Schweiz
Guten Tag!
Watson wird soeben von unserem aussergewöhnlich attraktiven und intelligenten IT-Team modernisiert und ist deshalb zur Zeit nur eingeschränkt verfügbar. Das dauert nicht lange, versuch es bitte in ein paar Minuten nochmals.
Vielen Dank!

Der diebische Greifvogelfedern-Sammler muss hinter Gitter

05.07.17, 17:48

Ein Greifvogel-Federn-Sammler, der jahrelang in Museen europaweit Federn und Flügel aus Magazinen gestohlen und Millionen-Schaden hinterlassen hat, muss hinter Gitter: Das Strafgericht Basel-Stadt brummte ihm am Mittwoch drei Jahre auf.

Der heute knapp 45-jährige Schweizer, zuvor unbescholtener Gemeindeangestellter im Mittelland, hatte ab 2005 in Naturhistorischen Museen in Basel, Neuenburg, Wien, München, Stuttgart, Frankfurt und Berlin Sammlungsmagazine besucht und dort Stücke für seine Privatsammlung mitlaufen lassen. Neben Federn riss er Präparaten ganze Flügel aus.

Weil der gelernte Bauingenieur mit seiner langjährigen Leidenschaft für Greifvögel-Federn auch einiges Expertenwissen erworben hatte, hatten ihm die Museen vertraut. Er stellte auch eine Fachpublikation in Aussicht. Erst als 2012 in Berlin Beschädigungen auffielen, flog er auf. Die Polizei beschlagnahmte seine über 10'000 Federn grosse Sammlung in seiner Wohnung.

Den Wert seines Diebesgutes bezifferte die Anklage aufgrund von Museumsinformationen auf fast 430'000 Franken. Den Sachschaden bezifferte sie derweil auf gegen sechs Millionen, weil manche irreparabel beschädigten Objekte von ausgestorbenen Arten stammen oder über hundert Jahre alt sind.

Schuldspruch

Das Dreiergericht sprach den kriminellen Sammler des gewerbsmässigen Diebstahls und der mehrfachen qualifizierten Sachbeschädigung mit grossem Schaden schuldig. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe muss er eines verbüssen; zwei werden auf Bewährung ausgestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf vier Jahre plädiert, der Verteidiger auf eine bedingte Strafe von maximal zwei Jahren.

Die Schadenersatzforderungen der betroffenen Museen wurden im Grundsatz zwar gutgeheissen. Aber wegen der Komplexität der Bewertung, die wohl zusätzliche Expertisen erfordere, hat sie das Gericht zumeist auf den Zivilweg verwiesen.

Im Prozess hatte der Hobby-Ornithologe rückblickend Reue gezeigt - damals habe er aber den Schaden seines Tuns nicht wahrnehmen wollen. Auf der Suche nach dem Grund sei er in einer Psychotherapie. Die Objekte seien übrigens teils auch vor den Diebstählen in schlechtem Zustand gewesen, mit Frassspuren oder Schusslöchern.

Auf die Idee, Museen heimzusuchen, um seine Sammlergelüste zu befriedigen, hatte den 45-Jährigen ein Kollege gebracht: Dieser heute 44-Jährige Schweizer, ebenfalls davor unbescholtener Gemeindeangestellter im Mittelland, hatte seit 1996 aus Magazinen Federn gestohlen. 2005 hörte er auf, nachdem er in Basel auf Schäden angesprochen wurde - vorerst folgenlos. Delikte vor 2005 sind indes verjährt.

2012 flog der 44-Jährige zusammen mit dem 45-Jährigen auf; auch seine Privatsammlung mit über 17'000 Federn diverser Vögel wurde beschlagnahmt. Das Basler Strafgericht sprach den 44-Jährigen nun der mehrfachen Hehlerei schuldig, aber frei von den Vorwürfen des Diebstahls und der Sachbeschädigung.

Der 44-Jährige bekam dafür 15 Monate bedingt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf 20 Monate bedingt plädiert, sein Verteidiger auf Freispruch.

Die bestohlenen Museen wollen die beschlagnahmten Stücke ihren Magazinen zuordnen und zurückführen, wie Vertreter vor Gericht ankündigten. (sda)

Im Namen des Rechts: Diese Justizfälle haben die Schweiz bewegt

«Er ist unschuldig?» – wie Luanas Traum von der Freiheit vor dem Aargauer Obergericht jäh platzte

Kondome, Viagra, Medienstelle: Der «Rollstuhl-Bomber» erzählt vor Gericht krude Romane

«Wir sind durch die Hölle gegangen» – Das sagt der Schlieremer Polizist zum Bundesgerichtsentscheid

«Fall Walker»: Das Obergericht übt sich in Schadensbegrenzung

Eine lesbische Liebe, Kokain-Sucht und Salmiakgeist, 12 Prozent: Der Mordprozess Hochweid

Carlos vor Gericht: Ein schweigender Trötzler

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Drei neue Hochhäuser und einen Stadtpark: Herzog & de Meuron bauen in Basel  

Ein neues Stadtquartier mit Hochhäusern und grosszügigen Freiräumen soll im Teilgebiet Nordspitze auf dem Dreispitz-Areal im Süden von Basel entstehen. Dies schlägt das städtebauliche Konzept von Herzog & de Meuron vor, das den Studienauftrag gewonnen hat.

Der Entwurf der Basler Architekten Herzog & de Meuron stellt gemäss den Juroren einen beispielhaften Beitrag zur qualitätsvollen Verdichtung dar, wie es in einer Mitteilung der Planungspartner Christoph Merian Stiftung (CMS) als Eigentümerin, Migros als Hauptnutzerin sowie des Kantons Basel-Stadt vom Dienstag heisst. Zum Studienauftrag eingeladen worden waren sechs Architekturbüros.

Genutzt werden soll das Areal durch Gewerbe, Verkauf, Gastronomie, Bildung und Freizeit. Zudem soll der Mix aus …

Artikel lesen