Schweiz
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Interview mit Oskar Kämpfer

«Ich stelle fest, dass wir im Baselbiet ein starkes Gefühl für Heimat und Vaterland haben»  

Es ist ein guter Tag für das Komitee «Pro Baselbiet» und dessen Chef Oskar Kämpfer. Die gescheiterte Kantonsfusion zeige den Selbstbestimmungswillen des Kantons Baselland. Beziehungsprobleme mit Basel-Stadt gebe es keine.

28.09.14, 14:32 28.09.14, 15:00

Herr Kämpfer, keine einzige Baselbieter Gemeinde hat der Fusionsprüfung zugestimmt. Nicht einmal der Speckgürtel um Basel. Sind Sie etwas überrascht?  
Oskar Kämpfer: Nein. Eigentlich nicht. Wir haben unser überparteiliches Komitee Pro Baselbiet im September 2012 gegründet, als wir gesehen haben, was da auf uns zukommt. Wir konnten gute Leute gewinnen. Ältere, die die Geschichte der Fusionsdiskussion kennen, und jüngere Leute, um die Kontinuität gewährleisten zu können, falls wir diese Abstimmung verloren hätten. Das ist glücklicherweise nicht passiert.  

«Wir konnten den Stimmbürgern klar machen, dass es nicht nur darum geht, ob wir nachher noch ein eigenes Nummernschild haben und ob Liestal oder Basel Hauptstadt ist.»  

Dennoch: In den stadtnahen Gemeinden hat man eher mit einem Ja gerechnet. Warum ist das nicht eingetreten?  
Wir waren präsenter auf der Strasse, näher bei den Leuten. Ich denke, wir konnten klar machen, dass es nicht nur um die reine Frage der Kantonsfusion geht, sondern um das föderalistische Modell grundsätzlich. Es gibt 15 Kantone, die kleiner sind als der Kanton Basel-Land und für diese wäre ein Ja zur Fusionsinitiative ein Präjudiz gewesen.  

Vielleicht wäre auch für diese Kantone eine Fusion sinnvoll?  
Wie gesagt: Es geht um die grundsätzliche Frage, ob man das System der föderalistischen Demokratie beibehalten will oder nicht. Ob man die Regierung nahe an der Bevölkerung oder zentralistischer haben will. Das wollen wir nicht. Und wir konnten den Stimmbürgern auch klar machen, dass es nicht nur darum geht, ob wir nachher noch ein eigenes Nummernschild haben und ob Liestal oder Basel Hauptstadt ist.  

«Wir waren präsenter auf der Strasse, näher bei den Leuten», erklärt Pro-Baselbiet-Komitee Gründer Oskar Kämpfer seinen Sieg.  bild:  baselland.ch

Zur Person

Oskar Kämpfer ist der Gründer des Komitees «Pro Baselbiet». Der SVP-Parteipräsident von Basel-Landschaft hat sich vehement gegen eine Fusion der beiden Basel gewehrt. Mit seiner Politik setzt sich der 61-Jährige für Kaufkraftsteigerung durch Steuersenkungen und gegen hohe Kosten in den Sozialwerken ein. (rar)

51 Prozent der Stimmberechtigten in Basel-Land leben im Unterbaselbieter Speckgürtel um die Stadt Basel. Sie haben doch dort intensiveren Abstimmungskampf betrieben.  
Ja, ich gebe es zu. Und es freut mich, dass es funktioniert hat, denn dort leben ja viele Heimwehbasler, die vielleicht Ja gestimmt hätten, wenn wir sie nicht erreicht hätten. Aber ich stelle insgesamt fest, dass wir im Baselbiet ein starkes Gefühl für Heimat und Vaterland haben.  

«Die KMU-geprägte Baselbieter Wirtschaft ist anfälliger auf föderalistische Argumente.»

Im Umkehrschluss hiesse das, die Stadtbasler hätten das nicht?  
Nein, das will ich damit nicht sagen. Der Lokalpatriotismus ist ja auch in Basel ausgeprägt. Aber die wirtschaftliche Struktur ist eine andere. Die KMU-geprägte Baselbieter Wirtschaft ist anfälliger auf föderalistische Argumente. In der Stadt sind die Leute eher angestellt in Grossfirmen und sind eher damit einverstanden, dass Grossfirmen oder der Staat Verantwortung übernehmen sollen. Ich meine das gar nicht wertend. Das sind in der Stadt und auf dem Land verschieden gewachsene Strukturen.  

«Wir werden insofern kein Problem haben, mit der Stadt weiterzuarbeiten.» 

Nun müssen die beiden Kantone auch nach dieser klaren Ablehnung von Basel-Land zusammenarbeiten. Wie gehen Sie auf die Städter zu?  
Das Resultat zeigt keine Ablehnung der Baselbieter gegen die Stadt, sondern ist eine Demonstration des Selbstbestimmungswillens der Baselbieter. Wir werden insofern kein Problem haben, mit der Stadt weiterzuarbeiten. Wir werden weiter auf Augenhöhe mit der Stadt die gemeinsamen Projekte weiterführen und ganz genau schauen, wo das Gleichgewicht stimmt und wo nicht. Auch die angrenzenden Bezirke wie das Fricktal und das Schwarzbubenland müssen einbezogen werden. Beispielsweise bei der Spitalplanung . Es geht nicht, dass die Stadt für sich in Anspruch nimmt, diese Themen zu besetzen und die angrenzenden Regionen zu vernachlässigen. 



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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staal 28.09.2014 18:50
    Highlight In BL waren sie im Denken immer schon rückständig. Von der Infrastruktur in BS profitieren und selber überfordert in Sachen Finanzen, Straßenbau oder Pflege
    5 6 Melden
  • DukeOfMarlborough 28.09.2014 15:41
    Highlight Ein Gedankeninput:

    Ich empfinde vieles als Systemschmarozerei. Ich gebe zu, ich weiss nicht wie der Sachverhalt im Details aussieht, jedoch profitieren sicherlich (zu)Viele von den Stadt-Vorteilen. BS sollte da mehr die hohle Hand bieten. Wer bezahlt immerhin die ganze öffentliche Infrastruktur mit Steuergeldern? Oder wo befinden sich die hohen Lehranstalten der Region? Wer finanziert diese grösstenteils?

    Cheers
    7 5 Melden
  • Le_Urmel 28.09.2014 15:07
    Highlight Das Baselbiet hat nun 2 mal hintereinander die Fusion abgelehnt. Als Städter muss nun sagen.... einverstanden demokratische Entscheidungen sollte man akzeptieren und seien wir ehrlich, dass Baselbiet hinkt der Stadt in allem hinterher ausser beim Steuersatz, Krankenkassengebühren und ProKopfverschuldeng (bei den Heutigen Zinen vernachlässigbar. Aber BL ist auf dem Weg der Deindustralisierung, heterogen, zentralistisch, defizitär, zerstritten, perspektivlos, sehr konservativ, sie wollen keine Fusion und sie können ihre Probleme nun selber lösen wie in den letzen Jahren, nämlich gar nicht
    6 9 Melden
    • Edprob1 28.09.2014 15:52
      Highlight Ja ja...... nur weiterträumen, in diesem Kanton BS. Defizit?,die neuesten Zahlen von BS sagen etwas anderes..
      BS ist und bleibt ein 3-A Kanton.
      2 2 Melden
    • Le_Urmel 28.09.2014 16:16
      Highlight Die Zahlen sind Schätzungen für 2015 und damit liegt diese Schätzung auch noch immer unter der von BL, die in den letzen 6 Jahren immer ein defizitäres Budget gehabt haben im scharfen Gegensatz zu BS. Aber in BL können sie gerne weiter von unten nach oben finanzieren (rein geografisch betrachtet)
      4 3 Melden

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