Schweiz
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Die Liste der Delikte und Vergehen eines Garagisten reichte von versuchter Erpressung bis zu einfacher Körperverletzung. symbolbild:keystone

Garagist nötigt Kundin zu Oralsex – und erpresst sie

Ein Erpressungsversuch endet für einen Garagisten mit einer Gefängnisstrafe. Sein Zukunftsplan: «Schulden bezahlen.»

Janine Gloor / Schweiz am Wochenende



«Er vertritt nicht das Idealbild eines verantwortungsvollen Garagisten», sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer über den Beschuldigten. Gleichermassen könnte man Al Capone vorwerfen, nicht dem Idealbild eines vorbildlichen Bürgers zu entsprechen. Was Garagist Afrim (alle Namen geändert) in die Hände nimmt, endet für gewöhnlich in einer Anzeige. Dementsprechend lang war auch die Anklageschrift.

Afrim, der in einer Gemeinde in der Nähe von Lenzburg eine kleine Garage betreibt, wurde in neun verschiedenen Punkten straf- und zivilrechtlich angeklagt. Die Liste der Delikte und Vergehen reichte von versuchter Erpressung über Veruntreuung und Betrug bis zu Hehlerei und einfacher Körperverletzung. Vor der Verhandlung füllte sich das Wartezimmer des Bezirksgerichts Lenzburg mit Anwälten und ihren Mandanten. Und nicht nur der Wartesaal war gut besucht: Eva Lüscher präsidierte das Gesamtgericht mit vier Bezirksrichterinnen und Bezirksrichtern.

Video aufs Handy geschickt

Nur eine wollte sich nicht unter die Anwesenden mischen. Klägerin Selvete setzte sich zur Befragung im Gang auf einen Stuhl, vor Blicken versteckt hinter einer Tür. Obwohl sie von allen Klägern am besten Deutsch sprach, verstand man sie kaum. Selvete hatte Afrim 15 000 Franken als Anzahlung für ein Auto überlassen. Zum Autokauf kam es nie, es wurde vereinbart, dass Selvete das Geld zurückerhalten sollte. 5000 Franken gab Afrim ihr. Für die restlichen 10 000 Franken kam Selvete mehrmals in der Garage vorbei.

Bei verschiedenen Treffen überredete der Beschuldigte Selvete, ihn oral zu befriedigen. «Er versprach, er würde danach bezahlen», sagte sie hinter der Tür. Auf der Toilette einer Autobahnraststätte filmte Afrim den Oralverkehr. Gemäss der Anklageschrift habe Afrim das Video Selvete auf ihr Handy geschickt, damit sie aufhöre, ihn nach dem Geld zu fragen.

«Ich habe nicht gewusst, dass er gefilmt hat», sagte Selvete vor Gericht. «Er hat mich erpresst, hat gesagt, dass er das Video schon zwei Männern gezeigt hat.» Ihr Stolz sei verletzt, sie habe Angst um ihre Familie. Es klingt, als ob sie weinen würde. Und doch hat sie sich nach Afrims Erpressungsversuch an die Polizei gewandt.

Ihm droht keine Ausschaffung

Afrim – schwarze Lederjacke, grosser Bauch, kurz geschorene Haare – hat die Hände auf der Tischplatte verschränkt. Er spricht gebrochen Deutsch, wenn er mit dem Übersetzer in seiner Landessprache spricht, redet er sich in Rage. Momentan wird er nach eigener Aussage für 65 000 Franken betrieben, privat würden sich noch 10 000 bis 20 000 Franken Schulden anhäufen. Gleich mehrmals nahm er von Kunden Geld als Anzahlung für Autos entgegen. Das Geld verwendete er, um Schulden zu begleichen, Autos lieferte er keine.

Vor Gericht stritt der Garagist mit Ehefrau, zwei Kindern und vielen Vorstrafen alles ab. «Ich hätte das Geld schon zurückgezahlt, aber habe es anderweitig gebraucht», sagt er. Mehrmals ist er gegenüber seinen Gläubigern handgreiflich geworden. Dass bei Afrim viel kriminelle Energie vorhanden ist, glaubte auch das Gericht. Wenn Aussage gegen Aussage stand, wurde den Opfern Glaube geschenkt.

Die meisten Anträge der Staatsanwaltschaft wurden angenommen und Afrim zu 30 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt verurteilt. Dazu kommen 10 Tagessätze à 70 Franken und eine Busse von 1000 Franken. Auch die Verfahrenskosten von knapp 7000 Franken muss er übernehmen, zusätzlich zu den 17 000 Franken Honorar für die amtliche Verteidigung.

Zu seinen Zukunftsplänen gefragt, antwortet er: «Schulden bezahlen.» Einzig um eine mögliche Ausschaffung muss sich der mazedonische Staatsbürger keine Sorgen machen, da er die Straftaten vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes begangen hat. 

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fischra 25.02.2018 19:46
    Highlight Highlight Als nächstes macht er Privatkonkurs, zieht in eine andere Gemeinde und sein Betreibungsregisterauszug ist schon wieder sauber. Sein Opfer kann aber hin wo es will. Der Verlust bleibt bestehen. Aber beim Täter kann man auf folgebdes Sprichwort hoffen: Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.
  • Imagine 25.02.2018 14:58
    Highlight Highlight Wäre das Thema nicht eigentlich Blick- und 20Min-Niveau? Schade, Watson, dass Ihr so was nötig habt ...
    • rudolf_k 25.02.2018 16:18
      Highlight Highlight Du meinst wenn man solche Stories einfach ignoriert dann lebt sichs deutlich bequemer in der Bubble?
  • olmabrotwurschtmitbürli 25.02.2018 12:09
    Highlight Highlight Anmerkung: Dass der Garagist das Land nicht verlassen muss, ist nicht klar. Es wurde lediglich nicht im Strafurteil darüber entschieden. Regelmässig widerruft das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung (respektive verlängert diese nicht), wenn Freiheitsstrafen von mehr als 12 Monaten ausgesprochen wurden und nicht besondere Gründe für einen Verbleib sprechen.
    • Judge Dredd 25.02.2018 15:24
      Highlight Highlight Absolut korrekt. Allerdings wird auch berücksichtigt werden, dass er eine Frau und zwei Kinder in der Schweiz hat (wie dies auch unter Berücksichtigung der Ausschaffungsinitiative miteinbezogen werden würde, Stichwort Härtefall).
      Obwohl, meiner Meinung nach wären sowohl die Frau wie auch die Kinder ohne ihn nicht schlechter dran. Sorry, Oralsex erzwingen wenn Frau und Kindern zuhause warten, der Typ interresiert sich weder für Recht und Gesetze noch für Respekt, Anstand und Moral.
  • SYV 25.02.2018 11:14
    Highlight Highlight Um die restlichen Fr. 10’000.- zu erhalten, befriedigt Selvete den Garagisten oral...

    Sprich, mir schuldet jemand etwas und ich muss jetzt noch mehr investieren, damit ich es zurück bekomme? Normalerweise bekommt man einfach als Gläubiger Schuldzinsen vom Schuldner und « bezahlt » nicht noch den Schuldner... Arme Selvete, du musst entweder sehr verzweifelt gewesen sein oder einfach verdammt naiv...
  • Dragonlord 25.02.2018 11:11
    Highlight Highlight Seine 2 armen Kinder. Ich hoffe, sie werden begreifen können, dass ihr Vater ein Nichtnutz ist und es besser machen.
  • sintho 25.02.2018 10:59
    Highlight Highlight Moment.. Er schuldet ihr 10k und überredet sie zu einem Blowjob, im Versprechen er zahle es ihr dann zurück? Mich nimmts ja Wunder, ob da noch etwas in der Geschichte fehlt - man kann ja nicht so Blauäugig sein.
    • Citation Needed 25.02.2018 13:18
      Highlight Highlight ..doch, kann man.
      Hochnaiv und ein bisserl dumm. Besonders, wenn man es mit manipulativen Leuten zu tun hat und/oder verzweifelt ist, dann fällt man auf solche Fieslinge rein. Oder vermutest Du beim Enkeltrick auch jeweils mehr an Hintergründen? Dort kommen statt Blödheit halt oft altersbedingte kognitive Defizite dazu, aber erklären kann man sich dennoch nicht, wie Leute einer wildfremden Person ihr ganzes Erspartes anvertrauen können, dennoch passierts immer wieder..
    • misoumisou 25.02.2018 16:15
      Highlight Highlight die älteren Personen die auf den Polizeitrick und den Enckeltrick hereinfallen, gehören eben noch der anständigen Generation an, d.h. einem Polizist glaubt man, auch einem ev. Enkel. Dass sich dank offenen Grenzen in der Schweiz die Kriminalität so ausgebreitet hat, wissen diese Leute noch nicht.
    • AdiB 25.02.2018 19:15
      Highlight Highlight @misoumisou, ich glaube nicht das der enkeltrivk mit kriminaltouristen funktioniert. nur schon von der sprache her, wer den enkeltrick anwendet der muss der sprache mächtig sein, sonst funktioniert es sehr, sehr schlecht.
  • Chili5000 25.02.2018 07:57
    Highlight Highlight Seid ihr sicher das dies kein Plott von RTL2 ist?
    • Raembe 25.02.2018 11:52
      Highlight Highlight Richterin Barbara Salesch😂
    • Tillo Reilly 25.02.2018 13:47
      Highlight Highlight ...
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  • Eskimo 25.02.2018 07:40
    Highlight Highlight "Kulturbereicherung"
    • Charlie Brown 25.02.2018 08:18
      Highlight Highlight „Dumme Hetze“

      Niemand nimmt solches Verhalten in Schutz. Es einfach auf die geographische Herkunft des Täters zu reduzieren beweist jedoch einzig, wie es um den geistigen Horizont des Kommentators steht.
    • dulee2789 25.02.2018 09:59
      Highlight Highlight Was hat das mit Kultur zu tun? Das ist ein Krimineller und gehört hart bestraft... Schweizer Kriminelle gibt es übrigens auch zur Genüge.
    • heul doch 25.02.2018 12:16
      Highlight Highlight ewiggestrige sind dies ebenso nicht
    Weitere Antworten anzeigen
  • redeye70 25.02.2018 07:33
    Highlight Highlight Dieser „feine“ Herr darf bleiben aber das serbische Mädchen musste das Land verlassen aufgrund Versäumnissen ihrer Mutter. Logik, wo?
    • Charlie Brown 25.02.2018 08:20
      Highlight Highlight Logik ist gegeben. Es betrifft unterschiedliche Gesetze. Das ist die logische Basis.

      Dass es stossend ist, steht auf einem anderen Blatt und da bin ich sehr einig mit dir.
    • Scaros_2 25.02.2018 08:44
      Highlight Highlight Darin gibt es leider keine Logik. Wenn du Termine verpasst, hast du sie verpasst. Vor allem bei dingen wie einer Möglichen Ausschaffung würde ich das zeug doppelt und 3-fach machen vor Angst einer Ausschaffung. Will heissen desinteresse an Bürokratie schützt dich nicht.
    • miarkei 25.02.2018 09:40
      Highlight Highlight Da wir in einem Rechtsstaat leben können wir die Regeln nicht eifach biegen und brechen. Klingt zwar unmenschlich ist aber so.
      Fristen müssen halt eingehalten werden.
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