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«Es tut mir unendlich leid» – 40-Jähriger betrog Chef um fast eine halbe Million 

Das Bezirksgericht verurteilt einen ungetreuen Mitarbeiter zu 36 Monaten Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt. Er hat seinen Arbeitgeber um fast eine halbe Million Franken betrogen.

Eddy Schambron / az Aargauer Zeitung



Swiss bank notes, pictured on July 14, 2011. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Zwischen 2002 und 2015 hat der Mann gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen Bild: KEYSTONE

Nach der Gerichtsverhandlung gab der ehemalige Chef seinem ungetreuen Arbeitnehmer die Hand – eine Geste, die für Sebastian (Name geändert) offensichtlich wichtig war. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass Sebastian seinen Arbeitgeber, eine bekannte Freiämter Unternehmung, im Laufe der Jahre um fast eine halbe Million Franken betrogen hat. Er stand wegen gewerbsmässigem Betrug vor dem Bezirksgericht Muri.

Hinzu kamen für den knapp 40-jährigen ehemaligen Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung mehrfache Urkundenfälschung, Fahren unter Alkohol und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Das Urteil für das Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Simone Baumgartner war klar, weil es im abgekürzten Verfahren schon festgelegt und vom Beschuldigen akzeptiert worden war: 36 Monate Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt bei einer Probezeit auf 4 Jahre sowie einer Übertretungsbusse von 100 Franken wegen Alkohol am Steuer und einem Joint in der Wohnung. Hinzu kommen Verfahrens- und Gerichtskosten und natürlich die Rückzahlung der ertrogenen Summe – abgemacht sind 1000 Franken pro Monat.

Nur: Das kann Sebastian – zumindest vorderhand – nicht erfüllen. Er ist arbeitslos und gesundheitlich angeschlagen, muss neun Tabletten pro Tag einnehmen, um einigermassen funktionieren zu können, wie er vor Gericht ausführte. Strom zu Hause bekommt er nur über einen Münzzähler. «Momentan ist es sehr prekär bei mir», räumte er vor Gericht ein. Aber er betonte auch, dass er den ertrogenen Betrag zurückzahlen will, sobald das möglich ist. «Mein Handeln tut mir leid», führte er aus. Er habe bei seiner früheren Arbeitgeberfirma immer gern gearbeitet, «aber ich habe einfach Scheissdreck gemacht.» Und er richtete sich direkt an seinen früheren Vorgesetzten im Gerichtssaal: «Du hast mich 17 Jahre gefördert und unterstützt, Türen aufgemacht. Es tut mit unendlich leid.»

3000 Franken pro Monat

In der Anklageschrift steht, dass Sebastian, seit 1998 im Betrieb, in 143 Transaktionen zwischen 2002 und 2015 gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen hatte, indem er Kreditorenrechnungen doppelt erfasste und mittels falsch im System erfassten Kontoverbindungen oder ausgetauschten Einzahlungsscheinen seinen Vorgesetzten in die Irre führte, sodass dieser die falschen Transaktionen freigab. Weitere sieben Transaktionen brachten ihm gut 25'000 Franken auf sein Konto. Insgesamt schädigte er das Unternehmen im Umfang von 489'744 Franken. Allenfalls frühere Taten sind verjährt. «Er beging die Tat um sich unrechtmässig zu bereichern, indem er sich mit dem erbeuteten Geld einen höheren Lebensstandard finanzierte, als er sich hätte leisten können.» Sebastian bezog durchschnittlich gut 3000 Franken pro Monat aus der Kasse.

Das abgekürzte Verfahren konnte gewählt werden, weil der Beschuldigte ihm zugestimmt hatte, ebenso dem in Aussicht stehenden Urteil. Nochmals von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner mit den Beschuldigungen konfrontiert, bestätigte er den Sachverhalt ohne Einschränkungen. Sebastian hofft, wieder eine Arbeit zu finden, gerne auch im sozialen Bereich, den er durch seine Klinikaufenthalte kennen gelernt hat. Er wird dabei vom RAV unterstützt. Er will auch entsprechende Weiterbildungen absolvieren. «Hoffen wir», sagte Baumgartner, «dass daraus bald etwas wird.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 03.03.2017 12:37
    Highlight Highlight Wenn es ihm tatsächlich so leid tut, wie er sagt und der Chef ihm noch gut in die Augen sehen kann, was ich nicht ausschliesse. Dann könnte er ja vielleicht sogar den alten Job wieder machen und so vielleicht doch einen Teil zurückzahlen. Der Chef könnte ihn weiter fördern, denn den finanziellen Ertrag würde er selbst bekommen. Eine halbe Million kann man in 25 Jahren ohnehin kaum zurückzahlen.

    Nur her mit den Blitzen, aber so käme der Chef am ehesten zu seinem Geld.
  • pamayer 03.03.2017 00:10
    Highlight Highlight Eine halbe Million entwenden und dann Krankheit und Arbeitslosigkeit...
    Da wird der ehemalige Chef leer ausgehen.
    Scheisse.
  • EMkaEL 02.03.2017 17:10
    Highlight Highlight Ein joint in der wohnung.. So what..?
  • Der müde Joe 02.03.2017 16:43
    Highlight Highlight Shiiiiiit alter! Ich hätte schon ein schlechtes Gewissen wenn ich einen "Chugi" mitlaufen lassen würde!😂
  • AskLee 02.03.2017 15:39
    Highlight Highlight Es tut mir Leid, weil ihr mich erwischt habt...wahrscheinlich 😂
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