Schweiz

Erhält der Vierfachmörder von Rupperswil eine Sonderbehandlung?

Um den Selbstmord des Vierfachmörders von Rupperswil in der Untersuchungshaft zu verhindern, gab der Kanton viel Geld aus. Jetzt äussert sich der Gefängnis-Seelsorger Fred Grob.

15.10.16, 21:37 16.10.16, 16:21

Thomas N., der mutmassliche Vierfachmörder von Rupperswil, wartet im Zentralgefängnis Lenzburg auf seinen Prozess. Recherchen der «AZ» deckten auf: Weil befürchtet wurde, dass Thomas N. sich im Gefängnis das Leben nehmen könnte, trafen die Verantwortlichen von Beginn weg aufwändige Überwachungs- und Präventionsmassnahmen. 

Diese wurden Ende September nach fünf Monaten eingestellt. Die Massnahmen kosteten die Steuerzahler rund 50'000 Franken im Monat – macht bisher gesamthaft 250'000 Franken für den Vierfachmörder von Rupperswil.

Aus rechtlicher Sicht sei dies gerechtfertigt, sagt Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch: «Der Staat ist dafür verantwortlich, dass Personen in seiner Obhut geschützt werden. Ein intensiver Schutz ist allerdings nicht für mehrere Jahre möglich – es gilt das Prinzip der Verhältnismässigkeit.»

Sonderbehandlung wegen öffentlichen Interesses?

Rechtsanwalt Valentin Landmann sieht die Überwachung von Thomas N. etwas anders. Er glaubt, dass der Vierfachmörder aufgrund des öffentlichen Interesses eine Sonderbehandlung geniesst. «Ich habe diverse Klienten, die suizidal sind. Eine solche Betreuung würde es für sie niemals geben.»

Gefängnis-Seelsorger Fred Grob hält die Massnahmen für richtig. Alles andere wäre «nicht mehr human und sehr nahe an der Todesstrafe.»

Grob hat in seiner 30-jährigen Laufbahn vier Selbstmorde von Häftlingen erlebt, die er betreut hat. Dies sei sehr schwierig zu verdauen gewesen. «Man fühlt sich dann immer etwas mitschuldig.» 

146 Tage Angst: Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil

Der Fall Rupperswil

Pöschwies-Direktor über Thomas N.: «Schreckliche Straftaten bewegen auch Gefängnis-Insassen» 

Nicht erst seit der Bluttat von Rupperswil – «Hunde-DNA wird bei der Fahndung immer wichtiger»

Harsche Kritik von Anwaltskollege: Setzt sich Pflichtverteidigerin Senn zu wenig für Thomas N. ein?

Partner der getöteten Mutter von Rupperswil: «Es ist unglaublich, dass man Spuren hat, diese aber nicht verwenden darf.»

Fall Rupperswil: Die 100'000 Franken Kopfgeld gehen an die beteiligten Polizisten

Rupperswiler Täter wurde in Aarauer Starbucks verhaftet: Die Polizei liess ihn noch den Kaffee austrinken

«Wie grausam die Tat auch ist, der Beschuldigte verdient einen fairen Prozess»

Lebenslänglich? Verwahrung? Was dem Vierfachmörder von Rupperswil droht

Hat sich Thomas N. durch seine Handydaten verraten?

«Der frühe Tod des Vaters war ein schwerer Schlag für den Täter von Rupperswil»

Feuerwehrkommandant aus Rupperswil: «Es war schwierig, nicht darüber zu reden»

Das sagen die Rupperswiler über den Täter: «Thomas war ein beliebter Trainer»

Was wir jetzt wissen: Protokoll der unglaublichen Tat von Rupperswil

Vater von Rupperswil-Mordopfer: «Ich werde jeden Tag daran erinnert»

«Vielleicht haben ihn die Löwen gefressen»: Ex-Fahnder Jaeggi über das schwerste Verbrechen der Schweiz und den Fall Rupperswil

Vierfachmord: «Von einer Trennung waren wir weit entfernt», sagt Carla Schauers Lebenspartner

Das Verbrechen von Rupperswil muss um jeden Preis aufgeklärt werden

Ein Fall wie im Mafia-Milieu: 8 Fragen und Antworten zum Vierfachmord von Rupperswil

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 16.10.2016 01:19
    Highlight Sehr «spezieller» Artikel...
    7 3 Melden
    • sontau 16.10.2016 08:39
      Highlight ja, wieder mal so eine copy paste übernommene agenturmeldung, ohne spur einer eigenen einschätzung oder gar meinung...

      für die hinterbliebenen ist es sicher gut, wurde dieser mörder am leben erhalten. so können sie noch auf antworten hoffen.
      8 1 Melden

Und tschüss! 5 Fälle, die zeigen, wie rasch die Durchsetzungs-Initiative zur Ausschaffung führt

Die Durchsetzungs-Initiative, mit der die SVP die ihrer Meinung nach ungenügend umgesetzte Ausschaffungs-Initiative direkt in die Verfassung schreiben möchte, ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Nicht zuletzt, weil sie im Vergleich zum ursprünglichen Initiativtext erheblich verschärft wurde.

Vor allem aber führt die Initiative gemäss Wortlaut dazu, dass Ausländer – ob in der Schweiz geboren oder nicht – bereits wegen Bagatelldelikten ausgeschafft würden, ohne dass ein Richter im …

Artikel lesen