einschwenkte, fuhr er einem nachfolgenden Auto vor die Nase, sodass der Fahrer abbremsen musste. Zu einem Unfall kam es nicht.

Staatsanwaltschaft und Gerichte …

Artikel lesen