Schweiz

Luzern: Benimm-Regeln für Asylsuchende

Luzern: Flugblatt mit Benimm-Regeln für Asylsuchende soll ein Szenario à la Köln verhindern

27.01.16, 16:04 27.01.16, 18:37

Eine Woche vor Fasnachtsbeginn hat der Kanton Luzern in Asylzentren Flyer mit allgemeinen Benimm-Regeln verteilt. Anlass waren die jüngsten Übergriffe auf Frauen in Deutschland und Ängste in der Luzerner Bevölkerung. Bei Migranten stiess der Flyer auf positives Echo.

Das vom Luzerner Gesundheits- und Sozialdepartement erarbeitete Faltblatt wurde am Mittwoch im Asylzentrum Hirschpark in der Stadt Luzern den Medien vorgestellt. Er enthält 20 Piktogramme mit kurzen Begleittexten zu Grundregeln für das Zusammenleben in der Schweiz.

Thematisiert werden der Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Rechte der Kinder sowie Regeln im öffentlichen Leben. Eine der Regeln lautet, dass sexuelle Gewalt verboten sei. Dazu gehörten auch unerwünschte Berührungen.

Bewohner des Asylzentrums Hirschparks werden über die Benimm-Regeln in der Schweiz informiert.
Bild: KEYSTONE

Im Begleittext heisst es, dass Körperkontakt nur zwischen Personen stattfinde, die sich kennen würden, und dass beide mit dem Körperkontakt einverstanden seien müssten. Auch sexuelle Handlungen von Erwachsenen mit Kindern unter 16 Jahren seien strafbar.

Für Erstgespräche gedacht

Die Flyer werden in diesen Tagen in den kantonalen Asylzentren abgegeben. Dort kommen sie künftig - auch nach der Fasnacht - bei den Erstgesprächen mit Asylsuchenden, denen auch Dolmetscher beiwohnen, zum Einsatz, wie Silvia Bolliger, Sprecherin des Gesundheits- und Sozialdepartements, erklärte.

Nächste Woche findet in Luzern die Fasnacht statt. 
Bild: KEYSTONE

In einer ersten Auflage wurden über 4000 Stück gedruckt. Die Faltblätter sind vorerst allerdings nur auf Deutsch verfügbar. Sie sollen in weitere Sprachen übersetzt werden. Als Vorlage dienten ähnliche Broschüren in Deutschland und Österreich.

Mehrere Asylsuchende äusserten sich vor den Medien positiv zum Flyer. Schliesslich sei auch in seiner Heimat jede Form von Gewalt strengstens verboten, erklärte ein arabischsprechender Anwesender. Dass hier nochmals speziell auf die Grundregeln hingewiesen werde, sei eine gute Sache.

Gegen Pauschalurteile

Die gewalttätigen Übergriffe in Deutschland und die Berichterstattung darüber hätten auch unter den Bewohnern des Asylzentrums Hirschpark in Luzern zu Diskussionen geführt, sagte Zentrumsleiterin Martina Gerber. Viele Bewohner würden sich aber dagegen wehren, in den gleichen Topf geworfen zu werden wie jene Minderheit, die solche Übergriffe begehen würde.

Im Kanton Luzern wurden Migranten in Asylzentren bereits bisher in obligatorischen Kursen über Gesetze, Sitten und Gebräuche aufgeklärt. Auch der Bund informiert Asylsuchende in seinen Zentren über allgemeine Verhaltensregeln.

Nach den Übergriffen in deutschen Städten an Silvester gab der Luzerner Sozialdirektor Guido Graf (CVP) die Ausarbeitung von neuem Informationsmaterial für Asylsuchende in Auftrag. Hintergrund waren Rückmeldungen und Ängste von Luzerner Bürgern, wie seine Sprecherin erklärte.

Der Kanton nehme die Ängste in der Bevölkerung ernst, sagte die Sprecherin. Man habe darum die Asylsuchenden vor der Fasnacht nochmals speziell auf die allgemeinen Regeln hinweisen wollen. Die Behörden wollten ihr Möglichstes tun, um sexuelle Übergriffe zu vermeiden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • somethin'witty 29.01.2016 02:05
    Highlight Eine "Regel des öffentlichen Zusammenlebens" mit vergleichbarer Relevanz wie Keine Gewalt gegen Kinder oder Freie Wahl des Ehepartners (haha) ist also die Vorliebe, im ÖV alleine zu sitzen und allgemein keine Gespräche mitFremden zu beginnen?

    Prioritäte😂
    0 2 Melden
  • Drmaettu 28.01.2016 11:12
    Highlight Eigentlich geht's bei dem Flyer ja nur darum, dass wenns einen Vorfall gibt, nacher keiner behaupten kann, er habe von nichts gewusst, dass das hier bei uns so gemacht oder nicht gemacht wird.
    5 0 Melden
  • Bijouxly 27.01.2016 23:56
    Highlight Als ob die nicht wissen würden, dass das sich in unserer gesellschaft nicht gehört^^ Mann mit Grapschpotenzial, ob Europäer oder nicht, kümmert sich herzlich wenig um Flyer.
    7 2 Melden
  • teufelchen7 27.01.2016 23:37
    Highlight ähhh sorry, das versteh ich nicht... in der jugend wurde ich an der luzerner fasnacht auch schon mal begrabscht. das waren einheimsche männer. also warum sollten nur flüchtlinge den flyer lesen??
    4 11 Melden
  • koks 27.01.2016 22:12
    Highlight verstehe nicht, weshalb ein flyer für asylanten notwendig sein soll. sind ja nicht ausländer, sondern schweizer männer, die belästigen. sagt man.
    15 19 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.01.2016 22:49
      Highlight Nochmal extra für dich:

      1. Die Doppelmoral nervt, dass wegen Köln so ein Aufstand gemacht wird, während gleichzeitig (!) Belästigung durch Einheimische ignoriert wird und Frauen, die etwas dazu sagen immer noch viel zu oft lächerlich gemacht werden.

      2. Darum benutzt man Köln um auf den Belästigungs-Alltag aufmerksam zu machen.

      3. Das bedeutet nicht, dass alle einheimischen Männer belästigen. (Und auch nicht alle Ausländer.)

      4. Es bedeutet auch nicht, dass Köln nicht schlimm und irgendwie anders war.

      5. Es bedeutet nur: Doppelmoral nervt!

      Einigermassen klar jetzt?
      17 18 Melden
    • Alnothur 28.01.2016 02:01
      Highlight Das in Köln und den anderen Städten als Belästigung zu bezeichnen, ist eine recht krasse Untertreibung.
      14 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.01.2016 10:31
      Highlight "Belästigung" lässt sich unterschiedlich bewerten. Genauso wie "tief" nicht immer gleich tief und "hoch" nicht immer gleich hoch ist.
      2 5 Melden
  • sebi25 27.01.2016 22:12
    Highlight Aha, und nun wissen die Asylanten dass Köln nicht gut war? Aber die Aufklärung über Flyer finde ich grundsätzlich eine gute Idee, wenn sie seriös umgesetzt wird und die Message ankommt
    14 2 Melden
  • seventhinkingsteps 27.01.2016 20:32
    Highlight "In der Schweiz werden alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt"

    Eventuell nicht mehr lange.

    "Jede Person - ob Mann oder Frau - wählt selbst, ob und wen sie heiratet"

    Klar, solange es nur jemand vom anderen Geschlecht ist, gell? "Die Ehe ist die auf Dauer angelegte und gesetzlich geregelte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau." Das sollte jemand der CVP eigentlich besser wissen.

    Schon traurig. Das einzige, das unsere Werte von Gleichberechtigung und -behandlung wirklich bedrohen, sind Schweizer Volksinitiativen, nicht die Ausländer.

    Arme Schweiz.

    43 21 Melden
  • Pond 27.01.2016 18:24
    Highlight Fehlt ja nur noch der Hinweis, dass wir mit Messer und Gabel essen und WCs benutzen. Ich werde so einen Flyer auf mir tragen. Sollte mich ein Mann belästigen, wird der Flyer ihn zur Besinnung bringen.
    35 5 Melden
  • Der Beukelark 27.01.2016 18:20
    Highlight Eine gute Sache, aber muss natürlich unbedingt in anderen Sprachen verfügbar sein. Wenigstens Arabisch, Persisch und Englisch hätte man gleich dazu nehmen können.
    21 3 Melden
  • TwoFiveOne 27.01.2016 18:15
    Highlight "Gewalt gegen Kinder ist strengstens verboten"

    Schön, wenn das tatsächlich so wäre. In der Schweiz sind nicht wiederholte bzw. nicht massive Tätlichkeiten gegen die eigenen Kinder sind noch immer durch das "Züchtigungsrecht" gerechtfertigt.
    16 12 Melden
  • Züzi31 27.01.2016 18:02
    Highlight 1. Aprilscherz... Watson hat euch alle veräppelt.
    14 3 Melden
  • Rendel 27.01.2016 17:33
    Highlight Lol, Benimmregeln auf Deutsch, 4000 Stück. Die Sprachkurse müssen echt top sein, die sie für Asylsuchende anbieten.
    46 4 Melden
  • demokrit 27.01.2016 17:33
    Highlight Grundsätzlich gut, dass neben dem Deutschunterricht auch etwas Sittenlehre einfliesst. Täte wohl auch allen Schweizern gut. Der Flyer ist aber eher peinlich. Hoffentlich wird er tatsächlich in die Muttersprachen übersetzt, das Deutsch ist bei einem Deutsch-Vokabular von ca. 150-250 Worten viel zu unverständlich für die Adressaten, insofern: Hauptsache Aktionismus. Was aber typisch für den CVP-Populisten Guido Graf ist.
    24 10 Melden
  • TobiWanKenobi 27.01.2016 17:11
    Highlight Denken die Behörden tatsächlich, diejenigen, die sich so daneben verhalten, wissen nicht, dass ihr Benehmen nicht rechtmässig ist bei uns? Mal ganz abgesehen davon, dass ein Grossteil dieses Verhaltens in ihrem eigenen Heimatland genauso wenig erlaub oder erwünscht ist, sind die doch viel besser über die Regeln und Konsequenzen hier informiert, als man vielleicht denken würde. Der Punkt ist, dass sie genau wissen, ihnen kann hier nichts geschehen. Viel zu verlieren haben sie bekanntlich ja nicht mehr.
    27 16 Melden
  • Kookaburra 27.01.2016 16:56
    Highlight Die Deutschen stellen ja schon die grösste Ausländergruppe in der Schweiz, aber sind diese wirklich diesbezüglich das Problem?

    Die Broschüren sollen unbedingt in weitere Sprachen übersetzt werden, das könnte uns sonst rassistisch ausgelegt werden:)
    37 4 Melden
  • tomtom1 27.01.2016 16:53
    Highlight Hätte die Frauen in Köln doch auch so ein Flyer gehabt um sich zu wehren.
    47 9 Melden
  • Jaing 27.01.2016 16:47
    Highlight Wenn die Täter von Köln diese Regeln gekannt und so ein Flugblatt gehabt hätten, so wäre das sicher alles nicht passiert.
    28 9 Melden
  • Angelika 27.01.2016 16:31
    Highlight Hm. Manche Hiesige könnten sich den Flyer auch mal ansehen...
    55 17 Melden

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