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ARCHIV --- ZUR EINREIHUNG DER POSTFINANCE IN KATEGORIE 2 IM US-PROGRAMM STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Logo der Post bei der Poststelle am Baerenplatz in Bern, aufgenommen am 16. Juli 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
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Postfinance-Angestellte trugen im Schnitt der letzten fünf Jahre ein Vielfaches zum Betriebsgewinn des Postkonzerns bei als Postautofahrer oder Postboten. Bild: KEYSTONE

Wertschöpfung im Vergleich

Warum für Post und Migros nicht alle Angestellten gleich wertvoll sind

15'844 Franken ein Briefträger, 14'233 Franken ein Postautofahrer, 165'946 Franken ein Postfinance-Banker - so unterschiedlich viel tragen die einzelnen Berufsgruppen bei der Post pro Kopf zum Betriebsgewinn bei. Eine Analyse zur Wertschöpfung bei den Traditionsunternehmen Post und Migros.

11.07.14, 04:44 11.07.14, 10:25

Thomas Schlittler / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Sie sitzt jeden Morgen an der Migros-Kasse. Die Schlange der zahlenden Morgenmuffel scheint nicht enden zu wollen – und trotzdem grüsst sie jeden Einzelnen mit einem herzerwärmenden Lächeln. Und wenn mal wieder einer vergessen hat, sein Gemüse zu wägen, steht sie zügig auf und holt das nach – ohne bösen Blick. Doch egal, wie gut sie ihren Job als Kassiererin macht: Sie ist für die Migros-Gruppe trotzdem 15 Mal weniger wert als eine Angestellte der Migrosbank – zumindest rein finanziell.

Ähnlich geht es den Postautofahrern und den Postboten: Auch sie haben deutlich weniger Anteil am Betriebsgewinn des Postkonzerns als ein Kundenberater bei der Postfinance. In den letzten fünf Jahren trugen die Angestellten der Postfinance im Schnitt 165'946 Franken pro Kopf zum Betriebsgewinn bei. Ein Postautofahrer lediglich 14'233 Franken, ein Postbote 15'844 Franken.

Der Markt bestimmt die Renditen

Dass unterschiedliche Branchen unterschiedlich hohe Renditen erzielen, ist nichts Neues. Bei Post und Migros stechen die extremen Unterschiede aber besonders ins Auge, weil diese Unternehmen verschiedene Branchen in sich vereinen: Bei der Postfinance arbeiten acht Prozent aller Angestellten des Postkonzerns – diese waren letztes Jahr für 60 Prozent des Betriebsgewinns verantwortlich. Bei der Migrosbank sind zwei Prozent aller Angestellten der Migros-Gruppe beschäftigt – sie erwirtschafteten ein Viertel des Betriebsgewinns.  

Sowohl die Postfinance als auch die Migrosbank bieten eher konservative Finanzprodukte an. Eine Festhypothek bei diesen Instituten unterscheidet sich kaum von einer Festhypothek einer anderen Bank. Im Gegensatz zu einem Pharmaunternehmen, das – im besten Fall – hochinnovative, einzigartige Produkte auf den Markt bringt, differenzieren sich die Angebote der Finanzinstitute nur in Details. Wieso sind die Renditen in der Finanzbranche trotzdem viel höher als in anderen Branchen? Peter Leibfried, Leiter des Lehrstuhls für Audit und Accounting an der Uni St. Gallen: «Die höheren Renditen im Finanzbereich sind eine Folge des freien Marktes. Wenn eine Bank einen Fixkredit vergibt, hat sie das Risiko, Verluste einzufahren, sobald die Marktzinsen in die Höhe schiessen. Deshalb erwarten Investoren höhere Renditen, wenn sie in Banken investieren – und die Konsumenten akzeptieren höhere Gewinne der Banken.» 

ZU DEN UMSATZZAHLEN 2013 DER MIGROS-GRUPPE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Eine Kundin mit einem Einkaufskorb nimmt ein Produkt aus dem Kuehlregal, aufgenommen am 5. Maerz 2013 in der Migros-Filiale in Baden. (KEYSTONE/Gaetan Bally) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Bild: KEYSTONE

Anders im Detailhandel: Dort sind die Risiken gemäss Leibfried geringer – denn gegessen werde immer. «Auch in der Grundversorgung mit Postleistungen sind die Risiken geringer. Schliesslich ist es höchst unwahrscheinlich, dass plötzlich keine Güter mehr verschickt werden», so Leibfried. Das führe dazu, dass die Renditen in diesen Branchen tiefer seien. 

Überrenditen durch Vertrauen?

Ob die Risikoeinschätzung der Märkte richtig ist, kann niemand abschliessend sagen. Leibfried hält es aber für möglich, dass Finanzinstitute wie die Migrosbank oder Postfinance in den letzten Jahren Überrenditen erwirtschaftet haben: «Das kommt daher, dass diese Institute sehr viel Vertrauen geniessen.»

Post und Migros wollen von Überrenditen nichts wissen. Beide sagen, dass sie «marktübliche, vernünftige» Renditen hätten. Auf die Frage, wieso sie sich im Finanzbereich nicht mit ähnlich tiefen Margen zufrieden geben wie in den anderen Geschäftsbereichen, verweist die Post auf die Zielsetzungen des Bundesrats. Denen zufolge muss die Post «in allen Geschäftsfeldern eine branchenübliche Rendite erzielen».

Die Migros wiederum sagt, dass ihre Hypothekar- und Privatkreditzinsen im Branchenvergleich zu den günstigsten zählten. «Als genossenschaftlich geprägte Bank misst die Migrosbank der Gewinnmaximierung nicht die höchste Priorität bei.» (trs)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 11.07.2014 12:17
    Highlight Eigentlich ist das normal, wenn man in unterschiedlichen Geschäftsfeldern operiert, dass die Marge und Rendite pro Mitarbeiter unterschiedlich hoch ist. Dass sich da auch das Salärniveau daran ausrichtet ist auch nicht ungewöhnlich, wenn man noch weitere Faktoren mit einbezieht. Aber ich würde nicht von wertvollen Mitarbeitenden im Zusammenhang mit der Rendite sprechen, weil alle Mitarbeitende als leistende Menschen gleich wertvoll sein sollten. Und ob Mitarbeitende in Sektoren mit hoher Rendite auch den Unternehmenswert steigern, muss noch bewiesen werden. In Krisenanfälligen Bereichen schwankt die Rendite erheblich und das Risiko ist höher. Eine stabile Geschäftsentwicklung ist für den Unternehmenswert, der ja auch von der zu erwartenden Zukunft abgeleitet wird (und noch andere Faktoren) wichtig.
    1 1 Melden
  • Riccardo 11.07.2014 10:48
    Highlight Die Post mit der Migros zu vergleichen finde ich etwas unpassend. Die Migros ist eine privatrechtliche Genossenschaft, wo hingegen die Post ein Betrieb des Bundes ist (staatlich). Privatrechtliche Unternehmen verfolgen andere Ziele als staatliche Unternehmen. Ich denke die Post verfolgt entweder die falsche Strategie, oder sollte privatisiert werden.
    0 1 Melden
    • Zeit_Genosse 11.07.2014 12:08
      Highlight Es wird Post mit Post und Migros mit Migros verglichen. Innerhalb dieser grossen Firmen gibt e s unterschiedliche Divisionen mit unterschiedlichen Lohnniveaus.
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    • Riccardo 11.07.2014 13:16
      Highlight Das ist absolut legitim. Wenn man von Firmen redet stellt sich mir aber die Frage warum die Post noch vom Bund getragen wird. Die Strukturen der Post sind fast identisch mit privatwirtschaftlichen Organisationen.
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