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Flixbus: Eigentlich dürften die Leute am Bahnhof in Basel nicht aussteigen, sie tun es trotzdem.  Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Der Erfolgsfirma Flixbus droht eine saftige Busse

Das Rekordjahr von Flixbus wird von einem Verfahren überschattet. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass das Fernbus-Unternehmen verbotene Beförderungen innerhalb der Schweiz durchführt, muss es mit einer saftigen Busse rechnen.

09.02.17, 05:59 09.02.17, 06:57

Noemi Lea Landolt / bz Basel



Es läuft rund für die grünen Fernbusse von Flixbus. Allerdings nur, was die Zahlen betrifft. Diese Woche verkündete das deutsche Unternehmen, dass es letztes Jahr so viele Gäste wie noch nie herumchauffiert hat. Basel ist mit einem Fahrgast-Zuwachs von 300 Prozent ganz vorne dabei.

Die beliebtesten Reiseziele seien München und Freiburg. Aber auch die Tickets vom Euro-Airport nach Zürich dürften sich verkaufen. Die Fahrt kostet zwölf Franken – dreimal weniger als ein Zugbillett ohne Halbtax (siehe Tabelle unten).

Absolute Zahlen über verkaufte Tickets will Flixbus der Konkurrenz nicht verraten. Dafür kündigt das Unternehmen an, die Anbindung nach Österreich und Frankreich dieses Jahr auszubauen.

Preisvergleich in Franken

Passagiere steigen trotz Verbot aus

Aber ganz so rund wie die Mitteilung vermuten lässt, lief es für Flixbus nicht. Vor Kurzem deckte der deutsche TV-Sender RTL in einer Undercover-Recherche auf, dass die Fahrer übermüdet sind und zu Dumpinglöhnen arbeiten.

Auch in Basel ist Flixbus umstritten: Seit letztem Jahr hat das Unternehmen in der Schweiz zudem ein Verfahren am Hals. Der Vorwurf: Flixbus verstosse gegen das Kabotageverbot. Dieses verbietet ausländischen Gesellschaften, ohne entsprechende Konzessionen Personen oder Waren zwischen zwei Zielen innerhalb der Schweiz zu transportieren.

Auf der Website von Flixbus kann man zwar kein Ticket von Zürich nach Basel lösen, der Bus von Zürich an den Euro-Airport macht am Bahnhof Basel aber einen Zwischenstopp. Passagiere könnten also am Bahnhof aussteigen. Der Verstoss gegen das Kabotageverbot wäre gegeben.

Flixbus: «Das wäre Nötigung»

Die Fahrer seien auf das geltende Kabotageverbot sensibilisiert, versichert Flixbus. «Aber sie können Fahrgäste nicht daran hindern, den Bus früher zu verlassen», sagt Mediensprecher Martin Mangiapia. «Das wäre Nötigung und damit klar gegen die Schweizer Gesetzgebung.» Die Fahrgäste würden durch viersprachige Aushänge in den Bussen, über Durchsagen sowie auf dem Ticket und der Buchungsbestätigung darauf hingewiesen.

Im Juni war Flixbus auch national zum Politikum geworden. Der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak wollte in einer Interpellation vom Bundesrat wissen, ob das Bundesamt für Verkehr (BAV) in Basel Kontrollen durchgeführt habe. Der Bundesrat teilte mit, das BAV habe die Kantonspolizei mit Kontrollen beauftragt, nachdem die Behörden des Kantons Basel-Stadt den Verdacht geäussert hätten, dass Flixbus verbotene Binnenbeförderungen innerhalb der Schweiz durchführe.

Die Kantonspolizei habe keine Unstimmigkeiten feststellen können, teilt das BAV mit. Trotzdem läuft gegen Flixbus ein Verfahren wegen eines Verstosses gegen das Kabotageverbot: «Es wurde aufgrund einer Kontrolle der Zollverwaltung eröffnet», sagt BAV-Mediensprecherin Florence Pictet. Es sei derzeit das erste und einzige Verfahren dieser Art in der Schweiz. Weitere Aussagen könne das BAV nicht machen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Sollte sich der Verdacht erhärten, muss Flixbus mit einer Busse von bis zu 100 000 Franken rechnen. Bei schweren Verstössen oder im Wiederholungsfall kann sogar die Genehmigung für die betroffene Strecke entzogen werden.

Die Passagiere, die verbotenerweise in der Schweiz ein- und aussteigen, müssen im Moment keine Konsequenzen fürchten: «Es besteht keine gesetzliche Grundlage gegen die Verletzung des Kabotageverbots durch einen Fahrgast», sagt Pictet. Ob künftig auch für «schwarz aussteigende Passagiere» eine Sanktionsmöglichkeit geschaffen werden sollte, sei offen.

Der Kanton Basel-Stadt will auf den wachsenden europäischen Fernlinien- und Reisebusverkehr reagieren. In einem ersten Schritt sollen die bestehenden Standorte am Bahnhof SBB und beim Badischen Bahnhof optimiert und mit zusätzlichen Halteplätzen ergänzt werden. In einem zweiten Schritt suche der Kanton einen Standort für ein Car-Terminal. «Zum Zeitplan und den Kosten können wir noch keine verbindlichen Aussagen machen», sagt Nicole Stocker, Mediensprecherin beim Basler Bau- und Verkehrsdepartements. Das werde die Machbarkeitsstudie zeigen, die für dieses Jahr geplant sei. 

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Brikne, 20.7.2017
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • acove 10.02.2017 10:47
    Highlight Ambos: Kabotage ist das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen Und nun fragedich mich, wieso soll dieses Verbot gelockert werden, oder sollen sämtliche ausländischen Transportunternehmer (Sach- oder Personentransport) ungehindert Waren oder Personen innerhalb der Schweiz aufnehmen und an einen Ort innerhalb der Schweiz transportieren dürfen. Denn genau dies verhindert das Kabotageverbot und gibt dem einheimischen Transportgewerbe eine gewisse Sicherheit. Dieses Verbot gilt übrigens in ganz Westeuropa!
    1 0 Melden
  • MaxHeiri 09.02.2017 11:01
    Highlight Haben wir nichts Sinnvolleres zu tun als sich um solche Kleinigleiten aufzuregen...
    0 7 Melden
    • Charlie Brown 09.02.2017 16:20
      Highlight ...und diese sogar noch zu kommentieren?
      2 1 Melden
  • Herr Hasler 09.02.2017 10:24
    Highlight Witzig ist auch, dass man rechtlich gegen Flixbus vorzugehen verucht, gleichzeitig aber Überlegungen anstellt, wie man deren Haltestellen - auf Staatskosten - ausbauen kann.
    19 1 Melden
  • acove 09.02.2017 09:55
    Highlight Fixbus versteckt sich sein Jahren hinter Ausreden und Notlügen und dies nicht nur was das Geschäft mit Schweizer Kunden betrifft sondern im Besonderen auch im Deutschland. Der Name Fixbus ist zwischenzeitlich arg ins Abseits geraten. Dies zeigen auch die Recherchen von RTL in Deutschland und die entsprechenden Resultate sind wohl auch auf den Verkehr mit der Schweiz anwendbar. Solange es aber "Geiz-ist- Geil" Passagiere gibt und Flixbus sich nicht an das Kabotageverbot hält ändert sich kaum etwas daran. Es sei denn dieser Firma werden nun mit einer saftigen Busse die Grenzen aufgezeigt.
    12 11 Melden
    • Amboss 09.02.2017 11:35
      Highlight Das sind nicht "Geiz ist geil"-Passagiere.
      Aber unser ÖV-Tarifsystem ist schon ein bisschen absurd: Vielfahrer quasi gratis und der volle Tarif ist wirklich unbezahlbar.
      Flixbus bietet der Hälfte der Bevölkerung, die keni Abo besitzt, eine vernünftig teure Alternative.

      Aber die aktuelle Situation ist wirklich nicht befriedigend.
      Die CH-Behörden sollten schon mehr Biss zeigen und schauen, dass die Fahrer innerhalb der Schweiz anständig bezahlt sind und die Ruhezeiten eingehalten werden.

      Und beim Kabotageverbot sollte auch eine Lösung, die "verhebt", rsp. eine Lockerung gefunden werden

      1 3 Melden
    • Einstürzende_Altbauten * 10.02.2017 09:20
      Highlight Liebe(r) acove
      Der einzige Grund, warum ich nach München den Flixbus nehme, ist die Unzuverlässigkeit der DB. Ich sass schon öfters fest. Ich drücke aber dem Fahrer ein Trinkgeld in die Hand, das mindestens dem Fahrpreis hin- und zurück entspricht (ja, das schlechte Gewissen beruhigen, ich weiss). "Geiz ist geil" ist kein Argument für mich.
      1 0 Melden
  • Li La Launebär 09.02.2017 09:19
    Highlight Das ist superscheinheilig, am Bahnhof BS anzuhalten, damit Leute zusteigen können...! Und dann noch hinterherschicken, man könne aber die Leute nicht am aussteigen hindern.
    Das ist ganz klar Vorsatz!
    Der Vergleich der Ticketpreise hinkt auch ein wenig. Man vergleicht hier immer mit dem Normalpreis! Wer vernünftig oft Zug fährt hat sowieso ein Halbtax und dann gibt es ja auch noch die Sparbillete.
    Auch international gibts mit der Bahn tolle Schnäppchen: Habegerade für Juli Berlin retour 1. Klasse für total 75 Euro gebucht. Da sitz ich dann nicht eingepfercht im Bus und kann beliebig aufstehen.
    28 12 Melden
    • Marbek 09.02.2017 09:45
      Highlight Dein Berlin-Trip tönt interessant. Verrätst du uns, wo / wie du das so günstig gebucht hast?
      9 0 Melden
    • Amboss 09.02.2017 10:08
      Highlight Die Strecke ZH-Euroairport ist eben (meistens zumindest) Teil einer Linie ZH-BS-Euroairport und weiter Richtung Norden, Frankfurt glaube ich.

      Und bezüglich Preis: Es sind gut 2.5 Mio Halbtax-Abos im Umlauf + knapp 500'000 GAs = 3 Mio
      Das heisst, es leben immer noch 2-3 Mio Leute, die kein Abo haben. Und der volle Tarif echt unbezahlbar, unser Tarifsystem ist echt absurd...
      Ich finde, statt die Fernbusse zu verteufeln sollte man sollte sie vielmehr als bezahlbare Alternative für diese 2-3 Mio Leute ohne Abo sehen. Besser ein Fernbus statt 30 Autos, nicht?
      15 2 Melden
    • Petrarca 09.02.2017 12:03
      Highlight Amboss: Und was ist mit der Strecke Hinterpfupfigen-Oberpfupfigen? Wird die künftig eingestellt, weil der staatliche ÖV auf den rentablen Strecken zu viel Geld an die "Konkurrenz" verliert und somit untentable Strecken einstellen muss? Heisst entweder das Grossi aus Hinterpfupfigen besucht nun keine Enkelkinder mehr oder bezahlt für die Busfahrt künftig etwa fünfmal mehr oder aber die Steuern gehen rauf, weil der ÖV ja von irgendwem bezahlt werden muss...
      0 0 Melden
    • Amboss 09.02.2017 13:23
      Highlight @Petra:
      Das Postauto Hinter bis- Oberpfupfingen wird durch Steuergelder bezahlt. Ich kapier nicht, weshalb sie eingestellt werden sollte, wenn die SBB im Fernverkehr Fahrgäste verliert.

      Züge und Busse sind voll. Um die Rentabilität verbessern, müsste man bei den zehntausenden GA-Besitzern, die den ÖV fast gratis nutzen, ansetzen. Nicht bei den 500 Fernbus-Plätzen zwischen ZH und BS.

      Und eben:
      Zielgruppe der Fernbusse ist doch die Hälfte der Bevölkerung, die kein Abo hat, und sonst das Auto nähme.
      Ev. kauft sie sogar noch ein ÖV-Ticket in der Stadt und bezahlt diesen so auch mit.
      0 0 Melden
    • Petrarca 09.02.2017 17:09
      Highlight Amboss: Weil mit den rentablen Strecken wie bspw Zürich-Bern Geld verdient wird, mittels welchem u.a. die unrentablen Strecken quersubventioniert werden. Weniger Einnahmen bedeuten automatisch mehr Steuergelder, die benötigt werden. Wer ein Auto hat fährt kaum Flxbus oder kann sich sonst ein Halbtax leisten. Die SBB verliert also sehr wohl Kundschaft und somit Einnahmen. Deshalb kann Flixbus ja so günstig sein: Fokus auf rentable Strecken und für CH-Verhältnisse un- bzw asoziale Löhne bezahlen. Und gleichzeitig jammert dann der Flixbusnutzer, wenn der Lohn nicht für ein SBB-Ticket reicht;)
      0 0 Melden
    • Amboss 09.02.2017 17:38
      Highlight @Petrarca:
      Ist das wirklich so, dass das Geld, dass auf der Strecke ZH-BE verdient wird, für Nebenlinien eingesetzt wird? Oder gar zum Postauto fliesst?

      Es ist doch vielmehr so, dass der Steuerzahler die Gleise bezahlt, auf denen die SBB dann Geld verdienen...
      Aber eben, die Geldflüsse lassen sich sowieso kaum nachverfolgen. Da sind so viele Player beteiligt.

      Klar benutzt derjenige, der kein Halbtax hat, das Auto, weisst du warum: Weil Zürich - Bern retour 100 CHF kostet!
      Da ist das Auto einfach günstiger.
      Klar werden die abgeschreckt.

      1 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 09.02.2017 09:03
    Highlight Schlussendlich ist es ein politischer Entscheid ob wie wir den öffentlichen Personenverkehr organisieren wollen. Schlussendlich sollte die Lösung so sein, dass der gesellschaftliche Nutzen maximal ist.
    17 0 Melden
  • Mäf 09.02.2017 08:58
    Highlight Warum fährt Flixbus denn zuerst den Bahnhof SBB Basel an? Ich sehe den Grund nicht, die Busse sind ja ausgelastet. Würde Flixbuss die Route Zürich - Euroairport - Basel SBB (und retour) fahren wäre das alles ja kein Problem. Flixbus verdient mit der Route wohl gutes Geld (mit den Leuten die am Bhf aussteigen) wobei dies auch nur mit den miserablen Arbeits- und Lohnbedingungen der Fahrer möglich ist.
    16 0 Melden
    • meine senf 09.02.2017 11:00
      Highlight Weil die Busse nicht am EuroAiport enden, sondern noch weiter nach Norden fahren.
      1 0 Melden
  • Thinktank 09.02.2017 08:11
    Highlight Das ist aber witzig. Ein SP Politiker verlangt geschlossene Grenzen und will den Freihandel einschränken. Janiak als kleiner Trump?
    10 22 Melden
  • Charlie Brown 09.02.2017 07:44
    Highlight Die Bewilligung ist abhängig von der Einhaltung der Auflagen. Wenn Flixbus diese nicht systematisch garantieren kann, ist imho die Bewilligung hinfällig.

    Grundsätzlich wäre es recht einfach. Es könnte ein Depot auf der Kreditkarte reserviert werden, welches in der Höhe der Differenz zwischen Flixbus und SBB Normalpreisticket besteht. Beim Aussteigen ausserhalb der Schweiz wird ausgecheckt und das Depot freigegeben. Problem zu 99% gelöst. Der Druck ist einfach zu wenig hoch.
    7 8 Melden
    • Charlie Brown 09.02.2017 14:03
      Highlight Hmmm... wer von den Blitzern mag mir erklären, was an meiner Idee nicht so gut ist?
      0 0 Melden
    • Einstürzende_Altbauten * 10.02.2017 09:25
      Highlight Ich mag staatliche Kontrolle und Druck grundsätzlich nicht. Deshalb ein Blitzer von mir 😉
      1 0 Melden
    • Charlie Brown 10.02.2017 10:21
      Highlight @Einstürzende_Altbauten *: OK, danke. Darf ich noch ein wenig nachfragen...

      Auch nicht, wenn es um die Gewährleistung von Mindestlöhnen und Arbeitsgesetzen geht?

      Ist deine Ablehnung eher in einer (neo)liberalen oder aus einer anarchistischen Denke begründet?
      0 0 Melden
  • Warumdennnicht? 09.02.2017 07:12
    Highlight Wieso eine Busse?
    Kann man denen kein Fahrverbot für diese Strecken geben?
    7 9 Melden

Verdächtiger Koffer ist harmlos: Grosseinsatz am Flughafen in Basel

Am Euro-Airport in Basel ist gemäss Medienberichten ein Grosseinsatz im Gange. Grund dafür ist ein verlassenes Gepäckstück in der Abflughalle. Teile des Flughafens sind derzeit geschlossen. 

Laut dem Regionalsender «Telebasel» wurde der Betrieb nach einer Stunde wieder aufgenommen. Der verdächtige Gegenstand entpuppte sich als harmlos. 

Die Passagiere müssen mit Flugverspätungen rechnen. 

Update folgt...

(ohe)

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