Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Rekrutenspiel der Schweizer Armee marschiert anlaesslich der Basel Tattoo Parade am Samstag, 23. Juli 2016 durch die Basler Innenstadt. 120'000 Zuschauer verfolgten die ueber 50 Formationen aus dem In- und Ausland. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Das Militärspiel der Schweizer Armee. Diesen Frühling gab es Fälle, in denen Musiker sich Musiker einen Scherz erlaubten: Sie spielten bewusst mit dem falschen Instrument.  Bild: KEYSTONE

Geldstrafe wegen schiefen Tönen: Die Armee büsste schon drei Musiker, die falsch spielten

Die «beste Armee der Welt» kämpft gegen schiefe Töne in der Militärmusik. «Bewusstes Falsch-Spielen wird weder im zivilen noch im militärischen Konzertbetrieb toleriert», so ein Sprecher. Drei Personen wurden dieses Jahr bereits gebüsst.

08.08.17, 08:55 08.08.17, 11:23


Bei zweierlei Dingen verstehen Militärangehörige mit hohen Dienstgraden nur bedingt Spass: Bei der Schweizer Nationalhymne, mit der ein Militärspiel jedes Konzert eröffnet, und beim Zapfenstreich, dem traditionellen Schlusspunkt. Hier wird ganz genau hingehört, ob wirklich jeder Ton sitzt.

Bei einem Abschlusskonzert in Landquart war dies offensichtlich nicht der Fall. Ein Schlagzeuger schlug beim Zapfenstreich einen Takt zu spät auf das Becken und «verfälschte» damit das Stück, wie die Armee in der Disziplinarstrafverfügung festhält. Der Falschspieler wurde zuerst mit 500 Franken gebüsst, bevor der Kommandant die Strafe nach unten, auf 150 Franken, korrigierte. Immer noch viel Geld für den Aargauer Studenten.

Sänger Nick Mellow machte den Fall auf Facebook publik

Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken fielen harsch aus: «Eine Riesenschweinerei», «die Armee ist bescheuert», oder auch: «Nicht zu fassen. Scheiss Willkür!»

Dabei ist die Reaktion der Schweizer Armee verständlicher, wenn man die Vorgeschichte kennt. Der Zapfenstreich wurde schon wiederholt das Opfer von Percussionisten, die ihren letzten WK absolvierten und darum ihrer Kreativität freien Lauf liessen.

Armeesprecher Daniel Reist nennt neben dem aktuellen Fall zwei weitere, die sich ebenfalls dieses Frühjahr ereigneten. Das Interessante: Alle drei Fehler passierten zwar bei unterschiedlichen Abschlusskonzerten von unterschiedlichen Militärspielen und waren von unterschiedlicher Natur – doch – alle drei Fehler passierten an beinahe ein und derselben Stelle im Stück – bei den Soli der Percussionisten.

«Bewusstes Falsch-Spielen wird weder im zivilen noch im militärischen Konzertbetrieb toleriert.»

Daniel Reist, Armeesprecher

Während der Aargauer Militärmusiker schlicht und einfach zu spät sein Solo spielte, griffen die beiden anderen zum falschen Instrument. Einer pfiff bei seinem Abschlusskonzert mit der Trillerpfeife statt zu schlagen, ein weiterer Musikant benutzte eine sogenannte Ententröte, wie die Armee mitteilt.

«Fehler können beim Musizieren immer passieren», sagt Armeesprecher Reist. Sie würden natürlich auch nicht bestraft, doch: «Bewusstes Falsch-Spielen wird weder im zivilen noch im militärischen Konzertbetrieb toleriert.»

Allen drei Musikanten wurde eine Geldbusse aufgebrummt, deren Höhe ihr jeweiliger Kommandant bestimmte. Jene des Aargauer Musikanten fiel mit 150 Franken am höchstens aus. Aufgrund des Datenschutzes dürfe er die genauen Bussen der beiden anderen Percussionisten nicht nennen, sagt Reist, der betont: «Die Massnahme Disziplinarstrafe wurde nicht aufgrund eines musikalischen Fehlers, sondern aufgrund eines absichtlichen Fehlverhaltens ergriffen.»

Doch einiges deutet daraufhin, dass die Armee sich zumindest im Fall des Aargauers irrt. Nico Breuninger, der den Fall publik machte, betont, dass sein Kollege den Fehler unabsichtlich machte. Ein Musikant, der den gleichen WK besuchte und selber am Konzert in Landquart mitspielte, bekräftigt dies: Es sei zwar durchaus üblich, dass die Percussionisten sich in diesem Stück einen Streich erlauben würden, sagt er, bevor er laut lachend ergänzt: «Aber er hat seinen Einsatz einfach nur verpennt.»

So viel Bussgelder kassiert die Schweizer Armee ein

Seit 2004 hat die Schweizer Armee nicht nur die Möglichkeit, ihre Rekruten und Soldaten mit Arrest zu bestrafen, sondern kann ihnen bei Fehlverhalten auch eine Geldstrafe aufbrummen. Davon wird fleissig Gebrauch gemacht. Wie die Armee auf Anfrage mitteilt, werden pro Jahr Geldbussen in der Höhe von rund 550'000 Franken ausgesprochen. Wie hoch die Strafe ausfällt, entscheidet der jeweilige Kommandant, abhängig vom vorliegenden Fall. Ein Disziplinarfehler der im Dienst begangen wird, kann dabei mit höchstens 500 Franken gebüsst werden.

Wenn wir schon von Missgeschicken sprechen – diese 9 sind uns allen schon passiert

Video: watson

Die kreativsten 404-Fehlerseiten: So schön ist es im Web-Nirwana

Das könnte dich auch interessieren:

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Wenn Instagram-Posts ehrlich wären – in 7 Grafiken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

Norilsk no fun? «Im Gegenteil», sagt Fotografin Elena Chernyshova

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

In der Schweiz leben 2 Millionen Ausländer – aber aus diesen 3 Ländern ist kein einziger

«Dünne Menschen sind Arschlöcher»

Jetzt kommt das Gratis-Internet in den Zügen – es sei denn, du bist Swisscom-Kunde

Wir haben Schweizer Eishockey-Stars verunstaltet – erkennst du sie trotzdem?

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

15
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Taggart 08.08.2017 18:37
    Highlight Wer seine Trommel nicht im Griff hat, soll halt nicht in die Musikgruppe. Und am besten gar nicht erst in diese Organisation staatlicher Zwangsarbeit respektive diesen Verein, der einzig der Ausbeutung von Penis-Trägern dient.
    3 8 Melden
  • Karl33 08.08.2017 14:11
    Highlight Nicht genug, dass Männer aufgrund ihres Geschlechts in den Dienst gezwungen werden oder eine Männersteuer bezahlen müssen, wenn sie keinen Militärdienst leisten. Jetzt hat man mit den Geldbussen noch einen Weg gefunden, um noch mehr abzuzocken.
    Sexistische Kackscheisse. Im Jahr 2017.
    30 33 Melden
    • Taggart 08.08.2017 18:34
      Highlight Unglaublich, dass Du so viele Blitze erhältst. Die Militärsteuer (salopp kann man sie auch Penis-Steuer nennen) ist ungerecht, basta! Aber klar, die armen Frauen gebären unter Schmerzen, werden jetzt die ach so liberalen Feministinnen stöhnen. Dabei vergessen sie: Ficken und Gebären sind freiwillig, Militärdienst nicht.
      11 9 Melden
  • Moelal 08.08.2017 12:24
    Highlight Ein lächerliches Getue....welchen finanziellen Schaden, respektive welches Gesundheitsrisiko folgt denn aus etwas falschen Tönen? Wenn eine Tätlichkeit oder Tätigkeit mit Gefahrenpotenzial gebüsst wird oder ein Ladendiebstahl oder Schwarzfahren sind die Bussen tiefer als hier! Kompletter Verhältnisblödsinn. Wenn es eine Art Befehlsverweigerung ist, soll der Kerl halt einen halben Tag in die Kiste währen dem Dienst (dort fehlt er wenigstens nicht bei einer relevanten Tätigkeit)
    17 27 Melden
  • froeschu 08.08.2017 12:01
    Highlight Ich als Schlagzeuger in einer Brass Band verstehe das ganze Theater nicht. 1. Hört man diesen Einsatz sehr gut vorher, da muss man wirklich pennen. Nach zwei dreimal hören, weiss man den (PS: sogar ich höre den, obwohl ich ja nicht gut genug war für den Verein). Zweitens 150 Franken sind nicht viel. Und wenn der Herr Student drittens so viel Mühe mit dem Bezahlen der Busse hat, so könnte doch die hochgelobte Kameradschaft zum Zuge kommen. Wenn jeder 5.- zahlt und dafür ein Bier weniger trinkt (was sie ja eh im Übermass tun, der Stolz unserer Armee ;) ) dann ist die Sache gegessen.
    35 38 Melden
    • emc2 08.08.2017 13:56
      Highlight Es geht ja auch nicht darum, ob er es können sollte oder nicht. Jeder, der die Fachprüfung zum Schlagzeuger bestanden hat, kann das.

      Die Frage ist, ob Fehler passieren dürfen und was die Konsequenzen sind. Ich nehme an, du spielst auch nicht immer fehlerfrei, sonst hättest du die Prüfung bestanden...
      20 4 Melden
    • froeschu 08.08.2017 18:24
      Highlight Es handelt sich hier nicht um einen Fehler musikalischen Könnens, sondern um einen Konzentrationsfehler oder Absicht, das wissen wir nicht. Wenn du bei der Sache bist, dann hörst du den Einsatz kommen, zumal er das Stück x-fach gespielt hat oder es war Absicht... das ist die grosse Frage. Natürlich sollte so was nicht gebüsst werden, wenn es nicht absichtlich war. Aber Unkonzentriertheiten können auch andernorts Bussen zur Folge habe. Du bist beim Autofahren nicht so bei der Sache und plötzlich fährst du zu schnell. Dann blitzt es, auch wenn es keine Absicht war.
      9 1 Melden
  • Sophia 08.08.2017 11:28
    Highlight Jeder Mensch hat das verbriefte Recht, falsch spielen zu dürfen!
    Die Stadtmauern von Jericho sind der Bibel nach auch nicht durch durch harmonisches Gezirpse eingestürtzt. Wollen wir etwa dem Feind durch schöne Musik Angst machen, oder?
    15 17 Melden
  • Sagitarius 08.08.2017 10:26
    Highlight Keine anderen Probleme? 🤔
    11 4 Melden
  • Töfflifahrer 08.08.2017 10:13
    Highlight Gibts denn für Idiotische Befehle auch Bussen?
    23 8 Melden
  • ChiefJustice 08.08.2017 10:05
    Highlight Als Musiker, der genau diesen einen Schlag schon mehrmals selbst scherzhaft falsch gespielt hat am letzten WK-Konzert, muss ich sagen, dass der Spielführer nicht ganz Unrecht hat mit der Busse, denn anders kann der arme Tropf dieser Undiszipliniertheit nicht nachkommen :)
    Als Jurist wiederum muss ich sagen: Wird die Sache weitergezogen, dürfte es schwierig zu beweisen sein, dass der Fehlschlag wirklich absichtlich erfolgte, zumal er ihn mit dem richtigen Instrument spielte und nicht - wie sonst üblich - mit irgendeiner Kinderflöte oder einem Donnerblech reinspielte.
    101 5 Melden
  • He nu.. 08.08.2017 09:45
    Highlight Seid doch nicht so streng mit der Armee. Allerdings, gehört hat das wohl nur der Dirigent und seine Mitmusiker. Der Mann hätte einfach für einen Fehler, machten wir in den 6zigern auch, einen Kasten Bier gespendet. Im kalten Krieg wurde natürlich streng mit uns umgegangen. Wir damals oft im Emmental, (bitter kalt) nur in Zelten und mit Stroh am Boden. Einer schmiss einen gefrorenen "Mürgel Brot" in den Schnee. Der Kadi bekam Wind davon. Wir mussten im nackten Oberkörper 100 Meter in eine Wegkreuzung "seckle" und dann hielt er uns einen Vortrag übers Brot... Das waren andere Zeiten.
    39 14 Melden
  • James_Bond 08.08.2017 09:39
    Highlight Wo kämen wir denn hin, wenn die Militärmusik im Ernstfall die falschen Töne spielt??!! Absolut inakzeptables Verhalten das dem Ruf der weltbesten Armee nachhaltig schadet.
    95 30 Melden
  • Telomerase 08.08.2017 08:50
    Highlight Schön, nach der gestrigen Empörungswelle doch noch ein bisschen Hintergrundinfos.
    72 1 Melden
    • Brummbaer76 08.08.2017 10:58
      Highlight Das ist normal bei Heutigen Medien. Erst raushauen, dann recherchieren und merken das es doch "echli" anders ist! Gibt zig Bespiele die so ablaufen. In diesem Fall nicht so teagisch. In anderen Fällen wurden schon Existenzen zerstört.
      27 3 Melden

Wie enthornen Bauern eigentlich ihre Kälber?

In der Schweiz lassen Bäuerinnen und Bauern jährlich rund 200'000 Kälber enthornen. Oder tun dies eigenhändig. Was löst die Enthornung bei einem Landwirt und einer Tierärztin aus? Eine Reportage

Leika ist hornlos geboren. Das rund drei Wochen alte Kälblein wurde durch einen Samen gezeugt, bei dem das Horngen nicht ausgebildet ist. Tierärztin Sandra Gloor greift dem zierlichen Jungtier an das Stirnbein, wo üblicherweise die Hornknospen wachsen würden. «Nichts», sagt sie.

Leika wird eine mittelgrosse Milchkuh werden, die Bauer Alois Huber in seine 60-köpfige Herde eingliedern will. «Wenn sie gesund bleibt», schränkt Huber ein. Der Aargauer SVP-Grossrat begann vor zwei Jahren hornlose …

Artikel lesen