Schweiz
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Olivier Kessler, rechts, vom Initiativkomitee

Olivier Kessler, Aushängeschild der No-Billag-Initiative, spricht in der Schmiedstube in Bern zu den Medien.  Bild: KEYSTONE

«Wir wollen's ja nicht unnötig in die Länge ziehen» – das triste Ende der No-Billag-Träume

Die No-Billag-Initiative erlitt an der Urne erwartungsgemäss Schiffbruch. Die Befürworter um Oliver Kessler nahmen's erstaunlich gelassen. Nur die Journalisten störten ein bisschen.



Olivier Kessler hatte wirklich, aber wirklich keine Lust mehr auf Interviews. Es war kurz vor 15 Uhr und das Aushängeschild der No-Billag-Initiative hatte in geschätzte 25 Kameras die gleichen Sätze diktiert: Ja, man sei ein bisschen enttäuscht. Nein, es sei keine totale Niederlage. Ja, es gelte den Volkswillen zu respektieren. Jetzt setzte sich Kessler hin, biss in ein Käseküchlein und wimmelte Journalisten ab. «Elendes Laientheater», nörgelte ein Kameramann, der keine Kessler-Sätze mehr abbekommen hatte.

Das sagen die No-Billag-Gegner zum Abstimmungsergebnis

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Mit einer Überraschung hatte hier niemand mehr gerechnet: einzelne Exponenten des No-Billag-Komitees liessen sich für den Abstimmungssonntag entschuldigen, andere hatten seit langem ihre Ferien gebucht. Dass es eine Niederlage absetzen würde, war längst klar, die Frage war nur noch: wie verheerend wird sie sein und wie kann man sie trotzdem in einen Triumph umdeuten. Das gelang mit einigem Erfolg.

Man beschwor grundlegend die Errungenschaften der schweizerischen Demokratie («Dass eine Abstimmung über die Medienlandschaft überhaupt möglich ist!»), den sonst eher selten in Anspruch genommenen Minderheitenschutz («Auf die 30 Prozent Ja-Stimmenden muss jetzt Rücksicht genommen werden») und die internationale Ausstrahlung der Initiative («Die ARD ist mit drei Fernsehteams hier»).

So sehen No-Billag-Befürworter die Zukunft

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Die Enttäuschung unter den No-Billag-Befürwortern im ersten Stock der Schmiedstube Bern, einem altehrwürdigen Zunfthaus in der Berner Altstadt, hielt sich also in Grenzen. Und je länger desto mehr glich die Stimmung einem lockeren Vereinstreff von Verbindungsstudenten. Ein Gruppenfoto hier («Freunde, schaut so drein, als ob ihr gewonnen hättet!»), entspannte politische Plaudereien am Buffettisch («Eine Initiative zur Ausschaffung der Sozis, würdest du die annehmen oder nicht?» – «Ja, natürlich, das Problem ist nur, sie wäre nicht verfassungskonform.» – «Verfassung, Verspassung!»).

Als Olivier Kessler zu seiner ersten Rede anhob, war die erste Hochrechnung draussen. Ein überdeutliches Nein zeichnete sich ab, 70 Prozent Gegenstimmen oder mehr. Die Initiative war nicht nur abgeschifft, sie war auf Grund gelaufen, jetzt musste Kessler, der Steuermann, das Ruder übernehmen. Vor Kessler wischte ein anderer No-Billag-Initiant die Medienleute wie ein übermotivierter Bouncer aus dem Weg, Kessler wollte zu seinen Leuten sprechen, nicht zu den Medien.

Und Kessler liess sich nicht lumpen: «Liebe Freunde der Freiheit», begann er, bevor er sich in einem atemberaubenden Tempo von Gandhi über Alkohol zur biblischen Geschichte und wieder zur Freiheit hangelte. Alles mit dem gebührlichen Pathos, der diesen Abstimmungskampf seit Anfang an begleitet hatte. 

Man wurde den Eindruck nicht los, dass es den Initianten eigentlich nicht so wichtig war, welche Prozentzahl schlussendlich auf der Habenseite stand. Vielleicht hatten sie auch einfach schon lange abgeschlossen. Im Hintergrund, auf der Grossleinwand, lief «Countdown St.Moritz.» Leicht zeitversetzt, weil die Technik nicht so richtig wollte.

Bild

Schmiedstube Bern, Treffpunkt der No-Billag-Initianten am Abstimmungssonntag. bild: watson

Und dann war's plötzlich vorbei: die Journalisten zogen ab, zur Medienkonferenz von Bundesrätin Doris Leuthard oder in den Feierabend, die Mitarbeiter der Schmiedstube drehten langsam am Lichtschalter («Jetzt bitte schauen, dass alle bald draussen sind.») Kesslers Abschlussrede, für 16.45 Uhr geplant, fiel ins Wasser. «Wir wollen's ja nicht unnötig in die Länge ziehen», sagte ein No-Billag-Mann beim Rauslaufen. Recht hatte er.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 06.03.2018 00:47
    Highlight Highlight Wieso trist? In einer direkten Demokratie ist es doch kein Problem, eine Abstimmung zu verlieren.

  • Adrian Huber 05.03.2018 06:20
    Highlight Highlight Zeit, für die Initiative „No Steuergeldverschwendung“: Initianten, deren Vorlage weniger als 30% Zuspruch erhält, müssen die Kosten selber tragen. Wetten, dass die Flut an Biertisch-Initiativen sofort abebbt?
    • Roterriese 05.03.2018 08:13
      Highlight Highlight Leute wie sie sind eine Gefahr für die Demokratie. Sie selber hatten aber sicher angst, dass bei einem ja Blocher alle Medien übernommen hätte? Aber jetzt fordern sie nur noch Demokratie für die die es sich leisten können?
  • Herbert Anneler 05.03.2018 03:49
    Highlight Highlight No Billag: In der Niederlage zeigt sich der wahre Charakter. Kessler, Kleeb, Rickli sinngemäss: „Wir No Billies sind toll, nur das Volk ist doof und unreif!“ Gut, dass eine überwältigende Mehrheit diese Arroganz und Selbstgerechtigkeit abgewatscht hat. Schon heute will Frau Rickli in Bern den Volkswillen durchlöchern. Hat da einmal jemand Zeter und Mordio „Landesverrat“ geschrien???
  • ujay 05.03.2018 02:49
    Highlight Highlight Kessler hatte seine Sekunde Aufmerksamkeit in der schweizer Geschichte. Solche Selbstdarsteller sollten am besten die Klappe halten, wenn sie das Gesicht wahren wollen.
  • Hiker 05.03.2018 00:30
    Highlight Highlight Mann bin ich erleichtert! Nun kann man hoffentlich wieder vernünftig Diskutieren. Die SRG kommt um Reformen nicht herum, dass haben sie hoffentlich kapiert. Dann war diese unselige, nicht fertiggedachte Initiative wenigstens nicht gänzlich unsinnig. Danke den Schweizer WählerInnen.
  • Ron Collins 05.03.2018 00:30
    Highlight Highlight Alles Dank Schawinski. Er wir nun def. zum Säulenheiliger. Er hat die SRG gerettet!! Und weiter grinst die Doris. ;/
    • el heinzo 05.03.2018 10:38
      Highlight Highlight Das glaubst du doch selber nicht! Das Stimmvolk ist eben fähig, Pro und Kontra einer Vorlage differenziert abzuwägen, und sich so eine informierte, breit abgestützte Meinung zu bilden. Schawinski ist im Allgemeinen nicht sonderlich beliebt. Viele attestieren ihm eine hohe Intelligenz und ausgeprägte Mitteilungsfähigkeit, gepaart mit Selbstherrlichkeit und einer gewissen angehoben Arroganz. Licht und Schatten halt. 70% als blindes Gefolge Schawinskis zu bezeichnen ist komplett aus der Luft gegriffen, da machst du dir deine Erklärung viel zu einfach.
    • Ron Collins 05.03.2018 12:38
      Highlight Highlight Chill si heinzo, meinte es auch ironisch. Aber ER wird sich eben das als seinen Verdienst zuschreiben...und wir müssen das das für immer und ewig anhören. ;) isch mini Idee gsi!!✌🏻
  • Silent_Revolution 04.03.2018 22:58
    Highlight Highlight Ach die Schweiz

    Die Schere zwischen arm und reich wird kritisiert, man lehnt aber Kapitalgewinnsteuer, Ferien, Einheitskasse, Ausbau von AHV/IV, Grundeinkommen, tiefere Arzneimittelpreise, faire Steuern usw unter geringem medialem Echo ab.

    Man hofiert Grosskonzerne und Reiche über diverse "stille" Initiativen, lässt sie über Stiftungen steuerfrei investieren, pauschalbesteuern u.v.m

    Und bei dieser Initiative machen die Medien am Tropf so ein Drama: Zig Arenas, Beiträge, Propaganda über Monate hinweg.Nehmt die Gebühren, aber verschont mich von dem Begriff Billag, ich kanns nicht mehr hören.
    • paddyh 05.03.2018 09:29
      Highlight Highlight Ich geb dir vollkommen recht. Wir haben gut und gerne 4 Monate über so einen BS debatiert, das Land weiter gespalten und echte Probleme vernachlässigt. Super gemacht Schweiz! Ich wünsche mir so fest sachbezogene, stinklangweilige, nicht unterhaltende Politik zurück.
  • el heinzo 04.03.2018 20:40
    Highlight Highlight War Herr Bigler zugegen und ansprechbar, oder hatte der auch schon Skiferien gebucht? Der badet offenbar gar nicht gerne in den Süppchen, die er jeweils mit anrührt. Für mich, ich bin nämlich Kleingewerbler, ist dieser Mann schon lange nicht mehr tragbar, mir ist schleierhaft, wessen Interessen der Herr vertritt, abgesehen von seinem eigenen Geltungsdrang. Sogar die Kantonalverbände haben sich in der vorliegenden Sache mehrheitlich von ihm abgewandt. Ich hoffe sehr, dass er recht bald aus seiner Funktion beim SGV enthoben wird. Es braucht dort einen konsensfähigen Mediator, keinen Spaltpilz.
    • Tomlate 04.03.2018 22:36
      Highlight Highlight Spaltpilz. Kannte ich bisher noch nicht. Ein Wortschatz ist um ein Wort reicher 👌
    • LucyT 05.03.2018 08:21
      Highlight Highlight Ja Herr Bigler war auch vor Ort. Er kam jedoch eher spät als die meisten Journalisten die Büffets leer gefuttert haben und wieder abgedampft sind.
  • Tapatio 04.03.2018 20:35
    Highlight Highlight Schöner Abschluss für einen peinlichen Haufen von Selbstdarstellern.
  • Zeyben 04.03.2018 20:01
    Highlight Highlight Die SRG hat damit keinen Freipass so weiterzumachen wie bis anhin.
    • Fischra 04.03.2018 20:42
      Highlight Highlight Aha. Hatten sie auch jetzt nicht.
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    • Oban 04.03.2018 20:43
      Highlight Highlight Hat sie auch nicht, denn sie hat einen Leistungsauftrag.
      Sprich die SRG macht das was ihr die Politik dort reinschreibt und was im RTVG steht. Heisst das die SRG im Jahr max. 1.2 Mia erhält und damit den Leistungsauftrag zu erfüllen hat, von Freipass keine Spur.
    • nödganz.klar #161 04.03.2018 20:53
      Highlight Highlight Doch. Meiner Meinung nach schon.
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Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Ruedi Lüthy war einer der Pioniere der Aids-Medizin in der Schweiz. Seit 2003 lebt er hauptsächlich in Harare, wo er eine Aids-Klinik aufgebaut hat. Im Interview mit watson spricht er über seine erste Begegnung mit der Krankheit, seinen Umgang mit afrikanischem Aberglauben und die Entwicklung in Simbabwe seit dem Sturz von Diktator Mugabe. 

Anfang der 80er-Jahre war Ruedi Lüthy (77) einer der ersten Ärzte in der Schweiz, der sich mit Aids auseinandersetzte. Als Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich musste er zunächst zusehen, wie seine HIV-positiven Patienten wegstarben, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre war er mit dabei, als in der Schweiz grosse Fortschritte bei der Behandlung von HIV-positiven Menschen erzielt wurden.

2003 gründete Lüthy die Swiss …

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