Schweiz

Bundesstrafgericht verurteilt Datendieb Hervé Falciani zu fünf Jahren Haft

27.11.15, 14:22 27.11.15, 14:37

Herve Falciani
Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Sein Stuhl blieb während der gesamten Verhandlung leer, einem Urteil konnte sich Herve Falciani jedoch nicht entziehen. Am Freitag verurteilte das Bundesstrafgericht in Bellinzona den ehemaligen Informatiker der Bank HSBC zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Das Gericht befand ihn des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes schuldig. Von den weiteren Vorwürfen, darunter Verletzung des Geschäftsgeheimnisses, wurde er freigesprochen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil hinter der Forderung der Bundesanwaltschaft zurück, die eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für angemessen gehalten hatte. Die Verteidigung hatte eine bedingte Freiheitsstrafe gefordert.

In der Hauptverhandlung hatte die Frage dominiert, ob Falciani ein ehrenhafter Whistleblower oder ein gewissenloser Datendieb sei. Es konnte zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass sich Falciani für die Übergabe von gestohlenen Kundendaten auch bezahlen liess.

Allerdings könne der Informatiker schon aufgrund der kriminellen Aktivität und dem Wert der verratenen Geheimnisse wegen wirtschaftlichem Nachrichtendienst verurteilt werden, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Carlo Buletti, in der Verhandlung.

Die Verteidigung dagegen hatte die Sicherheitslücken bei der ehemaligen Arbeitgeberin Falcianis, der Genfer HSBC Bank, ins Feld geführt. Man habe es nicht mit einem Spion zu tun, der versucht habe, Codes zu knacken um an Daten zu kommen, sagte der Verteidiger in der Hauptverhandlung.

Der Prozess fand ohne den Angeklagten statt. Obwohl die Schweiz Falciani einen «Passierschein» angeboten hatte, verzichtete der Angeklagte - er ist französisch-italienischer Doppelbürger - auf eine Reise nach Bellinzona. Der Prozess hatte deshalb Mitte Oktober vertagt werden müssen.

In Frankreich und Italien kann sich Falciani frei bewegen. Das Urteil kann an das Bundesgericht weitergezogen werden. (sda)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Chávez-Clan bunkert Schmiergelder in der Schweiz

Die Entourage des früheren venezolanischen Präsidenten hat laut US-Justiz Millionen bei der Credit Suisse versteckt. Das ist kein Zufall. 

Der Krisestaat Venezuela ist eines der korruptesten Länder der Welt. Seit 2004 sind alleine vom staatlichen Ölkonzern 10 Milliarden Dollar schwarz abgeflossen.  

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, ist ein Teil davon in der Schweiz gelandet. Eine Gruppe von Cheffunktionären des sozialistischen Regimes von Hugo Chávez eröffnete demnach 2011 neun Konten bei der Credit Suisse. 

Darauf sollen sie laut einer US-Anklageschrift über 27 Millionen Dollar an Schmiergeldern auf diese …

Artikel lesen