Schweiz

Auch Google und Apple basteln an einem Auto, das von einem Computer gesteuert wird. Hier eine Skizze eines Google-Autos.  Bild: EPA/Google

Der Bund möchte den Weg für selbstfahrende Autos freimachen

Autos, die von Computern gesteuert werden, sind momentan in der Schweiz nicht zugelassen. Dies könnte sich bald ändern. Doris Leuthard zeigt sich gegenüber einer Teststrecke offen. Indes ist ein Experte besorgt über den Verkehr der Gegenwart und warnt vor einem Verkehrskollaps. 

08.03.15, 03:33 08.03.15, 08:33

Die Autobranche verkündet am Genfer Salon Rekordverkäufe. Und in der Zukunft wird sich die Autoindustrie radikal verändern: Alle grossen Hersteller forschen an Autos, die nicht mehr vom Menschen, sondern vom Computer gesteuert werden. Die Industrie sei «in wenigen Jahren bereit», sagt Morten Hannesbo, Chef der Amag (u. a. VW und Audi), gegenüber der Schweiz am Sonntag

Doch heute verunmöglicht das Verkehrsrecht selbstfahrende Autos: Das Gesetz verlangt, dass der Führer «das Fahrzeug ständig beherrschen» muss und das Lenkrad «nicht loslassen» darf. Diese Vorschrift könnte bald aufgeweicht werden, wie die Zeitung schreibt. Beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) bestätigt man die Pläne: «Das ASTRA überprüft aktuell, ob und inwiefern das geltende Recht angepasst werden muss im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Assistenzsysteme, die immer mehr Fahrerfunktionen übernehmen.» Es gehe um Fragen der Haftpflicht und der Ausbildung der Fahrer. 

Doris Leuthard am Autosalon in Genf. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Noch verhindert das Wiener Übereinkommen über den Strassenverkehr, an das die Schweiz gebunden ist, eine «Legalisierung» des automatisierten Fahrens. Doch das Abkommen wurde soeben revidiert und tritt voraussichtlich 2016 in Kraft; es würde eine Anpassung der nationalen Gesetzgebung an die neuen Technologien ermöglichen. 

Verkehrsministerin Doris Leuthard zeigt sich gegenüber dem «smart drive» aufgeschlossen. Sie sagt zwar: «Es müssen Fragen der Sicherheit, der Haftung und der Verkehrsregeln geklärt werden.» Aber: «Was in den USA demonstriert wurde, sollte doch auch in Europa möglich sein.» Leuthard regt eine Teststrecke an.

Ford-Schweiz-Chef Paul Fratter wünscht sich, dass die Schweiz bei der Gesetzgebung vorangeht: «Sie könnte eine Pionierrolle übernehmen», sagt er. Offen ist auch der TCS-Vizepräsident Thierry Burkart: «Das ist ein wichtiges Zukunftsthema.» Allerdings müsse die Sicherheit im Vordergrund stehen, und bei selbstfahrenden Autos müsse die Haftung beim Hersteller und nicht mehr beim Führer liegen.

Auto-Schweiz-Chef warnt vor Verkehrskollaps

Zurück in die Gegenwart und zum Autosalon in Genf. Ausgerechnet dem Direktor der Importeur-Vereinigung Auto Schweiz bereiten die Rekordverkäufe Sorgen. «Bald stehen wir auch nachts ständig im Stau», sagt Andreas Burgener zu Sonntagsblick. Die Massnahmen des Bundes seien «zu wenig gegen unser enormes Stauproblem». 

Die schönste Bildergalerie des Autosalons von Genf 2015

Burgeners Vision: doppelstöckige Autobahnen. Die neuen Strassen sollen alle technischen Voraussetzungen für Fahrzeuge bieten, «die autonom fahren und Routen so berechnen, dass Stau gar nicht erst entsteht».

Von einem Ingenieur liess er bereits Skizzen seiner Vision anfertigen. Nah- und Schwerverkehr sollen die bestehenden Strassen nutzen. Eine Etage höher rollt der Transitverkehr. Technisch sei dies schon heute möglich, auch die Finanzierung realistisch. Evi Allemann, SP-Nationalrätin und Zentralpräsidentin VCS, widerspricht: «Doppelstöckige Autobahnen lösen das Stauproblem nicht, sondern verschärfen es.» Wer Strassen baue, generiere mehr Verkehr – und in der Folge auch mehr Stau. (feb)

Autosalon Genf Lamborghini Legs

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 08.03.2015 11:26
    Highlight Und wer haftet im Falle eines Unfalls?
    3 4 Melden
    • STJEREM 08.03.2015 13:51
      Highlight Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen?

      "Allerdings müsse die Sicherheit im Vordergrund stehen, und bei selbstfahrenden Autos müsse die Haftung beim Hersteller und nicht mehr beim Führer liegen."
      2 0 Melden
    • EvilBetty 09.03.2015 08:46
      Highlight Das habe ich dann wohl überlesen.
      1 0 Melden
  • Der Tom 08.03.2015 10:18
    Highlight Das wird leider nicht so schnell gehen. Viele wollen ja sogar noch eine Handschaltung. Sportlich fahren usw... Diese Generation muss zuerst aussterben.
    9 4 Melden
    • Jol Bear 08.03.2015 11:51
      Highlight Vielleicht sind wir bei der Vision des computer- resp. ferngesteuerten Bundesrates bereits etwas weiter fortgeschritten als beim Auto...
      4 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.12.2015 14:29
      Highlight ich vermute, was der bürger will wird ziemlich egal sein: die versicherungsprämie fürs selber fahren wird vrmtl ins unendliche gesteigert, bis es sich niemand mehr leisten kann... :-/
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2015 07:41
    Highlight Find ich ja eigentlich eine coole Idee. Warum aber nicht vorgängig ein Projekt schaffen, das alle Zug- und Tramfahrer überflüssig macht, die ja nur gasgeben oder bremsen müssen, bevor man sich an die Königsklasse macht?
    6 6 Melden
    • khargor 08.03.2015 13:27
      Highlight Führerlose Bahnen gibt es schon länger und sind v.a. im Nahverkehr anzutreffen (Metro Kopenhagen, DLR in London).
      1 0 Melden
    • Toto 08.03.2015 13:36
      Highlight Das gibt es schon im Metro von Lausanne von Ouchy bis Epalinges!
      1 0 Melden
    • blueberry muffin 08.03.2015 13:58
      Highlight Weil es das schon gibt. Selbst Flugzeuge fliegen praktisch nur noch per Autopilot.
      1 0 Melden

Kinderarbeit für Handys, Autos und PCs – diese Konzerne profitieren

Weitere Digital-News im Überblick:

Führende Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony, aber auch Autokonzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen profitieren nach Angaben von Amnesty International weiterhin von Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo.

Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation mit dem Titel «Time to recharge» (Zeit zum Wiederaufladen) hervor.

Bei allen Unternehmen mangele es an Transparenz. Deshalb bestehe die Gefahr, dass …

Artikel lesen