Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Oberst unter Beschuss

Schiessende Nordkoreaner in der Schweiz – «die Sache ist ein bisschen komisch»

28.05.14, 13:27 22.12.14, 12:14

Zwei hohe Tiere der Schweizer Armee leiteten die umstrittene Schiessübung mit zwei nordkoreanischen Offizieren auf dem Schiessstand einer Genfer Kaserne. Die Nordkoreaner sind auf Einladung des Schweizer Botschafters in der Schweiz gewesen. Dies zeigen am Mittwoch veröffentlichte Recherchen der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens und des «Blick»

Offenbar ist es bei der Schiessübung auch zu einem Zwischenfall gekommen. Bei einer Teilnehmerin hat sich beim Hantieren ein Schuss aus dem Gewehr gelöst. Verletzt wurde dabei aber niemand.

Oberst war früher Banker

Der besagte Oberst im Generalstab leitet eine hochsensible Abteilung der Schweizer Armee im Raum Zürich. In seinem Umfeld wird die ganze Kommunikation der Armee betrieben, die Führungstechnik des Bundesrates und der Armee. Brisante Abteilungen wie die elektronische Kriegsführung und die Verschlüsselungstechnik gehören dazu. Wie der «Blick» schreibt, habe der Familienvater seine militärische Karriere vergleichsweise spät begonnen. Vor zwei Jahren wurde er Kommandant einer Führungsunterstützungsbrigade. In jüngeren Jahren habe er bei einer Grossbank gearbeitet. 

Wie Armeesprecher Daniel Reist bestätigt, hatte ein Oberst im Generalstab die Aktion geleitet. Auch ein Oberstleutnant war mit von der Partie. Sie hatten die Schiessübung aus persönlicher Initiative geplant. «Berufsoffiziere dürfen Schiessübungen mit Zivilpersonen organisieren», sagte Reist. Es gebe ab und zu Schiessübungen mit ausländischen Gästen, so der Armeesprecher.

Der Oberst i.G. ist eigentlich in Zürich stationiert. Er leitet eine hochsensible Abteilung für elektronische Kriegsführung, die den Bundesrat unterstützt, wie die «Rundschau» berichtet. 

Die Schweizer Armee tausche sich gelegentlich mit Armeen aus dem Ausland aus, sagt Maximilian Schubiger, Politologe und Experte für Landesverteidigung an der Universität Bern auf Anfrage von watson. «Noch unklar sind aber die Umstände der Schiessübung in Genf», so Schubiger. «Sie wurde ja offenbar ohne Auftrag, also nicht im Rahmen einer Zusammenarbeit, durchgeführt», sagt der Experte.

Schiessstand kann nur unter militärischer Führung gemietet werden

Doch wie kommt es dazu, dass zwei Armeeoffiziere eine private Schiessübung veranstalten? Woher stammt die Munition? Und wie arbeiten die Studenten des Zentrums für Sicherheitspolitik (GCSP) mit der Armee zusammen?

Dazu konnten weder der Armeesprecher noch das VBS Auskunft erteilen. Die Ermittlungen seien im Gange, sagt Armeesprecher Reist. Die Militärjustiz habe eine Untersuchung über die Hintergründe der Schiessübung eingeleitet. 

Es werde abgeklärt, was genau vorgefallen sei, was davon strafrechtlich relevant sei und «wer allenfalls dafür verantwortlich ist». Wie lange die Untersuchung dauert, ist offen. Armeesprecher Reist sagte, Gegenstand der Untersuchung sei auch die Frage, woher Gewehre und Munition kamen und wie es dazu kam, dass der Schiessstand habe gemietet werden können. Ein Schiessstand der Armee könne für private Anlässe gemietet werden – allerdings nur unter militärischer Führung. Als Beispiel nannte Reist das Parlamentarierschiessen.

«Frage nach der Suspendierung stellt sich.»

Jakob Büchler

Bild: KEYSTONE

Jakob Büchler, CVP Nationalrat und Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, findet die Sache «ein bisschen komisch», wie er im Interview mit der «Rundschau» sagt. Er staunt darüber, was passiert ist. Ihn interessiert, wer dies befohlen hat und wer die Waffen besorgt hat. «Ich bin sehr interessiert daran zu wissen, was passiert ist.» 

Nach allfälligen Konsequenzen für den betreffenden Oberst gefragt, sagt Büchler: «Ich will der Justiz nicht vorgreifen, aber die Frage nach der Suspendierung stellt sich.» (aeg/owi/rar/dwi)



Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 29.05.2014 11:40
    Highlight So ein Drama muss man aus dieser Sache auch nicht machen...
    1 0 Melden
  • buco 28.05.2014 19:53
    Highlight Und übrigens, so Oberste und Hauptleute und so sind doch unsere Hochqualifizierten, die scheinbar an allen Ecken und Enden fehlen.
    3 0 Melden
  • buco 28.05.2014 19:51
    Highlight Lasst sie doch, Hauptsache, Unbeteiligte und Nichtinteressierte werden in Ruhe gelassen. Sowas passiert übrigens in jeder Armeeorganisation auf der ganzen Welt. Da sind die Schweizer sogar echte Füdlibürger, Waisenknaben.
    6 3 Melden
  • fatalswitzerland 28.05.2014 18:03
    Highlight Witzig ist am ganzen ja, dass sich dieser Journalist, der diese Details veröffentlicht hat, oben im Zielhang versteckt hat.. Ich kenne Chancy und weiss dass er mindestens einen Warnhinweis ignoriert hat! Mit diesem Herrn würde ich mich gerne Mal unterhalten, denn was der da geleistet hat ist der wahre Skandal an der ganzen Geschichte!! Man stelle sich vor, der unerfahrene Schütze hätte hoch gezogen und den armen Journalisten getroffen... Dann hätten wir den Schei##...
    Ich frage mich was die Medien mit diesem verfluchten ARMEE-bashing bewirken wollen? Soll es eine Retourkutsche gegen Ueli Maurers Attacke bei dem letzten Rundschau-Debakel sein? Will man den Sieg über die Abstimmung auskosten?
    Oder sind wir bereits im Sommerloch und jeder Journalist der keine Ferien bekommen hat / vermag sucht nun verzweifelt eine Geschichte in dem er oder sie in Chancy in den Zielhang eines Waffenplatzes liegt, sein Leben riskiert nur um eine einigermassen passable anti-Armee-Story zu bekommen?

    Bravo! Schei##e habt Ihr alle Sorgen...
    13 7 Melden
  • 7immi 28.05.2014 16:42
    Highlight Was ist daran ein skandal?! Bei einer schiessübung schiesst man nicht auf menschen... Zudem ist es sinnvoll, wenn die studenten auch diese seite kennen... Mal wieder typisches armeebashing!
    9 8 Melden
  • Lars Kaiser (Der kleine Eisbär) 28.05.2014 16:21
    Highlight Sehe diesen ganzen Aufruhr als erste Anzeichen des Sommerlochs...
    9 2 Melden
  • Nosgar 28.05.2014 15:34
    Highlight Mein Gott, vielleicht hätte man etwas besser auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften achten müssen. Aber ein Armeeskandal ist das nicht im Geringsten. Wenn die nach der Schulung auf dem Schiessplatz noch etwas rumballern wollen, so sollen sie dies doch tun.
    6 3 Melden
  • Hand-Solo 28.05.2014 14:20
    Highlight Kann mir einer Erklären was der ganze Aufruhr soll? Ich versteh das Theater nicht...
    14 3 Melden
  • jdd2405 28.05.2014 13:49
    Highlight Sind wir hier noch bei Watson, oder beim Blick?! Es war eine PRIVATE Aktion. Da spielt es doch keine Rolle, ob er Oberst i Gst oder Wachtmeister ist. Und was bei der Armee ist nicht hochsensibel? Es wurden Schweizer Sturmgewehre verwendet. Welche denn sonst? Amerikanische? Wir zeigen den Nordkoreanern eine andere Sicht auf die Welt. Hoffentlich lernen sie auch daraus. Oder sollen sie ihrer eigenen Wahnvorstellungen überlassen werden?
    12 11 Melden
    • Hansi Voigt 28.05.2014 14:08
      Highlight Wenn wir Nordkoreanern eine "andere Welt" zeigen wollen, sind Schiessübungen im Wald aber ein merkwürdiges Kulturprogramm.
      13 5 Melden
    • Alnothur 28.05.2014 14:14
      Highlight Zusätzlich: Es war nicht "eine Veranstaltung für Nordkoreaner", es hat an diesem Kurs Offiziere aus diversen Ländern.
      8 2 Melden
    • webi 28.05.2014 14:52
      Highlight wenn so privat war, weshalb trägt er dann seine uniform?
      9 4 Melden

Genug Unterschriften: Die Kriegsgeschäfte-Initiative kommt zustande

Die Initiative «für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» ist zustande gekommen. Wie die Bundeskanzlei am Freitag meldete, ergab die Prüfung, dass von 104'913 eingereichten Unterschriften 104'612 gültig sind.

Die Kriegsgeschäfte-Initiative stammt von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Sie hatte die Initiative im April 2017 lanciert und die Unterschriften Ende Juni eingereicht. Unterstützt wurde die GSoA von den Jungen Grünen.

Die Delegierten von SP und Grünen …

Artikel lesen