Schweiz

Extremisten stellen auch die Schweizer Armee vor Probleme.  Bild: KEYSTONE

Schweizer Armee wollte Dschihadisten in die RS aufbieten

17.09.17, 02:21 17.09.17, 10:16

Ende April informierte die Armee über Vorfälle mit Extremisten in den eigenen Reihen. Ihre Bilanz für das Jahr 2016: 50 Meldungen. Die Armee gab Entwarnung und schrieb: «Sicherheitsrelevante Vorkommnisse blieben aus.»

Interne Militär E-Mails zeigen jetzt: Die Fälle waren weit weniger harmlos, als von der Armee gegen aussen kommuniziert wurde. Wie der Sonntagsblick berichtet, konnten in mehreren Fällen die Verantwortlichen nur mit Glück verhindern, dass Rechtsextreme und Dschihadisten Dienst leisten und an der Waffe ausgebildet werden.

Rekrut setzte sich nach Syrien ab

Die brisanteste Akte betrifft einen Islamisten. Ihn bot die Armee 2016 für die Rekrutenschule auf – obwohl er den Behörden als Dschihadist bekannt war. Die Aushebung hatte er bereits erfolgreich absolviert. Erst kurz bevor der Mann seinen Dienst hätte antreten sollen, intervenierte eine in den Akten nicht näher genannte kantonale Stelle. Sie meldete der Armee, dass sich der angehende Rekrut als Dschihadist ins Ausland abgesetzt hatte – mutmasslich nach Syrien, um sich der Terrormiliz des «Islamischen Staates» («IS») anzuschliessen.

Dann erst, im letzten Moment, reagierte die Militärführung. In einem E-Mail heisst es: «Angesichts der Sachlage ist es zu vermeiden, dass der Mann – falls er in die Schweiz zurückreist – (...) an der Waffe ausgebildet wird.» Das Aufgebot wurde sistiert. Die Armee will sich zum Fall nicht äussern. Auch zu weiteren Vorkommnissen nimmt niemand Stellung. Etwa zu einem Rechtsextremisten, der sich «sehr für die Sprengstoffausbildung interessiert zeigte» und Mitglied einer bewaffneten Gruppierung ist, oder zu strafrechtlich verurteilten Gewalttätern im Dienst.

Insgesamt musste sich die Extremismus-Fachstelle der Armee im letzten Jahr mit deutlich mehr Meldungen und Anfragen befassen als in den Vorjahren. 52 Prozent der Hinweise ordnet die Armee dem Rechtsextremismus zu, 37 Prozent dem dschhadistischen Milieu. Aus den Bereichen des sogenannten Links- und ethno-nationalen Extremismus wurden lediglich wenige Vorfälle aktenkundig.

Armeesprecher Daniel Reist sagt zum Sonntagsblick einzig: «50 Meldungen jährlich bei weit über 100’000 Dienstleistenden sind kein Problem.»

(amü)

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Video: srf/SDA SRF

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eskimo 17.09.2017 16:42
    Highlight Die Frage ist doch nicht wieso ein Dschihadist in die RS aufgeboten wurde. Die Frage ist wieso leben Dschihadisten in der Schweiz und besitzen offenbar sogar den CH Pass!
    4 1 Melden
  • CASSIO 17.09.2017 10:26
    Highlight kann mir jemand den begriff "ethno-nationalen extremismus" erklären?
    7 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.09.2017 10:24
    Highlight " 52 Prozent der Hinweise ordnet die Armee dem Rechtsextremismus zu, 37 Prozent dem dschhadistischen Milieu. Aus den Bereichen des sogenannten Links- und ethno-nationalen Extremismus wurden lediglich wenige Vorfälle aktenkundig."

    Komisch, gemäss Lagebericht «Sicherheit Schweiz 2017» des NDB gibt es 9 mal mehr Linksextreme Vorfälle ...

    Komisch. Komisch.

    Ah, ich vergass ... links ist gut rsp. aus gutem Hause, da haben die Eltern der Kinderlein schon etwas Einfluss.


    7 14 Melden
    • Telomerase 17.09.2017 13:56
      Highlight Find ich jetzt nicht so verwunderlich. Ethnonationale Strömungen sind momentan nicht en vogue und die Linksextremen werden kaum freiwillig ins Militär gehen.
      8 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 17.09.2017 15:15
      Highlight Auch wieder wahr haha!
      1 1 Melden
  • Scenario 17.09.2017 10:05
    Highlight Das ist wieder mal ein gutes Beispiel dafür, dass wir nicht mehr Überwachung brauchen, sondern eine bessere Kommunikation zwischen den einzelnen Stellen! Nicht umsonst heisst es oft bei Terroranschlägen, dass der Täter den Behörden bekannt war...
    11 1 Melden
  • Markus Kappeler 17.09.2017 10:01
    Highlight Der ist gut, zuerst lässt ihr Linken Dschiadisten in unser Land, macht sie dann offenbar auch noch zu Schweizern und wenn es zu Sicherheitsproblemen kommt, sind alle anderen Schuld. Aber was denkt ihr, wer ist so dumm um nicht zu merken, wer an solchen Zuständen schuld ist?
    5 19 Melden
    • CASSIO 17.09.2017 13:27
      Highlight Markus Kappeler. Für einmal nehme ich die Linken wieder mal halbwegs aus dem Schussfeld. Diese "Dschihadisten" sind oftmals hier Geborene und deren Eltern wurden als billige Arbeitskräfte von Unternehmern und Bauern hier ins Land geholt. Die Linken sind aber massgeblich daran Schuld, dass man Ihnen nicht mehr so einfach die Aufenthaltsgenehmigung entziehen kann. Hier braucht es ein gesamtheitliches System, mit welchem alle einverstanden sind. Lassen wir mal links-rechts-mitte weg und lösen endlich die Probleme im Land.
      5 0 Melden
    • Markus Kappeler 17.09.2017 17:38
      Highlight @Cassio, diejenigen die sie hereingelassen haben sind Schuld und nicht diejenigen die ihnen Arbeit geben. Angenommen es gäbe keine Geschwindigkeitslimiten, wer wäre dann Schuld wenn zu schnell gefahren würde, die Autohersteller oder die Politiker die keine Geschwindikeitslimiten festlegen?
      1 5 Melden
    • CASSIO 17.09.2017 20:26
      Highlight ...für die Gesellschaft? Immer über andere zu motzen, aber selbst nichts zu unternehme macht DICH zum Teil des "Problems" resp. des Systems.
      3 0 Melden
  • Skeletor82 17.09.2017 09:53
    Highlight Die möglichen Terroristen/Extremisten, die hier genannt werden sind weit weniger gefährlich als diejenigen, die sich geschickt anzupassen wissen und sich nicht dermassen auffällig verhalten.

    3 1 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 17.09.2017 08:17
    Highlight Warum wohl 20min.ch die Kommentarsektion wieder entfernt hat?

    Die Seite dort ist schon ziemlich zum rechtsbürgerlichen Wutbürgermob verkommen. Zum Teil ja unsäglich, was da durch den Ether an rechten Parolen angeschossen kommt.
    10 9 Melden
  • rundumeli 17.09.2017 08:07
    Highlight jetzt mal halblang ... so heftig ist denn die ausbildung an der waffe auch nicht in der "besten armee der welt" ... gehts ja mehr ums rudelverhalten dann ... 90% meiner schiessskills erwarb ich bei den jungschützen und an schiessbuden ;-)
    2 4 Melden
  • Telomerase 17.09.2017 07:59
    Highlight Der Skandal liegt hier nicht bei der Armee, sondern beim jeweiligen Einbürgerungsamt der Gemeinde, die einer solchen Familie die Schweizer Staatsbürgerschaft bewilligt hat.

    Ich nehme kaum an, dass es sich hier um einen a) gebürtigen Schweizer oder b) eine gut integrierte Familie gehandelt hat.
    3 9 Melden

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