Schweiz

Hamid und Mohammad können loswandern – doch Mohammad muss drei Mal pro Woche am Abend in seine Wohngemeinde zurückkehren.  Bild: watson

Hamid und Mohammad können zwar loswandern – aber der Eine muss abends nach Hause

24.04.17, 18:04 24.04.17, 23:42

«Das Land besser kennenlernen, unsere Integration aktiv angehen und politisch ein Zeichen gegenüber anderen Flüchtlingen und Einheimischen setzen»: Das ist das selbsterklärte Ziel der beiden afghanischen Flüchtlinge Mohammed Rasuli und Hamid Jafari.

1m 13s

Hamid und Mohammad wollen die Schweiz besser kennenlernen

Mohammed und Hamid erklären, warum sie durch die Schweiz wandern wollen. Video: watson/Lya Saxer

Ihre Wohngemeinden Safenwil und Brittnau im Aargauer Bezirk Zofingen trennen nur sieben Kilometer Luftlinie. Doch dem gemeinsamen Wanderprojekt kommt nun die unterschiedliche Rechtslage der beiden Ortschaften in die Quere. 

Im April verkündeten Mohammed und Hamid, über 1000 Kilometer durch die Schweiz wandern und dabei die Nacht bei Menschen verbringen zu wollen, die ihnen eine Übernachtung anbieten. Zu Fuss wollen sie im Mai das Land besser kennenlernen, in dem sie bereits seit über einem Jahr zuhause sind.

Der Plan löste ein grosses Medienecho und positive Reaktionen in der Bevölkerung aus – doch die Behörden schoben dem Vorhaben einen Riegel: Die Sozialvorsteherin von Brittnau teilte mit, aus «rechtlichen, medizinischen und versicherungstechnischen Gründen» könne die Gemeinde dem Plan nicht zustimmen. Asylbewerber müssten in der zugewiesenen Unterkunft übernachten und immer per eingeschriebenen Brief erreichbar sein.

Mohammad muss drei Mal nach Hause

Aussagen der kantonalen Behörden gaben den beiden Afghanen zwischenzeitlich etwas Hoffnung, dass sich doch noch ein Kompromiss finden lässt. Jetzt vermelden die Unterstützer der beiden Afghanen, dass die Rechtslage zwar geklärt, aber uneinheitlich sei. Anfang Mai soll die Wanderung trotzdem losgehen.

Für die Gemeinde Safenwil ist es kein Problem, dass Hamid auswärts übernachtet. Allerdings muss er auf die zehn Franken Taschengeld pro Tag verzichten.

Brittnau, die Wohngemeinde von Mohammed, stellt Bedingungen. Mohammed darf nur an zwei Abenden auswärts übernachten: «Das heisst, er wird an drei von fünf Abenden heimreisen und am Morgen wieder anreisen müssen, um die Route mit Hamid fortzusetzen», heisst es in einem Mail an die Unterstützer des Wanderprojekts.(cbe)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Andi Hüttenmoser 04.05.2017 22:21
    Highlight Tolle Sache,- wenn z.B. ein Nik Hartmann sowas machen würde, wärs ein Quotenrenner...!?🤔😲😜😅
    Für mich ein Armutszeugnis, dass das zuständige Sozialamt nicht so flexibel ist, eine Ausnahmegenehmigung zu ermöglichen!😤😩😣😫
    5 0 Melden
  • hartmann_max 25.04.2017 21:42
    Highlight Wie eng die Welt wird, wenn pragmatische Lösungen nicht möglich sind. Diese Art engt uns alle zusehends ein. Ich wünsche den beiden trotz allem gute Erfahrungen mit der Schweiz als Urland einer humanitären Welt.
    7 0 Melden
  • ArcticFox 24.04.2017 21:26
    Highlight ist dass eine neue genderregel, dass man wenn's 2 männner betrifft von einem als frau (Eine) schreiben muss?
    4 4 Melden
  • Dogbone 24.04.2017 20:48
    Highlight Das ist einfach nur lächerlich und absolut peinlich und ich hoffe, die Geschichte wird möglichst weitherum so richtig breitgeschlagen. Bürokratie ad absurdum geführt!

    Einer der Unterstützer könnte eine Vollmacht von Mohammed bekommen, damit er seine Post aufmachen und nötigenfalls reagieren kann. Und warum Hamid zwar auswärts übernachten, dann aber auf die lumpigen 10.-/Tag verzichten muss, erschliesst sich mir auch nicht.

    Kann man denn fätaminomal nicht einfach einmal ganz unbürokratisch eine so gute Sache unterstützen?
    26 3 Melden
  • asdf1692 24.04.2017 18:30
    Highlight Brittnau liegt zwar nahe am Kanton Luzern, gehört aber zum Aargau 🌚
    Umso lächerlicher ist diese Ausprägung des Föderalismus in der Schweiz..
    48 9 Melden
  • Morph 24.04.2017 18:26
    Highlight Im asylverfahren ist es erwartbar, dass jemand einmal pro Jahr Woche seine Post anschaut. Das nennt sich informationspflicht. Das mit der täglichen taschengeldauszahlung ist Schikane und teurer bullshit weil es jeden Tag jemanden braucht der diskutiert und die Gelder ausbezahlt... Also im Kanton Zürich machen die das meines Wissens nur bei Nothilfe... Womit sich mir die Frage stellt ob die Jungs tatsächlich aus Afghanistan sind. Denn Afghanen kriegen in aller Regel Asyl. Turkmenen, Usbeken, Tadschiken usw. meist nicht...
    12 74 Melden
    • suchwow 24.04.2017 19:21
      Highlight Oh Mann. Ich komm dir auch mit Informationspflicht, wenn du mal im Urlaub bist.

      inb4 das kann man nicht mit Urlaub vergleichen

      Lasst doch mal die Leute leben und gebt mal Freiraum zum Atmen. Ist ja unglaublich.
      15 2 Melden
    • Otten4ever 24.04.2017 20:55
      Highlight Wundern dich die Blitze?
      5 1 Melden
    • Charlie Brown 24.04.2017 21:08
      Highlight Irgendwie verstehe ich die Message dieses Kommentars nicht.
      5 0 Melden
    • Morph 24.04.2017 22:23
      Highlight Wieso so viel negative Blitze? Hab nie gesagt, dass ich einverstanden bin mit dem was im Asylbereich passiert....
      1 7 Melden
    • Morph 24.04.2017 22:32
      Highlight Aber ich muss auch meine Post anschauen... Einmal pro Woche. Und wenn ich noch dazu im Asylverfahren bin auch weil entweder mein sozi oder das migra oder das kantonale Sozialamt etwas von mir wollen könnten ... Sprachkurse zum Beispiel oder freiwilligenarbeit... So im Sinne von Aufwertung des symbolischen und kulturellen Kapitals von Flüchtlingen...wenn es nichts gibt sollten einwöchige Wanderungen schon drin liegen. In Absprache mit der Gemeinde auch mal zwei...
      2 5 Melden
    • Morph 24.04.2017 22:53
      Highlight ... Oder allgemein mit der Reiseregelung für Flüchtlinge... Die message ist, dass gerade im Flüchtlingsbereich die Leute auch weiterreisen. Wieso soll man jemanden unterstützen der gar nicht in der Schweiz leben will sondern eher in Deutschland oder Schweden?
      1 6 Melden
    • manhunt 25.04.2017 00:30
      Highlight nein, afghanen bekommen nicht "in der regel asyl". afghanen werden zuweilen sogar abgeschoben.
      4 0 Melden
    • Morph 25.04.2017 15:12
      Highlight @manhunt in Deutschland ja. In der Schweiz bisher nicht... Oder kennst du Fälle mit Quelle?
      0 1 Melden
    • megez 04.05.2017 22:48
      Highlight Afghanen haben in der Schweiz eher schlechte Aussichten auf Asyl. Die Anerkennungsquote für Menschen dieser Herkunft lag 2016 bei 8.2%. Diese Daten sind auf der Seite des SEM ersichtlich.
      Eine weitere Quelle sind dramatische Schicksale, die ich miterleben musste.

      Und du kommst also nach einer Woche aus den Ferien zurück und schaust in deinen Briefkasten um danach wieder in den Flieger zu steigen? Von den Behörden sollte man etwas Flexibilität erwarten dürfen. Bei wichtigen Schreiben kann man heutzutage schnell per Anruf informieren.
      3 0 Melden
    • Morph 05.05.2017 07:26
      Highlight Stimmt Asyl kriegen sie nicht. Sie werden aber auch selten zurück geschickt und erhalten eine vorläufige Aufnahme.... Faktisch Asyl ausser dem Sozialversicherungszugang...
      0 0 Melden

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