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«Ganz blöde Geschichte» – SVP-Grossrätin Bertschi wegen Falschaussage verurteilt

Die Aargauer SVP-Grossrätin Karin Bertschi wurde zu 90 Tagessätzen bedingt und 3000 Franken Busse verurteilt.

Urs Helbling



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Die 26-jährige Karin Bertschi (SVP; Leimbach) sitzt seit dem Januar im Grossen Rat. bild: karin bertschi

Sie sagt: «Das ist eine ganz blöde Geschichte.» Und ergänzt: «Ich wollte niemandem etwas Böses.» Und betont: «Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich muss die Konsequenzen tragen. Ich habe meine Lehren gezogen.» Karin Bertschi war 24 Jahre alt, als sie, wie sie erklärt, «2014 in die Zwickmühle geriet».

Zwei Jahre später, kurz vor den Wahlen im letzten Herbst, erhielt sie einen eingeschriebenen Brief: «Ich bin fast ins Koma gefallen, als ich den Strafbefehl las.» Karin Bertschi wurde wegen Begünstigung und falschem Zeugnis zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen und einer Busse von 3000 Franken verurteilt. Insgesamt kostete sie das Verfahren 5110 Franken.

Strafbefehl rechtskräftig

Eine hohe Strafe. Gesetzgeber und Justiz sind gnadenlos, wenn jemand eine Falschaussage macht. Und es deutet nichts darauf hin, dass Karin Bertschi (heute 26) als angehende SVP-Grossrätin von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm mit Samthandschuhen angepackt wurde. Die Wynentalerin hat das Urteil akzeptiert. «Der Strafbefehl ist rechtskräftig», bestätigt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft.

Damit die Persönlichkeitsrechte des Opfers nicht verletzt werden, kann die AZ die Geschichte nur sehr vereinfacht wiedergeben. Es begann damit, das Karin Bertschi von einer Verwandten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass jemand sehr schlecht über eine Drittperson redete. Karin Bertschi und diese Drittperson kennen sich – eine nicht sehr nahe Bekanntschaft. Karin Bertschi machte sie auf das Gerede aufmerksam.

Ein Strafverfahren kam in Gang. Gegen den «jemand», der am Anfang der Ehrverletzungskette stand. «Ich selber war in dieses Verfahren nicht als Beschuldigte involviert, sondern als Zeugin», erklärt Bertschi. Sie wurde dann auf den Polizeiposten vorgeladen und dort einvernommen.

Verwandte geschützt

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Bertschi sagt von sich, sie sei noch ein «politisches Greenhorn». bild: Sandra Ardizzone

«Im Zuge einer Einvernahme habe ich eine Verwandte geschützt, indem ich ihren Namen der Polizei gegenüber verschwiegen habe. Sie hat mir diese Information im guten Sinne, aber vertraulich weitergegeben – und als Quelle wollte ich meine Verwandte aus der Sache raushalten.

Unter Druck habe ich gesagt, ich wisse nicht, wer es war. Ich habe damals unterschätzt, was das für Konsequenzen haben kann. Heute würde ich anders vorgehen», erklärt Bertschi.

Warum hat sie den Namen ihrer Verwandten nicht preisgegeben? «Weil ich ihr das so versprochen hatte», erklärt die SVP-Grossrätin. Sie meint heute, sie hätte sich besser auf das Zeugnisverweigerungsrecht (man muss nahe Angehörige nicht belasten) berufen. Ob dies allerdings beim konkreten Verwandtschaftsgrad zur Anwendung gelangt wäre, ist allerdings unklar.

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Der Fehltritt kommt Bertschi teuer zu stehen. bild. karin bertschi

Bertschi musste im April 2015 ein weiteres Mal zur Polizei. Anlässlich dieser erneuten Einvernahme korrigierte sie ihre Aussagen und entschuldigte sich für die Falschaussagen. Danach hörte sie nichts mehr, auch nicht vom Staatsanwalt – bis der Strafbefehl ins Haus flatterte.

Die Grossrätin hat den SVP-Kantonalpräsidenten, den Fraktionschef und den Bezirksparteipräsidenten über ihre Verurteilung informiert.

«Das habe ich nicht erwartet»: Grossrats-Newcomerin Karin Bertschi am Wahlsonntag (23.10.2016)

Unternehmerin Karin Bertschi setzt sich für den Umweltschutz und das Beschäftigen von Asylbewerbern ein. Das passe sehr wohl zur SVP, wie sie in einem ersten Interview mit «Tele M1» sagt. Video: © Tele M1

Im Kämpfer: Karin Bertschis erster Auftritt im Grossen Rat am 10. Januar 2017

Video: © Tele M1

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62Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 31.01.2017 20:10
    Highlight Highlight Komische Sache. Erstens hätte sie die Aussage verweigern können, was sie nicht getan hat, okay. Soweit so gut. Aber zweitens darf man die Polizei anlügen. Dafür kann man nicht bestraft werden. Oder gilt im Aargau eine andere Rechtsordnung? Jedenfalls würde ein guter Rechtsanwalt diesen Strafbefehl in der Luft zerreissen.
    • Electric Elephant 01.02.2017 10:02
      Highlight Highlight Falsch! Man darf die Polizei nur anlügen, wenn man SELBER beschuldigt ist... Falsche Zeugenaussagen fallen nicht darunter. D.h. ein guter Rechtsanwalt würde diesen Fall sicher nicht anfechten, da ER sonst bei einer Verhandlung in der Luft zerrissen würde!
    • 8004 Zürich 01.02.2017 10:37
      Highlight Highlight Hey Spooky, Du kannst im Fall nicht einfach pauschal die Aussage verweigern oder die Polizei anlügen. Sonst gäbe es ja gar nie Verurteilungen für Falschaussagen, usw., und genau darum geht es ja hier auch ;-)
      Als Beschuldigter kannst Du das, ja, aber als Zeuge eher nicht. Du kannst als Zeuge Aussagen verweigern, wenn es Dich selbst oder einen nahe stehenden Verwandten (bsp. auch gemeins. Kindseltern, eingetr. Partnerschaften, usw.) belasten könnte. Da es aber bei dieser Verwandten aber um weitere (die ursprüngliche) Zeugin ging, zählt das wohl nicht.
    • Spooky 01.02.2017 10:47
      Highlight Highlight @Electric Elephant

      Du hast ja absolut keine Ahnung von überhaupt gar nichts.

      Die Justiz darf man anlügen, von Anfang bis Ende. Das ist nicht illegal. Lügen ist legal.

      Das Problem ist, dass das nicht einmal die doofen Rechtsanwälte wissen.

      Von den doofen kantonalen Richtern ganz zu schweigen.

      Ein Staranwalt würde diesen doofen Strafbefehl in der Luft zerreissen.

      Aber eben - wer kann sich schon einen Staranwalt leisten.



    Weitere Antworten anzeigen
  • vonMunzach 31.01.2017 14:09
    Highlight Highlight Hallo Watson, ist das nun deine tägliche SVP Haue oder warum veröffentlicht ihr so Quatschnachrichten? http://uaq
    • phreko 31.01.2017 14:25
      Highlight Highlight Politiker und Straftaten und Glaubwürdigkeit. Interessiert dich nicht, dann lies es nicht.
    • Barracuda 31.01.2017 14:41
      Highlight Highlight Vorsätzliche Falschaussagen vor Gericht und Verschleierung von Straftaten... Aber klar, kann ja mal passieren. Solange es kein Ausländer ist;-)
  • 3fuss 31.01.2017 13:03
    Highlight Highlight Gut gemeint und doch falsch gemacht.
    Ein Fehler der einem im jugendlichen Leichtsinn so bis zum Alter von 50 Jahren leicht passiert.
    Schwamm drüber!
  • Barracuda 31.01.2017 12:54
    Highlight Highlight Sweet :-) Von A bis Z inszeniert. Durchgestylt und geschminkt im 4-Frucht-Pyjama an der Sonne posiert. Naja, irgendetwas muss man ja dem Wähler bieten, wenn man als politisches Greenhorn ohne entsprechenden Leistungsausweis in den Grossen Rat gewählt werden will. Und siehe da... Dem SVP-Wähler hat das gereicht. Mit kräftiger medialer Unterstützung durch die AZ Medien hat's das Recycling-Schätzli dann tatsächlich geschafft.
    Dank dem Artikel hier, weiss ich jetzt wenigstens schon etwas mehr über die Dame;-)
  • Sportfan 31.01.2017 12:00
    Highlight Highlight Ist es nun schlimm oder nicht? Diese Frage hat die SVP auf jeden Fall bereits selbst beantwortet. Ein kleiner Auszug aus ihrer Durchsetzungsinitiative:

    j. falsche Anschuldigung (Art. 303 Ziff. 1 StGB), qualifizierte Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 2 StGB), falsches Zeugnis, falsches Gutachten, falsche Übersetzung (Art. 307 Abs. 1 und 2 StGB);

    Damals hiess es doch, im Strafenkathalog kommen keine Bagatellen vor. Echt jetzt?
  • Blaugrana 31.01.2017 11:25
    Highlight Highlight SVP hin oder her, zumindest steht sie hin und gibt den Fehler unumwunden zu ohne rumzulamentieren und unglückliche Umstände oder sonstige Schuldige zu finden. Normalerweise winden sich Politiker vor und nach einer Verurteilung wie Arjen Robben im Strafraum, entsprechend zolle ich der Dame für ihre Reaktion durchaus Respekt.
    • redeye70 31.01.2017 12:41
      Highlight Highlight Finde ich auch. Diese Frau hat Rückgrat bewiesen und steht, wie sollte es auch anders sein (SVP), zur Härte des gefällten Urteils. Alle Achtung! Die meisten würden sich mit allerlei Ausreden versuchen rauszuwinden. Siehe Amaudruz.
  • Electric Elephant 31.01.2017 10:58
    Highlight Highlight Finde ich jetzt in dem Fall auch ein bisschen übertrieben... Aber es fällt schon auf, dass sich gerade bei der "Law&Order"-Partei SVP die Vorbestraften langsam gegenseitig auf den Füssen rumstehen! Darunter nicht nur Bagatell-Delikte sondern auch "Vollendeter Mordversuch", Menschenhandel, Mehrfache Veruntreuung, etc... Dazu kommen dann noch Verstöße gegen das Antirassismus-Gesetz (das gehört wohl schon fast zum guten Ton da...), Sozialmissbrauch und ungetreue Geschäftsführung! Ja, da herrscht noch Ordnung!
  • Corahund 31.01.2017 10:55
    Highlight Highlight Do händs wieder Freud, die Linke und die Grüene😅
    I ihrne Reihe sind ales ganz Bravi und netti, wo keinere
    Flüge öppis zLeid tüend.
    • Fabio74 31.01.2017 11:20
      Highlight Highlight Findest du diese kindischen Kommentatre von dir nicht lächerlich?
    • Nick Name 31.01.2017 11:32
      Highlight Highlight Ist jemand aus der SVP fehlbar, kann man witzeln.
      Und wenns jemand von einer anderen Partei ist oder womöglich noch mit anderer Hautfarbe oder womöglich noch mit anderem Pass als dem der Eidgenossenschaft, dann - natürlich auch, haha!
      Gell? Ist doch alles lustig!!
    • Faenker 31.01.2017 12:54
      Highlight Highlight Hat niemand behauptet linke ud grüne Politiker seien ohne Tadel. Aber wer auf striktem und strengem Recht bestehen will muss sich solche Beobachtungen schon gefallen lassen...
  • zombie woof 31.01.2017 10:02
    Highlight Highlight Ich versteh die Welt nicht mehr, gemaess SVP gehoert doch die Frau an den Herd und nicht ins Militaer oder Politik? Die SVP ist auch nicht mehr das was sie mal war....
    • fcsg 31.01.2017 10:32
      Highlight Highlight Leider hat man den Frauen anno dazumal das Stimmrecht gegeben. Jetzt braucht man eben ein paar Quotenfrauen um auch noch ein paar Wählerinnen zu holen.
  • Timä 31.01.2017 10:02
    Highlight Highlight Han d'SVP nöd so gern, aber das tönt chli nach meh übertriebene urteil..
    • Hierundjetzt 31.01.2017 10:57
      Highlight Highlight Uh nein, eher an der unteren Grenze.

      Es geht um vorsätzliche Falschaussage vor dem Staatsanwalt!
    • KurtFaber 31.01.2017 11:30
      Highlight Highlight Schau mal im StGB nach, welche Strafen ausgesprochen werden könnten für Falschaussagen. Die Frau ist eher glimpflich davongekommen.
    • redeye70 31.01.2017 12:48
      Highlight Highlight Wobei das Gericht beurteilt wie stark das Verschulden ist. In diesem Fall nachvollziehbar, da sie einer verwandten Person ein Versprechen abgab. Ich hoffe, dass sie als Mitglied der SVP, daraus etwas gelernt hat. Nämlich, dass es gute Gründe gibt Richtern einen Ermessensspielraum zu geben. Mit der Gefahr eben, dass falsche Beurteilungen gefällt werden. In diesem Fall war aber alles richtig.
  • fcsg 31.01.2017 09:58
    Highlight Highlight Sofort ausschaffen! Solches Gesindel brauchen wir hier nicht...
    • Hierundjetzt 31.01.2017 10:56
      Highlight Highlight 😂😂😂
  • TobiWanKenobi 31.01.2017 09:41
    Highlight Highlight Wie geil sie sich findet😂
    • Baccara - Team Nicole 31.01.2017 12:57
      Highlight Highlight ..und denn erst alle anderen männlichen Vertreter..

      (sorry, aber was soll das??)
  • Hierundjetzt 31.01.2017 09:37
    Highlight Highlight Wieder mal ein SVP "Einzelfall".

    Ernsthaft jetzt:

    Gibts in dieser Partei eigentlich noch jemanden, der einen sauberen Leumund *und* einen leeren Betreibungsauszug hat?

    Mir fällt echt keinen Namen ein :(
    • Fairness_3 31.01.2017 13:35
      Highlight Highlight @Hierundjetzt: Dann haben Sie wirklich keine Ahnung über das politische Geschehen auf Bundesebene.
  • Einstein56 31.01.2017 09:10
    Highlight Highlight Zickenkrieg?
  • paddyh 31.01.2017 08:47
    Highlight Highlight Ja, mit dieser Vorstrafe wird sie sich wohl nicht mehr einbürgern lassen können...
  • LarsBoom 31.01.2017 08:36
    Highlight Highlight Jetzt mal diesen Fall und jener von Frau Magdici vergleichen. Manchmal wundere ich mich schon über unsere Justiz.
    • KurtFaber 31.01.2017 09:13
      Highlight Highlight Frau Magdici muss mehrere Monate ins Gefängnis, Frau Bertschi bezahlt eine Busse. Die Strafen bewegen sich im gesetzlichen Rahmen. Was stimmt für Sie daran nicht?
    • Donald 31.01.2017 09:34
      Highlight Highlight Seit wann muss sie ins Gefängnis, Kurt?
    • Hierundjetzt 31.01.2017 09:41
      Highlight Highlight Lars: wie im Artikel erwähnt, werden Falschaussagen stärker sanktioniert.

      Was ich absolut in Ordnung finde. Mit einer Falschaussage kannst Du theoretisch einen ganzen Gerichtsfall torpedieren.

      Nur gut, dass due Justiz mittel und Wege hat dies herauszufinden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Isdabeh 31.01.2017 08:29
    Highlight Highlight Auf dem Foto hat Frau Bertschi ein blaues Beret, also Sanitätstruppe. Die tragen kein Sturmgewehr. Ist der Dienst im Namen des Heilens nicht gut genug, sexy genug? Soviel zu Selbstinszenierung...
    • Hayek1902 31.01.2017 08:51
      Highlight Highlight Keine Ahnung, wann du im Militär warst (falls überhaupt), aber die haben Sturmgewehre, auch wenn es von verlausten waffenlosen Hippies nur so wimmelt. ;)
    • 7immi 31.01.2017 08:51
      Highlight Highlight nur spitalsoldate sind unbewaffnet, normale sanis haben ein sturmgewehr.
    • GBZ 31.01.2017 08:56
      Highlight Highlight Es handelt sich um ein dunkel-blaues Beret. Laut Batch FULW-Schule, also Luftwaffe.
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