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Postauto-Chauffeur wehrt sich gegen betrunkenen Randalierer – Freispruch

Nach Beschimpfungen und Angriffen attackierte ein Nachtbus-Chauffeur einen betrunkenen Nachtschwärmer. Das Gericht stufte dies als erlaubte Notwehr ein.



«Strafrechtlich ist Ihnen in keiner Art und Weise etwas vorzuwerfen. Sie haben Zivilcourage gezeigt», sagte Gerichtspräsident Andreas Schröder. Der 53-jährige Chauffeur atmete sichtlich auf: Er wurde am Dienstag vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Der Mann arbeitete im Mai 2016 als Chauffeur im Nachtbus N30, der vom Bahnhof Dornach-Arlesheim nach Bretzwil fahren sollte. Kurz vor drei Uhr morgens fuhr er los, da hörte er, wie jemand gegen den Bus trat. Daraufhin hielt er noch in der Wendeschleife beim Bahnhof an und stieg aus.

bus basel

Der Chauffeur eines Basler Nachtbusses rammte einem Jugendlichen das Knie in den Magen.  symbolbild

«Wenn ich mit dem Bus nachts heimkomme, dann werde ich für den Schaden verantwortlich gemacht. Da kann ich nicht einfach sagen: ‹Ich weiss nicht, wer das war.› Wäre ich einfach weitergefahren, würde das ja auch falsche Signale aussenden», erklärte der Mann gestern vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Erst stellte er allerdings den falschen Jugendlichen zur Rede, zumal er im Rückspiegel lediglich ein helles T-Shirt gesehen hatte. Doch der tatsächliche Übeltäter mischte sich sofort ein und begann damit, den Chauffeur zu beschimpfen. Eine ganze Gruppe gesellte sich dazu.

Fahrgast versuchte noch zu schlichten

Ein Fahrgast stieg daraufhin aus und versuchte zu schlichten, erhielt allerdings von einem weiteren Jugendlichen Schläge ins Gesicht. Als der 18-Jährige den Chauffeur schliesslich daran hindern wollte, die Polizei anzurufen, rammte der Busfahrer dem 18-Jährigen das Knie in die Magengegend. «Ich habe mich lange genug zurückgenommen. Aber als ich Schmerzen hatte, musste ich ja irgendwas tun. Er hat mir den Arm verdreht. Die waren gewaltbereit und hoch aggressiv», gab der Chauffeur zu Protokoll. Ein Arztzeugnis hatte ihm eine Muskelzerrung sowie eine Schulterdistorsion bescheinigt.

«Sie standen einer ganzen Horde von alkoholisierten Jugendlichen gegenüber. Das war in der Tat eine höchst bedrohliche Situation. Für das Gericht ist eindeutig, dass Sie das Opfer waren», sagte Schröder. Auch Zeugen hätten dies bestätigt. Der stark alkoholisierte 18-Jährige ging eine Woche später ins Spital, wo er sich eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse diagnostizieren liess. Zwei Monate später stellte er Strafantrag gegen den Chauffeur. Schröder sagte dazu, dass die Erkrankung wohl eher etwas mit Fettleibigkeit und dem Alkoholkonsum zu tun habe, auch wenn ein Zusammenhang mit dem Kniestoss durchaus möglich wäre.

Postauto liess Chauffeur fallen

Staatsanwalt Pascal Pilet hatte eine bedingte Geldstrafe wegen einfacher Körperverletzung verlangt, der Chauffeur habe die Situation eskalieren lassen, auch sei ein Kniestoss keine taugliche Abwehr. «Sie haben richtig und verhältnismässig reagiert. Eigentlich ist es erstaunlich, dass man zum Schluss kommt, Sie wären schuld», meinte Schröder dazu. Der Kniestoss werde als Notwehr eingestuft. Auch die Zivilforderung des 18-Jährigen wies das Gericht ab, da es für die Forderung offensichtlich keine Grundlage gebe.

Die Postauto Schweiz AG als Betreiberin der Nachtbuslinie stellte sich nicht hinter ihren Chauffeur und riet ihm zu einem Schuldeingeständnis. Aus Enttäuschung darüber hat er gekündigt und arbeitet heute in einer anderen Firma. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig, auch der 18-Jährige kann das Verfahren noch weiterziehen. (bzbasel.ch)

Verbale Randale gibts hier …

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Video: watson/Emily Engkent, Can Kgil

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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rumbel the Sumbel 12.07.2017 17:29
    Highlight Highlight Einmal ein Urteil das gerecht ist und nicht den Täter in Schutz nimmt!
    5 0 Melden
  • ARoq 12.07.2017 10:11
    Highlight Highlight Und darunter eine Werbung für Alkoholkonsum. Tolle Leistung, Watson.
    5 2 Melden
  • mogad 12.07.2017 09:05
    Highlight Highlight Es ist nur noch traurig: Der jugendliche Angreifer denkt, er dürfe den Chauffeur zusammenschlagen ohne dafür Strafe verdient zu haben - im Gegenteil, er findet, der Chauffeur müsse für seine Gegenwehr bestraft werden. Der Staatsanwalt denkt das auch und der Arbeitgeber ebenso - er entlässt den Chauffeur! Die Gerechtigkeit hängt dabei am Seidenfaden. Ist das der Rechtsstaat oder versteh ich die Welt nicht? Ich versteh die Welt nicht, das muss es sein!
    73 4 Melden
    • grumpy_af 12.07.2017 09:15
      Highlight Highlight Fast meine Worte. Aber er wurde nicht entlassen. Er kündigte, da die Arbeitgeberin nicht hinter ihm stand.
      48 0 Melden
    • mogad 12.07.2017 09:46
      Highlight Highlight @grumpy. Danke für die Korrektur. Er hat selber gekündigt. Wir sind uns aber einig, dass das die Sache nicht besser macht!
      26 0 Melden
    • grumpy_af 12.07.2017 09:54
      Highlight Highlight Klar nicht. Es ist eine Schande für die Postauto AG.
      33 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 12.07.2017 07:17
    Highlight Highlight Sehr schwache Leistung der Postauto! Gute Tat vom Chauffeur, welche heute zu selten der Fall ist.

    Was mich noch wunder nimmt, was geschah mit dem anderen Jugendlichen, welcher den Fahrgast (der dem Chauffeur half) ins Gesicht schlug? Nichts?
    152 5 Melden
    • John Smith (2) 12.07.2017 09:53
      Highlight Highlight Falls der Chauffeur keinen Strafantrag stellte (was er offenbar nicht tat), passiert dem Jugendlichen nichts. Drohung, Nötigung, einfache Körperverletzung und Sachbeschädigung sind alles Antragsdelikte.
      20 0 Melden
    • mogad 12.07.2017 10:35
      Highlight Highlight @John. Wurde das inzw. Nicht geändert? Zumindest eilweise?
      0 0 Melden
    • axantas 12.07.2017 10:38
      Highlight Highlight Das ist dann ja direkt ein Ansporn für diese Subjekte, mit ihrem Tun fortzufahren, es passiert ja nichts. Man kann ein Antragsdelikt begehen, den Geschädigten anschliessend einklagen und kommt wohl selber ungeschoren davon.

      Irgendwas läuft da schief...
      5 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 12.07.2017 07:09
    Highlight Highlight Einfach traurig, dass die Firma nicht hinter ihrem Mitarbeiter steht!
    145 1 Melden
  • Booker 12.07.2017 06:24
    Highlight Highlight Falsche Überschrift - der/ die Jugendlichen haben angegriffen und geprügelt!
    199 1 Melden
  • Philboe 12.07.2017 06:23
    Highlight Highlight Die Enzündung hat wohl eher etwas mit Ihrer Fettleibigkeit und dem Alkoholkonsum zu tun. Ich brech ab :-D
    229 2 Melden
  • Linus Luchs 12.07.2017 06:02
    Highlight Highlight Die Postauto Schweiz AG soll sich schämen! Da zeigt ein Mitarbeiter Zivilcourage, was heutzutage viel zu selten vorkommt, geht damit ein hohes persönliches Risiko ein, und wird vom Arbeitgeber kritisiert, obwohl die Fahrgäste die Schilderungen des Chauffeurs bestätigen. Ganz schwach von der Postauto Schweiz AG.
    307 3 Melden
    • Hustler 12.07.2017 07:34
      Highlight Highlight Sehe ich genau so.
      78 0 Melden
    • Brummbaer76 12.07.2017 07:37
      Highlight Highlight Ist bei allen ÖV Betrieben so. Man will Negative Meldungen in der Presse vermeiden. Insb. 20min und das Blatt mit den grossen Buchstaben.
      Ist halt die heutige Zeit wo zuerst veröffentlicht wird, bevor der Betroffene überhaupt die Chance hat sich zu äussern. Da werden gerne Opfer zu Tätern gemacht. In zig. Kommentaren wird geschrieben was die Firma Xy doch für eine sc... Bude ist. Das alle Angestellten A...löcher sind etc. Da wird das Opfer gleich zweimal zum Opfer.
      Auch dieser Titel suggeriert das der Fahrer schuld ist.
      Leider sind die Journalisten sich ihrer Verantwortung nicht immer bewusst.
      95 1 Melden
    • mogad 12.07.2017 09:07
      Highlight Highlight @AL:BM gute Idee. Wenns ein Kontaktformular gibt, mach ich das.
      17 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Obdachlosen-Mord in Basel: «Habe gespürt, dass ich diese Person umbringen soll»

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