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Bei ihm habe es «Klick» gemacht – Raser mit 57km/h zu viel muss sechs Monate ins Gefängnis

Ein Deutscher wurde in Oensingen innerorts mit über 100 km/h geblitzt. 57 km/h zu schell fuhr Sigi M.* mit einem Mercedes auf der Lehngasse. Der Raser muss nun 6 Monate ins Gefängnis. Zu seiner Verhandlung am Montagmorgen kam er zu spät.

26.09.16, 19:55 26.09.16, 20:07

Erwin von Arb / Oltner Tagblatt



Sechs Minuten zu spät erschien am Montagmorgen Sigi M. * zu seiner auf 8.30 Uhr ansetzten Verhandlung vor Amtsgericht Thal-Gäu. Dem gebürtigen Deutschen war anzusehen, dass ihn dieser Gerichtstermin stresst.

Augenfällig wurde dies insbesondere bei seiner Kleidung. Sigi M. hatte in der Eile sein ziemlich zerknittertes, graues T-Shirt verkehrt herum angezogen. Und an seinen Händen und Armen waren zudem noch Spuren von weisser Farbe zu erkennen.

Mit leerem Blick hörte sich der 31-jährige Mann die von Amtsgerichtspräsident Guido Walser verlesene Anklage an. Verantworten musste sich Sigi M. wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln, begangen am 30. April 2016, um 15.41 Uhr, in der 50er-Zone auf der Lehngasse in Oensingen.

Mit 117 km/h bretterte der damals im Thal wohnhafte Mann mit einem 224 PS-starken Mercedes in Richtung Solothurnstrasse, als er von einer mobilen Radaraanlage geblitzt wurde. Abzüglich der Toleranz von 6 km/h resultierte eine Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 57 km/h.

Insgesamt 15 Monate beantragt

Das sei eine krasse Missachtung der Verkehrsregeln, befand der Amtsgerichtspräsident. Sigi M. nickte nur mit gesenktem Haupt, worauf sich Walser erkundigte, ob er sich bewusst sei, wie unverantwortlich sein Verhalten gewesen sei. Walser erwähnte auch die zahlreichen Vorstrafen wegen zu schnellem Fahren. Diese füllten schon fast einen ganzen Aktenordner, bemerkte der Amtsgerichtspräsident mit dem Verweis auf die von der Staatsanwaltschaft beantragte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

«Dieses Strafmass ist ein grober Wink mit dem Zaunpfahl. Haben Sie das begriffen?»

Guido Walder, Amtsgerichtspräsident

Sechs Monate davon unbedingt, neun Monate bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von vier Jahren. «Dieses Strafmass ist ein grober Wink mit dem Zaunpfahl. Haben Sie das begriffen?», fragte Walser. Sigi M. bestätigte mit leiser Stimme, dass es bei ihm «Klick» gemacht habe.

Dies hatte der Beschuldigte auch gegenüber den Ermittlungsbehörden beteuert, wie Staatsanwältin Claudia Wittmer vor Gericht ausführte. Der Angeklagte sei sehr kooperativ gewesen und habe die ihm zur Last gelegte qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrregeln nicht bestritten.

Dies sei auch der Grund, warum sie sich in diesem Fall für ein abgekürztes Verfahren entschieden habe. In einem solchen einigen sich Staatsanwaltschaft und Anwalt des Beschuldigten im Vorfeld des Gerichtstermins auf ein Strafmass. Das Gericht muss in der Folge nur noch darüber befinden, ob dieser «Deal» in Bezug auf das Delikt angemessen ist.

Kein Spielraum beim Strafmass

Staatsanwältin Claudia Wittmer betonte in ihrer Begründung für das beantrage Strafmass, dass es bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit von über 50 km/h keinen Spielraum gebe. Ein Jahr Freiheitsentzug sei das Minimum für eine grobe qualifizierte Verletzung der Verkehrsregeln dieser Grössenordnung.

Strafverschärfend sei das lange und einschlägige Strafregister des Beschuldigten. Dieses werfe auf die Prognose, wie es mit Sigi M. weiter gehen könnte, einen Schatten. Die Freiheitsstrafe von 15 Monaten, wovon 6 Monate unbedingt, halte sie für angemessen, so Claudia Wittmer.

Dominik Schnyder erklärte sich in seiner Eigenschaft als amtlicher Verteidiger in allem Punkten einverstanden mit den Ausführungen der Staatsanwältin. Er liess ferner verlauten, dass Sigi M. in der Zeit, als die Anklageschrift aufgesetzt wurde, neuerlich in einer Radarakontrolle hängen geblieben ist, diesmal im Kanton Bern.

Sigi M. hinterfragt Gefängnisstrafe

In Kenntnis dieses hängigen Verfahrens stimmte Amtsgerichtpräsident Guido Walser dem von beiden Parteien beantragten Strafmass zu. Gleichzeitig wurde eine bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 40 Franken aus einem Urteil vom 29. September 2014 widerrufen.

Am Rande der Gerichtsverhandlung erwähnte der inzwischen im Oberaargau wohnhafte Sigi M., dass er es nicht als sinnvoll empfinde, nun ins Gefängnis gehen zu müssen. Er habe seine Lehren aus der Sache gezogen.

Nun will der 31-Jährige möglichst schnell den Strafvollzug antreten. Seine sechs Monate werde er wohl in Halbfreiheit absitzen, das heisst, tagsüber arbeiten und am Abend geht es dann zurück in die Zelle.

Der Anwalt von Sigi M. ist überzeugt, dass sein Mandant die Schwere seiner Tat eingesehen hat und nicht mehr rückfällig wird. Die Zeit im Gefängnis werde diese Erkenntnis seines Mandanten festigen.

* Name von der Redaktion geändert (aargauerzeitung.ch/gin)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Groovy 27.09.2016 12:40
    Highlight Solche Strafen für Verkehrsdelikte ohne Folgen stehen in keinem Verhältnis mit anderen Straftatbeständen wie z.B. Raub, Diebstahl, Körperverletzung, Vergewaltigungen etc.
    3 7 Melden
    • Fly Baby 27.09.2016 14:44
      Highlight Müssen sie auch nicht!
      0 4 Melden
  • Ganjaflash 27.09.2016 04:09
    Highlight Liebe Richter bestraft doch mal die richtigen Verbrecher nicht immer die Autofahrer. Wegen 57km/h zu schnell ins Gefängnis ist doch völlig übertrieben. Der Mann hat keinen Unfall gebaut, er hatte alles unter Kontrolle.
    12 56 Melden
    • 7immi 27.09.2016 07:54
      Highlight wenn er alles unter kontrolle gehabt hätte, wäre er nicht 50 zu schnell gefahren. innerorts kann dies sehr böse folgen haben...
      23 5 Melden
    • Marbek 27.09.2016 09:42
      Highlight Vielleicht solltest du zuerst mal von deinem Ganjaflash runterkommen, bevor du postest... Was ist denn für dich ein "richtiger" Verbrecher, wenn nicht jemand, der durch sein hirnloses Handeln die Schädigung Unschuldiger in Kauf nimmt? Meinst du, du würdest auch noch so argumentieren, wenn ein Familienmitglied von einem solchen Kriminellen über den Haufen gefahren wird und danach lebenslang schwer behindert ist?

      Jemand, der einen schweren Unfall durch seine Fahrweise nur schon in Kauf nimmt, gehört genau gleich bestraft wie jemand, der das "Pech" hat, dann auch einen Unfall zu bauen.
      9 2 Melden
  • Spooky 27.09.2016 01:01
    Highlight Ach, hört mir doch auf mit diesen Gerichten. Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen.
    17 41 Melden
    • Marbek 27.09.2016 09:34
      Highlight Hast du ausser solch plumpen Allgemeinplätzen sonst noch was zu bieten? Argumente, Beispiele und so?
      8 1 Melden
    • Spooky 27.09.2016 21:21
      Highlight @Marbek

      Zähl mal die Kleinen, die zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden! Und dann zähl die Grossen!

      Und dann beantworte mir die Frage: Ist diese alte Volksweisheit immer noch plump?
      2 1 Melden
    • Marbek 29.09.2016 09:04
      Highlight Ich warte immer noch auf Argumente und Beispiele.
      0 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Chrigi-B 26.09.2016 22:41
    Highlight Solchen Leuten würde ich am Liebsten den ganzen lieben Tag in die Fre**** schlagen! Wie bescheuert ist der? Blind auf beiden Augen? Einfach nur fahrlässig so schnell in einer 50er Zone.
    50 34 Melden
  • Lumpirr01 26.09.2016 21:21
    Highlight Es wäre ein Wunder, wenn sich dieser Herr bessern würde. Wie kann man dieser unentschuldbaren Entgleisung nochmal in einer Radarkontrolle hängen bleiben? Deshalb wäre ein lebenslängliches Fahrverbot und Verschrottung der schnellen Kiste die richtige Strafe..........
    95 14 Melden
  • licke1 26.09.2016 21:18
    Highlight Abzüglich tolleranz von 6km/h... liebe notorische linksfahrer auf den autobahnen seht her: ihr könnt ruhig 126 km/h fahren. Müsst in zukunft nicht mehr mit 119km/h herumgurken!
    63 37 Melden
    • Kronrod 26.09.2016 22:40
      Highlight Da kann man sich nicht drauf verlassen. Ich wurde mal auf der Autobahn mit 90 auf dem Tacho (Tempomat aktiv) geblitzt. Gemessen 86, nach Abzug 81.
      34 1 Melden
    • Maragia 26.09.2016 22:57
      Highlight Nope, mit 135 Tacho wirst du geblitzt! Vorallem von den Laser-Blitzern und wenn du einen digitalen Tacho hast...
      31 3 Melden
    • Stromer5 27.09.2016 06:13
      Highlight Ich lege bei Tempo 130 den Tempomat ein, was laut Navi ziemlich genau 125 km/h entspricht. Geblitzt hat es so noch nie...
      13 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Noach 26.09.2016 21:03
    Highlight Kann man diesen Herrn nicht nach Hause schicken?
    52 26 Melden
    • Hephaistos 26.09.2016 21:56
      Highlight Wohl bei der DI falsch abgestimmt, was?
      Die Einheimischen sind sicher nicht so unbelehrbar..
      7 39 Melden
    • Maragia 26.09.2016 23:00
      Highlight Apropos DI: War das nicht einer der Gründe nicht für die DI zu stimmen, diese "Pauschal" Strafen?
      18 6 Melden
    • exeswiss 27.09.2016 02:12
      Highlight @Maragia autounfälle mit geldstrafen/bussen ist das eine, da brauchts keine kriminelle energie, rasen das es einen in den knast bringt ist ein anderes kaliber.
      6 2 Melden

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