Schweiz
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Das SRG-Gebäude in Zürich. Bild: KEYSTONE

Beim SRF geht die Angst vor dem grossen Kahlschlag um

Bei der SRG leckt man sich nach der RTVG-Abstimmung die Wunden. Die Dauerkritik verunsichert die Belegschaft – und jetzt beginnt erst recht das Zittern vor einem Abbau.

15.06.15, 09:15 15.06.15, 10:11

Benno Tuchschmid / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Dieser Abstimmungskampf hinterlässt Narben bei der Belegschaft von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Aus einer vermeintlich nüchternen Sachvorlage wurde ein aggressiv geführter, mehrere Monate andauernder Streit über den Service public und die Zukunft gebührenfinanzierter Medien. Man könnte auch sagen: Es wurde ein Zielschiessen auf das SRF. «Fremdschäm-Formate», «Boulevard-Infotainment» – die Kritik, die auf den Sender und seine Mitarbeiter niederprasselte, war fundamental. Das liess Spuren zurück, wie Andrea Hemmi, Kommunikationschefin des SRF sagt: «Inhaltliche Vorwürfe sind das eine; was allerdings viele Mitarbeiter beschäftigte, waren Ton und Heftigkeit gewisser Attacken.»

Gespräche mit verschiedenen SRF-Mitarbeitern zeigen: Die Angriffe haben am Leutschenbach zu einer nachhaltigen Verunsicherung geführt. Dass Gewerbeverbandspräsident Hans-Ulrich Bigler in seiner Kampagne auch auf das Programm zielen würde, überraschte beim SRF niemanden. Doch die Kritik kam auch aus unerwarteten Kreisen.

«Wir wurden zum Boxsack»

So äusserte die Basler Ständerätin Anita Fetz ihre Sympathien für ein Nein zur Vorlage. Doch nicht nur das: In der «Schweiz am Sonntag» zweifelte sie auch daran, dass die SRG ihrem Service-public-Auftrag noch nachkomme, und forderte «einen Schuss vor den Bug». Fetz ist Sozialdemokratin. Die SP galt einst als SRG-freundlich. Darum war die Wirkung von Fetz’ Aussagen besonders gross. Ein TV-Mann, der anonym bleiben will, sagt: «Wir wurden zum Boxsack, an dem sich jeder austoben konnte, der aus irgendeinem Grund unzufrieden mit uns war oder Aufmerksamkeit wollte.»

Zwar hat sich Fetz bei SRF-Chefredaktor Tristan Brenn für die Attacken insbesondere gegen die Sendung «10vor10» (die sie als «Boulevard-Infotainment» bezeichnete) entschuldigt, wie die «Nordwestschweiz» weiss. «Mir sind da die Pferde durchgegangen», schrieb Fetz dem obersten SRF-Journalisten. Doch das ändert nichts daran, dass die Stimmung in Politik und Bevölkerung gegenüber der SRG von vielen am Leutschenbach als äusserst negativ wahrgenommen wird.

Besonders in der Unterhaltungsabteilung des SRF fürchtet man sich nun, dass der Debatte bald Taten folgen könnten. So lässt der Bundesrat einen Bericht zur Zukunft des Service public erarbeiten. Eine Einschränkung der Unterhaltung beim gebührenfinanzierten Medienkonzern könnte dann zum Thema werden. Die privaten TV-Stationen arbeiten mit ihren steigenden Lobby-Aktivitäten jedenfalls darauf hin. SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi sagt dazu: «Wir finden diese Debatte wichtig.» Doch vorderhand geht es weiter wie bisher, so Hemmi: «Bis 2017 gilt der aktuelle Leistungsauftrag der SRG.»

Kritik an de Weck von innen

Im SRG-Trägerverein sucht man derweil nach den Gründen für das knappe Resultat. Es mehren sich die Stimmen, die den Abstimmungskampf genau analysieren wollen – und die Rolle des SRG-Generaldirektors kritisieren. Roger de Weck war in den Monaten vor der Abstimmung auf allen Kanälen präsent und liess sich auf einen Kleinkrieg mit Gewerbeverbandschef Hans-Ulrich Bigler ein. Ein Kadermitglied des Vereins sagt: «De Weck nahm die Sache zu persönlich, das hat geschadet». 

Roger de Weck: «Wir haben nun einen Schritt in die Gegenwart gemacht mit dem neuen Gebührensystem.» Video: keystone

(aargauerzeitung.ch)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nico Rharennon 15.06.2015 14:38
    Highlight Ich wünschte mir einen Sender ähnlich wie Arte. Mehrsprachig (wären wir ja hoffentlich dazu in der Lage), gute hartnäckige informelle Dokus (Dok, Einstein etc fördern!), alternative Filme zum Mainstream (oft läuft ja sowieso auf mehren Sendern der gleiche Film dann muss SF2 ja nicht auch noch mitmachen!) die dann wohl auch nicht so teuer wären.
    Grundsätzlich finde ich gehört zum Service Puplic aber nicht viel mehr als Tagesschau und Meteo (vielleicht noch gewisse Randregionen-Sendungen und 10 vor 10). Alle anderen Sendungsformate müssten sich meiner Meinung selbst tragen können sonst haben sie keine Berechtigung.
    12 9 Melden
    • tomdance 15.06.2015 17:59
      Highlight OK, kann man so machen. Das bedeutet aber, dass z.B. das Kinderprogramm gesponsort werden darf. Das ist im Moment gemäss Konzession verboten. OK, @Nico Rharennon?
      1 0 Melden
    • Nico Rharennon 15.06.2015 19:34
      Highlight Ein gut gemachtes Kinderprogramm wird sich mühelos selbst finanzieren können.
      0 2 Melden
    • tomdance 16.06.2015 06:34
      Highlight Darf es aber gemäß Konzession eben nicht. Sponsoring und Product Placement sind verboten. Werbung am Nachmittag wird zu wenig Geld generieren.
      0 0 Melden
    • klugundweise 16.06.2015 09:55
      Highlight Mit Dauerwerbung für Kinderschnitten, McDonalds, Zahnspangen etc.?
      1 1 Melden
    • Nico Rharennon 16.06.2015 10:40
      Highlight Ja dann halt kein Kinderprogramm... Ist mir persönlich wurscht. Die Kinder gehören sowieso an die Lego-Kiste oder nach Draussen.
      Wir durften damals an regnerischen Sonntagen die walt-disney Kindershow (der genaue Name ist mir entfallen) schauen, die war sicher auch nicht unbedenklich was Werbung etc angeht, aber wenn die Eltern da ein Auge drauf haben dürfte kein grosses Problem sein.
      1 0 Melden
    • tomdance 16.06.2015 14:59
      Highlight Tja, @Nico Rharennon. In Deinem Modell würden also entweder die Erwachsenen eine vermehrte Aufsicht über die Kinder haben und selbstverständlich alle Product Placements erklären (auch im Weihnachtsgeschäft, wenn das Kind dann unbedingt Produkt xy aus der Serie zz will) - oder die Kinder würden eben kein Schweizer Kinderprogramm sondern im besten Falle KIKA (und im weniger guten Falle irgend einen privaten Anbieter) schauen. Oder der Fernsehen, Computer und die Handys würden aus dem Leben der Kinder verbannt. Ich habe das Gefühl, dass hier Wunsch und Realität auseinandergehen.
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    • Nico Rharennon 16.06.2015 16:06
      Highlight Tom, so läuft das halt... meine Eltern haben auch viel Zeit darauf verwendet uns drei Kinder solche Dinge zu erklären. Dafür sind wir jetzt drei mündige Bürger. Wie stellst du dir denn das vor?
      Abgesehen davon sind Kinder dem auch mit dem jetzigen Programm ausgesetzt oder irre ich mich da?
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    • tomdance 16.06.2015 17:12
      Highlight @Nico Rharennon: mit dem jetzigen Programm haben die Kinder (und die Eltern) immerhin noch die Wahl und eine gewisse Gewissheit, dass einigermassen sinnvolle Inhalte zu sehen sind. Und das eben ohne Product Placement oder versponserte Sendungen. Und für mich als Vater ist das relevant. Damit mein Kind - neben all meinen Efforts, die ich in eine verantwortungsvolle Erziehung lege - auch mit Medien umgehen lernt.
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  • länzu 15.06.2015 13:13
    Highlight Eine erste Sparmöglichkeit wäre, bei den Fussballspielen das Team massiv zu reduzieren. Was braucht es einen Hüppi in Zürich, dann Salzgeber vor Ort mit Susi und Wicky und einige Interviewfänger. Da könnte man massiv reduzieren. Das Gelabber von Susi nervt so oder so schon lange.
    18 10 Melden
  • klugundweise 15.06.2015 12:47
    Highlight Die Angriffe auf die Säulen der Demokratie wie Service publique, Classic politique, Gerichte, Nationalbank etc. kommen immer aus der gleichen Ecke, orchestriert von einem Chefstrategen.
    Einfache Frage: warum wohl und wann gehen dem Volch die Augen auf?
    26 9 Melden
    • Max Heiri 15.06.2015 14:37
      Highlight Ja genau Sie sagen es, in der Sowjetunion war auch keine Kritik an der classe politique erlaubt
      7 8 Melden
    • klugundweise 16.06.2015 09:53
      Highlight Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Kritik und systematischer übler Nachrede, auch in der Schweiz!
      0 0 Melden
  • Azrag 15.06.2015 11:14
    Highlight Der Blick hat eine Liste publiziert, was seiner Meinung nach nicht zum Service Public gehört. Wenn es danach geht, so stünde SRF ohne Programm da (oder ca eine Stunde pro Tag) und die Schweizer würden nur noch Bauer, ledig, sucht oder deutsche Programme konsumieren. Ich bin auch der Meinung, dass SRF zu viele Programme hat und einfacher und günstiger arbeiten könnte. Aber einen gewissen Unterhaltungsanteil braucht es, um überhaupt Zuschauer zu ködern. Erstaunlich finde ich, dass gerade Kreise, die immer auf Unabhängigkeit pochen, beim wichtigen TV scheinbar alles dem Ausland überlassen wollen.
    47 3 Melden
  • Lowend 15.06.2015 10:41
    Highlight Was besser werden soll, wenn nur noch RTL, Sat1 usw. bis hin zu S1, 3+, TeleZüri, Tele Bärn und wie die gefühlt hunderten von Privat TV alle heissen mögen, uns mit Werbung zubrettern und wir für die Spiele der Nati Geld an Teleclub und ähnliche Bezahlsender abdrücken müssen, dass weiss Bigler und ev. die SVP-Blondine, welche den Sendern die Werbung verkauft. Billiger wird dass sicher nicht und besser garantiert auch nicht. Die Politik soll sich bitte jetzt aus der Programmgestaltung raushalten und die echten Probleme der Schweiz lösen, z.B. wie man Politikern das Lügen und Betrügen verbietet!
    47 12 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 12:08
      Highlight Dann wird in Goldbach gejubelt und die ach so selbstlose und fürs Schweizer Volk schauende SVP-Frau Rickli erhält einen satten Bonus.
      32 6 Melden
    • Stinkender Wookie 15.06.2015 12:39
      Highlight Was ist so schlimm daran das diejenigen die Fussbalspiele schauen wollen dafür bezahlen und die, die das nicht wollen eben nicht. Das klingt für mich eigentlich ganz logisch, oder etwa nicht?
      Ich schaue kein Fernseh, aber verlange nicht dass mir jemand meinen Netflix Account bezahlt.
      17 21 Melden
    • Lowend 15.06.2015 12:53
      Highlight Kennen Sie das Wort "Solidarität", gulinuli? Solidarität zwischen Alt und Jung, Reich und Arm, Intelligent und Dumm, Gesunden und Kranken und was auch immer? Solidarität ist das A und O jedes staatlichen Handelns und wenn jeder nur noch für sich selber schaut, wie dass gewisse Ego-Parteien immer wieder propagieren, dann können wir den Staat, sprich die gute, alte Schweiz wie sie heute besteht, vergessen.
      32 7 Melden
    • Stinkender Wookie 15.06.2015 14:07
      Highlight Ich gebe Ihnen recht Lowend, dass Solidarität ein Grundstein von unserer Schweiz ist. Jedoch möchte ich, im Gegensatz zu Ihnen, nicht die "gute, alte Schweiz" beibehalten. Ich denke, wenn die Schweiz im Weltgeschehen weiterhin einen so hohen Stellenwert haben soll, dann muss sie sich laufend weiter entwickeln und nie stehen bleiben. Dazu gehört vielleicht auch, sich als Staat mehr aus dem Privatleben rauszuhalten und nicht die Konsumfreude (in jeglicher Art) zu finanzieren, sondern sich auf das Wesentliche zu besinnen.
      (Natürlich kann man nun diskutieren ob der SRF Konsum- oder Informationsquelle ist)
      9 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 14:50
      Highlight @gulinuli - Ein Staatsfernsehen ist wichtig. Ansonsten öffnen man Machtmenschen Tür und Tor zur Manipulation. Also auf ein schweizweites Blocher-TV kann ich getrost verzichten.
      8 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 09:54
    Highlight Die Heftigkeit der Attacken sind seit Jahren gleich und immer von den pseudo Emotionalen geführt. Sachvorlagen werden immer von den gleichen Gruppierungen emotional initiirt . Nur die Opfer verändern sich. Die Abstimmung ging darum ob wie alle und auch weniger zahlen wollen. Es ging nicht um SRGSRF. Wenn die Arbeit von SRGSRF so attackiert wurde, obwohl es ja bei der Abstimmung nicht um den Leistungsauftrag ging, so denke ich war der Schlagabtausch von De Weck mit U. Bigler absolut nötig. Keine Reaktion würden die Attacker wie immer als Schwäche auslegen. Lieben und Netten
    29 8 Melden
    • zeromg 15.06.2015 12:37
      Highlight Colle Abkürzung SRGSRF. Hätte da auch noch eine: SRGRADIOSRFKULTUR2
      5 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2015 13:06
      Highlight @zeromg ;-)
      1 0 Melden

Jetzt ist es fix: Blocher hat die «Basler Zeitung» an Tamedia verkauft

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