Schweiz
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Widen und Berikon möchten in der Flüchtlingskrise ein kleines Zeichen setzen.
bild: Walter Schwager

Schau her, Oberwil-Lieli, es geht auch anders: Diese Schweizer Gemeinden wollen mehr Asylbewerber aufnehmen

Zwei Mutschellengemeinden möchten mehr Asylsuchende aufnehmen als der Kanton vorschreibt. Damit sind sie aber nicht alleine. Im ganzen Freiamt übertreffen Ortschaften die Vorgaben des Kantones.

04.10.15, 06:33 04.10.15, 08:16

Fabio Vonarburg / Aargauer Zeitung

Berikon und Widen liegen in unmittelbarer Nähe zu jener Ortschaft, die im Fernsehsender ARD als dunkler Fleck der Schweiz bezeichnet wurde. Gemeint ist Oberwil-Lieli, die Gemeinde, die lieber eine Strafgebühr zahlt, als Asylsuchende aufzunehmen. Berikon und Widen beschreiten einen anderen Weg. Beide überlegen sich, weitere Asylsuchende aufzunehmen – obwohl sie ihre Kontingente bereits erfüllen.

Seit Donnerstag sucht die Gemeinde Widen eine Wohnung im Dorf. Diese möchte sie mieten und zusätzlich eine vierköpfige Flüchtlingsfamilie aufnehmen. Die Gemeinde begründet ihre Absicht auf der Website: «Obwohl die Gemeinde Widen in der Asylbewerberunterkunft 12 Personen beherbergt und somit ihrer Verpflichtung nachkommt, will der Gemeinderat in dieser schwierigen Zeit ein Zeichen setzen.»

Der Entscheid dazu fiel in der letzten Gemeinderatssitzung, vor gut zwei Wochen. Da drängt sich die Frage regelrecht auf: Setzt die Gemeinde vor allem ein Zeichen gegen die Gemeinde Oberwil Lieli? «Das muss ich klar verneinen», sagt Widens Gemeindeammann Peter Spring.

Jede Gemeinde müsse die Entscheidung selber treffen. «Wir möchten bei der aktuellen Flüchtlingskrise nicht wegschauen, sondern einen kleinen Beitrag leisten.» Der Gemeindeammann ergänzt:

«Es würde Widen guttun, sich nicht mit dem Minimum zufriedenzugeben.»

Definitiv sei aber noch nichts, betont Spring.

Altes Gemeindehaus im Visier

Ähnliche Abklärungen laufen in Widens Nachbargemeinde Berikon. Der Beriker Gemeinderat überlegt sich, das alte Gemeindehaus in eine Asylunterkunft umzunutzen. Eine Delegation des Kantons besuchte die Gemeinde kürzlich und nahm einen ersten Augenschein der Örtlichkeiten, begleitet von «Schweiz aktuell».

Berikon hätte einen anderen Weg als Oberwil-Lieli eingeschlagen, sagte Gemeindeammann Stefan Bossard gegenüber dem Nachrichtenmagazin. «Wir wollen helfen, wollen etwas unternehmen.» Um das Gebäude für rund acht Flüchtlinge bewohnbar zu machen, wären aber Investitionen nötig.

So müssten Duschen und weitere Wände eingebaut werden. Nebst der Idee einer Asylunterkunft trifft die Gemeinde auch Abklärungen in andere Richtungen. Es sei wichtig, dass das Gebäude nicht mehr lange leerstehe, sagt Gemeinderätin Rosmarie Groux. «Denn das tut dem Gebäude und unserer Gemeindekasse nicht eben gut.»

Gemäss dem kantonalen Departement für Gesundheit und Soziales gibt es zahlreiche Gemeinden im Kanton, die mehr Plätze zur Verfügung stellen, als gemäss Verteilschlüssel vorgegeben. «Die kantonalen Unterkünfte sind zu mehr als 100 Prozent ausgelastet», sagt Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departements. «Von daher ist jeder zusätzliche Unterbringungsplatz willkommen.»

Im Freiamt übertreffen beispielsweise die Gemeinden Sins, Wohlen oder Merenschwand die kantonale Vorgabe. Demgegenüber stehen rund 80 Gemeinden im Aargau, welche die Aufnahmepflicht nicht oder nur teilweise erfüllen. Es gibt also dunklere und hellere Flecke auf der Kantonskarte. (aargauerzeitung.ch)

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bild: watson/melanie gath

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 04.10.2015 11:35
    Highlight Ich frage mich, ob es die Aufgabe einer Exekutive ist, mehr als die gesetzlich notwendigen Ausgaben zu tätigen. Wenn der Gemeiderat Zeichen setzten will,soll er es doch mit seinen privaten Geldern tun und nicht den Wohltäter mit fremdem Geld spielen.
    8 10 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.10.2015 10:39
    Highlight "Dunkler Fleck der Schweiz"? Spinnen die? Wir zünden jedenfalls nicht so viele Asylheime an, wie die in Deutschland.
    21 8 Melden
    • Howard271 04.10.2015 11:32
      Highlight Es ist eben einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als Missstände bei sich selbst zu erkennen. Da sind die Schweizer genau gleich.
      14 1 Melden
    • Datsyuk * 04.10.2015 12:04
      Highlight Rhabarber, du liegst richtig. Aber wenn eine Gemeinde potentielle Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge abreissen lässt, ist diese Bezeichnung aber auch richtig.
      6 1 Melden
    • exeswiss 04.10.2015 12:11
      Highlight @rhabarber : für mich ist abreissen potenzieller asylunterkünfte nicht weniger schlimm als angezündete asylheime.
      5 1 Melden

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