Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swiss Defence Minister Ueli Maurer reacts during a news conference on the Gripen fighter jet in Bern February 11, 2014. REUTERS/Thomas Hodel (SWITZERLAND - Tags: POLITICS MILITARY)

Bild: Reuters

Kommentar zum Gripen

Das Nein ist der Anfang einer besseren Lösung

Für Ueli Maurer ist die Ablehnung des Kampfjets Gripen eine herbe Niederlage. Für die Schweizer Armee aber ist sie ein Sieg der Vernunft. Sie kann sich für die Zukunft auf einen einzigen Kampfjettyp festlegen.

18.05.14, 16:51 24.06.14, 09:27

Militärkritische Vorlagen haben es an der Urne schwer. Nur in sehr wenigen Fällen hat das Volk gegen die Armee gestimmt. Jetzt ist es wieder einmal passiert: Die Beschaffung von 22 Gripen-Kampfjets für drei Milliarden Franken ist vom Tisch. Bundesrat Ueli Maurer muss als Chef des Verteidigungsdepartements VBS eine herbe Niederlage einstecken.

Er hat sie mitverschuldet, mit einer Kampagne voller Pleiten, Pech und Pannen. In erster Linie aber ist der Gripen an der breiten Front seiner Gegner gescheitert. Welsche, urbane Deutschschweizer und Frauen wollten nichts wissen von einem neuen Spielzeug für die Luftwaffe. Dagegen konnte auch die intensive Mobilisierung der Armeefreunde nichts ausrichten. Das VBS konnte nie überzeugend darlegen, warum es unbedingt einen Ersatz für den F-5 Tiger braucht. Selbst der neu aufgeflammte Ost-West-Konflikt in Europa verfing als Argument nicht.

Mehr Geld für die Armee

Allerdings dürfen die Gegner nicht hoffen, dass das Geld nun für Bildung oder Verkehr verwendet wird. Und bei Ueli Maurer wird sich das Bedauern in Grenzen halten. Zwar setzte sich der SVP-Bundesrat im Abstimmungskampf intensiv für den Schweden-Flieger ein, doch lange schien er kein echtes Interesse an einem neuen Kampfflugzeug zu haben. Ein Ziel hat er ohnehin erreicht: National- und Ständerat stockten das Armeebudget von vier auf fünf Milliarden Franken auf.

Richtig ist das Nein zum Gripen vor allem mit Blick auf die künftige Landesverteidigung. Die Schweiz befinde sich «in einer sehr stabilen und ruhigen sicherheitspolitischen Situation», schreibt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in seinem aktuellen Lagebericht. Deshalb genügen die 32 F/A-18 auf absehbare Zeit für den Luftpolizeidienst. Im Hinblick auf ihre Ausmusterung in etwa 15 Jahren kann sich die Schweiz auf einen einzigen neuen Kampfjet-Typ festlegen.

Die Schweiz kann aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht auf eine eigenständige Luftverteidigung verzichten.

Es wäre ein Entscheid der Vernunft: Noch vor 30 Jahren besass die Schweizer Armee drei unterschiedliche Flugzeug-Typen (Mirage, Tiger, Hunter). Moderne Kampfflugzeuge aber sind Mehrzweck-Systeme. Deshalb genügt ein neuer Jet, nicht zuletzt mit Blick auf den Unterhalt. Die Piloten werden sich allerdings kaum mit einem «Leichtgewicht» wie dem Gripen begnügen. In den Vordergrund rücken werden der zuletzt unterlegene Eurofighter Typhoon oder der amerikanische F-35.

Annäherung an die Nato

Billig wird das nicht, aber die Schweiz kann aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht auf eine eigenständige Luftverteidigung verzichten. Erst recht nicht verzichten kann sie auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ausland und vor allem mit der Nato. Neutralitäts-Fundis mag diese Aussicht ein Gräuel sein, doch das alternde und schrumpfende Europa hat keine andere Wahl, als seine Verteidigungspolitik vermehrt zur koordinieren. Noch sind die nationalen Befindlichkeiten stärker, aber Wladimir Putins Säbelrasseln wird früher oder später zu einem Umdenken führen.

Dieser Entwicklung kann und darf sich die Schweiz nicht entziehen. Ueli Maurer als 150-prozentigem SVPler muss diese Perspektive Bauchkrämpfe verursachen. Sollte es ihm jedoch gelingen, aus dem Schatten seiner Partei herauszutreten und sich der ungeliebten Nato anzunähern, und sollte er eine vernünftige Kampfjet-Strategie aufgleisen, dann wird die Gripen-Niederlage der Anfang einer besseren Lösung sein.

Alles zu den Abstimmungen



Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

13
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fatalswitzerland 26.06.2014 14:48
    Highlight dem Herrn Bluntschi würde mal ein Blick in eine Journalistik-Vorlesung gut tun, vielleicht wüsste er dann was OBJEKTIVITÄT ist... von "Spielzeugen für die Luftwaffe" zu reden lässt mich an Ihrer journalistischen Qualität ziemlich zweifeln. In meinen Augen sind Sie ein Nach-Plapperer. Was genau wissen Sie denn über die Armee? Wie viele Diensttage haben Sie geleistet? Objektiv kann einer sein der Ahnung hat und professionell als Journalist arbeitet. - was Sie von sich keineswegs behaupten können... Ich als Journi kann Ihre Arbeit kritisieren - sie als Journi aber nicht die Arbeit des Bundesrats..

    Schade WATSON.. schade - eine Enttäuschung mehr. :(
    0 0 Melden
    • Peter 26.06.2014 17:21
      Highlight Sie sollten die Überschrift lesen. Es handelt sich um einen KOMMENTAR, und der ist per Definition nicht objektiv. Sie können von mir halten, was Sie wollen. Aber wenn Sie der Meinung sind, ein Journalist solle die Arbeit des Bundesrats nicht kritisieren, vertreten Sie ein bedenkliches Weltbild.

      Im übrigen habe ich 300 Diensttage geleistet, und zwar bei der Fliegerabwehr. Ich habe vermutlich mehr Ahnung von der Militärfliegerei als Sie.
      1 1 Melden
    • fatalswitzerland 02.07.2014 16:00
      Highlight werter herr Peter Bluntschi - ich schulde Ihnen wohl ein grosses SORRY!!!!! bzw mindestens ein BIER! war gerade so in Rage! also mein Fehler!
      Ihre 300 Diensttage in Ehren - bin fast bei 450 =D und es werden mehr und mehr ;) Mein Weltbild ist sicherlich etwas angelaufen was das angehen mag aber bin trotzdem der Meinung man sollte etwas Contenance wahren. Gibt da wohl einige sehr sehr schlechte Beispiele für miese Arbeiten...

      En schöne! und meine Hohachtung.
      0 0 Melden
    • Peter 02.07.2014 16:46
      Highlight Wie man in den Wald ruft, so tönt es eben zurück ... Jedenfalls freue ich mich über Ihre Rückmeldung, man erlebt so etwas nicht oft. Ein Bier muss nicht sein, schauen Sie einfach ab und zu bei uns auf der Website vorbei ;)
      0 0 Melden
  • Hugo Wottaupott 21.05.2014 07:46
    Highlight Wenn das Volk für eine MEI stimmt heisst es nach den eingegangenen Resultaten die direkte Demokratie sei gefährlich und das Volk habe keine ahnung. Was heisst es diesmal? So wies aussieht nörgelt man einfach ein bisschen an MR. ueli rum...
    0 0 Melden
  • Maya Eldorado 18.05.2014 20:40
    Highlight Vergessen wir nicht. Unser Nein zum Grippen hat auch Schweden schwer getroffen. Da wir nun durch den Kauf nicht mehr die weitere Entwicklung des Gripen unterstützen, ist nun die Luftwaffe von Schweden ebenso in Gefahr. So wurde das jedenfalls aus Schweden vermittelt.

    Stecken wir doch nun das freiwerdende Geld in folgende Projekte:
    Verhandeln statt Kämpfen.
    Ausserdem werden Unterschriften gesammelt für die ehemaligen Verdingkinder und administrativ Versorgten. So könnten wir unsere eigenen Kollateralschäden aus der Vergangenheit in Ordnung bringen.
    1 4 Melden
  • Zeit_Genosse 18.05.2014 19:48
    Highlight Ruhig Blut. Nach Abstimmungen analysiert man das Resultat und beginnt mit Lösungsszenarien. Szenarien sind da, um Ideen mal richtig durchzudenken und auch mal der Öffentlichkeit zuzuführen. Es sind keine Entscheide, jedoch konkrete Diskussionsgrundlagen. Dass man auch über die NATO und die bewaffnete Neutralität sprechen muss, ist im Sinne aller, um die Pros und Contras gegenüberzustellen. Erneute Polemik hilft nicht.
    4 0 Melden
    • sewi 18.05.2014 20:59
      Highlight Genau.... Über eine offene Diskussion wäre ich froh. Nur ist den Anhängern einer Nato Anbindung bewusst, dass man dann plötzlich Kriegspartei sein kann?
      2 2 Melden
  • Adonis 18.05.2014 17:44
    Highlight dd2405: Ich muss immer schmuntzeln. Die Schweiz hätte in einem kriegerischen Akt, woher auch immer, 0 - Chance... Ausser gegen Lichtenstein:-) Deswegen müssen wir uns der Nato anschliessen. Besser ist: Wir sichern unsere Landesgrenzen und das Net, gegen Hacker.
    5 4 Melden
    • Zeit_Genosse 18.05.2014 19:51
      Highlight Wer die Schweiz angreift, der Verletzt das Hoheitsgebiet der EU-Nachbarländer und damit würde ein solcher Akt nicht nur die Schweiz betreffen. Somit ist man interessiert, mit den Nachbarn zu koordinieren.
      2 0 Melden
  • jdd2405 18.05.2014 17:10
    Highlight Beitritt zur NATO soll also die Lösung sein? Wieso nicht gleich zur EU? Sollten die uns mal rufen, dann schicken wir bestimmt gerne ein paar Truppen, um deren Interessen zu verteidigen. Vielleicht haben wir die Armee bis dahin auch schon abgeschafft oder durch bezahlte Möchtegern-Rambos ersetzt.
    3 4 Melden
    • Peter 18.05.2014 17:27
      Highlight Von einem Beitritt kann keine Rede sein. Aber eine verstärkte Zusammenarbeit ist notwendig.
      3 2 Melden
    • Django Gigi 18.05.2014 17:40
      Highlight Hui, da ist Dir aber was über die Leber gekrochen. Keine Angst, in drei Jahren gehören wir sowieso zu Russland. Alles wird gut!
      4 3 Melden

Autor Linder: «Mit meinem Buch kann man nirgendwo mitreden oder an Partys auftrumpfen»

Eigentlich hat die Schweiz ihn ja schon seit 34 Jahren, aber bisher hat Lukas Linder ausschliesslich fürs Theater geschrieben. Nun endlich ist sein Erstlingsroman erschienen – ein Anlass für uns, ihm 37 höchst existentielle Fragen zu stellen.

Die NZZ hat ihn einen «aufstrebenden Erzähler» genannt, ich nenne ihn ein Phänomen. Das wage ich zu sagen, weil ich Lukas Linder kenne. Nur, dass ihr gleich Bescheid wisst und hinterher nicht klagt, ich hätte hier schamlos Schleichwerbung für einen guten Freund betrieben. 

Überdies hat Reich-Ranicki einmal gesagt: «Es gibt Menschen, die auf eine hinreissende Weise Blödes von sich geben.» 

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er damit Linder gemeint hat. Jedenfalls ist Reich-Ranicki …

Artikel lesen