Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Es tut mir unendlich leid» – 40-Jähriger betrog Chef um fast eine halbe Million 

Das Bezirksgericht verurteilt einen ungetreuen Mitarbeiter zu 36 Monaten Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt. Er hat seinen Arbeitgeber um fast eine halbe Million Franken betrogen.

02.03.17, 14:10 02.03.17, 16:12

Eddy Schambron / az Aargauer Zeitung



Zwischen 2002 und 2015 hat der Mann gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen Bild: KEYSTONE

Nach der Gerichtsverhandlung gab der ehemalige Chef seinem ungetreuen Arbeitnehmer die Hand – eine Geste, die für Sebastian (Name geändert) offensichtlich wichtig war. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass Sebastian seinen Arbeitgeber, eine bekannte Freiämter Unternehmung, im Laufe der Jahre um fast eine halbe Million Franken betrogen hat. Er stand wegen gewerbsmässigem Betrug vor dem Bezirksgericht Muri.

Hinzu kamen für den knapp 40-jährigen ehemaligen Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung mehrfache Urkundenfälschung, Fahren unter Alkohol und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Das Urteil für das Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Simone Baumgartner war klar, weil es im abgekürzten Verfahren schon festgelegt und vom Beschuldigen akzeptiert worden war: 36 Monate Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt bei einer Probezeit auf 4 Jahre sowie einer Übertretungsbusse von 100 Franken wegen Alkohol am Steuer und einem Joint in der Wohnung. Hinzu kommen Verfahrens- und Gerichtskosten und natürlich die Rückzahlung der ertrogenen Summe – abgemacht sind 1000 Franken pro Monat.

Nur: Das kann Sebastian – zumindest vorderhand – nicht erfüllen. Er ist arbeitslos und gesundheitlich angeschlagen, muss neun Tabletten pro Tag einnehmen, um einigermassen funktionieren zu können, wie er vor Gericht ausführte. Strom zu Hause bekommt er nur über einen Münzzähler. «Momentan ist es sehr prekär bei mir», räumte er vor Gericht ein. Aber er betonte auch, dass er den ertrogenen Betrag zurückzahlen will, sobald das möglich ist. «Mein Handeln tut mir leid», führte er aus. Er habe bei seiner früheren Arbeitgeberfirma immer gern gearbeitet, «aber ich habe einfach Scheissdreck gemacht.» Und er richtete sich direkt an seinen früheren Vorgesetzten im Gerichtssaal: «Du hast mich 17 Jahre gefördert und unterstützt, Türen aufgemacht. Es tut mit unendlich leid.»

3000 Franken pro Monat

In der Anklageschrift steht, dass Sebastian, seit 1998 im Betrieb, in 143 Transaktionen zwischen 2002 und 2015 gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen hatte, indem er Kreditorenrechnungen doppelt erfasste und mittels falsch im System erfassten Kontoverbindungen oder ausgetauschten Einzahlungsscheinen seinen Vorgesetzten in die Irre führte, sodass dieser die falschen Transaktionen freigab. Weitere sieben Transaktionen brachten ihm gut 25'000 Franken auf sein Konto. Insgesamt schädigte er das Unternehmen im Umfang von 489'744 Franken. Allenfalls frühere Taten sind verjährt. «Er beging die Tat um sich unrechtmässig zu bereichern, indem er sich mit dem erbeuteten Geld einen höheren Lebensstandard finanzierte, als er sich hätte leisten können.» Sebastian bezog durchschnittlich gut 3000 Franken pro Monat aus der Kasse.

Das abgekürzte Verfahren konnte gewählt werden, weil der Beschuldigte ihm zugestimmt hatte, ebenso dem in Aussicht stehenden Urteil. Nochmals von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner mit den Beschuldigungen konfrontiert, bestätigte er den Sachverhalt ohne Einschränkungen. Sebastian hofft, wieder eine Arbeit zu finden, gerne auch im sozialen Bereich, den er durch seine Klinikaufenthalte kennen gelernt hat. Er wird dabei vom RAV unterstützt. Er will auch entsprechende Weiterbildungen absolvieren. «Hoffen wir», sagte Baumgartner, «dass daraus bald etwas wird.» (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Familientrennungen an der US-Grenze: TV-Moderatorin bricht in Tränen aus

Haris Seferovic: «Irgendwann ist genug und dann platzt der Kragen»

EXKLUSIV: Hier erfährst du, wer die WM gewinnen wird! (Spoiler: Ich, der Picdump 😒)

«Die roten Linien werden eher dunkelrot»: Wie man in Brüssel die Schweiz sieht

Traum oder Albtraum? So ist es, als CH-Rock'n'Roll-Band in den USA auf Tour zu sein

Erdogans Schlägertrupp auf dem Vormarsch in die Schweiz

Mit dieser Begründung brechen 37 Studenten Prüfung ab

Schweizer Fussballfans verirren sich an die ukrainische Front

Netta sang zum Abschluss der Pride – aber vorher gab es wüste Szenen

13 seltsame Dinge, die uns am Trump-Kim-Gipfel aufgefallen sind

«Wieso sagen Schweizer gemeine Dinge über meine Schwester?»

Das absurdeste Museum der Welt und wir waren da – und bereuen es jetzt noch

Diese 7 Zeichnungen zeigen dir, wie es am Open Air wirklich wird

Du weisst noch nicht, wem du an der WM helfen sollst? Hier findest du DEIN Team!

präsentiert von

Diese 19 Fails für bessere Laune sind alles, was du heute brauchst

Warum das Kämpfchen gegen Netzsperren erst der Anfang war

Eine Szene – viele Wahrheiten 

Anschnallen bitte! So sieht der Formel-E-Prix von Zürich aus der Fahrerperspektive aus

15 Jahre ist es her: Das wurde aus den «DSDS»-Stars der 1. Stunde

Die Bernerin, die für den Sonnenkönig spionierte

Plastik ist das neue Rauchen – wie ein Material all seine Freunde verlor

Fertig mit Rosinenpicken: Es ist Zeit, dass auch Frauen bis 65 arbeiten

Wegen hoher Verletzungsgefahr: Diese Sportarten mögen Versicherungen gar nicht

Diese 18 genialen Cartoons über die Liebe und das Leben haben uns kalt erwischt 😥😍

«Pöbel-Sina» scheitert bei «Wer wird Millionär» an dieser super einfachen Frage – und du?

Was vom Bordmenü übrig bleibt – das kannst du gegen den Abfallwahnsinn im Flugzeug tun

Shaqiri ist der «dickste» Feldspieler – und 9 weitere spannende Grafiken zur Fussball-WM

Die ausgefallensten Hotelzimmer der Schweiz

Als muslimische Piraten Europäer zu Sklaven machten 

33 unfassbar miese Hotels, die so richtig den Vogel abgeschossen haben

Unerträgliche Regelschmerzen: Melanies Kampf gegen Endometriose

Diese Frau stellt absurde Promi-Fotos nach – 17 Lektionen, die wir von ihr lernen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 03.03.2017 12:37
    Highlight Wenn es ihm tatsächlich so leid tut, wie er sagt und der Chef ihm noch gut in die Augen sehen kann, was ich nicht ausschliesse. Dann könnte er ja vielleicht sogar den alten Job wieder machen und so vielleicht doch einen Teil zurückzahlen. Der Chef könnte ihn weiter fördern, denn den finanziellen Ertrag würde er selbst bekommen. Eine halbe Million kann man in 25 Jahren ohnehin kaum zurückzahlen.

    Nur her mit den Blitzen, aber so käme der Chef am ehesten zu seinem Geld.
    0 0 Melden
  • pamayer 03.03.2017 00:10
    Highlight Eine halbe Million entwenden und dann Krankheit und Arbeitslosigkeit...
    Da wird der ehemalige Chef leer ausgehen.
    Scheisse.
    2 0 Melden
  • EMkaEL 02.03.2017 17:10
    Highlight Ein joint in der wohnung.. So what..?
    13 3 Melden
  • Der müde Joe 02.03.2017 16:43
    Highlight Shiiiiiit alter! Ich hätte schon ein schlechtes Gewissen wenn ich einen "Chugi" mitlaufen lassen würde!😂
    23 4 Melden
  • AskLee 02.03.2017 15:39
    Highlight Es tut mir Leid, weil ihr mich erwischt habt...wahrscheinlich 😂
    13 Jahr lang bis 3 Mille im Monat plus.
    21 4 Melden

Lkw-Chauffeur überholt Lkw auf der A1 – 4 Jahre später kämpft er immer noch vor Gericht

Er wollte nur einen langsameren Kollegen überholen. Was folgte, war für den Lastwagenchauffeur eine Odyssee durch sämtliche Gerichtsinstanzen. Diese ist trotz – oder gerade wegen – eines neuen Bundesgerichtsurteils noch nicht zu Ende ist.

Passiert ist es im Juli 2014. Der Berufschauffeur, nennen wir ihn Paul, war mit seinem Lastwagen auf der A1 in Richtung Zürich unterwegs. Vor ihm fuhr ein anderer, langsamer Lastwagen. Auf Höhe Safenwil, direkt nach dem Ende einer Überholverbots-Zone für Lastwagen, setzte Paul zum Überholen an. Als er mit knapp 80 km/h auf die Überholspur einschwenkte, fuhr er einem nachfolgenden Auto vor die Nase, sodass der Fahrer abbremsen musste. Zu einem Unfall kam es nicht.

Staatsanwaltschaft und Gerichte …

Artikel lesen